Andreas900
Sehr aktives Mitglied
Hallo liebe Community,
nach jahrelanger Überlegung bin ich jetzt den Weg zu einem Psychologen gegangen.
Meine "extrem professionelle" Selbstdiagnose schwankte irgendwo zwischen Autismus, Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und schizoider Persönlichkeit.
Würde ich meinen Charakter in Stichpunkten beschreiben:
Ansonsten die Kurzfassung: Meine Mutter und Vater haben sich getrennt bevor ich zur Welt kam. Mutter ist zu ihren Eltern (meinen Großeltern) und hat mich dann da geparkt, ist als ich ungefähr 7 war, in eine eigene Wohnung gezogen. Inzwischen sind meine Großeltern verstorben und meine Beziehung zu meiner Mutter ist sehr schwierig.
Einen Psychologen finden war schwierig, da die meisten auf X Monate ausgebucht waren. Schließlich fand ich einen, der kurzfristig Zeit hatte. Das war in meinem Fall wichtig, da ich sonst das Problem immer wieder von mir wegschob. Einziges Problem: Ich muss ihn auf eigene Rechnung zahlen und das sind 100 € die Stunde. Aber sei es drum, für ein paar Stunden um überhaupt mal einzusteigen, ist mir das die Sache wert.
Im ersten Termin sprach er relativ schnell meine Kindheit an und deutet eine PTBS an. Klar war wieder das Thema dass ich von meiner Mutter und meinem Vater zurückgewiesen wurde. Es war aber auch vieles was daraus folgte.
Ich hatte als Kind lange Zeit Alpträume. Das war als ich ungefähr 10 Jahre war und meine Oma damals 75. Sie war meine Hauptbezugsperson aber aufgrund ihres Alters hatte ich Alpträume dass sie sterben würde. Ich war ungefähr 20 als mein Opa verstarb und der Zustand meiner Oma deutlich schlechter wurde. Nochmal gut 10 Jahre später nach einigen Jahren der Pflege durch mich, verstarb meine Oma.
Es waren aber auch Kleinigkeiten. Etwa, dass jedes Kind von den Eltern abgeholt wurde, wenn am Nachmittag Sportunterricht war, ich nicht, weil mein Opa nicht mehr Auto fahren konnte. Dass meine Oma mich als kleines Kind schon in Oberhemden zur Schule geschickt hat, generell habe ich da Gefühl, ich wurde wie eine Generation zuvor erzogen. Die fehlende Vaterfigur, denn mein Opa war bereits zu meiner Geburt ein sehr alter, passiver Mann mit Verletzungen aus dem 2ten Weltkrieg.
Jedenfalls gewöhnte ich mir schnell an, immer eine Rolle zu spielen, ja zu sagen und Erwartungen zu erfüllen. Ich war ein guter Schüler. Später folgten Zivildienst, Ausbildung, Studium und Job, nach außen hin eine beruflich guter Lebenslauf.
Jenseits dieser Erfüllung meiner Rolle, versteckte ich mich in Fantasiewelten, zockte World of Warcraft, surfte im Internet, heute begeistert mich z.B. das Thema KI. Ich stellte mich dem Leben wo es notwendig war, kümmerte mich um mein Eigentum, mein Geld, Gesundheit ist auch ganz ok.
Aber sozial, wie es meine Arzt formulierte, hielte ich alle Menschen auf "Armlänge" von mir weg. Ich konnte freundlich sein, Mitleid zeigen, aber alles immer nur gespielt. Geburt, Heirat, Tod anderer Menschen, mir recht egal.
Ich erlebte den Kontakt mit anderen Menschen oft als negativ. Weil ich andere Kinder von mir abschreiben ließ, war ich halbwegs beliebt, aber eben auch nur weil man mich ausnutzte. Später auch als Fahrer wenn ich meine betrunkenen Freunde nach Hause fuhr. Dankbarkeit? Das Gegenteil! Eine Zeile über mich in der Abi Zeitung war "er lässt sich gerne ausnutzen". Ich war zu brav, zu lieb, zu naiv. Aber ich hatte auch keine Ahnung von der Welt. Familienurlaub gabs bei meinen Großeltern Ü75 nicht, außer Schule und Zuhause kannte ich nichts.
