Und zur Ergänzung ein Artikel aus der Frankfurter Neuen Presse vom 09.06.2008:
09.06.2008
Kasinoschule zeigt es: Streit gewaltfrei lösen
Höchst. Als erste Förderschule in Frankfurt hat die Höchster Kasinoschule das PiT-Gütesiegel des Landes Hessen erhalten. PiT steht für „Prävention im Team“, ein Programm, in dem die Schülern lernen sollen, Konfliktsituationen gewaltfrei zu lösen. Die siebten Klassen der Kasinoschule haben das bereits ausprobiert.
„Es ist nicht so, dass wir uns alle im Kreis zusammensetzen und überlegen dann, wie wir uns besser vertragen können“, stellt Lehrer Steffen Schwinn klar. Möglichkeiten der Deeskalation werden vielmehr spielerisch von den Schülern selbst erarbeitet. Dazu werden in Rollenspielen Alltagssituationen nachgestellt oder beim Sport Regeln formuliert, wie sich Gewalt vermeiden lässt. Um die Jugendlichen dabei pädagogisch unterstützen zu können, haben Steffen Schwinn und sein Kollege Rudi Huisken im vergangenen Sommer an einer Fortbildung teilgenommen.
PiT unterscheidet sich von anderen Gewaltpräventionsprogrammen, da es zusätzlich die Polizei und die Jugendhilfe ins Boot holt. Die siebten Klassen der Kasinoschule gehen alle 14 Tage für einen Vormittag zum PiT-Training ins Höchster Jugendzentrum (Juz). An den Terminen nehmen neben den Klassenleitern und den PiT-Trainern der Schule auch Astrid Feist vom Juz und Jenz Wenzel vom 17. Polizeirevier teil.
„Neben einem Polizisten zu sitzen, war für mich am ersten Tag total seltsam. Aber dann hab ich mich schnell daran gewöhnt“, sagt Chayma. Auch ihr Mitschüler Sebastian zieht alles in allem eine positive Bilanz für sich. Zwar sei er auch schon früher Konflikten aus dem Weg gegangen, glaubt aber trotzdem, dass er mit PiT noch etwas lernen konnte, was ihn im Alltag weiterbringt. In ihrem Klassenzimmer haben die Jugendlichen ein Plakat mit den erarbeiteten Regeln aufgehängt: „Wir lassen den anderen ausreden“ oder „Wir lachen im Gespräch niemanden aus“ ist darauf zu lesen.
Dass Chayma und Sebastian keine Einzelmeinung vertreten, bestätigt Astrid Feist. Sie hat die Antworten der Schüler auf den Fragebögen zu PiT ausgewertet. „Viele schreiben, sie seien selbstbewusster geworden und würden nicht mehr gleich losschlagen, sondern erstmal das Gespräch suchen“, schildert Frau Feist. Aber es gab auch Kritik, und die nehmen sich die PiT-Trainer durchaus zu Herzen. „Etliche Schüler fanden die Einführungsrunden, in denen erstmal jeder erzählen sollte, wie es ihm geht, total langweilig. Da werden wir etwas umstrukturieren.“
Da trotz des großen Zeitaufwands, den das Projekt für Schule, Polizei und Jugendhilfe bedeutet, die Bilanz nach einem Schuljahr für alle Seiten positiv ausfällt, will die Kasinoschule an dem Programm festhalten, bestätigt Leiterin Marina Lausser-Bollin.
Und macht das auch öffentlich: Jeder, der an der Kasino-Schule vorbeikommt, kann nun auch sehen, dass dort Gewaltprävention in Teamarbeit eine große Rolle spielt. Seit einigen Tagen schmückt ein entsprechendes Schild den Eingang zum Pausenhof. (geo)
Quelle:
Frankfurter Neue Presse Online[id]=4874251