Hallo Guilty!
Ich vergaß bei der Schilderung meines "Supermannes" zu erwähnen, dass besagter Mann früher ebenso trantütig war, wie deiner. 😀
Wir hatten Heiligabends mal einen Zimmerbrand, der gottlob glimpflich ausging. Lediglich die komplette Wohnung musste renoviert werden, da alle Wände und Decken mit Ruß bedeckt waren. Beim Tapeten, Farbe und Laminat kaufen war er an vorderster Front zur Stelle. Beim Renovieren war er dann nur noch von hinten zu sehen...🙄
Morgens bekam ich Anweisung, was ich alles schon mal machen sollte, der gnädige Herr würde nach der Arbeit dann mithelfen. Wenn ich mein "Pensum" wegen unvorhergesehener Zwischenfälle nicht geschafft hatte, weil z. B. beim Tapetenabreissen der halbe Putz von der Wand kam und ich dann Ewigkeiten die Wand erstmal neu verspachteln musste, dann nöhlte er noch rum, was ich den ganzen Tag gemacht hätte. Dann klatschte er zwei Bahnen Tapete an die Wände, bevor er nun aber sehr eilig zum Training müsste, er wäre schon spät dran.
Ich könnte da auch noch etliche Negativbeispiele aufzählen, aber ich glaube, dieses hier ist schon beispielhaft genug, um zu wissen, wie er damals tickte.
Nun hat er sich gottlob ja zum "besseren" gewandelt, aber glaubt mir, von einem Tag zum anderen ging das nicht vonstatten, das dauerte eine ganze Weile.
Sehr hilfreich dabei war folgender Trick:
Ich will den Flurboden gefliest haben. Der Gatte macht nach mehreren Wochen immer noch keine Anstalten, die Sache in Angriff zu nehmen. Also geht Frau selbst dabei: erstmal mit großer Theatralik soviele Fliesenpakete wie möglich aufladen. Dieses Vorhaben lautmalerisch mit stöhnen, schniefen, keuchen und leisen Flüchen unterlegen. Überall gegenstoßen und dabei lauter fluchen. Aua schreien. Wenn Geld keine große Rolle spielt, oder die Fliesen billig waren ein Paket scheppernd auf dem Boden zerschellen lassen. Dabei wütend aufkreischen, danach leise wehklagen. Die Fliesenpakete an anderer Stelle unter großer Mühe wieder abladen. Sich in gebeugter Haltung das Kreuz massieren und leise Schmerzenslaute von sich geben. Inzwischen wird spätestens nach dem Scheppern der runtergefallenen Fliesen der Gatte beunruhigt nachsehen, was das für ein Lärm war. Unterdessen richten wir uns, eine Hand immer noch ins Kreuz gepresst, wieder gerade auf. Dann schlendern wir unter den beunruhigten Blicken des Gatten (der natürlich noch nicht weiss, dass er in weniger als 10 Minuten mit Fliesenlegen begonnen haben wird) zu dem kaputten Fliesenpaket, betrachten das versonnen während wir unverständliche Dinge vor uns hinmurmeln. Der Gatte wird nun fragen, was wir da machen. Ganz zerstreut beantworten wir die Frage des Gatten mit der Gegenfrage "Was?" Erfahrungsgemäß wird der Gatte seine Frage noch einmal wiederholen. Inzwischen haben wir die kaputten Fliesen genug betrachtet, wir knien uns nieder und fangen an, die Scherben zusammenzukratzen. Dabei bitten wir den Gatten mit flehendlich-dringlicher Stimme, Handfeger und Schaufel zu holen. Dieser Bitte wird er in den meisten Fällen nachkommen.Während er den Raum verlassen hat, springen wir schnell auf, rennen zum Sack Fliesenkleber und wuchten diesen unter Verwendung der selben Geräuschkulisse wie zuvor bei den Fliesenpaketen in die Höhe. Wichtig ist, dass der Gatte wiederkommt, bevor wir den Sack bei den Fliesen wieder ablegen. Nun wird der Gatte fragen ob er uns helfen soll. So, und nun keinen Fehler machen, sonst fliesen wir den Boden nämlich tatsächlich selbst! Nach dieser Frage MÜSSEN wir in deutlich gereiztem Ton verneinen. "Nee, lass mal, das schaff ich schon." Sofort in freundlicherem Tonfall die Aufforderung hinterher schieben "Geh doch wieder in die Stube, dein Kaffee wird doch kalt/Bier wird schal/Fußball fängt gleich an..." Und nochmals beteuern "Ich mach das schon". Nun unter großen Qualen den Sack abladen. Der Gatte wird natürlich NICHT in die Stube gehen, er wird zweifelnd dabei stehen und beobachten, was wir da eigentlich machen.