Damals vermutete ich dass dies ein Autismus Spektrum sein könnte. Im Kindergarten hatte ich den Spitznamen "Professor". Ich verschlang "Was ist Was" Bücher statt mit anderen Kindern im Sandkasten zu spielen, könnte früh lesen, hatte aber Sprachprobleme.
Inzwischen gehen meine Gedanken eher in Richtung einer schizoiden Persönlichkeit, weil mein Leidensdruck eher gering ist und ich wenig Bedürfnis zur Veränderung sehe. Es ist eher ein Druck von außen, der mich nachdenken lässt. Etwa wenn meine Mutter mir zu nahe kommt, oder Kollegen. Mir immer wieder Ausreden einfallen zu lassen warum ich keinen engeren Kontakt will. Und dann gibt es Momente, wo ich durchaus mit einem Menschen sprechen will, schönes oder Erfolge teilen.
Das Spielen einer Rolle kostet Kraft, vor allem meine Mutter halte ich immer weniger aus. Ihr ständiges Meckern über die ganze Welt, über meine Oma, ihr Rechtfertigungen, ihr passiv aggressives Verhalten. Ich weiß aber auch: Wäre meine Mutter morgen weg, wäre mein Leben nicht plötzlich anders und besser. Ich weiß aber, dass mein "Schmerz" immer dann verstärkt auftritt, wenn mir Menschen Nähe aufzwingen. Schulausflug, Betriebsausflug oder gar ein Übernachten in einer Jugendherberge mit Anderem im selben Zimmer? So sieht für mich die Hölle aus. Pinkeln an eine Pissoer wenn jemand neben mir steht? Im Leben nicht. Selbst in einer Toilettenkabine kann ich nur schwer Wasser lassen wenn ich weiß jemand ist draußen und könnte es hören.
Selbst meine Rolle "im Büro sitzen und arbeiten" kostet Kraft. 90% der Zeit denke ich nur daran wie ich gerade auf Andere wirke. Was soll ich sagen, wie soll ich sitzen, was kommt jetzt gut an? Mein größter Leidensdruck ist, dass mich das müde macht, dass ich nach dem Job oder nach einem Gespräch meiner Mutter nicht einfach umschalten kann auf Freizeit, sondern mich Dinge Tage lang beschäftigen.
Ich weiß nicht welche Erwartungshaltung ich an meinem Psychologen habe. Vielleicht nur ein Schulterklopfen "Ist nicht Ihre Schuld, alles ist ok so". Vielleicht nur jemand, bei dem ich mich mal aussprechen kann. Ich glaube nicht, dass ich mich ändern werde, geschweige denn überhaupt will. Ich weiß auch nicht ob die die Therapie fortsetze, ich brauche vermutlich wider einige längere Zeit um das alles sacken zu lassen.
LG + Danke fürs Lesen
Andreas
nach jahrelanger Überlegung bin ich jetzt den Weg zu einem Psychologen gegangen.
Meine "extrem professionelle" Selbstdiagnose schwankte irgendwo zwischen Autismus, Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und schizoider Persönlichkeit.
Würde ich meinen Charakter in Stichpunkten beschreiben:
- Sozialer Rückzug: kaum oder kein Bedürfnis nach engen Beziehungen, meist Einzelgänger.
- Emotionale Distanziertheit: wirke oft kühl, gleichgültig oder unbeteiligt.
- Geringes Interesse an romantischen Beziehungen mit realen Personen.
- Präferenz für Alleinsein: bevorzuge Tätigkeiten, die alleine durchgeführt werden können.
