Hallo Trauermaus und alle anderen Betroffenen hier!
Ich habe heute mittag diesen Thread hier entdeckt und mich durch sämtliche Seiten durchgearbeitet und somit einen wunderschönen Gartentag versäumt. Ich muss sagen, es kam alles wieder hoch in mir, alle Gefühle, die ich eigentlich vor langer Zeit schon für bewältigt und abgehakt angesehen habe.
Auch mir ist vor 9 Jahren fast exakt das gleiche wie Trauermaus und vielen anderen, die hier geschrieben haben, passiert. Soviele verschiedene Personen und doch immer fast das gleiche Schicksal.
Bei mir war es die Tagesmutti meiner Kinder, die zugleich auch eine gute Freundin von mir war, mit der mein Mann etwas anfing. Auch er konnte sich nicht entscheiden, obwohl er nur einmalig mit ihr ins Bett gegangen war. Aber er wollte mehr von ihr, andererseits wollte er mich nicht verlieren, so sagte er. Er würde mich als allerliebste Freundin haben wollen und als solch "Freund" würde er immer eine Rolle in meinem Leben spielen wollen, da er sich ein Leben komplett ohne mich nicht vorstellen und ertragen könnte. Ein anderes mal sagte er dann, er hätte seine Liebe zu mir verloren, aber ich wäre ihm nicht egal und er wolle wegen den Kindern keine Trennung. Das war im übrigen die einzige Aussage, bei der er die ganze Zeit über blieb, keine Trennung, in allem anderen widersprach er sich permanent. es gab Tränen auf beiden Seiten, aber keine Entscheidung.
Als ich ihm dann nach einem Monat die Pistole auf die Brust setzte und eine Entscheidung verlangte, oder auf seinen Auszug bestand, schlug er dann verzweifelt sogar vor, wir sollten alle zusammenziehen! Er wollte eben auf keinen fall die Trennung, aber die andere wollte er sich auch nicht aus dem Kopf schlagen. Nachdem ich ihm also dermaßen Druck gemacht hatte, entschied er sich für mich.
Doch unmittelbar danach wurde er immer unzugänglicher. Wo wir vorher noch hatten reden können, verweigerte er plötzlich alle Gespräche, schwieg nur noch und zog sich immer mehr von mir und den Kindern zurück. Auch ich machte den Fehler und versuchte ihm alles recht zu machen, suchte die Schuld bei mir und wusste nicht was ich bloß falsch machte, dass er ein solches Verhalten an den Tag legte.
Dann erkannte ich endlich, dass er nicht aus vollster Überzeugung diese Entscheidung getroffen hatte und dass also ich nun etwas tun musste. Ich bot ihm also an, ihn freizugeben und dass er ausziehen sollte. Wieder begann sein "Bäumchenwechseldichspiel". Ich versuchte ihm klarzumachen, dass er mich seelisch zugrunde richtete, und dass die Trennung, auch wenn sie sehr schmerzlich wäre, mir und den Kindern mehr helfen würde, als dieser unzumutbare Zustand. Ich liebte ihn zwar immer noch über alles, aber ich war nicht bereit, mich durch meine Liebe zum "Liebeskasper" zu machen. Meine Appelle blieben erfolglos, er war wieder an dem Punkt angelangt, wo er mich mit einem Herausschieben einer Entscheidung hinhalten wollte. Seine Beziehung zu der Anderen, sofern man das überhaupt als Beziehung bezeichnen kann, hatte sich nicht weiterentwickelt, sondern war beendet, aber er liebte sie immer noch und für mich hätte er nur Freundschaft übrig.
Nach einem halbherzigen Selbstmordversuch, den die Kinder gottlob nicht mitbekamen, wurde mir dann klar, dass es an mir lag, diese dreimonatige Hölle zu beenden. Obwohl es mir unsäglich schwerfiel, suchte ich mir heimlich eine neue Wohnung. Erst als der Mietvertrag unterschrieben war, und der Umzug organisiert war, stellte ich ihn vor vollendete Tatsachen. Dies war vor allem auch ein Selbstschutz für mich, da ich nicht sicher war, ob ich stark genaug sein würde, das durchzuziehen, und seinen Überredungskünsten zu widerstehen. Ich kann euch sagen, er fiel aus allen Wolken als ich ihm dann einen Tag vor meinem Umzug davon in Kenntnis setzte. Aber für ein zurück war es für mich wie für ihn nun zu spät.
