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Nun doch Kontaktabbruch

Mit welchen Augen, aus welchem Blickwinkel siehst du das denn so?
Als unbeteiligter ohne das nötige Hintergrund Wissen.
Als Christlich geprägter Mensch ( so schätze ich dich ein ) weißt du, da gibt es doch das Sakrament der Vergebung, Versöhnung.
Die Botschaft Jesu Christi hat genau diesen Inhalt.
Er ermutigt die Menschen, der Liebe Gottes zu vertrauen und aus diesem Vertrauen die Angst zu überwinden, die uns immer wieder verleitet, unmenschlich statt menschlich zu handeln.
Die Liebe Gottes gilt uns immer, auch und gerade in unserem Versagen und an den Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten.
Im Lukasevangelium hat Jesus diese Bereitschaft Gottes zur Vergebung in wunderschönen Gleichnissen zum Ausdruck gebracht, die zur Weltliteratur geworden sind (das Gleichnis vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Sohn LK 15).
Da geht es nicht um Schuld, in der Zusage der Vergebung bringen wir zum Ausdruck, dass uns die Möglichkeit zum Neuanfang geschenkt ist und wir nicht bei unseren Grenzen stehen bleiben müssen.
Ich erfahre mich konkret angesprochen mit Wahrheit meines eigenen Lebens.

Lieber Gast,
im Prinzip sehe ich das ebenso wie Du. Hier im Faden geht es (leider) weniger um den Täter, der Vergebung sucht, sondern um das Opfer, Weidebirke, die durch schuldhaftes Handeln verletzt wurde. Soll sie auch vergeben, wenn ihre Mutter nicht wirklich die Schuld einsieht und bereut? Ich meine ja, auch wenn es schwer fällt und wenn es menschlich verständlich ist, wütend zu bleiben. Aber das Warum habe ich in meinem Beitrag auch näher erläutert.

LG, Nordrheiner
 
5 Monate später bin ich noch nicht viel weiter.

Mein Vater ist zwischenzeitlich verstorben und ich habe eine andere Baustelle zu den Akten gelegt.

Zur Zeit geht es mir nicht so gut, bin wieder ganz schön depressiv.

Erinnerungen beuteln mich. Ich habe angefangen, sie aufzuschreiben. Habe formuliert, was ich mir gewünscht hätte und habe Szenarien entworfen, wie ich mit dem Kind umgegangen wäre, wäre ich als Erwachsene dort gewesen.

Das war sehr schmerzhaft, aber nach der ersten Heulerei ist es auch schön. Ich habe das gar nicht geglaubt, dass das funktioniert, aber ich habe tatsächlich geschafft, ein positives Gefühl an eine schlimme Stelle zu setzen.

Allerdings waren das auch nur Peanuts, an die "großen" Sachen habe ich mich noch nicht getraut. Ich sollte das vielleicht auch nicht alleine tun....

Mein Ziel ist es, meiner Mutter wieder begegnen zu können. Im Moment geht das immer noch nicht, die Wut ist immer noch da, so groß.
 
Hallo Weidebirke,
Ich könnte mir vorstellen, das dir eine Tiefenpsychologische Therapie gut tun würde. Du hast dich zwar innerlich dagegen eingestellt, zumindest klang das in deinen Beiträgen so, weil deine Mutter dir das sagte, aber schieb das mal beiseite.
Mir tut die Therapie die ich letzten September angefangen habe gut. Aber ich sag mal so richtig weiter komme ich nicht, weil ich bräuchte eigentlich 2 Stunden hintereinander😀. Das würde mir viel mehr bringen, weil dann bin ich erst warm geworden.

Trotzdem ist es schön zu wissen, da sorgt jemand für meine Gefühlswelt, ich muß nicht andauernd alles alleine machen. Denn ich habe niemanden, der sich wirklich für mein Inneres intressiert. Ich meine nicht hier das Forum, so insgesamt, aber ich habe auch niemanden dem ich mich anvertrauen möchte, selbst wenn jemand da wäre.
Vertrauen das ist ein großes Thema bei mir.
Vieles von meiner Therapeutin konnte ich schon einbauen in mein Denken und Fühlen. Wir sind grad mal an der Spitze des Eisberges, sag ich mal so. Und doch erleichtert es mir schon einwenig meine Alltagsbewältigung. Finde ich faszinierend.