- Unwohlsein in sozialen Situationen und ständiges Spielen einer Rolle
- Präferenz für fiktive Welten und Personen, von Filmen, Computerspielen bis Büchern
Hi zusammen,
die meisten meiner nahestehenden Verwandten sind verstorben und meine Mutter ist so ziemlich die einzige, zu der ich regelmäßig Kontakt habe. Von daher ist mir meine Mutter schon wichtig.
Wer meine Situation nicht kennt: Meine Eltern haben sich vor meiner Geburt getrennt und meine Mutter hat mich bei ihren Eltern geparkt. Ich bin also bei meinen Großeltern aufgewachsen, hatte immer nur ein sehr distanziertes Verhältnis zu meiner leiblichen Mutter und habe meinen Vater erst mit 18 erstmalig kennen gelernt. nach dem Tod meiner Großeltern hatte meine Mutter wohl die...
die meisten meiner nahestehenden Verwandten sind verstorben und meine Mutter ist so ziemlich die einzige, zu der ich regelmäßig Kontakt habe. Von daher ist mir meine Mutter schon wichtig.
Wer meine Situation nicht kennt: Meine Eltern haben sich vor meiner Geburt getrennt und meine Mutter hat mich bei ihren Eltern geparkt. Ich bin also bei meinen Großeltern aufgewachsen, hatte immer nur ein sehr distanziertes Verhältnis zu meiner leiblichen Mutter und habe meinen Vater erst mit 18 erstmalig kennen gelernt. nach dem Tod meiner Großeltern hatte meine Mutter wohl die...
- Andreas900
- Antworten: 331
- Forum: Familie
Einen Psychologen finden war schwierig, da die meisten auf X Monate ausgebucht waren. Schließlich fand ich einen, der kurzfristig Zeit hatte. Das war in meinem Fall wichtig, da ich sonst das Problem immer wieder von mir wegschob. Einziges Problem: Ich muss ihn auf eigene Rechnung zahlen und das sind 100 € die Stunde. Aber sei es drum, für ein paar Stunden um überhaupt mal einzusteigen, ist mir das die Sache wert.
Im ersten Termin sprach er relativ schnell meine Kindheit an und deutet eine PTBS an. Klar war wieder das Thema dass ich von meiner Mutter und meinem Vater zurückgewiesen wurde. Es war aber auch vieles was daraus folgte.
Ich hatte als Kind lange Zeit Alpträume. Das war als ich ungefähr 10 Jahre war und meine Oma damals 75. Sie war meine Hauptbezugsperson aber aufgrund ihres Alters hatte ich Alpträume dass sie sterben würde. Ich war ungefähr 20 als mein Opa verstarb und der Zustand meiner Oma deutlich schlechter wurde. Nochmal gut 10 Jahre später nach einigen Jahren der Pflege durch mich, verstarb meine Oma.
Es waren aber auch Kleinigkeiten. Etwa, dass jedes Kind von den Eltern abgeholt wurde, wenn am Nachmittag Sportunterricht war, ich nicht, weil mein Opa nicht mehr Auto fahren konnte. Dass meine Oma mich als kleines Kind schon in Oberhemden zur Schule geschickt hat, generell habe ich da Gefühl, ich wurde wie eine Generation zuvor erzogen. Die fehlende Vaterfigur, denn mein Opa war bereits zu meiner Geburt ein sehr alter, passiver Mann mit Verletzungen aus dem 2ten Weltkrieg.
Jedenfalls gewöhnte ich mir schnell an, immer eine Rolle zu spielen, ja zu sagen und Erwartungen zu erfüllen. Ich war ein guter Schüler. Später folgten Zivildienst, Ausbildung, Studium und Job, nach außen hin eine beruflich guter Lebenslauf.
Jenseits dieser Erfüllung meiner Rolle, versteckte ich mich in Fantasiewelten, zockte World of Warcraft, surfte im Internet, heute begeistert mich z.B. das Thema KI. Ich stellte mich dem Leben wo es notwendig war, kümmerte mich um mein Eigentum, mein Geld, Gesundheit ist auch ganz ok.