Nach meinem Auszug kam er plötzlich tagtäglich bei mir vorbei, um die Kinder zu sehen, aber er blieb auch noch lange nachdem die Kids im Bett waren. Wenn ich ihn dann darauf ansprach, was er eigentlich bei seiner Frau, die er doch nicht mehr liebte und die er nur noch als gute Freundin ansah eigentlich täglich wolle, wo er doch nun Zeit und Muße hätte, seiner neuen Liebe nachzugehen, dann sagte er, er würde sich vergewissern wollen, dass es mir auch gutginge. Dann ging angeblich seine Waschmaschine kaputt und er bat mich, seine Wäsche zu waschen, da er sich wegen der Unterhaltszahlungen für die Kinder keine neue leisten könne. Also machte ich auch regelmäßig seine Wäsche. Irgendwie passierte es dann auch, dass wir im Bett landeten. Doch jedesmal, nachdem "es" passiert war, zog er sich an und fuhr nachhause. Und dann ging mir endlich auf, dass er mich eigentlich nur verfügbar haben wollte. Ich hatte durch meinen Auszug aber auch rein gar nichts geändert, er trieb sein Spiel genaus weiter wie bisher, nur dass er dieses Spiel jetzt in MEINER Wohnung mit mir trieb.
Nachdem ich das erkannt hatte, machte ich knallhart Nägel mit Köpfen. Ich begann, abends etwas zu unternehmen. Da die Kinder ja noch kleiner waren, brachte ich sie dann zu meinem Mann. Das gewährte mir auch die Gewissheit, dass er genau wusste, dass ich nicht im stillen Kämmerlein litt, sondern viel unternahm. Daraufhin begann er bockig zu werden, war unleidlich und versuchte über die Kinder, mir meine sporadischen Abendunternehmungen zu vermasseln, wie er es während unserer intakten Ehezeit auch von je her immer schon getan hatte. Ich muss zugeben, dass mir diese Abende eigentlich gar nicht recht gefielen, dafür war ich damals allein wegen der Trennung gar nicht in der Stimmung, aber ich zog es durch, nur um ihm zu demonstrieren, dass es für mich anderes gab, als ihn und dass ich diese Situation bestens verabreitet hatte und das Thema Ehe für mich erledigt war. Außerdem verweigerte ich ihm dann das Wäschewaschen. ich hätte keine Zeit, keine Lust und keine Veranlassung mehr, das für ihn zu tun, sagte ich ihm. Außerdem verweigerte ich zusätzlich noch seine Besuche der Kinder bei mir in der Wohnung, sondern er musste die Kinder vor meiner Haustür abholen und dort auch wieder absetzen, ohne dass er mich zu Gesicht bekam. Ich hoffte immer noch, dass er entweder endlich einen Schlussstrich zog und ich anfangen könnte, zu verarbeiten, oder dass er so wachgerüttelt würde, dass er wieder in die Ehe zurückfinden würde. Doch obwohl er immer wieder versuchte, Kontakt aufzunehmen, weigerte er sich, endgültig eine Entscheidung zu treffen.
Schliesslich sah ich mich dann gezwungen, den letzten Schritt zu gehen. Ich beauftragte einen Anwalt mit der Scheidung. Auch das brachte bei ihm keinen Sinneswandel, bis das Schreiben vom Gericht kam, dass ich die Scheidung beantragt hatte und das er sich auch einen Anwalt nehmen sollte. Er hatte wohl wirklich gedacht, ich bluffe. Jedenfalls rief er am gleichen Abend noch an und bat mich eindringlich um ein klärendes Gespräch. Als ich das abblocken wollte, weil ich wieder an seine "Spielchen" dachte, begann er wieder zu weinen, wie am Anfang der unseligen Geschichte und er sagte er müsse mir unbedingt vieles erklären, aber eins wolle er mir bereits am telefon sagen, dass er mich liebt, und immer geliebt hat. Wenn ich mehr erfahren wolle, müsste ich im schon ein persönliches Gespräch gewähren, mehr würde er am Telefon nicht mehr sagen. Tja, welche Frau, die ihren Mann noch liebt, könnte da wohl hart bleiben?
