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Seelische Gewalt? - der Versuch das Unfassbare zu verstehen

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#SENECA#

Mitglied
Hallo Ihr Lieben,

von Herzen ein Dank für Eure Überlegungen und Gedanken in der geschilderten Angelegenheit.
Es hilft mir enorm. Innerlich bemerke ich ein Gefühl langsam wachsender Ruhe, ich komme sozusagen dem angestrebten mentalen Abschluss näher.

Interessant für mich ist das breite Spektrum an Sichtweisen Eurerseits.
So glaube ich mittlerweile mich in eine Art Idealisierung verrannt gehabt zu haben.
Ich hatte insgeheim gehofft die ausschließliche Erklärung in einem Opfer-Konstrukt zu finden, so dass
ich mein selbst geschaffenes Bild des "idealisierten Menschen" nicht hätte überdenken müssen.

Ein zweiter Fehler, den ich mir selber eingestehe, war, die Dinge rein rational zu betrachten. Ohne Akzeptanz für möglicherweise unterschiedliche Sichtweisen, Empfindungen oder Bewertungen.
Dazu natürlich auch die fehlende Akzeptanz, dass bestimmte Erkenntnisse erst einmal reifen müssen.

Bei allen potenziellen Möglichkeiten in Richtung seelischer Gewalt, Psychoterror oder dergleichen, bleibt final die Erkenntnis, dass solche Themen ja immer zwei Figuren benötigen: einen Akteur und halt einen, der es zulässt. Damit bleibt schlussendlich für jeden erwachsenen Menschen eine Eigenverantwortung betreffend seinem eigenem Handeln.

Im Gespräch mit vornehmlich älteren Bekannten / Freunden stellte ich fest, dass durchaus Einige Erfahrungen ähnlicher Art machten. Dabei scheint es gar so zu sein, dass manche Menschen derartiges geradezu magisch anziehen (hohe Sensibilität? Helfersyndrom?).

Meine Eingangsfrage "wie schafft man es einen Menschen binnen weniger Tage um 180° zu drehen?" wurde zwar nicht beantwortet - ich beginne aber innerlich zu akzeptieren, dass ich diese Antwort vermutlich nie erhalten werde.

Nochmals herzlichen Dank an Euch!
 
Zuletzt bearbeitet:

Tatjana77

Mitglied
Nur kurz

1. die Person dreht sich nicht um 180 Grad. Sie hat einfach verschiedene Seiten. Niemand ist perfekt. Weder Du noch sonst wer! Das Schicksal schlägt früher oder später zu.

2. Seelische Gewalt durch den Partner ist normal - und tabuisiert. 25,5 Prozent aller Frauen erleben aktuell (Daten von 2016) rein psychische Gewalt ihres Partners, 38 Prozent inkl. körperlicher oder sexueller Gewalt.

Ich verstehe diese Idealisierungsdynamik so, dass man sie konsequent auf die Spitze treiben kann. Ist trotzdem immer wieder überraschend. Hilfreicher wäre Mitgefühl (auch für Schwächen, Interesse an der ganzen Person) inklusive der Akzeptanz der Präsenz des Bösen. Erst dann kann man etwas dagegen tun.

www.re-empowerment.de ist eine gute Adresse, wenn der Kontrolle entgangen werden kann. Weiterhin kann sie den Mann der Wohnung verweisen lassen (Polizeirecht) und es kann ein Näherungsverbot ausgesprochen werden - und es gibt auch Frauenhäuser.. der Mann kann wegen Nötigung und Körperverletzung angezeigt werden. Es gibt schon Möglichkeiten, und die benötigt Hilfe, denn die Gewalt ist bei der Trennung am stärksten und (lebens-) gefährlichsten. Ist doch offensichtlich warum sie aussieht wie der Tod persönlich und nicht arbeiten und sich nicht mitteilen kann. Was soll sie auch sagen?
 

Tatjana77

Mitglied
Nun antworte ich auf die pn öffentlich. Es ging darum, wie man Zugang zu Frauen, die von seelischer Gewalt betroffen sind, bekommen kann.

