Traumatisierter
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Hier mal ein Link aus der Süddeutschen , in dem es darum geht, wann eigentlich schon "beschlossen" wurde, und warum der Protest eigentlich zu jedem Zeitpunkt angeblich zu spät sein musste....
Geistige Kessellage - jetzt.de - Macht - jetzt.de
Danke für diesen Link, das war ein sehr guter und sehr erhellender Artikel über die Historie dieses Projekts. Jetzt verstehe ich den Protest sogar noch um einiges besser als vorher, warum der Unmut in der Bevölkerung so groß werden musste. Das wirft alles ein mehr als schlechtes Licht auf das Verantwortungsbewußtsein dieser sogenannten Stuttgarter Volksvertreter, die anscheinend überhaupt kein wirkliche Prüfung dieses Projekts für nötig gehalten haben, so wie es in München und Frankfurt anscheinend geschehen ist.
Warum es denn kaum eine signifikante Überprüfung und eigene Planspiele und kaum eine Aufsicht von Seiten der Kommune über das Projekt gegeben hat, das wäre mal eine interessante Frage.
Das Verhalten des Bahnvorstandes erinnert mich doch sehr an das Verhalten der sogenannten Eisenbahnkönige in der Anfangszeit der Bahngeschichte in den USA. Diese haben es nach Gutsherrenart damals sehr gut verstanden, den Kommunen ihre Geschäftspolitik und ihre Projekte aufzudrücken, ob sie das wollten oder nicht. Von der Politik wurde dieses Machtgebahren stets unterstützt. Bis in die Pleite so mancher Bahngesellschaft hinein gab es sogar noch diese Unterstütung. Während die Folgen des Zusammenbruchs dann aber wiederum von der Allgemeinheit getragen werden musste.
Allein das Auftreten des Bahnchefs paßt nur allzu gut zu diesen wichtigen Hintergründen, das allein spricht schon Bände. Man möchte den Lohn der erfolgreichen Manipulationen der Volksvertreter ungern verlieren und stemmt sich mit aller Macht dagegen. Dabei ist die Bahn ohnehin fein raus. Soweit ich weiß, beträgt der Eigenanteil der Bahn an dem Projekt 1,1 Milliarden Euro. Aber allein durch den Verkauf der Grundstücke an die Stadt Stuttgart ist dieser Anteil gleich wieder hereingeholt worden. Dabei befindet sich der Bahnhof doch immer noch an derselben Stelle, nur etwas tiefer...
So lassen sich die sogenannten Volksvertreter wohl immer mehr von den Wirtschaftsinteressen über den Tisch ziehen. Das hat leider längst System. Ob sie das jetzt im Falle von Stuttgart 21 halbwegs freiwillig getan haben, aus Korruptionsgründen oder auch nicht, das sei mal dahingestellt. Dass bei einem verantwortungslosen Handeln der Verantwortlichen aber der Unmut wächst und wachsen muss, dass die demokratische Legitimation dieses Handelns so auch mehr und mehr in Frage gestellt werden wird, das dürfte sie aber doch eigentlich gar nicht wundern.
Es sei denn, sie halten die Leute tatsächlich für so dumm, dass sie meinen, dass die Bürger es ja sowieso nicht merken, wie die Volksvertreter ihre ihnen auferlegten demokratischen und repräsentativen Pflichten vernachlässigen. Aber die Vortäuschung falscher Tatsachen funktioniert eben auch nie auf Dauer, irgendwann kommt es immer heraus. Die Leute sind eben nicht so dumm, wie manche Leute es in all ihrer ihnen eigenen Überheblichkeit meinen, dass sie es sind, und das ist auch gut so. 😀