Er kam dann sofort vorbei, und wir redeten die ganze Nacht und endlich kam alles auf den Tisch. Heraus kam dabei, dass er sich von mir immer "untergebuttert" gefühlt hatte. Ich hätte ihm immer alles aus der Hand genommen, sei es Bank- und Versicherungsgeschäfte, Behördenangelegenheiten, Renovierungsarbeiten usw. Ich hätte ihm Entscheidungen abgenommen, und ihn immer erst informiert, wenn ich bereits alles in die Wege geleitet hätte und er hatte dadurch das Gefühl, ich bräuchte ihn nicht, ich wäre die starke und selbständige Frau, die auch ohne ihn bestens durchs Leben käme. Mir selbst war das nie bewusst gewesen und ich hatte auch nie bemerkt, dass ihn das kränkte. Dann kamen plötzlich unerwartet die Gefühle, die er für unsere Tagesmutti entwickelt hatte dazu, sie hätten sich dagegen ´gewehrt, aber irgendwann war es passiert. Er hatte lange dagegen an und mit sich gekämpft. Als ich dann dahinterkam, hatte er nicht damit gerechnet, dass mich das seelisch so fertig macht. Und dadurch erkannte er, hatte er plötzlich Macht über mich. und diese Macht wollte er ausüben um mir und sich selbst zu beweisen, dass auch ich irgendwo an meine grenzen stoße. Außerdem, so gestand er mir, hatte er nachdem die Beziehung zu der Anderen beendet gewesen war, nicht mehr von der "Machtschiene" abweichen können, er war darin zu festgefahren und ich war ein williges Opfer, da ich ihm immer wieder gestattete, Anteil an meinem Leben zu nehmen und ihm deutlich machte, dass ich ihn zurückwollte. Er war sich meiner Liebe gewiss, ohne seine eigene Liebe preisgeben zu müssen und sich so vor mir entblößen zu müssen. Aber nun hatte er endlich realisiert, dass ich endgültig ernst machte und er mich für immer verlieren würde.
Seit diesem Abend sind wir wieder zusammen.
Diese ganze Geschichte zog sich insgesamt fast 3 Jahre hin. Drei Jahre, in denen ich die Hölle erlebte, ein Wechselbad der Gefühle erlebte. Wir mussten noch viele Gespräche miteinander führen, bis wir das Erlebte aufgearbeitet hatten. Heute, sechs Jahre später, sind wir einander enger verbunden als je zuvor. Wir haben aus allem gelernt, ich habe mein vertrauen zu ihm wiedergefunden und wir können uns auf einander verlassen.
Ich habe dies jetzt geschrieben, weil ich hoffe, dass ich einigen von euch Mut und Hoffnung geben kann. Man kann eine solche Krise in einer Ehe/Beziehung überwinden. Aber es gehört ein ordentliches Stück Arbeit dazu.
Ich für mich persönlich muss sagen, ich hätte nicht so lange leiden müssen, wenn ich schon viel eher standhaft geblieben wäre und mich nicht immer wieder in die "Opferrolle" hätte drängen lassen.
Zu Trauermaus muss ich sagen, schluck nicht alles! Dein Mann hat den Mist gebaut, er hat dich verletzt. Also muss er auch die Folgen, nämlich deine Nachdenklichkeit, deine Traurigkeit und deine veränderte Persönlichkeit verantworten und nicht bockig sein, weil du nicht himmelhochjauchzend durch die Gegend läufst. Du hättest dich doch nicht so verändert, wenn er nicht aus der Ehe ausgebrochen wäre. Mach ihm klar, dass du an dir arbeiten willst und dass das seine Zeit dauert. Versuche unbedingt, mit ihm über deine Gefühle zu reden, mach ihm deutlich, dass du unter seinem Schweigen leidest und vor allem: sag ihm, was du von ihm erwartest/erhoffst. Er kann keine Gedanken lesen, daher ist er darauf angewiesen, dass du dich mitteilst. 😉
Wenn er erstmal weiss wie du "tickst" wird er sich hoffentlich darauf einstellen können, und dir und somit auch sich selbst bei der Bewältigung des Erlebten helfen.
Jetzt lasse ich es erstmal gut sein, ich habe ja inzwischen einen halben Roman geschrieben.
Ich wünsche dir, Trauermaus, aber auch allen anderen Betroffenen hier, dass sich für euch alles zum Guten wendet, so wie es mir widerfahren ist.