Hallo ihr Lieben!
Momentan bin ich auf der Arbeit ziemlich eingespannt, daher fehlt mir ein wenig die Zeit, um meine Geschichte in einem Rutsch niederzuschreiben. Aber heute habe ich ein wenig Luft, daher also die Fortsetzung:
Nach dem Gespräch mit der Tagesmutti folgten natürlich etliche mit meinem Mann. Nachdem ich die ganze Sache erstmal wirklich realisiert hatte, wurde mir auch ganz schnell klar, dass ich meinen Mann nach wie vor immer noch liebte und dass ich die Ehe fortführen wollte. Doch die Tage gingen vorbei und von meinem Mann kam nichts konkretes. Weder sprach er sich für eine Beziehung mit der Tagesmutti, noch für ein Weiterführen unserer Ehe aus. Ja, er liebte sie, aber eine dauerhafte Beziehung wisse er noch nicht, er wisse nicht, ob er mich noch liebe, eher nicht, Trennung wolle er aber nicht...
Schliesslich kam er auf die glorreiche Idee, man könnte ja eine Beziehung zu dritt... vielleicht sogar eine gemeinsame Wohnung, hätte doch alles Vorteile, ich könnte wieder arbeiten, für die Kinder wäre dann ja gesorgt, ich hätte auch keine Last mit dem Haushalt mehr, das würde die Andere dann ja auch übernehmen. Ich fragte ihn nur, ob er die Einschläge noch merken würde.
Als er dann merkte, dass ich weder eine Dreiecksbeziehung ausleben, noch meinen Mann teilen würde, sondern eine Entscheidung verlangte, schlug er mir allen Ernstes vor, wir sollten ein noch Baby bekommen. Ich hatte den Wunsch ja schon länger gehabt, er hatte jedoch immer gesagt, er wolle keine Kinder mehr. Und nun plötzlich dieser Vorschlag! Ich wollte natürlich wissen, wieso er ein Baby mit MIR wolle, wenn er eine andere liebte. Und dann kam seine Hammerantwort: Dann hätte ich etwas, das mich trösten würde, falls er sich für eine Beziehung mit der Anderen entscheiden würde! Meine diesbezüglichen Antworten brauche ich ja wohl nicht weiter auszuführen, noch zu kommentieren, oder? Da bleiben einem echt die Worte weg...
Nach einiger Zeit wurden seine Aussagen immer widersprüchlicher, er wechselte seine Meinung von Tag zu Tag, wie seine Unterhosen. Hiess es gestern noch, er sei sich jetzt sicher mich nicht mehr zu lieben, so sagte er heute, er empfinde immer noch etwas für mich, aber ob es Liebe sei, wisse er nicht...usw. So ging es eigentlich mit allem, was er von sich gab, alles heute so und morgen das Gegenteil. Ich bekam nichts, an das ich mich hätte festmachen können und stand da wie ein Fragezeichen. Das einzige, wobei er wirklich konstant blieb war, dass er auf keinen Fall die Trennung von mir wollte.
Diese permanente in der Luft hängen zehrte natürlich an meiner Psyche. Ich rutschte immer tiefer in einen Zustand völliger Handlungsunfähigkeit. Ich wollte diesen Zustand beenden, egal in welche Richtung er ging, diese Ungewissheit sollte einfach nur ein Ende haben. Aber ich war unfähig geworden, diesen Zustand selbst zu beenden.
Ich will an dieser Stelle nicht verschweigen, dass es auch ihm schlecht ging. Er war seelisch zerrissen, und hatte wirklich nicht die Absicht mir weh zu tun. Wenn ich weinte, weil ich verzweifelt war, weinte er auch, weil er mir weh getan hatte. Einmal sagte er zu mir, er wisse gar nicht mehr, was Glück und Leben sei, er existiere einfach nur noch. Eigentlich war er ebenso unfähig wie ich, eine Entscheidung zu fällen und litt darunter, dass er dadurch soviel Schmerz verursachte.
Psychisch sowie physisch ging es rasant bergab mit mir. Von dem bewussten Tag an, als mein Vater mir alles erzählt hatte, konnte ich nichts mehr essen. Das alles war mir buchstäblich auf den Magen geschlagen. Stattdessen ernährte ich mich nur noch von Kaffee und Zigaretten. Ich rauchte plötzlich zwischen 90 und 120 Zigaretten pro Tag, konsumierte Kaffee wie Wasser und aß wirklich nicht einen einzigen Happen mehr. Das verursachte natürlich immense körperliche Probleme. Ich verlor innerhalb von 14 Tagen 10 Kilo, fiel von Größe 38 auf 34 ab und selbst diese Größe war noch zu weit. Die Schulterknochen standen deutlich durch meine Oberteile hervor, ebenso meine Hüftknochen, meine Schuhe wurden zu groß und rutschten von den Füßen, Ringe waren plötzlich zu groß.
Kreislaufprobleme und Schlaflosigkeit waren die Folge. Ich konnte nachts nicht einschlafen und wenn es gelang, war ich nach spätestens einer Stunde wieder hellwach, stand dann auf, kochte mir Kaffee, rauchte eine nach der anderen.
Die Kinder bekamen natürlich mit, dass ich nichts mehr aß. Ich redete mich zwar immer raus, ich hätte schon gegessen, würde später essen, etc. aber das beruhigte meine beiden anscheinend gar nicht, denn eines Tages kamen beide aus dem Ort heim und brachten mir eine große Tüte Lakritz und Weingummis mit, weil ich die immer gerne in Unmengen genascht hatte. Sie machten sich solche Sorgen um mich, dass sie mir mit meinen Lieblingsnaschereien das Essen wieder schmackhaft machen wollten. Meine Güte, was habe ich da geheult. Von da an zwang ich mich, immer wenn die Kinder es sahen, ein, zwei Naschis davon zu essen, damit sie sich keine Sorgen machten sollten.
Dann, nach gut 4 Wochen meldete sich die Tagesmutti, weil sie sich nach den Kindern und mir erkundigen wollte. Sie fragte, ob sie vorbeikommen könnte und ich willigte ein. Ich muss vorausschicken, dass mir selbst gar nicht bewusst war, wie elend ich mittlerweile aussah. Wenn man sich selbst jeden Tag im Spiegel sieht, fällt es einem eben nicht so auf. Als ich der Tagemutti dann die Tür öffnete, prallte sie buchstäblich vor Entsetzen zurück, als sie mich sah. Und dann nahm sie die "Sache" sozusagen in die Hand. Nachdem wir lange geredet hatten und ich ihr unter anderem auch von diesem Hin und Her erzählt hatte, und dass ich von mir aus keine Kraft hätte, diese Situation zu beenden, war sie gelinde gesagt stocksauer auf meinen Mann, dass er mich so in der Luft hängen liess und sie kündigte an, dass sie noch am gleichen Abend ein Gespräch mit meinem Mann führen würde, und dass sie dafür sorgen würde, dass er eine Entscheidung treffen würde.
Und das tat sie dann auch. Sie rief am Abend an, zitierte meinen Mann zu sich und muss ihm wohl ungemein den Kopf gewaschen haben. Er kam jedenfalls höchst schlecht gelaunt nach gut einer Stunde wieder und teilte mir mit, dass er sich für mich entschieden hätte. Ich fiel fast vom Glauben ab. Nach vier Wochen Gezauder nun plötzlich so mir nichts dir nichts eine Entscheidung zu meinen Gunsten? Dass das ganze unausgegoren war, merkte ich leider sehr schnell.
Doch mehr davon später, an dieser Stelle ende ich zunächst wieder.