Verstehe ich das richtig, du arbeitest selber also nicht gerne und hättest lieber, dass deine Frau auch viel verdient, damit du selber Stunden reduzieren kannst und nicht Vollzeit arbeiten musst?
Ganz so negativ sehe ich das nicht. Ich habe das jetzt eher so verstanden, dass er durchaus bereit dazu wäre, selber für Kinder Stunden zu reduzieren und er sich auch lieber um die Kinder kümmern als einer Lohnarbeit nachgehen würde. Bzw. dass er wohl gerne das gehabt hätte, was ich und mein Freund mal wollen: beide arbeiten Teilzeit und kümmern sich zu je 50% um Kinder und Haushalt. Das geht eben nicht, wenn einer nur Mindestlohn verdient, bzw. man muss sich dann finanziell stark einschränken. Das finde ich sogar prima von ihm, es gibt genug Männer, die die brotlose CARE-Arbeit am liebsten zu 100% der Frau überlassen, um nur selbst keine Gehaltseinbußen zu haben, um im Falle einer Trennung dann beleidigt zu sein, weil man ihr was von seinem Ersparten abgeben muss.
Den Wunsch, nur noch Teilzeit zu arbeiten, kann ich jedenfalls gut verstehen. Den habe ich manchmal auch, so sehr ich meinen Job auch mag. Mein Partner ebenfalls. Gerade in stressigen Projektphasen ist die Aussicht "irgendwann arbeite ich nur noch Teilzeit, das Geld wird schon reichen" schon etwas, das einem irgendwo auch Kraft und Zuversicht gibt. Seien wir mal ehrlich: wer würde nicht gerne aus dem Hamsterrad ausbrechen und mehr Freizeit haben?
Genauso ist es aber auch legitim, wenn die Freundin eben keine Lust auf Karriere hat und lieber einen - für sie - stressfreieren Job hat. Eben einen, wo man nachts nicht auch noch vom Projekt träumt und selbst abends beim Serien schauen mehr an die Arbeit denkt, als dass man was von der Serie mitkriegt. In den ungelernten Jobs ist es in meinen Augen leichter, die Arbeit auf der Arbeit zu lassen. Man arbeitet seine Stunden ab, hat meist feste Arbeitszeiten, am Monatsende kommt ein Gehalt von dem man irgendwie leben kann und gut ist.
Denn diesen Haken hat eine Karriere schon auch: es wird schlicht erwartet, dass man aufsteigt. Würde ich beim Aldi an der Kasse sitzen, ich würde morgens anfangen, abends aufhören und zwischendrin mal ein Regal einräumen. Und das immer schön weiter.
Ich dagegen verdiene zwar das Doppelte der Aldi-Kassiererin, aber von mir wird einfach
immer erwartet dass ich mich weiterbilde. Privat, weil in der Arbeitszeit ist ja keine Zeit, um Programmiersprache AB zu lernen oder Zertifikat XY zu machen. Jedes Jahr dieser verdammte Development Dialog, bei dem besprochen wird, wie man sich denn im kommenden Jahr weiterentwickeln
müsse könne und bei dem man partout nicht sagen kann, dass man mit der eigenen Position ganz zufrieden ist und eigentlich gar keinen Bock hat, sich nach Ende der Arbeitszeit noch weiter mit der Kacke zu beschäftigen (wird einem sonst als mangelnder Arbeitseifer ausgelegt). Wenn ich gewusst hätte, wie hoch der Weiterentwicklungsdruck ist, ich wüde im Nachhinein auch lieber an der Aldi-Kasse sitzen, Geld hin oder her.
Vielleicht geht es deiner Freundin ja auch so und sie hat lieber einen schlecht bezahlten Job, der ihr jedoch nicht zu sehr an die (mentalen) Kräfte geht, als immerzu zu noch höheren Leistungen angetrieben zu werden, obwohl es für sie längst "genug" ist.