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Spirituelle Zitate, die mich berühren

Der ist ein armer Mensch, der nichts weiß. Irgendwann einmal habe
ich gesagt, der Mensch solle so leben, dass er für nichts lebt, weder für sich noch für die Wahrheit noch für Gott. Aber heute will ich anderes und Größeres sagen:
Der Mensch, der diese Armut haben soll, der soll so leben, dass er nicht einmal weiß, dass er lebt, für überhaupt nichts, weder für sich selbst noch für die Wahrheit, noch für Gott. Mehr noch: Er soll so abgelöst sein von allem Wissen, dass er weder wisse noch sonstwie erkenne oder wahrnehme, dass Gott in ihm ist.
Abgelöst soll er sein von jeder Art der Erkenntnis, die in ihm lebt. Denn als der Mensch im ewigen Wesen Gottes weilte, da war nichts in ihm, was nicht er selbst war, sondern alles, was da war, das war er selber. In diesem Sinne behaupte ich, der Mensch solle abgelöst sein von seinem eigenen Wissen, so wie er es war, als er nicht war. Er lasse Gott wirken, wie Gott will. Der Mensch sei abgelöst.

Meister Eckhardt - Über die Armut im Geiste
 
Der ist ein armer Mensch, der nichts weiß. Irgendwann einmal habe
ich gesagt, der Mensch solle so leben, dass er für nichts lebt, weder für sich noch für die Wahrheit noch für Gott. Aber heute will ich anderes und Größeres sagen:
Der Mensch, der diese Armut haben soll, der soll so leben, dass er nicht einmal weiß, dass er lebt, für überhaupt nichts, weder für sich selbst noch für die Wahrheit, noch für Gott. Mehr noch: Er soll so abgelöst sein von allem Wissen, dass er weder wisse noch sonstwie erkenne oder wahrnehme, dass Gott in ihm ist.
Abgelöst soll er sein von jeder Art der Erkenntnis, die in ihm lebt. Denn als der Mensch im ewigen Wesen Gottes weilte, da war nichts in ihm, was nicht er selbst war, sondern alles, was da war, das war er selber. In diesem Sinne behaupte ich, der Mensch solle abgelöst sein von seinem eigenen Wissen, so wie er es war, als er nicht war. Er lasse Gott wirken, wie Gott will. Der Mensch sei abgelöst.

Meister Eckhardt - Über die Armut im Geiste
Man muss hier freilich bedenken, dass Eckhardt die Existenz Gottes voraussetzt. Ergo muss man seine Worte eher hypothetisch verstehen.
 
Da mir auf die Dauer Zitate einzelner Gurus wie Osho oder Benedikt XVI bißchen einseitig vorkommen, hier ein wenig breiterer Thread. Wer will kann auch über die Zitate diskutieren.


...weißt du Anand,
was mich ein bischen wundert ist,
daß du zu Diskussion einlädtst,
aber dann keine eigene Meinung mitteilst
sondern nur mit weiteren Zitaten antwortest...

mir persönlich ist das zu dürftig...

Vandan


🙂
 
Ich habe Meister Eckehardt lange Zeit geschätzt. Mein heutiges Urteil fällt eventuell etwas kritischer aus. Er stellt halt auf klassische Weise die Position der deutschen Mystik dar.

Ob man damit im Alltagsleben viel anfangen kann, ist meines Erachtens fraglich. Erich Fromm war übrigens ein großer Eckehardt-Fan.
 
Ich wage es zu sagen das Jiddu Krishnamurti Recht hat. Und es wird diesen Bewusstseinssprung geben. Der Mensch ist sich dahingehend noch am entwickeln. Aber es sind immer mehr Menschen die aufwachen oder wie allgemein genannt zur Erleuchtung gelangen. Und ich rede von der echten Erleuchtung und nicht von diesen Halberleuchteten die mit ihrem Halbwissen Menschen auch noch in dir Irre führen und sich ihre Taschen füllen. Und Andreas, nichts ist Trostlos sondern alles ist voller Hoffnung.

Was zählt ist allein die Wahrheit, nicht was wir zu sagen wagen, oder was wir glauben. Wir halten uns zu sehr an unserem Glauben fest, doch das Leben hat keinen Haltegriff. Glauben bedingt!
Spüren wir unsere Glaubensmuster auf, die uns in unserem Leben im Wege stehen. Werden wir uns dieser bewusst!
Hat Jiddu Krishnamurti recht? Finden wir es doch heraus, begnügen wir uns doch nicht mit Glauben. Finden, nicht Suchen! Lernen vom Buch des Lebens, unserem Bewusstsein.