Was meinst du dazu, ja deine Mutter hat es verursacht, und vielleicht die ein oder anderen Menschen, die noch Teil an deinem Leben hatten, aber egal es soll ja dir helfen, nicht deiner Mutter.
Wenn es dir gut tut, profitieren die Menschen die du in dein Leben hast davon, ist auch schön.

Deine Art damit umzugehen, ist schon gut.

Liebe Grüße Pecky
 
Moin @Weidebirke,
ich weiß noch nicht wie viel jetzt wirklich geschrieben wird, aber dein Thema grad berührt mich, erinnert mich an einen Kampf, den wir einst führten - Kontaktabbruch oder doch ihn wieder suchen.

Es war anfangs gar nicht vorgesehen ihn für immer zu haben. Wollten nur solange auf Abstand gehen, wie Unterstützung von anderen notwendig war, weil dies bei den Eltern nicht zu bekommen war, im Gegenteil sie wollte es solle alles wieder vergraben werden...

Warum aber nun schreiben wir das hier bei dir. Vielleicht weil es auch ein Weg sein kann, den Abstand zu halten bis vom Gefühl her doch das Bedürfnis da sein sollte den Kontakt zu suchen. Denn manchmal braucht es den Abstand, um eigene Wunden zu versorgen, anstatt sich immer und immer wieder verteidigen zu müssen.

Zum Thema Verzeihen, verzeihen und vergeben ist auch ohne Kontakt zu den Menschen, die schwer verletzten möglich. Vielleicht ist es dann weniger für andere zu erkennen, doch wir sind davon überzeugt, dass es trotzdem ankommt und für inneren Frieden sorgt, können und mögen aber grad da nicht weiter drauf eingehen.

Manchmal ist es gut einen Menschen an seiner Seite zu wissen, der auf Abstand sich anhört und guckt was grad sehr belastend ist und woher manche Unruhe und manches Chaos kommt. Dies gemeinsam mit aufdröselt und hilft es in die Zeit zu verschieben in die es eigentlich hingehört, gerade, wenn es sich anfühlt, als wäre es grad erst geschehen.

Der Kontakt zu Tätern (m/w) ist immer ein schwieriges Thema, erst recht wenn Täter ihr Verhalten nicht verändern. Doch selbst, wenn sie sich ändern, gilt es die Frage zu klären, wie kann ich gerade damit um, wie viel Kontakt vertrage ich, wenn ich mich meinem eigenem stellen will. Ob es die eigenen Wunden sind, die noch da sind oder aber auch dem eigenem Verhalten, welches aus den Erfahrungen in der Kindheit resultiert und es auch ändern möchte, ohne bei dem Versuch es zu ändern, dann durch den Kontakt zu den Tätern dran gehindert zu sein.

Vieles ist hier erst möglich anzusehen und anzusprechen nachdem die Täter wirklich nicht mehr da sind. Doch das unaussprechliche auszusprechen überhaupt den Gedanken zu ertragen ist ein wichtiger Teil unserer Heilung. Immer wieder muss hier deutlich gemacht werden, dass es hier geschützt und sicher ist.

Vieles konnte erst nach dem der Abstand zu den Tätern da war bearbeitet werden und erst eine ganze Zeit nachdem sie nun ganz fort sind, kann manches erst jetzt verarbeitet werden.

Dir lb. @Weidebirke wünsche ich sehr, den Weg gehen zu können, der für dich und deine Heilung der richtige ist. Achte gut auf all deine Gefühle, auf die Widerstände, die bei dem Wunsch ihr näher zu kommen genauso wie auf die Sehnsucht selbst. Denn beides wird sich immer mal wieder zeigen und braucht Beachtung, d.h. aber nicht unbedingt es muss dem einen oder anderen nachgegeben werden. Was das richtige ist, lässt sich leider nicht immer ganz einfach erkennen. Doch solange Unruhe und Abwehr da ist, so ist hier die Erfahrung ist es besser gewesen den Abstand zu wahren.

Nun noch kurz zu dem offenen Gespräch mit deiner Tochter, wir hätten uns ein solches auch gewünscht, doch wir sollten alles wieder vergessen von dem was wir einst ansprachen, wie auch sie alles vergessen hatte, was sie gerade vorher detailliert erzählte.
Ein offenes ehrliches Gespräch hilft manchmal Lücken zu schließen oder Wahrnehmungen auch als wahres Ereignis zu erkennen und Zweifel abzubauen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Heute ist ihr Geburtstag, wahrscheinlich bin ich deswegen wieder so durch den Wind.

