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Meinen sonst so harten Freund leiden sehen

AnjamitVicky

Aktives Mitglied
Ich komme gerade aus dem Krankenhaus und bin emotional sehr erschöpft.
Hab meinen Freund heute gesehen wie ich ihn davor nie gesehen hab.
Er hatte sich im Dienst an der Hand verletzt und eine Fraktur zugezogen, die sie richten mussten.
Heute war die O.P und er lag wie ein Häufchen Elend im Aufwachraum und hat sichtlich gelitten. Ihm standen sogar die Tränen in den Augen.
Hab später mit dem Arzt gesprochen, der gesagt hat, dass er wohl Probleme mit der Atmung hatte und sie ihn deshalb länger auf der Wachstation lassen wollen.

Mein Freund war nie ein Jammerlappen, der bei ein bisschen Blut gleich die Panik bekommt, aber das hat ihn heute sichtlich dahin gerafft.
Er ist sonst immer der Harte. Auch durch seinen Beruf bei der Polizei.
Ich war wirklich sichtlich überfordert, weil ich ihn so leidend gar nicht kenne

Eigentlich wollte ich morgen schon die Kinder zum Besuch mitnehmen, aber das kann ich doch so vergessen, oder?
Die kriegen doch einen Schock, wenn sie ihn so sehen.

Ich bin gerade völlig überfordert, weil ich meinen Partner so leidend nicht kenne. Der ist normalerweise der Typ, der selbst mit Fieber auf Arbeit rennt. Wenn es den umhaut muss es schon hart kommen.

Ist eine blöde Frage: Aber habt ihr einen Rat für mich, wie ich damit umgehe?
Ich leide da selbst wenn ich ihn so sehe. Aber wenn ich mich weinend daneben lege ist das sicher auch nicht so sinnvoll?
Kennt das hier jemand von seinem Mann/Freund?
 
Überraschung: Männer haben Gefühle.

Manche Menschen unterdrücken ihre Gefühle sehr lang und sehr stark. Und wenn sie dann in eine Situation kommen, in denen sie nicht mehr dazu in der Lage sind, sich derart zusammenzureißen, dann reagieren sie oft übermäßig, weil sie schlichtweg überwältigt sind.

Ich wüsste nicht, warum man Kindern vormachen soll, dass Männer keine Gefühle hätten. Kinder sollten lernen, dass jeder Mensch Gefühle hat und sie zum Ausdruck bringen kann.

Ich selbst hatte Partner, die sich auch eher gefühlskalt gegeben haben. Das ist in unserer Gesellschaft der gängige Standard. Jungs weinen nicht! Alles Quatsch. Als ich einen Mann kennenlernte, der seinen Gefühlen freien Lauf ließ, war ich zunächst ebenso überfordert wie du. Daran gewöhnt man sich. Anfangs lässt man sich noch leicht mitreißen, später lernt man damit umzugehen und es richtig einzuordnen. Wichtig ist nur, dass man seinen Partner ernst nimmt, ihm zu verstehen gibt, dass er vertrauen kann und man für ihn da ist.
 
Mein Freund zeigt schon Gefühle.
Allerdings nicht bei sich selbst, wenn er in einer schlechten Situation ist. Bis jetzt.
Er nimmt auch meine Tochter in den Arm, wenn die weint und hat sich auch wenn er nicht ihr leiblicher Vater ist immer wie ein Vater gekümmert
Er tröstet auch mich oder unseren Sohn wenn der hin fällt, aber er weint eben nie vor anderen und nun habe ich meinen Partner, der nie über sich weint, sichtlich fertig und emotional gesehen.
Genauer gesagt lag er wie ein Häufchen Elend in seinem Krankenbett mit allen Folgeerscheinungen, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe und jetzt erst langsam nach 2 Tassen Kaffee klar komme.
Ich war geschockt und hab irgendwie versucht für ihn da zu sein, obwohl ich in dem Moment kompletten Black out hatte mit tausenden von Fragen. Ist das gut auf seine Emotionen einzugehen? Was sagt man ohne dass alles noch schlimmer wird? Mehr als Hand halten und Streicheleinheiten ging ja aufgrund der Infusion und der Kabel auch nicht.

Zu den Kindern im Krankenhaus: Unser Sohn ist selbst sehr empathisch. Ich weiß ja nicht, wie es meinem Freund morgen geht, aber wenn er Schmerzen hat und fast am weinen ist, sollte man dem Kind vielleicht nicht zumuten den Papa so zu sehen. Natürlich kann ich auch komplett falsch liegen und es beflügelt meinen Freund so sehr, dass die Kinder kommen, dass er gleich besser drauf ist, aber ich weiß es eben nicht.
Meine Tochter wird mittlerweile schon blass, wenn sie nur das Desinfektionsmittel im Eingangsbereich vom Krankenhaus riecht. Hat aber auch damit zu tun, dass sie letztes Jahr selbst eine Woche auf der Intensivstation lag.
Als ich unseren Sohn heute morgen in die Grundschule gebracht habe fragte der glatt: Muss Papa jetzt sterben?

