Meine Kollegin und ich arbeiten seit rund 3,5 Jahren zusammen. Die Probleme haben bereits in der Einstellungsphase begonnen. In der Stellenanzeige stand damals klar und deutlich, dass Sekretärinnen in Teilzeit UND Vollzeit gesucht wurden. Für mich war das klar, dass nicht nur eine Sekretärin gesucht wurde, sondern mindestens zwei (wenn nicht sogar drei). Als meine Kollegin die Zusage bekam, war das für sie selbstverständlich, dass sie die einzige Sekretärin bei uns sein würde.
Meine Kollegin hat ein schwaches Selbstwertgefühl und braucht viel Lob, Anerkennung und Bestätigung von anderen Personen. Deshalb schleimt sie bei den höhergestellten Leuten in unserem Team. Ich hingegen bin in ihren Augen nur eine unerwünschte Konkurrentin, die ihr ein Stück der Anerkennung, die sie so sehr braucht, „wegnehmen“ könnte. In den ersten Wochen hat sie mir mehrere DIN A4 Zettel mit ganz vielen Punkten geschrieben, die ich unbedingt an mir verändern müsste, damit es für sie passt (klingt unglaublich, war aber wirklich so). Anfangs war ich noch freundlich, aber irgendwann habe ich ihr ganz deutlich zu verstehen gegeben, dass ich diese Arbeitsstelle nicht angetreten habe, nur um ihr alles Recht zu machen und nach ihrer Pfeife zu tanzen.
Ich weiß sehr wohl wie es ist, auch mal nachzugeben und zurückzustecken. In meinen früheren Jobs habe ich mich u. a. mit Müttern von schulpflichtigen Kindern vertreten. Die meisten Leute in unserem Freundeskreis haben entweder Kleinkinder oder schulpflichtige Kinder. Für meinen Mann und mich ist es ganz natürlich, dass die Freunde mit Nachwuchs die Termine vorgeben und wir uns weitestgehend anpassen, weil wir die Flexibleren sind.
Am Arbeitsplatz ist meine Kollegin die Flexiblere, die viel weniger Termine hat. Während mein Mann und ich einen guten Kontakt zu unseren Herkunftsfamilien pflegen und einen gut funktionierenden Freundeskreis haben, hat meine Kollegin außer ihrem Partner keine weiteren sozialen Kontakte. Ihre Familie will mit ihr nichts zu tun haben, Freunde hat sie keine. Obwohl sie ihre Freizeit meistens zu Hause verbringt und selten verplant ist, lässt sich mich immer mal wieder spüren, dass ich von ihrem Wohlwollen abhängig bin, wenn ich mal privat etwas vor habe und später ins Büro kommen/früher Feierabend machen/frei haben möchte. Das ärgert mich sehr. Wenn sie mal etwas geplant hat, stelle ich mich doch auch nicht quer, wenn ich zur gleichen Zeit nichts vor habe.
Es ärgert mich auch sehr, dass sie immer wieder versucht, mich in fachlicher Hinsicht ins Abseits zu drängen. Meine Kollegin neigt dazu, sämtliche Aufgaben, die unserem Chef und dem restlichen Team besonders wichtig sind, an sich zu reißen und darauf zu bestehen, dass ausschließlich sie dafür zuständig ist. Wenn ich auch einen Teil davon erledigen möchte, stresst sie rum und weigert sich, mir etwas abzugeben. Umgekehrt drückt sie sich vor Aufgaben, die wenig bis keine Bedeutung haben und wälzt sie auf mich ab. Z. B. sind wir beide gemeinsam für die Reinigung unseres Kühlschranks zuständig. Glaubt ihr, meine Kollegin hat in 3,5 Jahren auch nur ein einziges Mal den Kühlschrank und das Gefrierfach sauber gemacht? Ich habe sie immer mal wieder darum gebeten, die Reaktion war jedes Mal dieselbe: „Ja, mach ich!“ Mit dem Ergebnis, dass sie es nicht gemacht hat.
Diesmal werde ich das Gefrierfach zufrieren lassen, bis kein Lebensmittel mehr reinpasst. Und wenn mich jemand fragt, warum das zugefroren ist und keiner sich darum gekümmert hat, werde ich sagen, dass ich nicht alleine zuständig bin und es nicht einsehe, dass immer nur ich das machen soll.
Leider kann ich mit ihr keine echten Gespräche führen, weil sie sich mir gegenüber nicht öffnen möchte. Unserem Chef und den anderen Leuten im Team erzählt sie schon einiges über sich, mir gegenüber ist sie verschlossen. Das war schon immer so.
Ich bin gleich in den ersten Tagen offen und aufgeschlossen auf sie zugegangen, weil ich mich auf unser Kennenlernen und die Zusammenarbeit gefreut hatte. Sie hat sich dann bei unserem damaligen Chef beschwert, ich würde zu viel quatschen und sie von der Arbeit abhalten. Mit den anderen Leuten unterhält sie sich durchaus gerne, nur mit mir nicht. Es ist sehr frustrierend, wenn man immer wieder verzweifelt probiert, mit jemandem gut auszukommen und ständig auf Ablehnung stößt.