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Männer und Verletzlichkeit

Ich hoffe, meinem Sohn nicht unbewusst dieses Bild zu vermitteln und arbeite sehr viel daran oder versuche ganz bewusst Gefühle da sein zu lassen, keine Rollenbilder aufzuzwängen, was durch unsere Sozialisation gar nicht immer so einfach ist, da man einiges auch unbewusst macht. Zum Glück bin ich da einer Ansicht mit meinem Mann, was das zulassen von Gefühlen betrifft.

Könntest du dir vorstellen, in einem neuen Thread, den ich zum Thema "Jungen nicht zu Machos erziehen" erstellen würde, über deine diesbezüglichen Erfahrungen zu schreiben? Wäre echt toll!

Innerhalb der nächsten Woche hab ich keine Zeit für einen neuen Thread, aber danach schon.
 
Zuletzt bearbeitet:
Jungs wird gesagt, sie sollen nicht weinen, "weibliche" Eigenschaften werden bewusst oder unbewusst abgelehnt. Eine der wenigen Emotionen, die bei ihnen akzeptiert wird, sind aggressive Emotionen. Was sollen sie dann anderes machen, als diese zu zeigen? Gleichzeitig entsteht dann eine Abwehr gegen alles weibliche, was dann zu Problemen zwischen Männern und Frauen führen kann.
Die Betonung liegt auf kann, es muss nicht so laufen und zum Glück gibt es auch einige bei denen es ganz anders verläuft. Und nicht alle reagieren gleich auf so eine "Behandlung.

Genau so sehe ich das auch.
 
Könntest du dir vorstellen, in einem neuen Thread, den ich zum Thema "Jungen nicht zu Machos erziehen" erstellen würde, über deine diesbezüglichen Erfahrungen zu schreiben? Wäre echt toll!

Innerhalb der nächsten Woche hab ich keine Zeit für einen neuen Thread, aber danach schon.

Klar, sag gerne Bescheid wenn du ihn eröffnest
 
Vielen Dank für dein Nachfragen und dein Interesse.
Zwar gibt es einige ehemalige Klassenkameraden, bei denen man froh ist, sie nicht mehr sehen müssen. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen mit meiner Familie oder meinen Freunden zu brechen.

Es liegt auch nicht an denen, es liegt an mir, dass ich mich oft so unverstanden gefühlt habe.
Ich schrieb, dass ich mit keinem reden konnte. Das hat seinen Grund aber nicht darin, sie es ablehnten mit mir zu reden. ICH bin es, der nicht mit den Leuten reden kann.

Ich schämte mich, wenn es mir nicht gut ging. Ich machte mir Vorwürfe. Ich befürchtete, dass sich meine Familie Vorwürfe macht.
Anders als die deutschen Familien sehen die libanesischen Familien die Probleme des Kindes nicht in dessen Person sondern in der ganzen Familie und daraus folgt, dass sie sich Vorwürfe machen, wenn mit dem Kind etwas nicht stimmt. So befürchtete ich, dass ich eine Schande sei und dass sich meine Familie wegen mir Vorwürfe macht oder Vorwürfe gemacht kriegt.

Ich bin kauzig. Ich schaffe es nicht, gut mit den Leuten darüber reden, wenn es mir nicht gut geht. Es tut mir weh und ich fühle mich erst mal schrecklich damit.

Wenn ich krank bin, schäme ich mich und ich denke, dass ich eine Schande bin. Denn ich denke mir, wir können dann als Familie nicht gut angesehen und stark sein. Das ist tief in mir drin. Ich will sich so empfinden, aber leider kann ich nicht.

Leider bin ich chronisch krank. Ich habe Morbus Crohn und mir geht es psychisch nicht gut.

