@diabolo
Also wenn hier einer alles zu seinen Gunsten auslegt, bist ja wohl du das, diabolo (es sei dir mal zugute gehalten, dass du dich mit Gesetzen nicht so auskennst, aber keine Angst, ich bin auch kein Jurist).
Die Gesetzesänderung wurde nur eingefügt, um juristisch einwandfrei klarzustellen, dass keiner zum Sex
gezwungen werden darf. Das war aber eigentlich auch vorher schon so. Dass beim Eingehen einer gesetzlich anerkannten Gemeinschaft jeder der beiden Partner sich auch zur Geschlechtsgemeinschaft
verpflichtet (freiwillig!!
nicht verpflichtet wird!!), ist nach wie vor so.
Aber du hast schon insoweit recht, als diese rechtlichen Sachen für die Probleme der Partnerschaft gar nichts bringen. Trotzdem sollte man doch im Hinterkopf behalten, dass beide ja freiwillig diese "Verpflichtung" eingegangen sind. Dann kann es doch nicht sein, dass jetzt der Sexfordernde so an den Pranger gestellt wird und der sexverweigernde das arme Lämmchen ist, dem so unrecht getan wird. Das verdreht doch die Tatsachen!
Ich habe jetzt übrigens bewusst "Sexverweigerer" und "Sexforderer" geschrieben, um ein wenig von dieser leidigen Männer-/Frauen-Geschichte wegzukommen, die ja angeblich hier so gepflegt wird. Der Sexverweigerer kann sowohl Mann als auch Frau sein.
Was ich an der ganzen Sache immer nicht verstehe, ist, dass sich zu Beginn der Partnerschaft ja
anscheinend beide immer einig sind, ein gemeinsames Leben mit allen Freuden und Leiden zu führen. Wie passt es dann dazu, dass einer der Partner die Sexgemeinschaft mehr oder weniger schnell und ohne Angabe von Gründen aufkündigt.
Das hat für mich immer einen sehr schalen Beigeschmack, so von wegen: Jetzt sind wir ja endlich ein Paar, jetzt brauch ich mich um den Sex nicht mehr zu kümmern und mir ist auch egal, wie es meinem Partner dabei geht. Das hat doch mit wahrer Liebe nichts mehr zu tun, oder??
Und wenns denn schon am Anfang oder nach sehr kurzer Zeit so ist, liegt die Vermutung doch sehr nahe, dass noch nie Liebe im Spiel war sondern nur der Wunsch, nicht alleine und versorgt zu sein. (Es gibt natürlich viele Paare, auf die dies alles nicht zutrifft, aber doch eine ganze Menge, wo dieser Eindruck erweckt wird.)
Warum unternimmt der Sexverweigerer nichts, um das Problem zu lösen?
Gehen wirs doch mal systematisch durch.
Vorteile für den Verweigerer:
- er/sie braucht keinen ungeliebten Geschlechtsverkehr zu dulden und hat seine Ruhe
- er/sie ist trotzdem gut versorgt
- die Kinder haben eine Familie
- die Wohnung ist gesichert
- dem Freundeskreis kann eine intakte Familie vorgegaukelt werden
Nachteile für den Verweigerer:
Siehe da, es gibt kaum Nachteile, eigentlich aus der Sicht des Verweigerers (natürlich immer vorausgesetzt, er/sie hat kein Interesse an Sex) nur Vorteile. Warum sollte also der Sexverweigerer Interesse daran haben, diesen Zustand zu ändern.
Das würde nur geschehen, wenn der Sexforderer tatsächlich ernsthaft eine Trennung ins Spiel bringen würde. Das würde die Situation schlagartig ändern und zumindest ein "Gleichgewicht der Kräfte" herstellen. Der Ausgang ist dabei allerdings ungewiss.
Warum erwägt der Sexforderer also nicht ernsthaft eine Trennung?
Vorteile einer Trennung:
- finden eines neuen Partners mit gleichen sexuellen Interessen möglich (wenn sich denn einer findet, vor allem im fortgeschrittenen Alter...)
Nachteile:
- meist finanzieller Ruin
- Familienleben zerstört
- Kinder bleiben in der Regel bei der Frau
- dummes Gerede von Freunden/Bekannten/Verwandten ("was, du lässt dich wegen zu wenig Sex scheiden? Du Schwein!)
- Verlust des "Zuhauses"
- Einsamkeit
Also praktisch nur Nachteile. Logisch, dass der Sexforderer nichts unversucht lässt, um mit der eigenen Frau ein normales Sexleben zu führen. Alles andere grenzt ja an Selbstaufgabe.
Lösung? Keine Ahnung. Wenn der Sexverweigerer sämtliche Angebote abblockt und nicht einmal konkret äußert, woran es denn liegt, dass es kein Sexleben mehr gibt, ja, da fällt mir auch nur noch wenig ein.
Nur Liebe, ja Liebe ist es dann mit Sicherheit nicht mehr, und wenigstens das würde ich auch dem Sexverweigerer ganz offen und deutlich sagen.