Ich denke, es wäre vielleicht ratsam beim Telefonat später doch noch mal meinen Freund zu fragen, ob ich die Kinder mitbringen soll? Eigentlich sollte das eine Überraschung werden, aber ich bin mir da grad nicht mehr so sicher.

Ich finde es schlecht von mir, dass ich so unbeholfen reagiert habe und davon ausgehe, dass mein Partner auf hart macht, aber es ist auch für mich eine völlig neue Erfahrung. Ich hab ihn bisher genau einmal derart aufgelöst gesehen und das war bei der Geburt unseres Sohnes.
Er war eben immer für uns da, hat selbst aber selten Schwäche bei sich gezeigt.
Ich weiß auch nicht, ob ich das später nochmal thematisieren sollte. Vielleicht ist ihm das ja auch peinlich? Ich weiß grad gar nichts mehr.

Zur Frage: Mein Sohn ist in der Grundschule (8) und meine Tochter ein Teenie (16).
 
Zuletzt bearbeitet:
Heute war die O.P und er lag wie ein Häufchen Elend im Aufwachraum und hat sichtlich gelitten.

Es ist doch viel zu früh zu diskutieren "was-wann-wenn-tun".

Er muß doch erst einmal richtig wach werden und zu sich kommen!!
Warte ein paar Tage!
Dann ist er sicher wieder "ein anderer Mensch": - ER.
 
Hallo AnjamitVicky,

ein Stück weit lese ich in deinem Post eine Enttäuschung.

"Jetzt liegt da mein "Bulle" im Krankenbett und "heult da rum" wegen einem Handbruch"

Aber...

Ihr seid in einer Ausnahmesituation.
Arbeitsunfall...
OP...
In so einer OP, muß man sich in die Hände anderer begeben, keine Kontrolle etc.

Nach meiner OP, wo mir bei örtlicher Betäubung jeweils ein Loch durch die Augenbrauen in die Stirn gebohrt wurde, musst ich im Zimmer vor meiner Partnerin auch weinen, obwohl ich sonst eher der Harte bin.

Die Kinder sind alt genug, sie freuen sich bestimmt. Er auch.
Frag doch ob du sie mitbringen sollst.

Gruß Hajooo
 
Genauer gesagt lag er wie ein Häufchen Elend in seinem Krankenbett mit allen Folgeerscheinungen, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe und jetzt erst langsam nach 2 Tassen Kaffee klar komme.
Ich war geschockt und hab irgendwie versucht für ihn da zu sein, obwohl ich in dem Moment kompletten Black out hatte mit tausenden von Fragen.
Ich glaube, dass du selbst erst Mal runterkommen musst. Mach dir einen gemütlichen Abend, beruhige dich. Deine Nervosität überträgt sich sonst nur auf die Kinder. Ruf deinen Mann morgen nochmal an und klär ab, ob er Besuch möchte oder nicht.

Mach dir jetzt nicht so einen Kopf, das bringt nichts.
 
"Jetzt liegt da mein "Bulle" im Krankenbett und "heult da rum" wegen einem Handbruch"

Ich bin nicht enttäuscht. Eher überfordert.
Weil ich meinen Freund so gar nicht kenne. Natürlich hat er jedes Recht emotional zu sein. Ich war nur etwas überrannt. Vielleicht auch weil ich mit anderen Erwartungen dort hin gegangen bin.

Dass er jetzt nicht dort ist und die Wände malert war mir schon klar, aber nicht, dass er so fertig ist.
Körperlich und emotional.

Na, ja nur ein Handbruch ist relativ. Es hat während der O.P Probleme bei der Atmung gegeben, laut Schwester hatte er sämtliche Nebenwirkungen, die man bei einer Narkose haben kann und vielleicht hängt es auch damit zusammen, wie die Handfraktur entstanden ist. Nämlich durch Gewalteinwirkung im Dienst. Vielleicht ist er auch deshalb mental zusammen gebrochen. Ich weiß es aber nicht.

Hab eben nochmal mit ihm telefoniert. Er meinte ich soll die Kinder übermorgen mitbringen, wenn er auf der Normalstation ist.
Meine Tochter sagte hinterher zu mir (sie hat ihn am Telefon gehabt): Papa klang aber ganz schön fertig.
Ich hab ihr dann behutsam erklärt, dass er sicher wieder wird, es ihm heute aber nicht gut ging.
Seitdem beharrt sie darauf, dass sie morgen trotzdem mit will. Sie wäre ja alt genug.
Unser Sohn ist grad bei einem Freund, deshalb hat er nichts mitbekommen.
Ich habe ihr dann erklärt, dass es Gründe hat, weshalb er noch warten will und ihr gesagt, dass er nicht möchte dass sie sieht, wie er Schmerzen hat.

Daraufhin sie: Ist mir egal. Wenn es mir S**** geht, ist er auch für mich da. Er war ja auch bei mir auf der Intensivstation als ich im Krankenhaus lag.

ich packs ja nicht.