Und durch den Tod meines Vaters gab es eben einigen Kontakt. Sie sind schon seit Jahrzehnten getrennt, trotzdem dachte ich, ich sollte es ihr sagen, als es dem Ende zuging. Dann ging es plötzlich sehr schnell. Sie hat es nicht fertig gebracht, mir auch nur ein einziges gutes Wort zu schreiben. Es ging mal wieder nur um sie, wie betroffen sie sei.

Jetzt gibt es den Nachlass zu regeln und ich brauche Dokumente. Ich bin froh, wenn es vorbei ist.

Es ist übrigens nicht so, dass ich mich grundsätzlich gegen Therapie stelle. Ich war nur so empört, dass alles, was ihr zu dem Ganzen einfiel, war, ich solle doch Therapie machen und meine armen Kinder damit in Ruhe lassen.

Sie war es auch, die mir immer eingetrichtert hat, man müsse die Dinge mit sich selbst abmachen und solle seine Umwelt damit nicht belasten. In dem Gespräch mit meiner Tochter kam das irgendwie zur Sprache und sie fand das so grausam. Da ist mir erst einmal bewusst geworden, wie recht sie hat.

Andererseits sind meine Kinder gerade erst erwachsen und als sie jünger waren, wäre es wirklich falsch gewesen, sie damit zu belasten.

Ich habe große Angst, sie könne sterben, bevor ... ja, bevor was? Manchmal wünsche ich mir, sie würde sterben, damit ich mich nicht mehr damit beschäftigen muss. Dass das Quark ist, weiß ich selbst. Trotzdem ist das manchmal so.

Ich habe meine ganze Familie verloren. Nur meine Kinder sind noch meine Familie. Und sie müssen ihr eigenes Leben leben. Müssen frei sein, ihre Wege gehen, sich selbst mit Zeug herumschlagen.

Wir waren eine so große Familie. Ich hatte etliche Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel und dann noch die Tanten, die ich gar nicht zuordnen konnte, meine Großeltern und das halbe Dorf. Alles weg. Im Sommer gibt es ein Familientreffen. Wir sind eingeladen. Aber das kann ich nicht. Weder meine Tochter noch ich setzen uns in fröhlicher Runde mit ihnen an den Tisch. Zwischendrin die Täter, die immer noch überall willkommen sind.

Schlimm ist auch, dass ich das meinen Kindern weggenommen habe. Es belastet auch ihre Beziehung zu den Leuten, logischerweise. Sie entscheiden zwar selbst, zu wem sie welchen Kontakt halten, sind aber nicht unbeeinträchtigt.

Ja, das ist ein ganz schöner Sermon geworden. All das, was mich so beschäftigt. Vor Jahren, als eine andere große Krise endlich endete, habe ich mich gewundert, warum mir das Leben nicht gelingt. Nach außen bin ich scheinbar erfolgreich, aber so langsam finde ich das alles nicht mehr lustig.
 
Liebe Weidebirke,
Du hast das deinen Kindern nicht weggenommen, das haben die Täter mit ihrer Handlung getan, wobei ich jetzt nicht weiß wer da alles Täter war, es reicht auch wenn du es weißt. Ich könnte auch vermuten, das du dadurch deine Kinder vor den Tätern beschützt hast, so würde ich es lieber betrachten.

Deine Mutter hat ne Menge Störungen, sie ist so widersprüchlich und Ich-bezogen, so wie du sie beschreibst.

Ich kenne ähnliche Familienkonflikte, habe so unter meiner Mutter und Oma gelitten. Und trotzdem liebe ich sie so sehr. Das ist diese Ambivalenz die sie hervorgerufen haben durch ihr Verhalten, weil sie selbst nicht Eins mit sich sin und waren.
Eigentlich hätten sie erstmal eine Psychotherapie machen müssen, bevor sie sich um Kinder kümmern.
Aber zur damaligen Zeit war das ja ein Makel.

Durch ihren Psychotherapiehinweis an dich, hat sie bewußt oder unbewußt den eventuellen Widerwillen gegen eine Therapie in dir provoziert.


