meine Therapeuthin oder Beraterin sagte neulich zu mir, keiner kann ihnen sagen, ob sie nochmal jemanden kennenlernen oder nicht...keiner! (sehr tröstlich) auch manche glauben, es wird schon irgendwie einen Sinn haben, warum alleine (sie findet diese Ansicht einen Schmarrn- finde ich nicht) sie sagte...Leben sie jetzt...stehen sie nicht in der Wartestellung (stehe ich wirklich) machen sie sich ein schönes Leben...fühlen Sie sich nicht benachteiligt weil sie niemanden haben!! (ich fühl mich aber benachteiligt)
Ich hab keine Lust mehr auf diesen Singleseiten eeewiges hin und hergeschreibe und dann ist wieder nichts...oder auf so Stammtische gehen, da hab ich echt keine Lust...weil dort eben überdrehte Frauen sind...
Dieses Gefühl ich bin Single und doof ist bei mir ständig präsent... deswegen auch meine Selbstunsicherheit!!!
Ich habe anhand deiner Schilderung einen guten Eindruck von deiner Therapeutin. Sie ist ehrlich zu dir und macht dir keine unrealistischen Versprechungen. Denn es kann dir - und jedem anderen Single - in der Tat niemand garantieren, dass du noch mal jemanden kennen lernst. Auch wenn du das nicht gern hörst. Eine gehörige Portion Glück gehört immer auch dazu, und zwar bei jedem Menschen. Diejenigen, die einen
guten Partner haben, haben letztlich auch Glück gehabt - und wenn sie sich noch so sehr einbilden, es sei alles nur ihr persönliches Verdienst.
Ob Partnerlosigkeit einen Sinn hat oder nicht, kann ich letztendlich nicht sagen. Man verarbeitet Enttäuschungen im Leben aber leichter, wenn man ihnen einen Sinn abgewinnen kann. Ich las kürzlich im Urlaub eine Biographie über das frühere, inzwischen verstorbene belgische Königspaar Baudouin und Fabiola. Sie konnten zu ihrem Leidwesen bei ansonsten ausgesprochen glücklicher Ehe keine Kinder bekommen. Die Königin hatte in den 1960er Jahren fünf Fehlgeburten. Das Königspaar war sehr religiös, hat sein Schicksal letztlich als Gottes Willen akzeptiert und dahin umgedeutet, dass so in ihren Herzen mehr Platz für andere Menschen war und sie sich dadurch umso mehr für bedürftige andere Menschen, insbesondere Kinder, in Belgien einsetzen konnten. So bekam ihr Leben trotz der ungewollten Kinderlosigkeit einen neuen Sinn. Ich würde diese Einstellung jedenfalls nicht leichtfertig von vornherein als "Schmarrn" abtun. Eher ist es so, dass man auch und gerade an leidvollen Erfahrungen innerlich wächst und reift - wenn man es zulässt. Ist jedenfalls besser, als sich völlig gehen zu lassen, sich im Selbstmitleid zu suhlen und daran zu zerbrechen.
Ein Sprichwort von Epiktet, der im 1. Jahrhundert nach Christus lebte, sagt:
"Man darf das Schiff nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden." Ich finde diese Worte sehr weise. Benachteiligt und minderwertig fühlst du dich wegen deiner Partnerlosigkeit nur so lange, wie du dir einredest oder von anderen einreden lässt, dass ein erfülltes, glückliches Leben nur mit Partner, am besten auch noch mit "eigenen" Kindern, möglich ist. Dies wird uns durch die Werbung, kitschige Familienserien im Fernsehen, Texte von Popsongs und sogar den einen oder anderen sog. "Lebenshilfe-Ratgeber" ja auch täglich suggeriert. So lange du nicht bereit bist, diese Einstellung kritisch zu hinterfragen und aufzugeben, wirst du nichts im Leben wirklich genießen können - denn nach deiner Ansicht ist es ja ohne Partner nichts oder jedenfalls deutlich weniger wert. Das ist eine verzerrte Realitätswahrnehmung schon deswegen, weil längst nicht jede Partnerschaft glücklich ist. Ein Partner ist kein Glücksgarant.
Du kannst dir auch ohne Partner das Leben so schön wie möglich machen, wenn du nicht mehr darauf beharrst, dass dein Leben nur mit einem Partner lebenswert ist. Die Entscheidung, deine bisherige Einstellung aufzugeben, kannst du aber nur selber treffen. Das kann dir niemand abnehmen. Auch die Therapeutin nicht. Sie kann dir nur Denkanstöße geben.
Ich sehe für dich aber auch keine Vorteile, was deine bisherige Einstellung zu deiner Partnerlosigkeit betrifft: Behältst du sie bei, wirst du auch damit keine Partnerschaft erzwingen können. Das Aufgeben dieser Einstellung bedeutet auch nicht, dass du nicht mehr offen für eine Partnerschaft sein sollst. Aber die gedankliche Fixierung auf diesen Wunsch hindert dich daran, aktuell ein schönes Leben zu führen. Außerdem spüren Männer, wenn eine Frau verzweifelt und krampfhaft nach einem Partner sucht und sich alleine wertlos fühlt. So etwas schreckt nur ab und konterkariert deine eigenen Ziele.
Von Menschen, die dir etwas anderes einreden wollen und die dir gegenüber allzu sehr betonen, wie glücklich sie angeblich mit ihrem Partner und ihrer Familie sind, würde ich mich an deiner Stelle nach Möglichkeit fern halten. Wer wirklich glücklich ist, hat es gar nicht nötig, dies ausgerechnet solchen Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig in ganz anderen Verhältnissen leben, ständig unter die Nase zu reiben.