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Neuer Job, falsche Entscheidung - wird immer schlimmer

M

Miro_86

Gast
Hallo zusammen,
ich habe noch nie in einem Forum geschrieben, aber ich benötige einen Ratschlag von Dritten, da ich einfach nicht mehr weiter weiß. Sorry, dass der Text etwas länger ist.

Ich habe im Januar 2021 eine neue Stelle angefangen in einem Großkonzern und dafür meine Stelle bei einem mittelständischen Unternehmen gekündigt. Die Gründe waren neben coronabedingten finanziellen Verlusten vorallem Kleinigkeiten und dass ich dort aufgrund der Struktur keine Perspektive zum „weiterkommen“ hatte. Das Arbeitsklima und die Kollegen waren aber super und ich habe mich dort menschlich unglaublich wohlgefühlt. Zudem hatte ich ein gewisses Standing in meiner Position und jeder kannte mich als zuständiger für das Thema X und ich konnte fast alles selbst entscheiden/ selbst gestalten.

Jetzt verdiene ich zwar wesentlich mehr (1.000 €/netto) aber bin extrem unglücklich und heule fast täglich. Das Unternehmen hier ist einfach zu groß und mit meinen Kollegen, die allesamt das selbe Thema wie ich machen, finde ich keinen echten Draht. Ich habe bereits versucht meinen alten Job wiederzubekommen. Die Stelle wird aber wegen Corona derzeit besetzt und wegen Corona kann ich auch nicht zurück.
Mein ehemaliger Chef hätte mich gerne zurück aber es wird nicht genehmigt durch die Personalleiterin.

Was würdet ihr an meiner Stelle tun?
Umbewerben? Warten und hoffen dass meine alte Stelle wieder besetzt wird und es die Chance auf ein zurück gibt?

Danke für euren Ratschlag.
 

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bocksrogger

Aktives Mitglied
Ich bin auch vor einigen Jahren zurück in meine alte Stelle gegangen. War ähnlich wie bei dir. Kollegen und Klima war super, ich war das "Lexikon" auf meinem Gebiet.
ABER: Es gab auch bei mr keine Perspektive (100 MA Firma, eine ehemalige "Garagenfirma" (Heute würde man Start Up sagen) , dazu war die Bezahlung aus heutiger Sicht geradezu lächerlich.

Hatte mich dann auch anders beworben und bin nach 1 Monat zurück zur alten Firma. War unproblematlisch, man kannte mich und es gab ein wenig Gerede, aber war mir egal. Dazu brauchten SIe mich wirklich obwohl sie es nicht zugeben konnten/wollten.

Es lief dann Jahrelang wieder gut, auch weil ich mich nicht mehr woanders bewarb (weil man mich bei dem Wechsel so anlog) Aber irgendwann kamen die Gründe wieder, warum ich damals ging. Die sind ja nicht weg..

Bin dann auch in einen Großkonzern und die ersten Tage/Wochen waren die Hölle. Irgendann gewöhnte ich mich aber dran und konnte intern auf eine Stelle wechseln die mir besser passte..

Ich will damit sagen, das ein "Wechsel" zurück nicht die Regel ist, und du irgndwann wieder nicht weiterkommst. Du hattest ja damals Gründe für deine innere Kündigung.

Zudem hast du immer ein gewissges Stigmata/Standing, weil man immer unterbewusst vor Augen hat, das du wieder gehen könntest.

Ein Wechsel ist nie einfach. Unser Körper ist "dumm". Er kommt mit neuen Situationen nicht zurecht und möchte krampfhaft den alten Zustand wieder herstellen.

Aber Entscheidungen und Folgen gehören zum Leben und es ist nicht immmr möglich, das man zum alten zurückkehrt (quasi "Reload), damit muss man zurrechtkommen.

Ich musste das auch hart lernen. Ich habe bei meiner alten Firma dann noch mal gekündigt und die KÜ zurückgezogen. Als ich dann endgültig ging habe ich es auch mal wieder versucht, aber Emails blieben (verständlicherweise) unbeantwortet und am Telefon wurde lachend aufgelegt.

Heute bin ich froh drüber, da die Pros deutlich überwiegen .
 
M

Miro_86

Gast
Vielen Dann für deine Antwort. Das macht mir Mut.

