Früher war ich mit Freunden am WE Gast in einem Bistro. Der Wirt fragte ständig nach, ob man "noch'n Bier" haben will. So wurden dann die Deckel "rund gesoffen". Ich vertrug aber nicht viel, hatte nach wenigen Bier eine unüberwindbare Sperre und hielt mich an Cola. Auch weil es mir peinlich war, Mist zu reden.. Beim Abrechnen kam dann vom Wirt die Bemerkung, dass ich aber kein guter Trinker sei...
Ich habe mich gefragt, was der Wirt von mir will. Das Bistro war echt mäßig geheizt, uralt ausgestattet, die Musik war so lala: es ging einfach nur um Umsatz und Gewinn, also Abzocke.
Später bei der Bundeswehr stand abends Langeweile an. Man sitzt entweder im sechs-Bett-Zimmer oder pennt. Es gab eine kleinere Kneipe gegenüber der Kaserne. Aber auch dort sah man - neben Bundeswehrmatratzen - nur die Kollegen, die ihrem Sold versoffen.
Mich zog dort einfach nichts hin, und ich fand es armselig, in einen Raum zu gehen, in dem einfach nur billig bunte Lämpchen, ein paar Lautsprecher und alte Möbel aufgestellt waren, und jemand hinter einer Theke nach Alkohol- Umsatz geierte.
Also hab ich mit ein Fahrrad gekauft ( der Parkplatz des Autos wäre sofort "weg" gewesen) und habe die Stadt verlassen.
Weiter draussen am Rand habe ich eine Pferdezüchter-Familie kennen gelernt.
Dort, auf dem Hof, konnte ich endlich wieder etwas sinnvolles erreichen und war fortan derart oft da, dass ich am WE erst gar nicht mehr die 300 km nach hause gefahren bin.
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Wenn man eine Aufgabe hat, soll man sich dieser widmen, jedoch steht danach noch Freizeit an.
Diese kann man zur Bildung nutzen oder man sucht ein Umfeld. Das Umfeld soll sich nicht in demselben Gesellschaftskreis befinden, mit dem man tagsüber zu tun hat, denn sonst fällt die Abwechslung weg.
Abwechslung kann man sich erkaufen, wenn man selber kein "Macher" ist.
Dazu fährt man dahin, wo andere einem die Langeweile vertreiben - und zahlt dafür den Preis. Insbesondere größere Städte werben mit ihrem großen Angebot an Möglichkeiten der "Freizeitgestaltung", und was dort alles "angeboten" wird.
So vergeudet man nutzbare Lebenszeit und sein Guthaben dazu: morgen trifft man neue Leute, um die von gestern zu vergessen.
Ein bisschen weiter ausserhalb trifft man eher nicht auf Musik, Drogen, Alkohol sondern auf reales Leben, ein vielfältiges buntes Durcheinander von Interaktionen zwischen Nachbarn oder Geschäftsleuten, die tagsüber arbeiten und nachts schlafen, weil sie müde sind.
Es gilt dort, etlichen Anforderungen zu genügen, egal ob Vieh Futter braucht oder zu Mittags gekocht wird und wie man es zubereitet. Das Leben richtet sich nach dem Wetter: man sieht zu, dass man das Getreide vom Feld kriegt, und das schnell wie möglich und abends so lange wie nötig.
aber verallgemeinernd würde ich sagen, dass die Männer der jetzigen Generation - vor allem in meinem Alter- einfach gestört/kaputt sonst was sind.
Hier gab es schon mal den Rat, den Freundeskreis zu wechseln.
Natürlich trifft man dort, wo man hingehen will, die Leute, die man antreffen will.
Sucht man Leute, die sich aus Langeweile zu dröhnen oder die anderen aus Angst, dem Dunstkreis nicht mehr angehören zu dürfen, Drogen abkaufen, so ist man in entsprechenden Bars und Kneipen gut aufgehoben - und teilt deren Schicksal.
Benutzt man ein Rad (oder ein Semesterticket) und orientiert sich anderweitig, so trifft man auf nicht kaputte und nicht gestörte Leute und auf den Platz, den sie dort in ihrem Leben ausfüllen.
Man erreicht dort für sie und für sich selber weit mehr, nämlich eine freundschaftliche Zufriedenheit des Gebens und Nehmens.