Ne die Psycho-Tante (übrigens eine Soz.Päd wie Sarnade richtig vermutete) meinte halt einfach einen guten Freund, den man mal anrufen kann und der einem bei handw. Kleinigkeiten mal unter die Arme greift. Oder einfach mal unterstützt. Das hat sie gemeint, und sie hat recht finde ich. Es tat halt einfach weh. weil eben das genau ist was mir fehlt. Ich fand es nicht ok, dass sie mit mir so geredet hat, weil es nicht aufbaut. Ich hatte das Gefühl sie war schon mit ihren Gedanken woanders.
Sozialpädagogen sind für die Behandlung gravierender psychischer Probleme oder auch Krankheiten wie Depressionen nicht ausgebildet, überschätzen aber leider bisweilen ihre Kompetenzen. Ich meine zwar, dass in deinem Fall eine Beratung durch eine Sozialpädagogin ausreichen sollte. Es geht ja eigentlich "nur" um Frust wegen Partnerlosigkeit und Selbstunsicherheit. Aber mit einem ausgewachsenen Burn-out-Zustand oder Depressionen wäre meine erste Anlaufstelle mein Hausarzt, die zweite ein Psychotherapeut (zumindest klinischer Psychologe, besser noch Neurologe und Psychiater).
Ich hatte meine Schwester, als ich bei ihr Anzeichen einer Schizophrenie wahrnahm, anfangs auch zu einer Lebensberatungsstelle vermittelt. Ich kannte die Sozialpädagogin, die mir in einer Ausbildungskrise sehr geholfen hatte. Wegen meiner Schwester wollte ich eigentlich nur erreichen, dass sie sie davon überzeugen konnte, dass sie psychiatrische Hilfe braucht und die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrückt wurde. Aber die Sozialpädagogin hat ihre Kompetenzen überschritten und eine Beratungsserie mit meiner Schwester angefangen, wie sie es bei anderen, psychisch aber nicht (so) kranken Leuten auch tat. Wegen des schwierigen Umgangs mit meiner Schwester und weil ich nach der Entdeckung ihrer Wahnvorstellungen völlig schockiert war, hatte ich mich am Anfang auch noch mal von dieser Sozialpädagogin beraten lassen. Aber das Ganze war eine Schnapsidee. Mir hat die Sozialpädagogin anfangs noch erzählt, sie hätte bei meiner Schwester ein sehr gutes Gefühl im Hinblick auf Therapiebereitschaft und -fähigkeit. Sie hat aber nicht erkannt, wie krank meine Schwester in Wirklichkeit war. Vielleicht dachte sie, ich hätte übertrieben. Auch kann sich meine Schwester phasenweise meisterhaft verstellen und wirkt dann völlig normal. Letztlich wurde die Beraterin mit ihr nicht fertig und hat zugesehen, dass sie uns beide los wurde. Meiner Schwester hat es nichts gebracht, sie ist bis heute, 20 Jahre später, noch immer nicht in fachpsychiatrischer Behandlung. Ihr ganzes Leben ist den Bach runter gegangen. Sie hat keine abgeschlossene Ausbildung, nie gearbeitet, kein Einkommen, lebt in einer kleinen Sozialwohnung. Das gemeinsam ererbte, schuldenfreie Elternhaus musste nur wegen ihrer krankheitsbedingten Uneinsichtigkeit mit hohen finanziellen Verlusten teilungsversteigert werden. Und wir haben seit sieben Jahren keinen Kontakt mehr zueinander, weil ich ihren Psychoterror, dem ich zuvor zwölf Jahre lang ausgesetzt war, nicht mehr ertrage.
Man kann nicht alles für bare Münze nehmen, was solche Berater einem sagen. Man kann eben nicht jedem "Klienten" dasselbe Programm überstülpen. Selbst bei einem "richtigen" Psychologen oder Psychiater kann einem das passieren, dass einem der Mensch nicht liegt. Wenn es für dich nicht hilfreich ist, die Chemie nicht stimmt oder du dich nicht verstanden fühlst, musst du dir jemand anderen suchen.
Die Sozialpädagogin, bei der ich damals Rat suchte, sagte auch oft kurzfristig Termine wegen Krankheit ab und war sehr auf ihren pünktlichen Feierabend erpicht. Sie hat mir damals auch eingeredet, ich hätte zu wenig Freunde. Wozu führt das? Dass man krampfhaft sucht, sich anstrengt, sich zu viel gefallen lässt, enttäuscht wird und irgendwann doch resigniert aufgibt. Denn Freundschaften kann man nicht erzwingen. Schon gar nicht solche, die man angeblich mitten in der Nacht anrufen kann. Wenn man - vielleicht auch aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen schon in der Kindheit und Jugend - etwas an sich hat, was andere Menschen als gehemmt, uninteressant oder mauerblümchenhaft wahrnehmen, führen jahrelange Kraftanstrengungen, dies zu ändern, meist zu nichts Konstruktivem, sondern bestenfalls zur Erschöpfung. Und am Ende steht man doch allein da.
Manchmal denke ich, wenn man entspannter wäre und sich nicht an irgendwelche Normen klammern würde, dass und wie viele Freunde man haben "muss", würden sich vielleicht sogar eher welche finden, als wenn man sich ständig wegen des Gelabers irgendwelcher Psychotanten und Lebenshilferatgeber damit unter Druck setzt. Du hast eben im Moment keinen Partner und keine engen Freunde, und damit basta. Sie soll dir lieber Wege aufzeigen, wie du damit fertig wirst, ohne jedwede Lebensfreude zu verlieren; denn du kannst dir nun mal nicht im Handumdrehen einen Partner und Freunde herbeizaubern. Manches ist einem einfach auch als Schicksal oder "Kreuz" auferlegt, auch wenn die meisten Menschen davon heute nichts mehr hören wollen. Man muss lernen, es zu tragen, wenn Jahrzehnte der Auflehnung nichts gebracht haben.