Als mir gesagt wurde, dass es derzeit kein zurück gibt, war das wie ein Schlag ins Gesicht für mich, obwohl ich „nur“ 3,5 Jahre auf der Stelle war. Die Stelle wird wohl erst 2022 wieder ausgeschrieben.
 

Zitronentorte

Aktives Mitglied
Hallo Miro, ich sehe es genau wie bocksrogger - du hast dich ja aus gewissen Gründen entschieden, wegzugehen. Wenn es aushaltbar ist, würde ich für den Moment auf der neuen Stelle bleiben und mich in Ruhe nach einer Alternative umschauen. Vielleicht auch mal einen Probetag absolvieren, bevor du einen neuen Vertrag unterschreibst. Vielleicht ändert sich auch noch was am Klima auf der aktuellen Stelle, jetzt mit Corona sind die Bedingungen ja nicht so ideal, sich richtig kennenzulernen.
Warum weinst du jeden Tag? Ist es so schlimm auf der Stelle oder geht es mehr darum, dass du traurig bist, weil du deine Entscheidung bereust? Wenn letzteres der Fall ist, kannst du versuchen, mit deiner inneren Einstellung was an der Lage zu verändern. Da gibt es viel Literatur zu dem Thema. Ob du morgens losziehst "ich muss" oder ich "ich kann/ich darf" macht einen riesen Unterschied aus. Wie gesagt, unter der Voraussetzung, dass man nicht gemobbt wird o.ä.
Alles Gute!
 
M

Miro_86

Gast
Hallo Miro, ich sehe es genau wie bocksrogger - du hast dich ja aus gewissen Gründen entschieden, wegzugehen. Wenn es aushaltbar ist, würde ich für den Moment auf der neuen Stelle bleiben und mich in Ruhe nach einer Alternative umschauen. Vielleicht auch mal einen Probetag absolvieren, bevor du einen neuen Vertrag unterschreibst. Vielleicht ändert sich auch noch was am Klima auf der aktuellen Stelle, jetzt mit Corona sind die Bedingungen ja nicht so ideal, sich richtig kennenzulernen.
Warum weinst du jeden Tag? Ist es so schlimm auf der Stelle oder geht es mehr darum, dass du traurig bist, weil du deine Entscheidung bereust? Wenn letzteres der Fall ist, kannst du versuchen, mit deiner inneren Einstellung was an der Lage zu verändern. Da gibt es viel Literatur zu dem Thema. Ob du morgens losziehst "ich muss" oder ich "ich kann/ich darf" macht einen riesen Unterschied aus. Wie gesagt, unter der Voraussetzung, dass man nicht gemobbt wird o.ä.
Alles Gute!
Hallo Zitronentorte, vielen Dank für deine mutmachende Antwort. Ich denke ich weine insbesondere weil ich die Entscheidung bereue. Aber auch weil ich inhaltlich nicht zufrieden bin, da das Unternehmen eben ein Großkonzern ist und der Einzelne hier daher kaum Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit hat. Das der neue AG ein Großkonzern ist wusste ich natürlich vorher, aber ich glaube ich wusste nicht, wie wichtig mir diese kleinen Unternehmensstrukturen waren bzw. sind.
Ich habe mehrfach versucht meine Einstellung zu ändern und mir positive Gedanken zuzusprechen. Aber ich schaffe es einfach nicht. Hast du vielleicht einen konkreten Literaturtip für mich? Ich würde meinen Kopf so gerne abstellen :(
Ich werde nicht gemobbt oder ähnliches, die Kollegen sind soweit in Ordnung. Manchmal denke ich, ich muss es durchziehen bis meine alte Stelle wieder ausgeschrieben wird und mich dann dort nochmal bewerben und hoffen. Aber ich habe Angst davor, dass es mir einfach weiterhin so schlecht geht.

Danke für die Antwort..es tut so gut darüber zu schreiben.
 

bocksrogger

Aktives Mitglied
Es wird vllt nicht 100% gut, aber es wird besser werden. Ich war wie gesagt auch lange unzufrieden aber ich hätte es dennoch schlimmer erwischen können.

Schlag dir das mit der alten Stelle aus dem Kopf. Selbst wenn es klappt, stehst du in ein paar Jahren wieder vor dem Problem und kommst nicht weiter. Das wird kommen glaub mir.