Gut wäre halt, du könntest das Ganze mit deiner Mutter, mit innerlichen Abstand betrachten, das kannst du sicher ab und zu, nur meine ich, dauerhaft.

Letzte Woche fühlte es sich an wie nach einem Bombenanschlag in meinem Inneren.
Meine Therapeutin hat mir da schon in einigen Situationen geholfen, irgendwie hat sie mein allumfassendes Wissen aktiviert und mich aus meinem kleinen verletzten Kind herausgeholt.
Ich konnte in mein Erwachsenen-Ich schlüpfen, so ganz leicht, es war nicht mehr blockiert, die Brücke hat funktioniert. Grade erst am Montag geschehen. Ich wurde in den letzen 14 Tagen von einer Situation zur anderen getriggert, das hat mich echt fertig gemacht.
Mit der Aktivierung, konnte ich wieder mit meinen psychologischen Augen sehen, mit meinen Lebenserfahrungen betrachten und alles was meine Mutter am Sonntag ausgelöst hatte und andere davor in der Woche, war nicht mehr so mächtig.
Wichtig ist, das du dich auf einen Teil in dir konzentrierst, dem du Fundament gegeben hast. Ich weiß nicht welcher Teil in dir das ist, ich vermute, das du den eher in deiner Ausbildungszeit oder nach deiner Ausbildungszeit findest. Es sollte ein freier Ich-Teil in einem Abschnitt in deinem Leben sein, dort kannst du einkehren und auftanken mit deinem Wissen.
Ich finde es aber wichtig, das du baldigst Therapeutische Unterstützung dabei hast, damit nichts übersehen wird und keine unrichtigen Verfestigungen stattfinden.
Du magst ja sicher zu deiner Ganzheit finden, und nicht in einem Lebensabschnitt stehen bleiben.

Ich erzähl noch was davon.
Ich habe meine Mutter mehr so betrachtet, das sie durch ihre Kindheit gebeutelt, selbst nicht anders reagieren kann, habe mir versucht vorzustellen anhand ihres Verhaltens, welche Verletzungen ihr in etwa widerfahren sind, in der, der oder der Situation.
So auch am Montag letzte Woche, und konnte ein psychologische Bild erstellen.
Ich mußte damit kämpfen nicht zuviel Mitleid(mitleiden) mit ihr zu haben (wozu ich sehr neige und mich oft drin verliere), und dadurch mein eigenes Anliegen aus den Augen zu verlieren. Nämlich wieder zu meiner Selbstachtung und Selbstsicherheit zufinden und trotzdem Verstehen über meine Mutters Gefühle und Verhalten zu haben, trotzdem eine Grenze zu ziehen, nämlich da wo meine Gefühle anfangen.
Und trotzdem(mein Lieblingswort) ihr so zu begegnen, wie ich jedem anderen fremden Menschen auch begegnen würde.
Als sie mir Dienstag auf WP schrieb, konnte ich normal reagieren, mußte nicht in mein beleidigtes, verletztes, rebellisches Kind zugreifen, weil ich wieder zu meiner Fassung gefunden hatte.

Sicher ist es bei dir etwas anders, aber vielleicht findest du etwas Brauchbares darin.

Fühl dich in den Arm genommen und getröstet 🙂
 
Heute ist ihr Geburtstag, wahrscheinlich bin ich deswegen wieder so durch den Wind.
Diese sind immer besonders schwierige Tag, Tag an dem mit einem oder allen Familienmitgliedern eine heile Welt gelebt wurde. Es scheinbar nichts anderes Bestand hat, wie das was grad gefeiert wird. Nicht nur Geburtstage auch andere Feiertage an denen erinnert wird, dass es einen großen Wunsch gibt, nämlich den Wunsch eine heile Familie zu haben, eine heile Welt….

Und durch den Tod meines Vaters gab es eben einigen Kontakt. Sie sind schon seit Jahrzehnten getrennt, trotzdem dachte ich, ich sollte es ihr sagen, als es dem Ende zuging. Dann ging es plötzlich sehr schnell. Sie hat es nicht fertig gebracht, mir auch nur ein einziges gutes Wort zu schreiben. Es ging mal wieder nur um sie, wie betroffen sie sei.

