Rose
Urgestein
Was mir immer wieder große Bauchschmerzen bereitet ist jegliche Form von Fundamentalismus. ich finde es ist sehr gut, wenn Menschen vegetarisch leben oder vegan. Ich selber kann es nicht, auch wenn ich es manchmal gern würde. Gründe dafür gibt es ja genug.
Was mir jedoch sauer aufstößt ist, dass zuweilen (vor allem, wenn man spezielle Veganerforen anschaut) die Tierliebe in Menschenhass umschlägt. Da liest man dann zeugs wie: Ist doch super, dass in Indien ein Mensch von einem Tiger angefallen wurde: Böser Mensch- was hatte er im Revier des Tiegers verloren?
Ich denke: Menschenhass kann niemals ein Antrieb sein, irgendwelche Zustände zu verbessern. (und damit wird man auch nie wirklic viele Mitstreiter gewinnen)
Oder man liest Dinge wie, dass Menschen die vegan leben, weil sie es einfach so mögen (und nicht primär aus Tierschutz) keine echten Veganer seien usw. Das ist in meinen Augen einfach nur krass.
Fundamentalismus hat noch nie Probleme gelöst und fundamentalistischer Veganismus wird auch keine Probleme lösen.
Im Gegenteil: Konsequent zuendegedachte funktioniert das nicht, was sich manche so vorstellen - bzw bringt neue Probleme.
ZB habe ich von Veganern gelesen, die Bienenhaltung ablehnen: Damit würde das Gleichgewicht total aus dem Ruder laufen. Imker müssen sich teilweise beleidigen und verleumden lassen, dabei würden wir alle ziemlich alt ohne sie aussehen.
Oder wie sieht es zB mit Haustieren aus? Es ist OK, sich einen Hund zu halten, aber Bienen halten ist nicht OK? Wird der Hund nicht auch rein zum Vergnügen des Menschen aus seinem Umfeld fern gehalten? Also ich finde: Konsequent wäre es dann auch auf Haustierhaltung generell zu verzichten.
Ich will damit keinesfalls die vegane Lebensart schlecht reden- ich will nur klar stellen: Der Königsweg ist das auch nicht! Und so einfach ist es auch nicht. Es gibt immer Zweifelsfälle und Fragen, die sich einfach nicht ganz klar lösen lassen.
Es wird IMMER dieses Dilemma geben, dass eins lebt und das andere stirbt: Wir zertreten eine Ameise, wir überfahren einen Igel, bekämpfen Schädlinge, Löwen fressen Fleisch usw- schöner wärs, sie müssten das nicht, bzw all das würde nicht passieren. Fühlen Pflanzen nicht vielleicht auch etwas? Es ist ein vergehen und ein werden: Ein auf und ab und es ist zuweilen grausam. Ist es richtig? Geht es anders? Wie? Diese letzte Frage können wir leider nie so eindeutig klären, dass man moralisch auf der guten Seite ist. Und ich denke, das muss man auch nicht: Ein Rest bleibt immer: Nur Fundamentalisten, Sekten und dergleichen meinen, sie hätten eine Universallösung. Das ist nie glaubhaft und deswegen schrecken Veganer, die so drauf sind, auch viele Menschen ab: Sie machen ihre eigenen guten Ziele unseriös.
Auf der anderen Seite ist natürlich ganz klar zu sagen, dass die Umstände, unter denen bei uns Fleisch produziert wird und überhaupt alles, was damit einhergeht einfach nur grauenhaft ist und sowas von dringend geändert werden muss: Da spielen Veganer und CO natürlich eine absolut wichtige Rolle.
Da gibt es nix zu diskutieren.
Jedoch würde ich mir wünschen, dass sich ihr Engagement gegen die wirklich schrecklichen Dinge richten würde und sich keiner zB darin verzetteln würde, den Imker von nebenan, oder den kleinen Bauern zu drangslieren.
Ich denke, dass würden Veganer auch viel mehr Leute ansprechen.
Mir kommt das ganze ziemlich undifferenziert vor. Zum Beispiel die Sache mit dem Tiger, war das jetzt ein völlig harmloser Mensch, sofern es so etwas überhaupt gibt oder war das ein Jäger auf Tigerjagd. Mir liegt es fern, beim Tod eines Menschen in Beifall auszubrechen, aber wenn Jäger, Toreros oder auch Zirkusdompteure von Tieren getötet werden hält sich mein Mitleid doch arg in Grenzen.
Zum veganen leben: Veganer gibt es viele, vom waschbrettbebauchten Hildmann-Veganer bis hin zum bebarteten Wurzelsepp, der seine Kräuter nur bei Vollmond pflückt. Es gehört schon das volle Programm vom Deo bis hin zu Möbeln oder Kleidung. Aber natürlich 100% geht eh nicht. Aber ich versuche soviel wie möglich zu tun.
Was dein Vergleich zwischen Haustier und Bienenhaltung angeht, so hinkt der mMn, ein wenig. Bei der Bienenhaltung werden Tiere ausschließlich zum Zweck der Honigproduktion gehalten und das ist ganz eindeutig Ausnutzung also nicht vegan. Bei Haustieren also z. B. Hunden kommt es darauf an, wie man zu dem Hund gekommen ist. Für einen Veganer verbietet es sich, für mein Verständnis einen Hund beim Züchter kaufen. Bei einem Hund aus dem Tierheim ist das eine andere Sache. Hier hat der Mensch eine Obhutspflicht und muss sich um ein Tier kümmern, das ansonsten in unserer auf den Menschen zugeschnittenen Welt nicht überlebensfähig wäre. Dass das Tier dabei so artgerecht wie möglich gehalten werden muss, ist selbstverständlich.
Und die beliebten Omni-Argumente mit den zertretenen Ameise, den überfahrenen Igeln etc. greifen leider nicht, da so etwas aus Versehen passiert und sicherlich nicht mit Absicht gemacht wird. Dass Löwen Fleisch fressen ist normal und auch nichts schlimmes, denn im Gegensatz zum Menschen außerhalb Moral, da sie vorwiegend instinktgesteuert sind.
Sicher ist die ganze Natur ein werden und vergehen, daraus aber abzuleiten, dass wir Tiere einfach so töten dürfen, nur weil sie gut schmecken, ist aber völlig falsch.
Grundsätzlich dürfen wir nicht einem weichgespülten Veganismus huldigen, nur um vielleicht andere Menschen anzusprechen oder zu gefallen. Vielmehr sollten Veganer schon knallharte Positionen vertreten ohne dabei allerdings andere Menschen zu beschimpfen.