Wenn ein Kind im Kindergartenalter in einem Sprachenwirrwarr groß wird, spricht es am Schluss gar keine Sprache richtig.
Es ist ein Mythos zu glauben, dass echte Mehrsprachigkeit einem einfach so geschenkt wird. Ich kenne perfekt mehrsprachige Jugendliche, aber geschenkt wurde denen gar nichts. Zum Beispiel Kinder aus griechischen, russischen oder spanischen Familien. Die wurden in Deutschland nach dem Regelunterricht in entsprechende Schulen mit der jeweiligen Herkunftssprache geschickt. D.h., sie mussten die Schulbank um viele Stunden länger drücken als die Kinder, die nur mit Deutsch aufwuchsen.
Ich kenne auch türkische Kinder und Jugendliche, die ein ausgezeichnetes Deutsch sprechen. Meine Frage, ob sie genauso gut Türkisch sprechen, wurde verneint. Aber dennoch war deren Deutsch meist nicht so gut entwickelt, wie das ihrer deutschen Altersgenossen.
Echte Zweisprachigkeit verlangt eine sehr strukturierte Herangehensweise, die nichts dem Zufall überlässt.
Und ja, es ist wichtig, erst einmal die Grundlagen für die deutsche Sprache zu erlangen.
Wenn wir irgendwann mal nicht mehr über einen ordentlichen Wortschatz in einer Sprache verfügen, dann können wir bestimmte Dinge auch nicht mehr denken. Versteht ihr, was das bedeutet?
Kinder, die in dem Alter zweisprachig erzogen werden, verfügen über ein dauerndes Sprachbad in beiden Sprachen: da spricht zum Beispiel der Vater konsequent immer die eine und die Mutter konsequent immer die andere Sprache.
Ich habe in einer Schule außerhalb des deutschsprachigen Raumes gearbeitet, in der der Kindergarten völlig auf Deutsch war und die Kinder ihre Muttersprache im übrigen Umfeld gesprochen haben. Selbst in diesem Fall erlangten nur einzelne Kinder eine Zweisprachigkeit. Mir fallen ad-hoc gerade nur zwei Kinder ein. Und das hat nicht einmal etwas mit Intelligenz zu tun.
In eurem Fall bedeutet das übrigens auch folgendes: euer Kind lernt Arabisch nach dem Zufallsprinzip. Welches Arabisch? Völlig egal. Vielleicht ein Mischmasch aus verschiedenen Dialekten verschiedener Regionen über die ganze Erde verstreut. Damit ist eurem Kind gar nicht geholfen.
Kultur ist kein Zufallsprodukt. Und eine hoch entwickelte Kultur schon gar nicht. Die erwirbt man sich.
Es gibt auch nicht umsonst den Ausdruck „Sprachpflege“.
Wenn euer Kind im Umgang mit den anderen Kindern ein paar Brocken Arabisch lernt, ist das sicherlich ganz nett. Allerdings habt ihr in diesem Fall überhaupt keinen Einfluss darauf, wie fehlerhaft dieses Arabisch dann ist. Ich weiß, wovon ich spreche. Auch ich habe auf der Straße eine weitere Sprache gelernt. Später brauchte ich diese Sprache dann beruflich. Ich brauchte zwei Jahre lang, bis ich alle Fehler und schlimmen Sprachgewohnheiten ausgemerzt hatte. Und ja, jeder hätte behauptet, dass ich diese Sprache fließend spreche. Fließend, ja, aber mit unzähligen Fehlern.
Und noch einen Punkt: wenn euer Kind mit so großer Aggression gegenüber dem Partner reagiert, dann spiegelt es meiner Meinung nach eventuell nur wider, was ihm selbst angetan wurde: nämlich Gewalt.