Jetzt gibt es den Nachlass zu regeln und ich brauche Dokumente. Ich bin froh, wenn es vorbei ist.
Der Tod deines Vaters hat noch einmal deutlich gemacht, wie wenig sie nach Außen offen ist, wie sehr sie noch selbst gefangen ist und doch sollte dies nicht dazu führen, den Schmerz der anderen zu übersehen. So hat es dir noch einmal deutlich gemacht, dass sie dich mit all deinem Schmerz nicht sieht, vielleicht nicht sehen kann. Doch zeigte es dir auch, dass es dir weh tut, wenn sie so ist und du musst dich nicht in Situationen bringen, die dir nicht gut tun, die dir Schmerzen bereiten, auch nicht wenn es die eigne Mutter ist. Eine Beziehung zwischen Menschen geht nur, wenn beide Seiten bereit sind auch den anderen zu sehen….

Es ist übrigens nicht so, dass ich mich grundsätzlich gegen Therapie stelle. Ich war nur so empört, dass alles, was ihr zu dem Ganzen einfiel, war, ich solle doch Therapie machen und meine armen Kinder damit in Ruhe lassen.

Sie war es auch, die mir immer eingetrichtert hat, man müsse die Dinge mit sich selbst abmachen und solle seine Umwelt damit nicht belasten. In dem Gespräch mit meiner Tochter kam das irgendwie zur Sprache und sie fand das so grausam. Da ist mir erst einmal bewusst geworden, wie recht sie hat.
Dinge mit sich selbst ausmachen führt aber eher dazu keine neuen Wege zu finden, etwas in sich hinein zu fressen und dann in einem unpassenden Moment zu explodieren oder an Schmerzen zu leiden, krank zu werden
Andererseits sind meine Kinder gerade erst erwachsen und als sie jünger waren, wäre es wirklich falsch gewesen, sie damit zu belasten. Oft sagen es die Menschen, die sich ihrer Vergangenheit nicht stellen wollen/können, weil sie den Schmerz nicht aushalten mögen/können, der sie dann treffen würde oder es wirkt noch ein Sprechverbot, welches nicht durchbrochen werden kann. Nur wenn wir offen damit umgehen, also offen insoweit zu gucken, wer muss und wer darf davon wissen, was war, gerade um eine Wiederholung zu vermeiden. Warum können Menschen so weiter machen, wie sie es gelernt hatten und wie sie es immer taten, weil niemand etwas sagt, weil es mit sich selbst ausgemacht wird, weil von Generation zu Generation genau ein solches Verhalten nie den eigenen Schmerz anzunehmen umso die kommende Generation schützen zu können. Weil die Menschen ja oft nicht nur schlecht und böse, sondern auch manchmal gute Seiten haben und die Hoffnung, sie werden sich ändern und mehr ihre guten Seiten ausleben oder eben es nicht auch an andere ausleben….
Doch für Veränderung braucht es eine Auseinandersetzung, braucht es neue Ansätze. Dies geht durch das direkte oder auch indirekte thematisieren…
Ein Gespräch mit deiner Tochter hatte nun stattgefunden, es gab einen Anlass, wenn ich richtig gelesen hatte und so war es sicher auch gut, dass du offen warst. So könnt ihr für euch gucken wie ihr zukünftig damit umgeht. Es ist schwierig, einerseits soll die andere Person nicht belastet werden, anderseits hat sie auch ein Recht darauf zu wissen.
Wir haben keine Kinder, doch die Geschwister und als uns klar wurde, welcher Gefahr diese ausgesetzt werden, wenn sie unbeaufsichtigten Kontakt haben zu den Eltern, mussten wir was tun, so schwer es auch war, doch wir mussten zumindest den Müttern dieser Kinder mitteilen, zu was die Eltern in der Lage sind, ob es genützt hat oder vielleicht schon zu spät? Wir wissen es nicht…
Doch du weißt es war zu spät und doch mag es hilfreich sein für die Aufarbeitung…
Darum vielleicht doch noch gut. So gibst du deiner Tochter aber auch die Möglichkeit sich offen mit dem auseinander zu setzen, was für sie vielleicht unbegreiflich ist, so weiß sie sie kann fragen und du wirst so gut es dir möglich ist antworten. Du hast ihr damit auch die Erlaubnis erteilt zu sprechen…