Das sehe ich auch so, Lizzy, nichts ist trostlos. Nur dann, wenn wir an unserem Glauben und Vorstellungen festhalten. Selbst der Tot ist alles andere als trostlos, wenn wir uns nicht ständig an unser Leben klammern würden.
Ich lese Jiddu Krishnamurti, aber auch Werner Ablass, der Jiddu Krishnamurti für einen großen Heiligen hält 😕. Allerdings sind die Texte auf der HP von W. Ablass jetzt nicht mehr kostenlos! 🙁
Und so unterschiedlich finde ich beide gar nicht!

Ich glaube an nichts in der Welt so tief, keine andere Vorstellung ist mir so heilig wie die Einheit, die Vorstellung, dass das Ganze der Welt eine göttliche Einheit ist und dass alles Leiden, alles Böse nur darin besteht, dass wir einzelne uns nicht mehr als unlösbare Teile des Ganzen empfinden, dass das Ich sich zu wichtig nimmt.
Die Einheit, die ich hinter der Vielheit verehre, ist keine langweilige, keine graue, gedankliche, theoretische Einheit. Sie ist ja das Leben selbst, voll Spiel, voll Schmerz, voll Gelächter. Sie ist dargestellt worden im Tanz des Gottes Shiva, der die Welt in Scherben tanzt, und in vielen anderen Bildern, sie weigert sich keiner Darstellung, keinem Gleichnis. Du kannst jederzeit in sie eintreten, sie gehört dir in jedem Augenblick, wo du keine Zeit, keinen Raum, kein Wissen, kein Nichtwissen kennst, wo du aus der Konvention heraustrittst, wo du in Liebe und Hingabe allen Göttern, allen Menschen, allen Welten, allen Zeitaltern angehörst.


Die Welt ist nicht unvollkommen, oder auf einem langsamen Weg zur Vollkommenheit begriffen: nein, sie ist in jedem Augenblick vollkommen.

Hermann Hesse (1877-1962)
 
Diese beiden Ansichten entzweien bis heute die "spirituelle Szene".
Autoren wie Werner Ablass, zum Beispiel, vertreten mehr die radikalen, oder auch "trostlosen" Ansichten von U.G.K. und Ramesh S. Balsekar.
Andere, wie z.B. Eckhart Tolle, sind bekannte J. K. und Ramana Maharshi - Anhänger.

Schön, daß du hier hergefunden hast.

Naja, die radikale Form (spannend, daß sie sowohl in atheistischer als auch in theistischer Form auftaucht) mag ja trostlos sein. Aber sie beschreibt einige Dinge sehr genau, und sie gab es die ganze Menschengeschichte lang. Sie betont das Sein und nicht das Tun/Werden. Und sie betont die Einheit.
Die andere Form betont das Tun/Werden, beruht auf einen Glauben an ein Selbst, hat eine Tendenz zum Theismus und ist dualistisch.
Ich denke, man solle ruhig den Tun und Werdens-Pfad gehn, bis man auf die Erkenntnis stösst, daß es kein Ich, kein Selbst gibt, und alles Tun nichts bewirkt.
Oder um es mit dem wichtigsten Koan des ZenmeistersS. Hisamatsu (und Mitgliedes der Kyoto-Schule) zu sagen: "Wenn alles was du tust, nichts tut (nicht funktioniert), was dann tun?"

Wer nicht diskriminiert, wertet nicht. Wer nicht wertet, dem ist alles egal. Wer nicht wertet, läßt das Kind hungern.

....
Wer nicht unterscheidet, hat keine Meinung...

Was passiert beim nicht werten? Zwei Dinge.
Alles, was vorher geschah, geschieht weiterhin. Essen geschieht, Arbeiten gehn geschieht, Sich um Kinder kümmern geschieht.
Was wegfällt ist das Ichen, das Aneignen des geschehens als Mein Geschehen. Dieser Prozess wird auch sehr schön von Buddha oder
von dem Hirnforscher Prof. Dr. Wolf Singer beschrieben.
Du denkst, es geschieht das Gegenteil von dem, was du als deinen Willen ansiehst. Dem ist nicht so.
Zenleute (Und das Shinjinmei eine der wichtigsten Schriften des Zen) sind nicht schlechtere Eltern als Christen, vom Zen gingen auch nicht mehr Kriege aus als von Christentum und Islam.
Zum zweiten geschieht ein Totales Annehmen dessen was ist. Anvertrauen ans Sein.

Man muss hier freilich bedenken, dass Eckhardt die Existenz Gottes voraussetzt. Ergo muss man seine Worte eher hypothetisch verstehen.

Naja, er hat aus meiner Sicht eine Nonduale Erfahrung versucht in seinen Glauben auszudrücken. Und er radikalisiert somit den christlichen Glauben, und erweitert ihn durch die Gottheit, die über Gott steht.
Die Armut im Geiste gibt es aber auch für Atheisten, glaub ich.

