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Müssen Kinder alles verzeihen?

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So, ich mach das jetzt mal, vielleicht hilft es jemandem und wenn es nur einer ist, das wäre für mich genug.

Es gibt ein wunderbares Heft von Kerstin Hack im Down to Erarth Verlag: „Vergeben lernen – Die Kunst, innerlich frei zu leben“

Da steht wunderbar drin, was Vergeben ist und was es eben gerade nicht ist. Also, ich halte mich nah an den Text von dort.

Vergeben ist nicht Verzeihen

Verzeihen ist für die Dinge des Alltags, für unbeabsichtigte Dinge, für die man sich entschuldigt, die uns nicht in der Tiefe unserer Seele treffen. Hier steht „ Es ist quasi das Pflaster für kleine Wunden. Vergebung ist wie eine Operation. Eine Maßnahme, die wir dann anwenden können, wenn uns etwas tief verletzt und getroffen hat.

Vergeben ist NICHT Versöhnen
(allerdings KANN Vergebung den Weg zur Versöhnung frei machen, muss aber nicht. Es kann auch den Weg zur Trennung (inneren Trennung) IN FRIEDEN öffnen)

Vergeben ist NICHT Vergessen

Man redet sich nichts schön,“ Vergeben bedeutet viel mehr, das Geschehene bewältigt zu haben und trotz der Erinnerung Frieden gefunden zu haben.“

Vergeben ist NICHT klein beigeben

Dazu steht hier ganz viel richtig Tolles…

Vergeben ist NICHT Gerecht
Vergebung ist ein Geschenk (erfordert also keine Entschuldigung – meine Worte dazu)

Vergebung IST Verzicht
Vergebung IST Trauer

Also, nur mal so viel dazu, in diesem Heft, das mir selbst sehr viel geholfen hat und das ich von meiner Therapeutin bekam, damit ich für mich selbst verstehen konnte, was es ist (da ging es allerdings nicht um meine Mutter)

Ich fand jetzt einfach mal nur wichtig, ein paar Stichpunkte zu Klärung was Vergebung ist, zu bringen. (ich möchte das später wieder raus nehmen)
Danke von mir TE aber ich kann es (noch?) nicht aufnehmen.
Ich frage mich und Dich und alle dann mal : WIE kann man geschehenes bewältigen ?
 
Ich habe den anderen Thread nicht gelesen. Und diese Diskussion habe ich auch nicht verfolgt. Jedoch macht meine Mutter (59) mir (32) heute noch Vorwürfe, wie ich mich früher als Kind verhalten habe und das ich nicht wollte. Für sie sieht Hilfe so aus, dass sie als Mutter vorsagt, was Kind zu machen hat. Wenn das Kind es nicht möchte, weil das Kind für sich selbst entschieden hatte, dass es nicht passt oder es nicht möchte und ausschlägt, dann muss Mutter die Beleidigte spielen und macht dem Kind zum Vorwurf, dass es ein bockiges, olles, stures Kind sei, was die Eltern Schaden zufügen wollen würde. Das liest sich für einige Unrealistisch. Doch ich habe es so erlebt und nie eine liebevolle und verständnisvolle Mutter gehabt.
 
seid ihr nicht beide im prozess der ablösung? ihr geht beide auf distanz? ihr kämpft um eure freiheit. seid ihr dann da noch opfer? fühlt ihr euch als opfer?
Hier ich TE
Bei mir schwankt es. Die Angst vor dem Tod der beiden löst in mir grade wieder kindliche Sehnsucht, alte Verletzungen und Trotz aus sowie gleichzeitig Druck und tiefe Sehnsucht und Hilfsbereitschaft. Wow: ich glaube ich weiß jetzt was mein Problem ist : sorry wenn ich jetzt etwas narzisstisch? Klinge oder selbstbeweihräuchernd.. Ich musste grad kurz über mich lachen und das find ich schön.also, ich biete meinen Eltern Hilfe an und denke das sie froh sein sollten das ich das nach allem was war mache. Dann sitzen sie im Café und meine Ziehmutter drückt mir einen blöden Spruch vor einer alten Bekannten von sich rein die da im Café auch immer angesch**** kommt und alles an sich reißt und von der mein Freund auch schon sagte die sei Link und Intrigant.

DAS löst in mir dann Wut aus und Beschützerinstinkt weil ich denke diese fiese Alte Bekannte klaut Zeit.mir. Weil die Eltern sich kaum Zuhause treffen wollen. Weil die Mutter Pflegestufe drei hat. Das Café ist so mit dem im Auto gefahren werden vom Vater das einzige was noch geht .Meine Ziehmutter war eine Diva die aussah wie Soraya und schon Witwe war mit 24 und Alleinerziehende in den 60ern. Sie war sehr emanzipiert und ist damals allein zu Freunden nach Marakko mit dem Auto gefahren. Wow! Und sie ist Löwenstark! Sie ist Stammesälteste geworden! Und ich liebe sie abgöttisch wie man nur eine Mutter lieben kann!
Deshalb verletzt mich manchmal ihre Bissigkeit so. Auf der anderen Seite ist mein Vater der immer Angst hatte das die Leutewas Falsches denken ..

>Hallo??? Gerade rief mich mein Vater an!
Er sagte morgen sei die Bekannte meiner Mutter nicht da Im Café und ich solle was schreiben für ein Amt was ich auch gerne mache weil ichs angeboten hatte.( ist selten mal so)
Juhu, und ich habe ihn angesprochen auf einen Pflegevertrag weil er ja auch krank ist und jetzt bin ich froh das das raus ist. Er hat das abgewimmelt und meinte da reden wir in Ruhe drüber --immerhin.
 