Das möchte ich jetzt nicht kommentieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Daraufhin sie: Ist mir egal. Wenn es mir S**** ging, ist er auch für mich da. :wein:
Das ist ja süß! :blume:

[...] und vielleicht hängt es auch damit zusammen, wie die Handfraktur entstanden ist. Nämlich durch Gewalteinwirkung im Dienst. Vielleicht ist er auch deshalb mental zusammen gebrochen. Ich weiß es aber nicht.
Dann würde ich professionelle Hilfe hinzuziehen. Es gibt speziell für Polizeibeamte psychologische Unterstützung, die man in Anspruch nehmen sollte.

https://www.polizei.hessen.de/diens...ssen/zentraler-polizeipsychologischer-dienst/
 
Ich hatte auch einmal eine Vollnarkose, angeblich eine "Kleinigkeit" (Weisheitszähne), aber ich bin zu früh wach geworden. Ich war bei vollem Bewusstsein, konnte aber nichts tun, mich nicht rühren, nicht die Augen öffnen, hatte noch den Schlauch im Hals usw. Danach habe ich auch geweint wie sonstwas. Wenn bei deinem Freund die Atmung ausgesetzt hat oder ähnliches, dann ist das alles kein Spaß. Er hatte ggf (so wie ich) Angst nicht mehr aufzuwachen, sich nicht mehr bewegen zu können usw. Ich würde da ganz behutsam vorgehen, er braucht sicherlich Zeit um das zu verarbeiten. Ich würde ihn auch nicht darauf ansprechen oder ähnliches. Einfach fragen, was er braucht/ ihm guttut und das dann machen. Wenn er die Kinder erst sehen will, wenn er auf der Normalstation ist, dann sollte das auch so geschehen, denke ich.
 
Frag ihn doch demnächst Mal, wie Du ihm am besten helfen kannst.

Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich bin so durch den Wind dass ich auf so eine einfache Sache nicht gekommen bin. Danke für diesen Impuls


Oder hat er gejammert?




Ich kann dir gerne den Hergang erzählen, auch wenn ich nicht weiß für was das gut sein soll.
Angekommen auf der Station hab ich die Schwester getroffen, die ich schon vom Vortag kannte und hab erfragt wie es meinem Freund geht.
Sie meinte den Umständen entsprechend. Er ist wach, wird aber noch etwas länger auf der Wachstation bleiben, weil er während der O.P nicht so toll geatmet hat. Er bekommt Sauerstoff.
Da war ich erstmal bedient. Dann sagte sie, er hat die Narkose nicht so gut vertragen, aber das käme vor.
Ich bin zum Zimmer rein, wo er sehr schwächlich lag.
Übelkeit, massives Frieren um nur einige Begleiterscheinungen zu nennen. Er hatte irgendwie alles. Ich kannte das von meinem Sohn und von mir. Sorgen gemacht hat mir auch dass er Fieber hatte und er wirkte sehr weinerlich.
Wie ich schon geschrieben habe. Mein Freund liegt sonst nicht mal bei einer Grippe.
Der ist schon mit hohem Fieber auf Arbeit gelaufen.
Heute lag er da wie ein Häufchen Elend.
Er konnte nicht mal seinen Trinkbecher halten.

Ich hab dann einfach da gesessen, Händchen gehalten und ihm Mut zugesprochen.
Hin und wieder ist er mir dann eingenickt, was mich auch nicht gerade beruhigt hat.
Und als ich dann die Tränen gesehen habe, als er wach war, hätte ich am liebsten mit geweint.
Er meinte zittrig mir gehts echt S****, sicher von der Narkose und ich antwortete, dass ich das merke, dass es aber besser werden wird.
Im nachhinein ärgere ich mich. Vielleicht hätte ich den Kommentar lieber lassen sollen.

Kurz darauf hat er mich dann mit den Worten, dass ich nach Hause fahren soll, um den Kleinen abzuholen quasi vorsichtig raus geschmissen.

Vielleicht war das in den letzten Monaten auch für ihn einfach zu viel. Die Kinder abwechselnd im Krankenhaus, dann ich, dann die neue Wohnung, dann jetzt die Sache im Dienst. Vielleicht hab ich mich zu sehr auf das alles andere konzentriert ohne zu sehen, dass es ihm auch schlecht damit geht. Ich hab nur mich und die Kinder gesehen. Er hat immer den Anschein gemacht, dass er so der Starke für uns ist. Ich weiß es nicht. Vielleicht interpretiere ich auch zu viel da rein.


Wenn ihm so ein Vollidiot in Ausübung seines Dienstes die Hand gebrochen hat, dann hat er vermutlich und verständlicherweise ganz andere Sorgen, als seine Hand und Kinderbesuche gerade...

Hat er so bisher nicht gesagt. Ich hab ihn als das passiert ist gleich gefragt, ob er darüber reden will, aber er hat direkt eingelenkt und gesagt, das wäre Berufsrisiko und er käme klar.

Jetzt im nachhinein mache ich mir schon Gedanken, dass da doch mehr ist.

Ich hab grad das Gefühl ich mache alles falsch.
 
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