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Schizoid / PTBS/ Autismus / whatever

Andreas900

Sehr aktives Mitglied
Hallo liebe Community,

nach jahrelanger Überlegung bin ich jetzt den Weg zu einem Psychologen gegangen.
Meine "extrem professionelle" Selbstdiagnose schwankte irgendwo zwischen Autismus, Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und schizoider Persönlichkeit.

Würde ich meinen Charakter in Stichpunkten beschreiben:
  • Sozialer Rückzug: kaum oder kein Bedürfnis nach engen Beziehungen, meist Einzelgänger.
  • Emotionale Distanziertheit: wirke oft kühl, gleichgültig oder unbeteiligt.
  • Geringes Interesse an romantischen Beziehungen mit realen Personen.
  • Präferenz für Alleinsein: bevorzuge Tätigkeiten, die alleine durchgeführt werden können.
  • Unwohlsein in sozialen Situationen und ständiges Spielen einer Rolle
  • Präferenz für fiktive Welten und Personen, von Filmen, Computerspielen bis Büchern
Ich hatte diesbezüglich zwei längere Gespräche mit meinem Hausarzt, der die Ursache in meiner Kindheit und der Beziehung zu meiner Mutter suchte. Wer es nachlesen will, hier habe ich das thematisiert:
Ansonsten die Kurzfassung: Meine Mutter und Vater haben sich getrennt bevor ich zur Welt kam. Mutter ist zu ihren Eltern (meinen Großeltern) und hat mich dann da geparkt, ist als ich ungefähr 7 war, in eine eigene Wohnung gezogen. Inzwischen sind meine Großeltern verstorben und meine Beziehung zu meiner Mutter ist sehr schwierig.

Einen Psychologen finden war schwierig, da die meisten auf X Monate ausgebucht waren. Schließlich fand ich einen, der kurzfristig Zeit hatte. Das war in meinem Fall wichtig, da ich sonst das Problem immer wieder von mir wegschob. Einziges Problem: Ich muss ihn auf eigene Rechnung zahlen und das sind 100 € die Stunde. Aber sei es drum, für ein paar Stunden um überhaupt mal einzusteigen, ist mir das die Sache wert.

Im ersten Termin sprach er relativ schnell meine Kindheit an und deutet eine PTBS an. Klar war wieder das Thema dass ich von meiner Mutter und meinem Vater zurückgewiesen wurde. Es war aber auch vieles was daraus folgte.

Ich hatte als Kind lange Zeit Alpträume. Das war als ich ungefähr 10 Jahre war und meine Oma damals 75. Sie war meine Hauptbezugsperson aber aufgrund ihres Alters hatte ich Alpträume dass sie sterben würde. Ich war ungefähr 20 als mein Opa verstarb und der Zustand meiner Oma deutlich schlechter wurde. Nochmal gut 10 Jahre später nach einigen Jahren der Pflege durch mich, verstarb meine Oma.

Es waren aber auch Kleinigkeiten. Etwa, dass jedes Kind von den Eltern abgeholt wurde, wenn am Nachmittag Sportunterricht war, ich nicht, weil mein Opa nicht mehr Auto fahren konnte. Dass meine Oma mich als kleines Kind schon in Oberhemden zur Schule geschickt hat, generell habe ich da Gefühl, ich wurde wie eine Generation zuvor erzogen. Die fehlende Vaterfigur, denn mein Opa war bereits zu meiner Geburt ein sehr alter, passiver Mann mit Verletzungen aus dem 2ten Weltkrieg.

Jedenfalls gewöhnte ich mir schnell an, immer eine Rolle zu spielen, ja zu sagen und Erwartungen zu erfüllen. Ich war ein guter Schüler. Später folgten Zivildienst, Ausbildung, Studium und Job, nach außen hin eine beruflich guter Lebenslauf.
Jenseits dieser Erfüllung meiner Rolle, versteckte ich mich in Fantasiewelten, zockte World of Warcraft, surfte im Internet, heute begeistert mich z.B. das Thema KI. Ich stellte mich dem Leben wo es notwendig war, kümmerte mich um mein Eigentum, mein Geld, Gesundheit ist auch ganz ok.
Aber sozial, wie es meine Arzt formulierte, hielte ich alle Menschen auf "Armlänge" von mir weg. Ich konnte freundlich sein, Mitleid zeigen, aber alles immer nur gespielt. Geburt, Heirat, Tod anderer Menschen, mir recht egal.

