@Mond-Wind Danke für Deinen Input.
Tatsächlich habe ich jetzt seit vier Wochen keinen Kontakt mehr zu meinem Sohn. Er hat mit seinem Vater seine letzten Möbel hier abgeholt und demonstrativ seinen Haustürschlüssel auf dem Tisch liegen lassen - das hier ist jetzt nicht mehr sein zuhause. Garniert wurde das mit einer sehr, sehr bösen Nachricht an mich. Er musste verbrannte Erde hinterlassen - vermutlich, damit er für sich selbst den Rückweg verbaut ( so hat es die Dame vom Jugendamt ausgedrückt - siehe unten ).
Ich glaube, es geht ihm nicht gut damit.
Ich hatte vor drei Monaten in seinem Zimmer eine Notiz von ihm gefunden ( so drapiert, dass ich ihn beim putzen finden musste ) in der er schreibt, dass es ihn zerreißt, sich entscheiden zu müssen, ob er seine "geliebte Mutter" oder seinen "geliebten Vater" verlieren muss. Sein Vater hatte damals wohl Druck gemacht, dass er sich entscheiden muss, wo er wohnen möchte.
Geschrieben hat er das wohl noch vor seinem Auszug, weil er schreibt "soll ein 15jähriger so eine Entscheidung treffen müssen?" und er ist ein paar Tage nach seinem 16. Geburtstag zu seinem Vater gezogen.
Ich hatte ihn damals darauf angesprochen und ihm gesagt, dass er mich niemals verlieren wird - egal, wo er wohnt. Egal, was er sagt oder tut. IEr hat mich einfach nur wortlos umarmt, als ich ihm das gesagt habe.
Ich gehe davon aus, er musste sich jetzt aber entscheiden - und die Entscheidung ist für seinen Vater gefallen, weil er den einfach in seinem Leben viel zu selten hatte.
Ich hatte vor zwei Wochen ein Gespräch mit dem zuständigen Jugendamt und dort hat man vorgeschlagen, meinen Sohn zumindest mal zu einem Gespräch einzuladen um zu sehen, ob es ihm wirklich gut geht. Ich weiß nicht, ob er die Einladung bekommt wenn sie an die Adresse seines Vaters geschickt wird, und er muss diese Einladung auch nicht annehmen - es ist nur ein Gesprächsangebot. Und selbst wenn er es annimmt wird und darf das Jugendamt mir keine Details aus dem Gespräch mitteilen. Aber für mich ist es wichtig, hier nochmal ein Signal an ihn zu senden: "Du bist mir nicht egal. Auch, wenn Du mich gerade mit aller Macht von Dir wegstößt."
Vier Wochen habe ich beinahe täglich geweint weil ich es so schlimm finde, so völlig aus dem Leben meines Sohnes ausgeschlossen zu sein. Seit drei Tagen wird es langsam besser. Ich weiß, dass ich nichts getan habe, was meinem Sohn erlaubt, mich so zu behandeln wie er es gerade tut. Und ich weiß, dass er das nicht aus sich heraus tut.
Was mich verletzt ist, dass er im Moment lieber den Wahrheiten seines Vaters glaubt als seinen eigenen Erinnerungen zu vertrauen. So hat er zum Beispiel zu seiner Oma gesagt: "Ihr habt mir immer erzählt, der Papa wollte mich nicht - das war eine Lüge". Dabei habe ich ihn oft genug getröstet, wenn sein Vater wieder mal nicht auf seine Nachrichten oder Einladungen zu seinem Geburtstag reagiert hat - ihm immer wieder versichert, dass sein Papa ihn lieb hat, auch wenn er das nicht immer so zeigen kann.
Aber er will das gerade glauben. Er will seinen Papa lieb haben können - und das geht im Moment nur, wenn er mich hasst.
Auch wenn es mir sehr, sehr schwer fällt: Ich lerne gerade, das zu akzeptieren und hoffe, dass er irgendwann wieder den Weg zu mir findet.