Ich bin froh, dass mein näheres Umfeld jetzt Bescheid weiß, aber wenn etwas konkretes ist, dann kann ich nicht darüber reden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Schön, dass du hier so offen bist. 🙂

Ich schreib diesmal auch über mich, aber nur, um auf dich einzugehen und dir besser verständlich zu machen, was ich meine und was u. U. möglich wäre. Und ich hole ziemlich weit aus - hoffentlich nicht zu weit. Wenn dir das alles eh schon sonnenklar ist, kannst du mir ruhig Bescheid sagen. 🙂

Zum Thema Kontaktabbruch: Ein großer Teil meiner Familie ist ebenfalls konservativ. Da ich die meisten mag, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, den Kontakt zu ihnen abzubrechen, auch wenn dieser große Teil meiner Familie mich nie richtig verstanden hat. Allerdings hatte ich 16 Jahre den Kontakt zu meiner Mutter und ebenfalls mehrere Jahre den zu meinem Vater abgebrochen, weil sie damals beide so unerträglich narzisstisch (also narzisstisch, nicht Nazis) waren. Den Kontakt zu meinem Vater werde ich nicht wieder aufnehmen, sonst würde es mir wieder schlechter gehen. Dass ich so lange mit meiner Mutter nichts zu tun haben wollte, hat sie SEHR geschmerzt, aber ich denke, es hat entscheidend dazu beigetragen, dass sie begriffen hat, dass ich ein eigenständiger Mensch und nicht ein Teil von ihr bin. Sie hat mir nichts zu befehlen. Und sie hat natürlich eine Therapie gemacht, das heißt, sie war bereit dazuzulernen und ihre Ansichten in Frage zu stellen. Sie hat später sehr deutlich und in drastischen Worten zugegeben, wie falsch sie früher mit ihren Ansichten und Ansprüchen gelegen hat. Heute geht sie mit mir sehr respektvoll um und wir verstehen uns gut, was ich viele Jahre nie für möglich gehalten hätte.
Nachdem mich die Denk- und Verhaltensweisen meiner Eltern über Jahrzehnte sehr belastet haben, geht es mir jetzt mit ihnen also ziemlich gut. Es war ein harter Weg, der sich für mich aber sehr gelohnt hat.
Ich weiß nicht, wie deine Familie und deine Freunde mit dir umgehen ... du musst wissen, was du ertragen kannst und was nicht. Aber wenn man wirklich verstanden werden will, dann sollte man sich auch Leute suchen, die so ticken wie man selbst. Und dafür sorgen, dass die Leute einen respektieren, mit denen man viel zu tun hat, sonst wird man ständig verletzt. Das wäre ständiger Krieg, mehr oder weniger offen ...

Du schreibst, dass in libanesischen Familien, anders als in deutschen, Krankheit oder psychische Probleme eines Familienmitglieds auf die ganze Familie zurückfallen und quasi die Ehre oder Reputation der Familie mindern oder "beschmutzen". Aber ich denke, vor 100 oder 150 Jahren war das in Deutschland ähnlich, und teilweise ist es heute noch so. Meiner Ansicht nach geht es aber im Grunde nicht um libanesische, deutsche oder indonesische Vorstellungen von Familienehre, sondern es geht um traditionelle, patriarchale Vorstellungen auf der einen und humane, wissenschaftsbasierte Vorstellungen auf der anderen Seite. In einer patriarchalen Gesellschaft, wie auch die deutsche eine war, gehts um eine starke, makellose Fassade (und um einiges andere). Dort sollen sich die älteren Männer (teils auch Frauen) durchsetzen und mehr oder weniger über alle anderen Mitglieder herrschen. In einer auf Menschenrechten basierten Gesellschaft sollte jedes Individuum geachtet und respektiert werden, selbstverständlich auch dessen Seele. Wesentlich hierbei ist für mich nicht nur die philosophische Basis (dass es schlicht ein Gebot der Menschenwürde ist, dass jeder Mensch, auch Kinder, respektiert werden sollte), sondern auch die wissenschaftliche. Durch 50 Jahre Bindungsforschung hat sich gezeigt, welches die grundlegenden Bedürfnisse der Kinder sind, die unbedingt erfüllt werden müssen, damit sie sich gut entwickeln. Das wichtigste hierbei ist die Feinfühligkeit der Eltern gegenüber allen Äußerungen der Kinder, also das Einfühlungsvermögen. Ich habe ein Fachbuch der deutschen Bindungsforscher Karin Grossmann und Klaus E. Grossmann, "Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit", darin zeichnen sie die Forschungsergebnisse ihres ganzen Berufslebens nach, und die zentrale Rolle der Feinfühligkeit wird ständig erwähnt. Nur so können die Kinder eine sogenannte sichere Bindung zu ihren Eltern entwickeln.