Du wußtest doch auch sicher, das es in einem Großkonzern anders zuggeht, oder? Bei mir war es ähnlich.
Aber mir hat eine Führungskraft (seit 30 Jahren dabei) gesagt "Wir sind ein Schiff und es dauert bis wir den Kurs ändern und sie stehen auf der Brücke und nicht im Maschinenraum".
Und:
"Schauen Sie es sich 2 Jahre an und denken dann noch mal nach".

Hab beides gemacht und war dann doch mit der Stelle zufrieden und konnte intern wechseln.

Es wird nicht einfach werden für dich, aber es wird Du musst auch lernen das deine Entscheidungen Konsquenzen haben, du kannst nicht immer "zurück".
Davon abgesehen zerstört das auch ein bisschen den Lebenslauf.
 

Zitronentorte

Aktives Mitglied
Hi Miro, bocksrogger hat nochmal ein paar gute Aspekte eingebracht. Das Gleichnis mit dem Schiff beschreibt es auch gut. Großkonzern ist nicht jedermanns Sache, du kannst aber sicher auch viel lernen über Strukturen, Projektmanagement was auch immer. Ich war noch nie in einem großen Unternehmen, es wäre aber auch nichts für mich. Ich habe, als ich vor ein paar Jahren wechselwillig war, mir einen Karriere-Berater geleistet, der mit mir einen ganzen Tag lang diverse Themen behandelt hat - am Ende des Tages stand dann ein Extrakt dessen, was mir bei meinem Job wichtig ist. Das kann man theoretisch selbst erarbeiten, macht man aber praktisch nicht. Im Anschluss habe ich mich dann auf Jobsuche begeben und wusste anhand der erarbeiteten Facts, was ich will und was nicht und konnte Vieles schon vorab ausschließen.
Einen Literaturtipp kann ich dir geben: Boris Grundl - Steh auf! Das Ende aller Ausreden... Hat mir mein derzeitiger Chef kürzlich zum Lesen gegeben und es hat mich inspiriert. Ich würde aber nicht unbedingt Geld dafür ausgeben, vielleicht findest du es in der Bibliothek.
Das Betriebsklima ist mir auch sehr wichtig, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass es nicht NUR darauf ankommt. Ich habe über 10 Jahre lang total unterbezahlt gearbeitet und mich immer damit getröstet, dass ja das Team so toll ist und mir die Arbeit Spaß macht. Am Ende war ich total frustriert und deprimiert, weil ich mir so wertlos vorkam. Jetzt verdiene ich endlich mehr und genieße es total, auf dem Konto am Monatsende was übrig zu haben. Dafür muss ich Abstriche an anderen Punkten machen, es ist z.B. leider nicht ganz so freundschaftlich im Team. Aber das ist es mir wert. Also wenn du es noch eine Weile aushältst, dann nimm das gute Geld mit und lege es dir weg für eine Weiterbildung, ein Sabbatjahr oder was auch immer du dir leisten willst. Und in der Zeit machst du dir einen Plan, wo du beruflich hin möchtest.
 

bocksrogger

Aktives Mitglied
Das Betriebsklima ist mir auch sehr wichtig, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass es nicht NUR darauf ankommt
Das stimmt, ich war jahrelang auch so "dumm" (wenn man es denn so nennen möchte/darf) und hab auch gelernt das dies nicht alles ist. Man ist mit der Arbeit und den Kollegen nicht verheiratet und wenn man einigermaßen zurechtkommt passt das doch. In Großkonzernen gibt es ja ohnehin Verhaltensregeln usw. das es "ordentlich" läuft.

(In kleinen Handwerksbetrieben ist das natürlich anders)

Für mich hat sich der Wechsel gelohnt. Zwar waren meine alten Kollegen teilweise sowas wie Freunde, aber der Kontakt reißt dann doch schneller ab als man es möchte oder denkt.
 
M

Miro_86

Gast
Schlag dir das mit der alten Stelle aus dem Kopf. Selbst wenn es klappt, stehst du in ein paar Jahren wieder vor dem Problem und kommst nicht weiter. Das wird kommen glaub mir.

Du wußtest doch auch sicher, das es in einem Großkonzern anders zuggeht, oder? Bei mir war es ähnlich.
Aber mir hat eine Führungskraft (seit 30 Jahren dabei) gesagt "Wir sind ein Schiff und es dauert bis wir den Kurs ändern und sie stehen auf der Brücke und nicht im Maschinenraum".
Und:
"Schauen Sie es sich 2 Jahre an und denken dann noch mal nach".