Ich erlebte den Kontakt mit anderen Menschen oft als negativ. Weil ich andere Kinder von mir abschreiben ließ, war ich halbwegs beliebt, aber eben auch nur weil man mich ausnutzte. Später auch als Fahrer wenn ich meine betrunkenen Freunde nach Hause fuhr. Dankbarkeit? Das Gegenteil! Eine Zeile über mich in der Abi Zeitung war "er lässt sich gerne ausnutzen". Ich war zu brav, zu lieb, zu naiv. Aber ich hatte auch keine Ahnung von der Welt. Familienurlaub gabs bei meinen Großeltern Ü75 nicht, außer Schule und Zuhause kannte ich nichts.

Damals vermutete ich dass dies ein Autismus Spektrum sein könnte. Im Kindergarten hatte ich den Spitznamen "Professor". Ich verschlang "Was ist Was" Bücher statt mit anderen Kindern im Sandkasten zu spielen, könnte früh lesen, hatte aber Sprachprobleme.

Inzwischen gehen meine Gedanken eher in Richtung einer schizoiden Persönlichkeit, weil mein Leidensdruck eher gering ist und ich wenig Bedürfnis zur Veränderung sehe. Es ist eher ein Druck von außen, der mich nachdenken lässt. Etwa wenn meine Mutter mir zu nahe kommt, oder Kollegen. Mir immer wieder Ausreden einfallen zu lassen warum ich keinen engeren Kontakt will. Und dann gibt es Momente, wo ich durchaus mit einem Menschen sprechen will, schönes oder Erfolge teilen.
Das Spielen einer Rolle kostet Kraft, vor allem meine Mutter halte ich immer weniger aus. Ihr ständiges Meckern über die ganze Welt, über meine Oma, ihr Rechtfertigungen, ihr passiv aggressives Verhalten. Ich weiß aber auch: Wäre meine Mutter morgen weg, wäre mein Leben nicht plötzlich anders und besser. Ich weiß aber, dass mein "Schmerz" immer dann verstärkt auftritt, wenn mir Menschen Nähe aufzwingen. Schulausflug, Betriebsausflug oder gar ein Übernachten in einer Jugendherberge mit Anderem im selben Zimmer? So sieht für mich die Hölle aus. Pinkeln an eine Pissoer wenn jemand neben mir steht? Im Leben nicht. Selbst in einer Toilettenkabine kann ich nur schwer Wasser lassen wenn ich weiß jemand ist draußen und könnte es hören.

Selbst meine Rolle "im Büro sitzen und arbeiten" kostet Kraft. 90% der Zeit denke ich nur daran wie ich gerade auf Andere wirke. Was soll ich sagen, wie soll ich sitzen, was kommt jetzt gut an? Mein größter Leidensdruck ist, dass mich das müde macht, dass ich nach dem Job oder nach einem Gespräch meiner Mutter nicht einfach umschalten kann auf Freizeit, sondern mich Dinge Tage lang beschäftigen.

Ich weiß nicht welche Erwartungshaltung ich an meinem Psychologen habe. Vielleicht nur ein Schulterklopfen "Ist nicht Ihre Schuld, alles ist ok so". Vielleicht nur jemand, bei dem ich mich mal aussprechen kann. Ich glaube nicht, dass ich mich ändern werde, geschweige denn überhaupt will. Ich weiß auch nicht ob die die Therapie fortsetze, ich brauche vermutlich wider einige längere Zeit um das alles sacken zu lassen.

LG + Danke fürs Lesen
Andreas
 
Versuche die Therapie durchzuziehen ohne darüber nachzudenken warum, wieso und hilft es, was sind die Erwartungen. Vielleicht hilft es, wenn du offen zu jedem Termin gehst und neugierig bist, was die Stunde dir bringen wird. Ich weiß ist leichter gesagt als getan. Ich wünsche dir viel Erfolg.
 