Die Psychologie ist in Deutschland etwa 150 Jahre alt, die Soziologie vermutlich noch älter. All die Erkenntnisse, die die Universitätsbibliotheken füllen, sind ja keine Meinungen ohne Faktenbasis (bzw. ältere Theorien werden ständig durch neue Forschungsergebnisse korrigiert). Man versucht an der Uni ständig, die Realität noch besser zu erfassen. Und meiner Meinung nach ist ein grundlegendes Ergebnis der Forschungen, dass das gesamte Leben, die gesamte Materie in Systemen organisiert ist, von den Kernteilchen angefangen über Regelkreise im Körper, der ganzen Biologie etc. bis zu Familien- und Gesellschaftssystemen, die ja auf der Psyche beruhen. Und wenn man irgendein Element unterdrückt, stört, vernichtet, dann wird das ganze System verändert oder in Mitleidenschaft gezogen. Dann leiden irgendwann alle Elemente bzw. Beteiligten.
Meiner Ansicht nach kann es also nicht um Ideologien gehen, wie in den Jahrhunderten und Jahrtausenden vor uns (Patriarchat, Religionen, Nationalismus, Kapitalismus). Denn dabei gibt es immer eine oder mehrere Herrschaftsschichten, die auf Kosten anderer besonders profitieren, was mindestens ein Teilzweck dieser von Menschen aufgebauten Systeme ist.
Sondern es geht darum, was jedes einzelne Element eines natürlichen Systems braucht, um gut zu gedeihen.
Du bist in einer libanesischen traditionellen Familie aufgewachsen, du bist sehr an sie gewöhnt, ähnlich, wie auch ich an meine deutsche traditionelle Familie gewöhnt war. Für mich hört sich deine Schilderung, dass du aus Rücksicht auf deine Familie kaum jemals mit jemandem geredet hast, wenn es dir schlecht ging, so an, als habe dir deine Familie verbal oder nonverbal vermittelt, dass du auch gar nichts sagen darfst. Ist das so richtig? Bisher seh dich überhaupt nicht als "schuld" dafür an, dass du über deine Probleme nicht geredet hast, ich nehme an, dass dir alle anderen Männer das vorgelebt haben, was du dann von ihnen übernommen hast. Oder hab ich dich hier falsch verstanden?

Du schreibst, du kannst nicht anders als dich zu schämen, wenn du krank bist. Das finde ich nachvollziehbar, denn ich hab den Eindruck, dass du noch ziemlich jung bist. Du lebst in diesen patriarchalen Vorstellungen von Familie, und um sich auch nur ein bisschen davon zu lösen, braucht es viel Zeit und Mühe. Ich nehme an, dass du dich hin- und hergerissen fühlst zwischen den traditionellen und modernen Vorstellungen von Familie und seelischer Gesundheit. Und du bist körperlich und psychisch krank, was mir leid tut. Das heißt, du hast ein ganz schönes Päckchen zu tragen ...
Dass ihr mit euren Kindern später so umgehen wollt, dass sie euch alles sagen können, finde ich natürlich toll! Ich habe auch dadurch den Eindruck, dass du dich in einem inneren Prozess befindest. Ist das richtig?
Natürlich bin ich der Meinung, dass du dich nicht wegen deiner Krankheit schämen musst. Du hast jetzt auch wenig Zeit, sodass ich dir für den Moment leider keinen Rat geben kann.
Was ich dir diesmal eigentlich nur schreiben wollte, war: Es ist für die Wahrheitsfindung egal, wie ein Nicht-Fachmann, eine Nicht-Fachfrau über psychische und körperliche Probleme in einer Großfamilie denken. Es kommt darauf an, was die Psychologie und die Soziologie darüber zu sagen haben. Und die sagen ganz klar, dass Mitgefühl und Feinfühligkeit das Normale sind, und nicht eine blendend weiße, starke Fassade vor der düsteren, kalten Rückseite.
 
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@kaela : Deinen Beitrag finde ich 1A 🙂 .

Ich denke (auch), das Aufschlüsseln ist der Weg. Es kommt halt darauf an, ob das "Kügelchen" langsam ins Rollen kommt, im Sinne von "irgendwie stimmt da was nicht". Sonst helfen die ganzen Hinweise auf Fachbücher zur Psyche und Erziehung und die Erkenntnisse darin nichts, weil die Bereitschaft fehlt sich damit auseinanderzusetzen.

