Es kann auch nach hinten losgehen, wenn sie jetzt noch studiert. Ist bei mir und meinem Freund quasi so passiert.
Hätte er mich vor 5 Jahren - als es mit dem Langzeitstudentendasein nicht so lief und ich am liebsten Hausfrau und Mutter gewesen wäre - gefragt, ob wir heiraten und Kinder bekommen sollen: ich hätte sofort ja gesagt, meine ohnehin mickrige Karriere hintenangestellt, ihm die Steuerklasse 3 gegeben und ihm und seiner Karriere den Rücken freigehalten. Nebenher vermutlich schon noch fertig studiert, aber in gemütlichem Tempo, seine Karriere wäre stets vor meine gegangen.
Tja, auch ihm war es wichtig, dass ich erst "ordentlich was verdiene". Ihm zuliebe habe ich sogar dafür gesorgt, unser Gehalt ist mittlerweile fast gleich und womöglich überhole ich ihn sogar noch.
Es gibt jetzt nur ein Problem: ich mag meine Karriere. Ich habe ebenfalls Gefallen daran gefunden, überdurchschnittlich zu verdienen. Das mit Steuerklasse 3 kann er jedenfalls schon mal vergessen. Und auch das mit den Kindern überlege ich mir gerade 2mal. Genauer gesagt: ich erwarte, dass auch er seine Stunden halbiert und den Nachwuchs hütet, denn jetzt werde ich garantiert nicht mehr für die Kinder aufhören. Ich denke gar nicht daran, je weniger als Teilzeit zu arbeiten, er soll seine Stunden (und dadurch auch sein Gehalt) gefälligst ebenfalls zum Zwecke der Kinderbetreuung halbieren. Und jetzt ist es mir auch egal, wenn er dann nicht mehr z.B. Projektleiter werden kann, weil die Stelle nur an Vollzeitler vergeben wird. Früher hätte ich alles für seinen Aufstieg getan, ich hätte ja überproportional mitprofitiert. Heute sehe ich lieber zu, den guten Posten selbst zu kriegen.
Daher solltest du es dir gut überlegen: wärst du bereit, den Preis einer Karrierefrau zu zahlen? Kannst du damit leben, wenn sie sich so verändert, dass sie - erstmal Blut geleckt - ihre eigene Karriere deutlich vor die deine stellt? Dich in puncto Kinder immer auf "in 2 Jahren" vertröstet, um es dann wieder um 2 Jahre hinauszuschieben, weil wieder ein Karriereschritt winkt, der erstmal Vorrang hat? Wenn sie von dir erwartet, dass du die Stunden reduzierst oder gar ganz aufhörst, denn bei ihr läuft es ja gerade so gut...?
Und was machst du, wenn du für sie nicht mehr der tolle Gutverdiener bist, der ihr ein so schönes Nest bereitet? Wenn sie selber gut verdient, wirst du umso mehr mit anderen Dingen punkten müssen, denn mit Geld wirst du sie dann nicht mehr beeindrucken können, das muss dir klar sein.
Du musst dir eben überlegen: willst du eine Frau, die deine Karriere pusht, dir später mal die Care-Arbeit abnimmt? Dann ist es optimal, dass sie so wenig verdient, denn je weniger sie verdient, umso weniger wird sie dem Geld hinterhertrauern. Das wäre dann eben eine klassische Familie wie vor 50 Jahren (im Notfall springt Vater Staat ein, verhungern muss in Deutschland keiner, du kannst ja auch ne Lebensversicherung abschließen).
Oder ist es dir wichtiger, dass deine Frau ebensoviel verdient, auch zu dem Preis, dass du bei der Care-Arbeit dann aber genauso herangezogen wirst? Also auch dein Gehalt schrumpft, weil von dir erwartet wird, ebenfalls Stunden zu reduzieren?