...weißt du Anand,
was mich ein bischen wundert ist,
daß du zu Diskussion einlädtst,
aber dann keine eigene Meinung mitteilst
sondern nur mit weiteren Zitaten antwortest...

mir persönlich ist das zu dürftig...

Vandan


🙂

Ich hab aber nirgends geschrieben, das es kein Leben außerhalb des Computers gäbe und man auf jede Einlassung sofort antworten muss.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es gibt eine Wirklichkeit, die vor Himmel und Erde steht.
Sie hat keine Form, geschweige denn einen Namen.​
Augen können sie nicht sehen.​
Lautlos ist sie, nicht wahrnehmbar für Ohren.​
Sie Geist oder Buddha zu nennen, entspricht nicht ihrer Natur,​
wie das Trugbild einer Blume wäre sie dann.​
Nicht Geist noch Buddha ist sie;​
Vollkommen ruhig erleuchtet sie in wunderbarer Weise,​
Nur dem klaren Auge ist sie wahrnehmbar,​
Das Dharma ist sie und wirklich jenseits von Form und Klang.​
Das Tao ist sie, und Worte haben nichts mit ihr zu tun.​
In der Absicht, Blinde anzuziehen,​
ließ Buddha seinem goldenen Mund spielerische Worte entspringen,​
seitdem sind Himmel und Erde überwuchert mit dichtem Dornengestrüpp.​
O meine lieben und ehrenwerten Freunde, die ihr hier versammelt seid,​
wenn ihr euch danach sehnt, die donnernde Stimme des Dharma zu hören,​
gebt eure Worte auf, entleert eure Gedanken,​
dann kommt ihr so weit, das eine Sein zu verwirklichen.

Daio Kokushi: "Über Zen"


[FONT=Arial, sans-serif]Erster Frühlingstag —
blauer Himmel und strahlende Sonne.
Alles wird allmählich frisch und grün.
Mit meiner Bettelschale gehe ich langsam zum Dorf.
Die Kinder sind überrascht mich zu sehen,
Umringen mich freudig und bringen so
Meinen Bettelgang am Tempeltor zu einem Ende.
Ich lege meine Schale auf einen weißen Felsen
Und hänge meinen Sack an den Ast eines Baumes.
Hier spielen wir mit wilden Gräsern
und werfen einen Ball.
Eine Zeit lang spiele ich Fangen,
während die Kinder singen;
Dann wechseln wir.
Bei diesem Spielen, hier und dort, habe ich völlig die Zeit vergessen.
Die Vorübergehenden deuten auf mich,
lachen über mich und fragen:
»Was ist der Grund für solch Narrentreiben?«
Ich gebe keine Antwort, verbeuge mich nur tief;
Selbst wenn ich geantwortet hätte,
würden sie mich nicht verstehen.
Schau dich um!
Da ist nur eins und das ist es!
[/FONT]




[FONT=Arial, sans-serif]Daigu Ryôkan[/FONT]


 
Was passiert beim nicht werten? Zwei Dinge.
Alles, was vorher geschah, geschieht weiterhin. Essen geschieht, Arbeiten gehn geschieht, Sich um Kinder kümmern geschieht.
Was wegfällt ist das Ichen, das Aneignen des geschehens als Mein Geschehen. Dieser Prozess wird auch sehr schön von Buddha oder
von dem Hirnforscher Prof. Dr. Wolf Singer beschrieben.
Singer lehnt den Freien Willen ab. Dies ist wissenschaftlich nicht erwiesen und moralisch unvernünftig.

die Gottheit, die über Gott steht
Erstens ist das unlogisch und zweitens gibt das meines Erachtens nicht die Position von Meister Eckehardt wieder.
 
Singer lehnt den Freien Willen ab. Dies ist wissenschaftlich nicht erwiesen und moralisch unvernünftig.

Naja, seine äußeren Forschungen (Hirnforschung) und inneren Forschungen (Zen) haben ihn da wohl keine andere Wahl gelassen. 😉

Freier Wille wurde wissenschaftlich nicht erwiesen, aber es gibt viel, daß gegen ihn spricht.
Ich denk, falls es so etwas wie Willen überhaupt gibt (Ich glaub, es ist einfach der stärkste Impuls, den wir als unseren Willen Interpretieren), dann ist er nicht frei.
Aber dazu gibt es einen eigenen Thread und wir müssen das nicht hier verhandeln.
Und Moral ist auch moralisch unvernünftig.
Letztens bei Sergej Lukianenko gelesen: "Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guter Motivation."


Erstens ist das unlogisch und zweitens gibt das meines Erachtens nicht die Position von Meister Eckehardt wieder.

Zum Unterschied Gott-Gottheit bei Eckhardt siehe z.B. hier
 

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