Wir reissen jetzt den Sack Fliesenkleber auf, vorteilhaft ist, wenn es dabei immens staubt. Dabei schauen wir hoch, erblicken mit deutlich sichtbarer Überraschung, dass der Gatte immer noch da steht und bitten ihn, im Mörteleimer ein wenig Wasser zu holen, damit wir den Fliesenkleber anrühren können. Das wird die entgeisterte Frage zur Folge haben "Was DU willst JETZT fliesen?" Das müssen wir natürlich bejahen und nochmals um den Eimer Wasser bitten. Wenn jetzt keine Reaktion erfolgt, sofort aufspringen und wortlos den Eimer greifen und Wasser holen. Der Gatte bleibt in dieser Zeit weiterhin ratlos im Flur stehen, er glaubt dass ER nun den Flur fliesen soll und dass er bisher nicht aufgefordert wurde das zu tun, irritiert ihn zutiefst. Wir sind unterdessen mit dem, mit natürlich mit viel zu wenig Wasser gefüllten Eimer wieder erschienen und fangen an, Unmengen an Fliesenkleber in den Eimer zu kippen, wobei wir einen nicht unerheblichen Teil des Klebers daneben fallen lassen. Er, immer noch ungläubig, dass wirklich wir selbst diese Arbeit machen wollen, wird uns nun darauf hinweisen, dass wir die Mischung viiel zu dick angemischt haben...worauf wir ihm genervt ins Wort fallen müssen "Ich kann das schon, so schwer ist Fliesenlegen ja nun auch nicht"!
Wir rennen jetzt los, holen mit einem Litermaß nochmals Wasser kippen das in den Eimer, rühren, stellen lautstark fest, dass die Mischung jetzt viel zu flüssig ist, der Kleber taugt nichts...
Nun nochmals in den Sack Kleber greifen, und so tun, wichtig nur so tun!, als ob wir wieder viel zu viel Kleber in den Eimer füllen wollen.
Spätestens jetzt wird der Gatte überzeugt sein, dass wir nicht die böse Absicht hegen, ihn zum Fliesen zu zwingen, sondern tatsächlich selbst die Fliesen verlegen wollen. Da wir es ja aber nicht einmal schaffen, den Kleber richtig anzurühren, wird er uns nun mit sanfter Gewalt zur Seite drängen und uns die Arbeit abnehmen. Wenn wir nun noch mit einem schwach gehauchten "Aber ich wollte doch...das sieht doch immer sooo einfach aus..." unsere Absicht, die Arbeit selbst zu machen bekräftigen, wird dem neugefliesten Flurboden durch des gatten Hand nichts mehr im Wege stehen.
Meine Lieben, dass ist vielleicht ein wenig überzogen dargestellt, aber so in Etwa funktioniert das Prinzip. 😀
Irgendwann ist euer Mann so konditioniert, dass ihr nur noch die Absicht erwähnen müsst, dieses oder jenes selbst zu machen, um ihn zur alsbaldigen Tat schreiten zu lassen. 😛
Ich hoffe, ich konnte euch damit ein wenig aufmuntern?