Der Kommunikationskanal muss erst einmal geebnet werden:

Vor allem wegen der Verwirrung (seelische Gewalt ist Gehirnwäsche) in Verbindung mit Schuld- und Schamgefühlen (Frauen fühlen sich für die Familie verantwortlich) muss die Betroffene selbst herausfinden, erkennen, was ihr angetan wird. Das ist auch wegen der zugrundeliegenden und nicht thematisierten gesellschaftlichen Machtverhältnisse von Männern gegenüber Frauen sehr schwierig.

Hilfreich ist, zu erkennen, dass es anderen genauso geht, Frauen mit traditionellen Vorstellungen von Ehe etc sind besonders gefährdet, und das Phänomen betrifft alle gesellschaftlichen Schichten. Ein höheres Risiko haben auch Frauen, deren Bildungsniveau und beruflicher Status den ihres Mannes übersteigt.

Dazu muss sie sich öffnen, dies ist nur möglich, wenn ganz sicher ist, dass der Zuhörer sie nicht verurteilt (etwa weil sie nicht so funktioniert, wie die sollte), sondern Entwicklung ermöglicht, aber nicht fordert.

Zb wäre es ein Weg, ihr einen Kommunikationskanal zur Verfügung zu stellen, der nicht kontrolliert werden kann (darf auf keinen Fall dem Mann bekannt werden), zb Handy, Laptop, die am Arbeitsplatz verbleiben und gleich Hilfsangebote zu nennen, die leicht zu erreichen sind (niedrigschwellig). Das oben genannte Forum kann ich nur empfehlen.

Viel Erfolg
 

#SENECA#

Mitglied
@ Tatjana

Hab Dank! Deine Gedanken sind enorm hilfreich.

Die angegebene WEB-Seite habe ich umfassend studiert. Ein geniales Kompendium mit zahllosen Erklärungen und Hilfestellungen. Es kommt mir beinahe vor wie eine Blaupause des Erlebten.
Durch die vielen Artikel wird das Thema jetzt endlich "fassbar".

Mit Deiner Äußerung zu Bildungsniveau und Status liegst Du erneut goldrichtig:
Der Gatte abgebrochenes Studium, damit vermutlich begrenztes Einkommen,
sie Akademikerin mit Abschluss und wirklich guten Einkünften.
Erschwerend: Er mit reichlich zerrütteter Familie, Einzelkind, sie aus intakter, sehr fürsorglicher Familie mit 4 Kids.

Getreu den Hinweisen der WEB-Seite habe ich einige üble Fehler gemacht:
  • Ich habe ihre Warnsignale und Hilferufe in der Phase des engen Dialogs nicht verstanden,
    meine Fehlinterpretation war die, dass sie sich im Gefühlstaumel zwischen ihrem Gatten und mir aufrieb.
  • Ich bin bewusst nicht auf diese Hilferufe eingegangen, da ich mich nie in ihre Ehe einmischen wollte -
    dabei wollte sie rückblickend sich ganz bewusst mitteilen.
  • Nach dem Kollaps habe ich sie (und indirekt ihn) mit den vermutlichen Tatsachen konfrontiert - auch nicht gut.

Vielleicht ist das alles ja der Versuch besagte Fehler im Nachhinein korrigieren zu wollen?
 

Tatjana77

Mitglied
Diese Männer sind Versager. Sie haben keine Möglichkeit, sich hochzuarbeiten und kompensieren dies durch destruktives "Vorankommen". Vermutlich idealisiert er sie noch und sie ihn, zumindest nützt sie ihm und sie will ihm helfen.

Du hast die üblichen Fehler gemacht. Aber am wichtigsten ist, sich für sie weiterhin zu interessieren und ihr zu helfen. Einmischen ist meist gut. Es heißt ja nicht, mitzumischen oder Kontrolle auszuüben. Die Kommunikation ist das, was nicht läuft und daher angekurbelt werden muss (soll nicht so dozierend rüberkommen, das steht auch auf der Website, vermute ich). Andere Sichtweisen rein bringen, Möglichkeiten zu Öffnung nach außen anbieten, nichts erwarten. Ist es schlecht, die zu konfrontieren? Eher, es ihn mitbekommen zu lassen. Es gibt auch sehr viele Männer, die ihre Frauen oder Exfrauen töten - als Reaktion auf die Trennung. (Öfter als jeden dritten Tag in Deutschland, denn die Gewalt eskaliert bei Trennung und die Tötung ist die letzte "Konsequenz".
 

