Hier wird immer von den Opfern geredet, die schwach sind etc.
Ich selber war so ein Opfer und mir wurde auch gesagt, ich sei zu sensibel und schwach. Und das alles nur weil ich es für niveaulos hielt mich mit Prügeln oder primitiven Vokabular zu wehren. Weil ich die einzige war, die immer wieder das Gespräch in der Klasse und mit meinem Täter suchte, um herauszufinden, was er gegen mich hatte.
Ich wusste, dass ich nicht die einzige war, die mit meiner Täterin Probleme hatte und das die anderen nur nichts dazu sagten. Meine Lehrerin war diesbezüglich irgendwann so überfordert, dass sie mich zum Problempol des ganzen machte. Nun war ich der Täter und sie fing nicht nur an mich ebenfalls zu mobben, sondern auch andere, von denen einige plötzlich wach gerüttelt wurden, dass man sich das nicht gefallen lassen muss. Die wahre Täterin stand süffisant grinsend mit ner Packung Popcorn in der Ecke und hat sich derweil prächtig amüsiert. Immerhin spielte sie nun das Opfer vor, was ja gar nichts tat und ich war die Lügnerin, die ihr nur böses wollte. Jeder in meiner Klasse wusste das ich Recht hatte.
Aber ich war die Schwache, sensible Pfeife, die angeblich zu allem zu Feige war. Nicht sie selber, die sich nicht trauten, gegen die wahre Täterin zu appellieren, gegen ihre Klassenlehrerin etc. um das Gesamtklima wieder herzustellen.
Ich habe mich gewehrt auf meiner Meinung nach niveauvollen Sinne, was nachher aber auch nicht mehr gehalten wurde, weil das Niveau wiederum eben, was mir entgegen kam auch nur mit gleichen Niveau entkräftet wurden konnte. Und genau das war's: Man konnte nichts vernünftig klären, außer das man sich derart primitiv benahm etc.
Gerade das ich mich gewehrt habe, führte dazu, dass ich eben der eben genannte Täter wurde.
Außerdem ist es Schwachsinn zu sagen, es gibt nur bestimmte "Charaktere", die zu Opfern werden. Leute, denkt mal genau nach: Jeder hat Schwachstellen und wenn jemand den anderen einfach nur nicht leiden mag, dann findet er immer einen Grund den fertig zu machen. Ich kenne genügend Leute, die sehr Selbstbewusst sind und trotzdem auch zu Mobbingopfern wurden. Man wehrt sich vielleicht noch ein paar Wochen, Monaten, einem halben oder gar einem ganzem Jahr: Irgendwann jedoch ist bei jedem der Moment gekommen da kann er nicht mehr. Ihm wird ja nicht nur einmalig etwas an den Kopf geschmissen, sondern ihm wird psychisch so tagtäglich zugesetzt, dass niemand das aushält.
Und wenn ein starker Mensch, ein Mensch ist, der anderen das Selbstbewusstsein nehmen muss, damit sein eigenes nicht in die Brüche geht.
Und wenn ein starker Mensch, ein Mensch ist, der nur deswegen stark ist, weil er genau weiß, dass zig Menschen hinter ihm stehen.
Und wenn ein starker Mensch, ein Mensch ist, der erst andere verprügeln muss, damit er sich daraufhin aufgeilen kann.
Und wenn ein starker Mensch, ein Mensch ist, der nur deswegen nicht zum Opfer wird, weil es sich vollkommen raus hält, weil er eigentlich doch weiß "Du könntest als Nächstes dran sein."
Und wenn ein starker Mensch, ein Mensch ist, der glaubt nur deswegen stark zu sein, weil er das GLÜCK hatte, in der richtigen Umgebung geboren zu sein.
Und wenn ein starker Mensch, ein Mensch ist, der andere in ihrem Recht als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft nicht ernst nimmt und daraufhin denunziert...
Wenn das ein starker Mensch ist, ja, dann bin ich gerne SCHWACH!
Und versucht mal endlich nicht das Problem des "Opfers" zu beseitigen, sondern nämlich das des/der "Täters/Täter". Die, die meiner Meinung nach nämlich wirklich schwach sind, sind die, die sich nicht mobben lassen, sondern die, die mobben. Die haben nämlich das eigentliche Problem und lassen es nur an anderen raus.
Unter den "Schwachen" sind oftmals nicht zuletzt eine nicht zu unterschätzende Zahl von Hochbegabte Menschen. Ich würde nicht sagen, dass diese Schwach sind. Ganz im Gegenteil. Aber was soll eine zarte Blüte gegen das umringende Unkraut machen, was sie nach unten drückt und verschlingt.
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Menschen die von schwachen oder starken Menschen reden, zählen sich immer selber zu den Stärkeren. Am Ende sind sie jedoch wie Hunde, die bellen, aber nicht beißen. Schlägt man nämlich nach ihnen aus, sitzen sie genau wie jeder andere auch verängstigt in der Ecke und heulen sich ihren Rotz aus der Nase, während man Bäche flennt. Meistens sogar noch mehr.