Ich habe große Angst, sie könne sterben, bevor ... ja, bevor was? Manchmal wünsche ich mir, sie würde sterben, damit ich mich nicht mehr damit beschäftigen muss. Dass das Quark ist, weiß ich selbst. Trotzdem ist das manchmal so.
Diesen Kampf, den führten wir auch. Doch dann wurde sie schwer krank und es sah aus als würde sie nicht mehr lange leben. Unsicher, ob wir noch was mit ihr zu bereden hatten entschieden wir sie zu besuchen, es wurden noch andere Gäste erwartet, darum auch zeitig angereist. Doch es stellte sich dann heraus, wir hatten uns nichts mehr zu sagen – gar nichts mehr. Das einzige was gesprochen wurde, war über das Wetter und über den Besuch der erwartet wurde. Doch es waren auch von dem letzten Kontakt bis zu diesem etwa 10 Jahre vergangen, 10 Jahre in dem wir damit lebten, wir haben über das was einst war nicht zu sprechen, wir sollen es vergessen. Der Tod aber ist nicht das Ende der Auseinandersetzung, doch nach dem Tod geht jetzt erst manches aus- und anzusprechen, was davor gar nicht möglich war und auch jetzt noch fast unmöglich ist….
Wichtig ist zu erkennen, warum und wofür ist der Kontakt wichtig oder warum ist es wichtig ihn nicht zu haben. Das eine wie das andere kann stimmig sein und genau dies ist es was es so schwer macht eine Entscheidung zu fällen. Doch hier war die Unruhe, das Chaos und das was jeder Kontakt, jeder Gedanke auslöste, der Grund für die Entscheidung. Zu lange suchten wir sie, versuchten sie zu erreichen, doch alles was wir bekamen war …
Schau einfach wie es für dich ist.
Ich habe meine ganze Familie verloren. Nur meine Kinder sind noch meine Familie. Und sie müssen ihr eigenes Leben leben. Müssen frei sein, ihre Wege gehen, sich selbst mit Zeug herumschlagen.

Wir waren eine so große Familie. Ich hatte etliche Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel und dann noch die Tanten, die ich gar nicht zuordnen konnte, meine Großeltern und das halbe Dorf. Alles weg. Im Sommer gibt es ein Familientreffen. Wir sind eingeladen. Aber das kann ich nicht. Weder meine Tochter noch ich setzen uns in fröhlicher Runde mit ihnen an den Tisch. Zwischendrin die Täter, die immer noch überall willkommen sind.
Ja leider ist es so, oft sind es die Täter die inmitten der Gemeinschaft weiterleben und so leben können, als wäre nichts geschehen und selbst wird man zum „schwarzen Schaf“ gemacht, weil doch nun die „heile Welt“ einen Makel bekommt. Und es ist leider ganz oft so, dass der in die Wunde sticht auch den Eiter, der sich darin befindet abbekommt. Doch um frei zu sein und ein gesundes Leben haben zu können, ist es wohl notwendig sich von einer ungesunden Lebensgewohnheit zu trennen. Wir können uns eine eigene „Familie“ aufbauen, ein gesundes Umfeld suchen und in ihm leben. Ja es schmerzt so vieles aufzugeben und manche Menschen mit denen es auch Freude zu erleben gab zurückzulassen, zu erkennen viele halten lieber zu einem kaputten System, als sich auf einen unbekannten Weg zu machen, aber manchmal halten auch Kontakte, doch oft nur, wenn auf einen Teil dessen was einen grad sehr beschäftigt ausgespart wird. Doch ob das gut ist und ob es zur eigenen Heilung beiträgt? Nicht für alles gibt es ein klares Ja oder klares Nein, vielleicht muss doch ab und an mit einem Vielleicht gelebt werden?

