G
Grainne
Gast
Zitat von Grainne![]()
1. Als Person, die ich mich für mich selbst verantwortlich fühle und dafür, für die Erfüllung meiner Bedürfnisse zu sorgen, erwarte ich das auch vom anderen. Na holla, also wenn Du traurig bist, verletzt, unsicher etc., dann erwartest Du vom anderen Bedürfnisbefriedigung? Was machst Du, wenn diese Person mal gerade nicht da ist? 😕 Oder anders gefragt: "Wenn Dein Partner immerzu erwartet, kümmer Dich um mich, aber Du nicht die Kraft hast, da Du Dich selbst brauchst, was machst Du dann?"
Du bringst das entgegengesetzte Beispiel, nämlich, dass jemand maßlos bedürftig ist. Ich habe aber nicht von Maßlosigkeit und "geben ohne Ende" oder "fordern ohne Ende" geschrieben, sondern von normaler Bedürfnisbefriedigung im Rahmen des normalen, ausgewogenen Gebens und Nehmens.
Dazu gehört auch, dass man mal Nein sagen kann/darf.
Das ist meine Hauptkritik. Jemand, der das nicht kann, mit dem kann ich nicht, er wäre mir kein ebenbürtiger Partner - auf welcher Ebene auch immer. Genau diese Form von Partnerschaft -des gegenseitigen Benutzens- wird hauptsächlich gelebt. Co-Abhängigkeit eben. Sorry, für mich hat das einen negativen Beigeschmack...
Ich bezeichne das nicht als Co-Abhüngigkeit, sondern als gegenseitiges Geben und Nehmen.
2. Wir erwarten alle etwas von anderen - sonst würden wir sie nicht brauchen. Ich schreibe bewusst "brauchen", denn wir brauchen andere Menschen - wofür auch immer. Sich künstlich als "erwartungsfrei" darzustellen, ist schlichtweg nicht wahr.
Verzeih Grainne, wir brauchen andere Menschen wie z.B. einen Bäcker, Schlachter etc. ein Kind die Mutter/Vater. 😉 Soweit richtig. Brauchen heißt für mich Nehmen. In einer ausgewogenen Partnerschaft sollte Empfangen (Nehmen) und Teilen (Geben) sich die Waage halten. Das meinst Du wahrscheinlich mit ebenbürtig?! Da bin ich bei Dir...
Ja, natürlich meine ich geben und nehmen. Und dafür brauchen wir andere Menschen, oder willst du dir permanent selbst geben? Könnte auf Dauer einseitig werden, und, einsam...
Wir brauchen uns adäquate, ebenbürtige Menschen, mit denen wir das "geben und nehmen" agieren können, denn das ist menschlich: Agieren/kommunizieren mit anderen Menschen, das macht Menschsein aus.
Die Betonung liegt auf "ebenbürtig", denn, wenn die Personen, mit denen ich "agiere"/Kommuniziere, mir nicht ebenbürtig sind, werde ich permanent zu viel von diesen Personen erwarten, weil ich eben andere Ansprüche habe, weniger mich nicht "befriedigt" (warum auch immer); was wiederum heißen würde: ich müsste permanent, wenn ich mit Personen agiere/kommuniziere, unter meinen Möglichkeiten bleiben (geistiger, intellektueller und körperlicher Natur). -
Dies kann nur zu privater Unzufriedenheit führen, zu Frust, zu dem Gedanken: Schuld sind immer die anderen, denn die befriedigen meine Bedürfnisse nicht - das die anderen gar nicht können, wird dabei ausser acht gelassen.
Leider hat man selber daran einen Anteil, denn man hat sich die falschen "anderen" ausgesucht, die, mit denen man nicht "kann" (warum auch immer).
Da hilft dann nur, sich die Leute zu suchen, die zu einem passen, und den eigenen Ansprüchen genügen, so dass ich als hochentwickeltes Individuum nicht permanent unter meinem intellektuellen, emotionalen und körperlichen Level agieren muss.
3. Die Schlussfolgerung, dass wir uns dann, wenn wir von anderen etwas erwarten - nämlich die Erfüllung unserer Bedürfnisse -automatisch und immer abhängig und unzufrieden machen, stimmt nicht unbedingt, sie stimmt nur dann, wenn der andere tatsächlich nicht zu uns (bezüglich unserer Bedürfnisse) passt. Hier stimme ich Dir zu...
Erwartungen werden fast automatisch in jeder Situation gestellt. Davon spreche ich mich gar nicht frei (schon gar nicht künstlich)! 🙂 Aber es gibt m.E. einen großen Unterschied zwischen 2 Formen.
1. Die Erwartungshaltung, die eine Nichterfüllung toleriert (wir können sie gleich wieder loslassen) und
2. Die Erwartungshaltung die der Ent-täuschung unterliegt. Die unerlöste Variante, die uns unzufrieden macht!
Man kann nicht ständig Nichterfüllung tolerieren, bei allem guten Willen zum Mitmenschen, das geht nicht. Denn dabei bleibt man selbst mit seinen Bedürfnissen auf der Strecke. Immer Verständnis für andere haben ist sehr unbefriedigend, denn das Verständnis für einen selbst bleibt dabei auf der Strecke.
Dies festzustellen, obliegt nun wirklich uns selbst. Falsche Erwartungen in die falschen Personen zu stellen, ist wirklich dumm, und sollte vermieden werden. RICHTIG
Genau. Leider geschehen die meisten Fehler im zwischenmenschlichen Bereich genau an dieser Stelle: Man gibt sich mit den "falschen", weil für einen selbst unpassenden, Menschen ab.
4. Falls der andere aber passt, zu meinen Bedürfnissen, und ich umgekehrt zu seinen, geschieht Abhängigkeit - und sie ist, bis zu einem gewissen, von beiden Seiten gewollten Maß, ganz normal, ohne sie gäbe es kein menschliches Miteinander, egal, auf welcher Ebene.
Wenn zwei ganze Teile sich zusammenfinden und sich gegenseitig Raum für Ihre Bedürfnisse lassen, dann geschieht keine Abhängigkeit, Grainne.
ich denke, das ist eine Definitionsfrage, ob es sich dabei um Abhängigkeit handelt, oder nicht.
Ich denke, angesichts der Tatsache, dass es so selten ist, dass sich zwei passende Teile zusammen finden, ist da schon eine gewisse - einerseits - Freude vorhanden, endlich jemanden gefunden zu haben, der wirklich passt, andererseits auch eine gewisse "Grundangst", dieser jenige, der doch so gut passt, und nach dem man evt. so lange gesucht hat, könne schnell wieder verschwinden.
Oder aber beide wertschätzen sich dermaßen, weil sie wissen, was sie aneinander haben, dass sie beide klammern, also eine symbiotische Beziehung entsteht. Finde ich eigentlich auch nicht soooo schlimm.