JimGmail

Aktives Mitglied
Hallo
Eine mögliche Erklärung, wie es dazu kam, dass sie sich für dich so verändert hat findet sich für mich möglicherweise darin, mit wem sie zusammen lebt.
Du beschreibst es so, dass sie umgeben ist von der Familie ihres Mannes. Wenn die gemeinsam Druck auf sie ausgeübt haben, dann kann das schon sein, dass sie sich klein machen lassen hat.
Solch einen ähnlichen Fall kenn ich auch, da gab es allerdings auch Kinder und der Mann brachte seine Frau mit diversen Drohungen wieder auf Spur.

Die von dir erwähnte Überwachung lässt jedenfalls einiges darauf schließen, wie die Ehe-Verhältnisse seinen dürften.

Gruß Jim
 

#SENECA#

Mitglied
Erneut mein Dank für alle Eure Kommentare. Wirklich jeder Beitrag liefert hilfreiche, interessante Mosaiksteinchen, die mir helfen das Gesamtbild zu verstehen.

Insgesamt wächst in Anbetracht dieser Psychokacke (bitte verzeiht die Wortwahl) eine unglaubliche Ohnmacht, ja fast eine Wut. Das Modell des Täters funktioniert augenscheinlich in perfider Perfektion. Durch konsequentes Abkappen aller sozialen Bande wird der Einfluss auf das Opfer immer exklusiver und substanzieller. Wie eine Art Abwärtsspirale. Es scheint wirklich so, dass all diese "Beziehungen" einzig im Kollaps ihr Ende finden können. Und genau das ist für Außenstehende, speziell für Nahestehende im Umfeld schier wahnsinnig mit anzusehen.

Im konkreten Fall berichten die Eltern von allzu selten angenommenen Telefonaten, die rein oberflächlich und steril wirken, bei denen sie stets das Gefühl haben eines Mithörens.
Nachrichten werden, so überhaupt, nur noch außerhalb der Arbeitszeit beantwortet. Womöglich ist das Handy entzogen? Oder die "Gehirnwäsche" ist bereits derart weit gedrungen, dass das Opfer erst Rücksprache hält, bevor es sich traut der eigenen Mutter zu antworten.
Der neueste Clou ist jetzt die Absage zum Weihnachts- und Neujahrsbesuch. Nachtigall, ick hör dir tapsen.

Da stellt sich die Frage, wie dieser Kontrollwahn weitergehen wird?
 

JimGmail

Aktives Mitglied
Hallo
Ist nachvollziehbar, dass du dich irgendwie hilflos fühlst in der Situation.

Falls es dich interessiert, wie eine Gehirnwäschen funktioniert, dann suche mal in Google mit den Begriffen
"vera birkenbihl chinesische gehirnwäsche". Die Frau liefert da eine schöne Erklärung dazu, wie die Chinesen im WW2 amerikanische Gefangene dazu brachten, freiwillig ihr Land zu verraten und für die Chinesen zu arbeiten.


Gruß Jim
 

Tatjana77

Mitglied
Vermutlich wird extrem kontrolliert und eingeschüchtert bzw mit moralischen Vorhaltungen manipuliert und Tatsachen verdreht (er weiß, wie er die kriegen kann). Kontakte nach außen, besonders korrigierende, sind für ihn äußerst gefährlich und er wird ein Riesentheater machen, um sie zu unterbinden. Ich würde ihr auf jeden Fall signalisieren, dass ihre Not verstanden wird, sie keinen Anteil an der Situation trägt, sie aufgegangen und sicher ist, wenn sie sich löst, sie den Mann der Wohnung verweisen kann oder eine sichere Unterkunft verfügbar ist. Das Forum kann sicher sehr helfen bei der Entscheidung helfen, sich zu trennen. Die Konfrontation findet schon statt, deswegen muss sie sich bald befreien. Es ist aber auch ein Schritt zur Befreiung.

Das Buch "Masken der Niedertracht" kann ich auch empfehlen.
 

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