Schlimm ist auch, dass ich das meinen Kindern weggenommen habe. Es belastet auch ihre Beziehung zu den Leuten, logischerweise. Sie entscheiden zwar selbst, zu wem sie welchen Kontakt halten, sind aber nicht unbeeinträchtigt.
Ich weiß nicht, ob es ein wegnehmen ist, oder doch ein Schutz für sie, sich so zu entscheiden. Denn auch deine Kinder werden vielleicht mal Kinder haben und ob es dann nicht doch eher ein Schutz ist als mit den Kindern in einem Umfeld zu verbleiben, wo auf sie immer ein Auge geworfen werden muss, wo sie nicht einfach frei zu jedem können? Deine Kinder können jetzt entscheiden, wie wollen sie mit einem solchen Umfeld umgehen, wollen sie darin bleiben oder wollen sie sich ein anderes Umfeld aufbauen. Ja sie haben die Wahl, sie können für sich entscheiden.
Ja, das ist ein ganz schöner Sermon geworden. All das, was mich so beschäftigt. Vor Jahren, als eine andere große Krise endlich endete, habe ich mich gewundert, warum mir das Leben nicht gelingt. Nach außen bin ich scheinbar erfolgreich, aber so langsam finde ich das alles nicht mehr lustig.
Anstrengend würde ich es bezeichnen, doch diese Anstrengungen lohnen sich. Das Leben verändert sich, das Umfeld verändert sich. Vieles was einst mit Kampf verbunden war, wird zur Selbstverständlichkeit und doch darf es, dann auch wieder verändert werden, wenn es nicht mehr passt.
Wunderst du dich heute noch oder verstehst du jetzt mehr, was dein Leben alles ausgemacht hatte und heute noch beeinflusst? Doch dies alles kann nach und nach verändert werden und dann kann das Leben leichter gelingen. Hier gibt es immer mal Phasen, in denen dies zu erkennen und zu spüren ist, dies tut gut und dann wissen wir, warum wir uns mit all dem Schweren im Leben beschäftigen und warum es sein muss und gut ist. Vielleicht gibt es auch bei dir solche Phasen? Phasen die gern länger und anhaltend sein dürfen.
GlG
Mittendurch
 
Liebe Weidebirke,

solche schlimmen Ereignisse und Taten hinterlassen immer Schutt- und Seelenmüllberge und leider zu oft in Ecken, die man für etwas anderes vorgesehen hatte. Aber wem sage ich das. Du hast über viele Jahre einer Belagerung standgehalten, hast Deine Kinder beschützt, hast Mauern hochgezogen, Dein inneres und äußeres "Stadtbild" den Erfordernissen angepasst und hast aus mancher Not eine Tugend gemacht. Und Du hast auch erfahren müssen, dass diese großen und kleinen Opfer, Fehlentscheidungen, grandiosen Ideen, heilsamen Handreichungen und mitfühlenden Augenblicke im Tagesgeschehen oft einfach untergehen. Nicht nur die Taten hinterlassen Narben, auch die Flüchtigkeiten, die kleinen Gemeinheiten und Versäumnisse.

Ich kann Deine Skepsis gegenüber einer Therapie sehr gut verstehen, denn damit übergibt man das Ruder jemandem, auf dessen Mut, Weisheit, Mitgefühl und Erfahrung man sich erst einlassen muss, damit der Prozess funktioniert. Ob dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, merkt man oft erst spät.

Ob sich jemand das Recht verdient hat "in der ersten Reihe zu stehen", merkt man auch an der Art, wie sie/er mit Fehlschlägen, Unsicherheiten, Mangel und Gefahren umgeht. Nach allem, was ich von Dir weiß, hast Du Dir dieses Recht verdient. Es bedeutet nicht, immer alles richtig gemacht zu haben, jeden Zug des Schicksals vorhergesehen und allzeit bereit gewesen zu sein. Manchmal ist der wichtigste Punkt standgehalten zu haben, nicht nachgegeben zu haben. Das hast Du und das muss man erst einmal hin bekommen. Deine Klarheit im Denken und auch Deine zeitweilige Härte waren wichtig, selbst wenn sie Deiner "Umwelt" einige "Kanten" beschert haben, die Du sicher gerne vermieden hättest. Aber manchmal ist "die Eroberung des Strandes" das, worauf es ankommt. Ohne diese Opfer wäre alles andere nicht möglich gewesen.

Aber was macht man mit Erfolgen, die sich nicht danach anfühlen? Wie lebt man mit "falschen" Entscheidungen, wenn es keine "richtigen" gibt? Du kennst inzwischen den Preis dafür, wenn man Entscheidungen aufrechterhalten muss, die man gerne ungeschehen machen möchte. Aber weil die Ursache noch besteht, muss auch die Entscheidung bleiben. Hinter einigen Mauern lebt sich´s nicht so gut, aber immer noch besser, als ohne sie. Schlussendlich kann man das aber nur hoffen und wird es nie sicher wissen. Genau diese Unsicherheit aushaltbar zu machen ist Dein großer Verdienst. Deine Kinder sind inzwischen in der Lage, sich selbst ein Bild zu machen.