Hab beides gemacht und war dann doch mit der Stelle zufrieden und konnte intern wechseln.

Es wird nicht einfach werden für dich, aber es wird Du musst auch lernen das deine Entscheidungen Konsquenzen haben, du kannst nicht immer "zurück".
Davon abgesehen zerstört das auch ein bisschen den Lebenslauf.
Hallo Bocksrogger, Danke für diese Antwort. Der Vergleich passt ganz gut... da steckt definitiv Wahrheit drin. Im Nachhinein glaube ich, dass ich zu naiv war. Aber ich glaube auch wenn mir jemand nochmal deutlich gesagt hätte, wie es im Konzern läuft, wäre ich trotzdem gegangen.
Ich denke ich wusste für mich einfach nicht was mir wichtig ist und habe nicht absehen können, was es mit mir macht wenn ich wirklich gehe.
Im Moment fühlt es sich so an, als könnte ich beruflich nie wieder glücklich werden. Als hätte ich diese eine falsche Entscheidung getroffen, die ich nicht mehr gutmachen kann.
Es tut gut zu lesen was du schreibst. Vorallem in Bezug auf die alte Stelle. Das bestärkt mich. Mich haben damals viele kleine und manchmal große Dinge gestört die mein Kopf jetzt einfach ausblendet und an die sich mein Gehirn nicht mehr erinnern will.
 
M

Miro_86

Gast
Ich habe, als ich vor ein paar Jahren wechselwillig war, mir einen Karriere-Berater geleistet, der mit mir einen ganzen Tag lang diverse Themen behandelt hat - am Ende des Tages stand dann ein Extrakt dessen, was mir bei meinem Job wichtig ist. Das kann man theoretisch selbst erarbeiten, macht man aber praktisch nicht. Im Anschluss habe ich mich dann auf Jobsuche begeben und wusste anhand der erarbeiteten Facts, was ich will und was nicht und konnte Vieles schon vorab ausschließen.
Einen Literaturtipp kann ich dir geben: Boris Grundl - Steh auf! Das Ende aller Ausreden... Hat mir mein derzeitiger Chef kürzlich zum Lesen gegeben und es hat mich inspiriert. Ich würde aber nicht unbedingt Geld dafür ausgeben, vielleicht findest du es in der Bibliothek.
Das Betriebsklima ist mir auch sehr wichtig, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass es nicht NUR darauf ankommt. Ich habe über 10 Jahre lang total unterbezahlt gearbeitet und mich immer damit getröstet, dass ja das Team so toll ist und mir die Arbeit Spaß macht. Am Ende war ich total frustriert und deprimiert, weil ich mir so wertlos vorkam. Jetzt verdiene ich endlich mehr und genieße es total, auf dem Konto am Monatsende was übrig zu haben. Dafür muss ich Abstriche an anderen Punkten machen, es ist z.B. leider nicht ganz so freundschaftlich im Team. Aber das ist es mir wert. Also wenn du es noch eine Weile aushältst, dann nimm das gute Geld mit und lege es dir weg für eine Weiterbildung, ein Sabbatjahr oder was auch immer du dir leisten willst. Und in der Zeit machst du dir einen Plan, wo du beruflich hin möchtest.
Hallo Zitronentorte, Danke für deine Worte. Das macht mir Mut. Mein ehemaliges Team und meine Kollegen wären ein wesentlicher Grund warum ich zurück wollen würde. Der Rest wäre das Fachliche. Ich habe im Konzern das Gefühl ich bin absolut niemand. Nur eine Nummer in der Abteilung. Früher war ich die einzige Person im Unternehmen, die das Thema bearbeitet hat. Ich habe alles mitbekommen und war immer über alles informiert. Konnte die Dinge auch selbst bestimmen und gestalten. Andererseits denke ich, es müsste möglich sein einen Job zu finden, in dem ich die Dinge wieder mitgestalten kann. Es müsste eben wieder ein Mittelständler sein.
Ich würde gerne genauso denken können wie du in Bezug auf die Kollegen und das Team. Und ich habe so Angst, dass ich das nicht kann weil es ja alles schon mal so war wie es war. Also lustig, super-kollegial, familiär, klein usw.
Nach dem Buch werde ich definitiv Ausschau halten.. danke schon einmal für die Empfehlung.
 

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