Aber sozial, wie es meine Arzt formulierte, hielte ich alle Menschen auf "Armlänge" von mir weg. Ich konnte freundlich sein, Mitleid zeigen, aber alles immer nur gespielt. Geburt, Heirat, Tod anderer Menschen, mir recht egal.
Ich erlebte den Kontakt mit anderen Menschen oft als negativ. Weil ich andere Kinder von mir abschreiben ließ, war ich halbwegs beliebt, aber eben auch nur weil man mich ausnutzte. Später auch als Fahrer wenn ich meine betrunkenen Freunde nach Hause fuhr. Dankbarkeit? Das Gegenteil! Eine Zeile über mich in der Abi Zeitung war "er lässt sich gerne ausnutzen". Ich war zu brav, zu lieb, zu naiv. Aber ich hatte auch keine Ahnung von der Welt. Familienurlaub gabs bei meinen Großeltern Ü75 nicht, außer Schule und Zuhause kannte ich nichts.
Damals vermutete ich dass dies ein Autismus Spektrum sein könnte. Im Kindergarten hatte ich den Spitznamen "Professor". Ich verschlang "Was ist Was" Bücher statt mit anderen Kindern im Sandkasten zu spielen, könnte früh lesen, hatte aber Sprachprobleme.
Inzwischen gehen meine Gedanken eher in Richtung einer schizoiden Persönlichkeit, weil mein Leidensdruck eher gering ist und ich wenig Bedürfnis zur Veränderung sehe. Es ist eher ein Druck von außen, der mich nachdenken lässt. Etwa wenn meine Mutter mir zu nahe kommt, oder Kollegen. Mir immer wieder Ausreden einfallen zu lassen warum ich keinen engeren Kontakt will. Und dann gibt es Momente, wo ich durchaus mit einem Menschen sprechen will, schönes oder Erfolge teilen.
Das Spielen einer Rolle kostet Kraft, vor allem meine Mutter halte ich immer weniger aus. Ihr ständiges Meckern über die ganze Welt, über meine Oma, ihr Rechtfertigungen, ihr passiv aggressives Verhalten. Ich weiß aber auch: Wäre meine Mutter morgen weg, wäre mein Leben nicht plötzlich anders und besser. Ich weiß aber, dass mein "Schmerz" immer dann verstärkt auftritt, wenn mir Menschen Nähe aufzwingen. Schulausflug, Betriebsausflug oder gar ein Übernachten in einer Jugendherberge mit Anderem im selben Zimmer? So sieht für mich die Hölle aus. Pinkeln an eine Pissoer wenn jemand neben mir steht? Im Leben nicht. Selbst in einer Toilettenkabine kann ich nur schwer Wasser lassen wenn ich weiß jemand ist draußen und könnte es hören.
Selbst meine Rolle "im Büro sitzen und arbeiten" kostet Kraft. 90% der Zeit denke ich nur daran wie ich gerade auf Andere wirke. Was soll ich sagen, wie soll ich sitzen, was kommt jetzt gut an? Mein größter Leidensdruck ist, dass mich das müde macht, dass ich nach dem Job oder nach einem Gespräch meiner Mutter nicht einfach umschalten kann auf Freizeit, sondern mich Dinge Tage lang beschäftigen.
Ich weiß nicht welche Erwartungshaltung ich an meinem Psychologen habe. Vielleicht nur ein Schulterklopfen "Ist nicht Ihre Schuld, alles ist ok so". Vielleicht nur jemand, bei dem ich mich mal aussprechen kann. Ich glaube nicht, dass ich mich ändern werde, geschweige denn überhaupt will. Ich weiß auch nicht ob die die Therapie fortsetze, ich brauche vermutlich wider einige längere Zeit um das alles sacken zu lassen.
LG + Danke fürs Lesen
Andreas