Für mich wäre das Inanspruchnehmen dieses zweifelhaften "Angebotes" der Anfang vom Ende der Beziehung. Als gehandicapter Mann würde ich mich immer fragen, ob ich dir trotz der ganzen Bekundungen noch genüge mit dem, was ich dir noch bieten kann. Immer mehr Ängste würden entstehen. Was, wenn der Krebs zurückkehrt und auf einmal noch mehr nicht mehr geht? Es gibt genügend Beziehungen, bei denen sich ein Partner dann schon anderweitig orientiert.. wie verletzend ist so etwas, denn neben dem Umgang mit der Krankheit muss man dann auch noch diese Demütigung, dieses Ausrangiertwerden verkraften.
Und wenn dein fremder Sexpartner dann vielleicht mal gar nicht mehr so fremd ist stellst du vielleicht sogar fest, dass er dir genauso viel Partnerschaft bieten kann wie dein Mann, womöglich gibt es sogar noch weitere Dinge, für die du auf einmal gerne Zeit mit ihm verbringen würdest. Dazu dann noch der Kick des Neuen. Wahrscheinlich schreibst du dann hier, dass du jetzt ein ganz schlechtes Gewissen hättest, denn es ist doch etwas eingetreten, was du NiEMAAAALS so wolltest. Doch da gibt es eben auch diese Gefühle, gegen die du machtlos bist.
Auf Seiten deines Mannes würde ich verzweifeln und wäre todtraurig, dass dir das Penetriert-werden- wollen so viel wichtiger ist als die Loyalität zu mir, der ich eben schicksalsbedingt jetzt erkrankt wäre und nicht mehr vollumfänglich funktioniere. Ich würde mir von dir Signale des unabdingbaren Zusammenhaltes wünschen und keine Partnerin, die sich überlegt, wie sich sich sexuell exakt so befriedigen lassen kann, dass sie zu 100% glücklich ist.
Hast du mal überlegt, ob dein Mann dir das Angebot womöglich gemacht hat in der Hoffnung, dass du ihm sagst, dass es nichts gibt, auf das du nicht für ihn verzichten würdest? Für mich wäre genau DAS ein Ausdruck von Liebe und Zuneigung.
Ich geb es zu - ich habe sehr konservative Moralverstellungen und finde es absolut verwerflich, nein, ich fänd es schäbig und es käme für mich Verrat gleich. Und das ist für mich auch etwas völlig anderes, als wenn sich beide - bei voller Gesundheit - für eine offene Beziehung entscheiden wollen. Denn dann sind die Voraussetzungen bei beiden gleich, doch das sind sie in deinem Fall nicht.
In guten wie in schlechten Zeiten heißt es - anfangs schrieb es schon mal jemand. In schlechten kann es aber durchaus sein, dass es mit dem Poppen nicht mehr klappt - so what?! Wachsen dir Hörner auf der Stirn oder bekommst du Schlafstörungen, wenn du nicht gexxx wirst? Wohl kaum.