Danke von mir TE aber ich kann es (noch?) nicht aufnehmen.
Ich frage mich und Dich und alle dann mal : WIE kann man geschehenes bewältigen ?
Indem man es akzeptiert, dass es geschehen ist und dem Verursacher zwar verübelt , dass er es getan hat , aber ihm nicht zusätzlich noch die Macht gibt einem die Zukunft zu versauen.

In dem man ihm den - imaginären - Stinki zeigt und sagt "Ich habe gewonnen, weil Du Dein Ziel nicht erreicht hast." und man besser ist als der Verursacher des Leidens.
 
grisou,

Nein, eigentlich seh ich mich nicht als Opfer.

Ich seh mich gefangen in meinen Erinnerungen und Gedanken, die mich nicht in Ruhe lassen.
Sie sind immer da, ganz nah unter der Oberfläche, und ich muss jeden Moment damit rechnen, dass sie mich anspringen und in das nächste schwarze Loch schubsen.
Da immer wieder raus zu kommen, zieht so viel Kraft.
Ich will einfach,dass das mal ein Ende hat.
Bowie
Das klingt nach PTBS
Hast Du Teaumatherapie/EMDR gemacht? Das wird Dir helfen!
Gruß TE
 
Danke, Leute.
Kann echt gleich nicht mehr! 🙁

Dann schalte den Computer ab und lies morgen weiter.

Auch das muss man lernen. Dinge zu vertagen und sich abzuschotten, wenn es gut tut.

Man muss sich nicht jeden Schuh anziehen, der einem hingeworfen wird.
 
Ich finde es beachtlich, wie wir hier alle miteinander ringen bei dem Thema. Uns gegenseitig zuhören. Abwägen. Die Wahrheit und den Weg des anderen betrachten. Überlegen, paßt das auch für mich? In gegenseitiger Achtung.

Wie auch die TE mit sich ringt. Versucht den Weg zu finden zwischen "Was wurde mir angetan", "Wie kann ich mich selbst und mein erfahrenes Leid achten?", "Wie kann ich mich schützen?" und "was werde ich vielleicht zukünftig bedauern, wenn ich es jetzt nicht tue?", "Wie kann ich Frieden finden?"

Es ist ein schweres Thema. Vielleicht eines der schwersten im Leben.

Ich vergesse nicht. Ich sehe das Leid, das mir zugefügt wurde.

Ich relativiere nicht. Die Eltern hätten genau den Schritt gehen können, den ich heute gehe. Ihr eigenes erfahrenes Leid für sich verarbeiten. Nicht verdrängen. Nicht schönreden. Nicht als Entschuldigung dafür nehmen, daß sie den Schmerz weitergeben. Sie hätten sich verdammt nochmal auch auf den Weg machen können, sich anstrengen können und das in Ordnung bringen, in die eigene Kraft und Stabilität finden können, ihren Frieden mit ihren Familien machen können, ihre Zartheit und Sensibilität entdecken können, lernen können, daß ein Kind Sicherheit braucht und Liebe und wie man es schützt, bevor sie mich in die Welt gesetzt haben. Aber sie haben es nicht hinbekommen. Sie haben es nicht geschafft. Sie haben in dem Punkt versagt. Und sie haben sich ihrem eigenen Versagen nicht stellen können.

Ich benenne es ihnen gegenüber. Es ist mir wichtig, meine Wahrheit auszusprechen. Ich lasse mich da auch auf keine Diskussion ein, mit dem Ziel, mir diese Wahrheit abzusprechen oder sie zu relativieren. Was passiert ist, ist passiert.

Aber gleichzeitig bin ich Ihnen in Liebe und Vergebung zugewandt. Trotz allem. Ich weiß, sie hätten sich gewünscht gute Eltern zu sein. Sie wollten es gut machen. Sie haben es nicht geschafft. Es waren auch andere Zeiten. Sie waren so sehr an Gewalt gewöhnt. Und sie haben wirklich geglaubt, wenn Konsumgüter vorhanden sind, geht es uns gut. Und haben geglaubt, von all dem, was mir den sicheren Boden unter meiner Kindheit raubt, bekomme ich nichts mit. Und so wie sie für sich selbst beschlossen haben, weil sie keine andere Möglichkeit kannten, das Elend ihrer Kindheit zu verdrängen, so dachten sie auch ich erinnere mich nicht an altes Leid. Meine Eltern wissen beide, daß ich seit Jahren in psychotherapeutischer Behandlung bin. Sie können damit kaum umgehen.

Ich sehe die Gründe in ihrer Lebensgeschichte, die ihre Möglichkeiten so sehr eingeschränkt haben. Ich sehe, was in ihnen schon an guten Emotionen und Liebesfähigkeit getötet wurde, als sie selbst noch wehrlose Kinder waren. Ich weiß, sie wollten es besser machen als ihre Eltern. Sie haben es nicht geschafft. Oder vielleicht haben sie es doch ein kleines bißchen geschafft, vielleicht haben sie es doch noch ein bißchen besser hinbekommen als ihre Eltern. Ich weiß es nicht. aber gut geht anders...

Ich muß ihnen nicht verzeihen. Aber ich kann gar nicht anders. Es ist mein Weg. Ich hoffe, daß er mich in die Freiheit führt.
 
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