Also auf mich machst du einen ausgesprochen sympathischen Eindruck, lieber Andreas. Und bei deiner Anständigkeit und Gewissenhaftigkeit haben deine Mitmenschen sicherlich auch keinen echten Grund zur Klage, also von daher... mach dir bloß nicht so viele Gedanken um deine Außenwirkung. Du bist vollkommen in Ordnung so, wie du bist! Es muss doch nicht jeder wer weiß wie kontaktfreudig und abenteuerlustig sein... 🙂

Ich drücke dir die Daumen, dass du einen kompetenten Psychotherapeuten gefunden hast und er dir gut dort helfen kann, wo du dir neue Erkenntnisse und Unterstützung wünschst. 🍀👍
 
Hallo Andreas,
ich wünsche dir für die Therapie alles Gute und dass sie dir weiterhilft, Dinge zu erkennen
und alles, was dir wichtig ist.
Übrigens hab ich mich früher auch oft selbst diagnostiziert und bei meinem ersten Klinikaufenthalt
wurden mir diese Diagnosen alle bestätigt, ohne dass ich sie vorher erwähnte!

Sonst sehe ich es wie Winnetou, und wenn ich an deinen witzig-genialen Text hier denke,
worin du dich selbst beschreibst, passen da einige Punkte, die du zu deinem Charakter oben nennst,
gar nicht so dazu 🙂
Alles Gute!
 
Hallo Andreas, einen guten Weg wünsch ich Dir. Ich lese Deine ,,Selbstdiagnose" nicht aus verschiedenen Gründen, ist nicht so wichtig. Jedenfalls wollte ich anmerken, Autismus ist nichts, was therapiert werden muss. Da spielt die richtige Diagnose auch eine Rolle. Bei Autismus z. Bsp. kann trotzdem Therapie helfen, um besser damit zu leben, aber meines Erachtens & Wissens nach sind da Verhaltenstherapeuten mit Schwerpunkt Autismus zu empfehlen. Wie auch immer es ausgeht, Viel Glück & Erfolg
 
wenn ich an deinen witzig-genialen Text hier denke,
worin du dich selbst beschreibst, passen da einige Punkte, die du zu deinem Charakter oben nennst,
gar nicht so dazu 🙂
Vielleicht aber dazu:
Selbst meine Rolle "im Büro sitzen und arbeiten" kostet Kraft. 90% der Zeit denke ich nur daran wie ich gerade auf Andere wirke. Was soll ich sagen, wie soll ich sitzen, was kommt jetzt gut an?
People Pleasing, fällt mir dazu ein.

Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du deine Vergangenheit gut verarbeiten kannst. Ich finde es wirklich bewundernswert, dass du diesen Schritt gehst. 🙂
Es ist für viele nicht selbstverständlich, sich Unterstützung zu holen. Deine Mum ist da wohl das beste neg. Beispiel.
 
Es heißt ja, man soll sich nicht selbst diagnostizieren, da man selbst zu viele blinde Flecken hätte. Bei dir glaube ich allerdings, dass du richtig liegen könntest. So wie du dich beschreibst meine ich und von dem was ich hier von dir gelesen habe. Ich hoffe, du hast einen guten Psychotherapeuten, der das mit dir genauer anschaut.

Ich weiß aber auch: Wäre meine Mutter morgen weg, wäre mein Leben nicht plötzlich anders und besser.
Dieser Satz hat mich ziemlich traurig gemacht, ich finde ihn aber auch so treffend und ehrlich. Und es ist bei meiner Mutter und mir auch so. Da würde ich tiefer reingehen, ich glaube wenn man da ein klein wenig weniger dran zu knabbern hätte, könnte es das Leben doch etwas leichter machen.

Ich glaube nicht dass das in wenigen Stunden geht und ich würde dir auch wünschen, dass die Kasse dir das bezahlt.
 
Selbst meine Rolle "im Büro sitzen und arbeiten" kostet Kraft. 90% der Zeit denke ich nur daran wie ich gerade auf Andere wirke. Was soll ich sagen, wie soll ich sitzen, was kommt jetzt gut an?

People Pleasing, fällt mir dazu ein.
Ja, das "People Pleasing", es allen recht machen zu wollen, ständig sich damit beschäftigen was andere über einen denken, würde aber eigentlich eher für eine Ängstlich-Vermeidende als für eine Schizoide Persönlichkeit sprechen. Letzterer wäre das eher egal.
 

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