Hallo,
ich habe mich jetzt tatsächlich von Anfang bis Ende durch diesen Thread gelesen und möchte nach langem Überlegen jetzt doch noch etwas äußern:
Wie bereits festgestellt, die Wahrheit wissen nur die Tochter und der Stiefvater - ob die Tochter aufgrund einer psychischen Erkrankung gelogen hat oder aber die Erkrankung eine Folge von Missbrauch ist, kann hier nicht festgestellt werden.
In diesem Thread war zwischenzeitlich die Rede davon, dass manche Kinder psychisch krank geboren werden - dem muss ich widersprechen. Man wird zwar eventuell mit einer genetischen Disposition (Veranlagung) geboren, ob diese psychische Erkrankung jedoch ausbricht liegt an auslösenden Faktoren. Welche dies nun im Falle der Tochter waren erschließt sich uns aus der Ferne nicht.
Des Weiteren ist hier immer wieder von Vernichtungsaggression die Rede, der Psychologe habe dies in seiner Diagnostik so ermittelt. Hierzu muss ich leider bemerken, dass der Begriff "Vernichtungsaggression" ausschließlich im Kontext von Eugenik, Euthanasie, Darwinismus, Faschismus o.ä. angewandt wird und nicht im Kontext einer solchen Diagnostik!
Ich kann mir schlecht vorstellen, dass der Psychologe einen solchen Begriff, der immerhin an Judenvernichtung und Völkermord anknüpft zur Diagnose Deiner Tochter heranzieht.
Das wäre nicht nur unseriös sondern auch geschmacklos und unpassend - somit hätte ein solches Gutachten auch wenig Gewicht zur Entlastung Deines Mannes - was sehr schade wäre, sollte er unschuldig sein!
Dass Du Dich hier in vielen Beiträgen zu Unrecht kritisiert fühlst kann ich gut verstehen - man sucht Hilfe und bekommt statt dessen Kritik und Skepsis. Das ist natürlich enttäuschend!
Dennoch muss ich sagen, dass mir auch einige Unstimmigkeiten aufgefallen sind, die ich im Folgenden benennen möchte. Diese Unstimmigkeiten können aber natürlich vielfältige Ursachen haben und ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass diese keinerlei Beweis für Schuld oder Unschuld sind!
1) Eine auffällig hohe Zahl an Personen sind angeblich bösartig, unfähig, intrigant usw. - das kann natürlich tatsächlich Pech sein oder aber eine Frage von Projektion...... es passiert in jedem Fall schnell, dass Leser dann nach dem Eigenanteil der TE an dieser Situation fragen.
2) Die Menschen (Richter, Psychologin, Wohngruppenmitarbeiter), die der Tochter glauben, werden als unfähig hingestellt - sind sie das wirklich, oder wird die Realität hier passend gemacht? Und was ist "absolute Wahrheit"? Im Zwischenmenschlichen existieren verschiedene Wahrheiten, "DIE wahre Wahrnehmung" gibt es nicht. Und vor allem sollte man hier nicht schwarz-weiß denken, es ist z.B. auch möglich, dass z.B. einer Begebenheit etwas hinzugedichtet wird, sie im Kern aber stimmt, bzw. dass eine Lüge wahre Anteile enthält.
3) Zunächst wird dargestellt, dass es keinerlei Vorwarnung gab, die Tochter bis zu ihrem Weglaufen lieb und nett, Vorbild für den Bruder, Teil einer harmonischen Familie war. Später heißt es dann, sie habe vorher bereits mit kleinen Lügen begonnen und dem Bruder etwas SO Schlimmes angetan, dass er Angst hat und sie nicht wiedersehen möchte..... Das ist für mich widersprüchlich und kann den Eindruck erwecken, dass die Argumentation hier angepasst wurde, um der Schlechtigkeit der Tochter Nachdruck zu verleihen.
4) Dass Falschaussagen vorkommen, ist unbestritten - dass hier jedoch einige davon sprechen, dass dies eine einfache Angelegenheit ist, mit der ein Mädchen sich mal eben Vorteile verschafft, erschreckt mich. Wer sich real bzw. beruflich mit dieser Thematik auseinandersetzen musste weiß, dass der durch eine Anzeige ausgelöste Prozess für das vermeintliche Opfer alles andere als leicht - vielmehr extrem erniedrigend, verstörend und schier endlos ist. Sich darüber hinaus mit der Familie zu überwerfen und alleine da zu stehen, ist im Fall einer harmonischen Herkunftsfamilie auch nicht gerade selbstbelohnend. Sollte die Tochter also gelogen haben weist dies weniger auf bösartiges Kalkül hin, als auf eine wirklich schwerwiegende Erkrankung, eventuell mit Realitätsverlust, die dringend behandlungsbedürftig ist.
5) Eine schwere psychische Erkrankung bricht nicht aus heiterem Himmel aus, in der Regel bestehen Trigger oder zumindest ein zu beobachtender schleichender Entwicklungsprozess derselben. In diesem Zusammenhang wundert mich wiederum die Aussage, es sei alles urplötzlich geschehen. Dass Großeltern einem kleinen Kind Dinge einreden können ist unbestritten - Unterswuchungen mit Kindern haben erwiesen, dass man diesen die haarsträubendsten Geschichten einreden kann und sie diese zuletzt selbst glauben. Im Falle einer normal entwickelten Jugendlichen ist dies aber extrem unwahrscheinlich.
Aufgrund dieser Fragen empfinde ich es als nachvollziehbar, dass User Dich hinterfragen - ich denke nicht, dass Dich jemand persönlich angreifen möchte.
Was auch passiert sein mag, es ist für alle Beteiligten eine furchtbare, nicht wieder gut zu machende Situation und Du hast mein vollstes Mitgefühl. Ich wünsche Dir alles Gute und drücke die Daumen, dass der Fall nochmals aufgegriffen wird, um eben diese vielen Fragezeichen und Unklarheiten zugunsten des tatsächlichen Geschehens auszuräumen. Viel Glück!
LG