Hab Vertrauen in Deine Kinder. Du hast ihnen sicher einiges genommen, das muss man nicht beschönigen. Aber was wären die Folgen gewesen, wenn nicht? Wie viel Unheil und Angst hast Du Ihnen erspart? Auch das zählt sehr viel.

Was kann man mehr tun, als sein Bestes? Ich denke, das hast Du.

Ob Du Dich mit Deiner Familie aussöhnen solltest, Deinen Kindern den "Zugang" erleichtern solltest? Willst Du? Wenn nicht, dann nicht. Du darfst Nein sagen und auch ein Ja testen. Und dann trotzdem Nein sagen oder auch Ja. Und Deine Kinder treffen ihre Entscheidungen.

Und Du darfst diesen unseeligen Zustand eurer Familie richtig mies finden und damit hadern. Solange Du das auch wieder beiseite schieben kannst und Dein Leben lebst. Und das ist das wirklich tolle: das kannst und tust Du. Alle Achtung.
 
Es ist übrigens nicht so, dass ich mich grundsätzlich gegen Therapie stelle. Ich war nur so empört, dass alles, was ihr zu dem Ganzen einfiel, war, ich solle doch Therapie machen und meine armen Kinder damit in Ruhe lassen.

Leider kann ich nicht sonderlich Kluges dazu schreiben, ich kenne das Problem selbst sehr gut und glaube sehr gut nachvollziehen zu können wie es sich bei euch verhält, aber bin selbst nicht sicher was die Lösung ist.

Ich kann Deine Wut verstehen. Sie ist berechtigt und es ist gut, dass Du ihr Raum gibst.

Meine Meinung ist, ich bin nicht sicher ob das wirklich stimmt:
Ich glaube, die meisten Täter wissen genau um ihre Schuld und ihr Versagen. Ich denke, Deine Mutter...auch wenn sie es vielleicht nicht exakt weiß oder eher nicht wissen will, so fühlt sie / ahnt sie / spürt sie ihre Schuld. Ich denke nicht, dass es ihr darum geht Deine Kinder zu schützen. Ich denke ihre Schuld ist ihr peinlich, sie schämt sich, sie will nicht, dass ihre Schuld auch anderen offenkundig wird. Sie will es unbedingt unter der Decke halten. Jedenfalls ist so meine Vermutung.

Es kann sein, dass sie nicht anders handeln konnte; beurteilen kann ich das nicht. Aber es wäre denkbar und wenn es so wäre, dann könntest Du daraus vielleicht einen Weg finden um Deinen Frieden zu machen.
 
Vielen Dank für die vielen und reichen Antworten.

Das ist jetzt zu viel Input, als dass ich auf alles eingehen könnte, bitte verzeiht. Aber ich habe jeden Beitrag sehr aufmerksam gelesen, einige Male.

Nachdem ich gestern noch eine sehr gute Nachricht erhalten habe, die mir eine große Sorge nimmt, geht es mir schon deutlich besser.

Wisst Ihr, ich habe einige Baustellen in meinem Leben, die mich beschweren. Und ja, das schaffe ich nicht allein. Meine große Tochter hat mich schon sehr gebeten, mir Hilfe zu holen. Gestern habe ich mit einer Stelle Kontakt aufgenommen, die mir vielleicht helfen kann, eins der Dinge anzugehen, die mich so belasten. Das hat nichts mit meiner Mutter zu tun, jedenfalls nicht direkt. Die Art und Weise, wie ich aufgewachsen bin, hat mir eben einen Rucksack mitgegeben, der an vielen Stellen drückt.

Ich bin Perfektionistin. Eine von der Sorte, die immer wieder unter ihren eigenen Ansprüchen zusammenbricht. Ja, mir fehlt es an Weichheit, mir ggü. und anderen ggü.

Diese eine Sache, wenn ich da etwas Boden unter die Füße bekäme, wäre schon viel gewonnen, auch für meinen Sohn, der noch bei mir lebt. Und ganz wichtig für mich. Völlig unabhängig von meiner Mutter. Sie ist mir gerade nur Ballast. Emotional und real.

Ich bin gespannt, wie das anlaufen wird und habe eine Scheißangst davor.

Danke Euch, es ist so lieb, welche Mühe Ihr Euch macht.
 

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