Der Mensch ist das "Anpassungswesen" schlechthin. Was erstmal gut für das Überleben ist. Als Kind entwickelt man sich so in seine Umgebung hinein, auch in schlechte Umgebungen, übernimmt die Rollenbilder und Glaubenssätze. Ein kritisches Hinterfragen erfolgt hier nicht, kann es auch nicht, da das Kind überlebensnotwendig auf die übermächtigen und "allwissenden" Eltern und wichtigen Bezugspersonen angewiesen ist.

Sich im Erwachsenenalter davon zu lösen ist sehr schwierig, da die Denkmuster im Gehirn festgetreten sind. Zu groß kann auch der Schmerz mit der Konfrontation sein und das Gefühl der Verlorenheit, weil man alleine ist und nichts mehr hat, an dem man sich orientieren kann.

Ich denke, ein Elternteil zu haben, das sich kritisch mit dem eigenen (Fehl-)Verhalten auseinandersetzt und bereit ist dazuzulernen, ist ein echter Glücksfall. Auch wenn es eigentlich Jahrzehnte früher hätte passieren müssen.
 
Schön, dass du hier so offen bist. 🙂

Ich schreib diesmal auch über mich, aber nur, um auf dich einzugehen und dir besser verständlich zu machen, was ich meine und was u. U. möglich wäre. Und ich hole ziemlich weit aus - hoffentlich nicht zu weit. Wenn dir das alles eh schon sonnenklar ist, kannst du mir ruhig Bescheid sagen. 🙂

Zum Thema Kontaktabbruch: Ein großer Teil meiner Familie ist ebenfalls konservativ. Da ich die meisten mag, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, den Kontakt zu ihnen abzubrechen, auch wenn dieser große Teil meiner Familie mich nie richtig verstanden hat. Allerdings hatte ich 16 Jahre den Kontakt zu meiner Mutter und ebenfalls mehrere Jahre den zu meinem Vater abgebrochen, weil sie damals beide so unerträglich narzisstisch (also narzisstisch, nicht Nazis) waren. Den Kontakt zu meinem Vater werde ich nicht wieder aufnehmen, sonst würde es mir wieder schlechter gehen. Dass ich so lange mit meiner Mutter nichts zu tun haben wollte, hat sie SEHR geschmerzt, aber ich denke, es hat entscheidend dazu beigetragen, dass sie begriffen hat, dass ich ein eigenständiger Mensch und nicht ein Teil von ihr bin. Sie hat mir nichts zu befehlen. Und sie hat natürlich eine Therapie gemacht, das heißt, sie war bereit dazuzulernen und ihre Ansichten in Frage zu stellen. Sie hat später sehr deutlich und in drastischen Worten zugegeben, wie falsch sie früher mit ihren Ansichten und Ansprüchen gelegen hat. Heute geht sie mit mir sehr respektvoll um und wir verstehen uns gut, was ich viele Jahre nie für möglich gehalten hätte.
Nachdem mich die Denk- und Verhaltensweisen meiner Eltern über Jahrzehnte sehr belastet haben, geht es mir jetzt mit ihnen also ziemlich gut. Es war ein harter Weg, der sich für mich aber sehr gelohnt hat.
Ich weiß nicht, wie deine Familie und deine Freunde mit dir umgehen ... du musst wissen, was du ertragen kannst und was nicht. Aber wenn man wirklich verstanden werden will, dann sollte man sich auch Leute suchen, die so ticken wie man selbst. Und dafür sorgen, dass die Leute einen respektieren, mit denen man viel zu tun hat, sonst wird man ständig verletzt. Das wäre ständiger Krieg, mehr oder weniger offen ...

Du schreibst, dass in libanesischen Familien, anders als in deutschen, Krankheit oder psychische Probleme eines Familienmitglieds auf die ganze Familie zurückfallen und quasi die Ehre oder Reputation der Familie mindern oder "beschmutzen". Aber ich denke, vor 100 oder 150 Jahren war das in Deutschland ähnlich, und teilweise ist es heute noch so. Meiner Ansicht nach geht es aber im Grunde nicht um libanesische, deutsche oder indonesische Vorstellungen von Familienehre, sondern es geht um traditionelle, patriarchale Vorstellungen auf der einen und humane, wissenschaftsbasierte Vorstellungen auf der anderen Seite. In einer patriarchalen Gesellschaft, wie auch die deutsche eine war, gehts um eine starke, makellose Fassade (und um einiges andere). Dort sollen sich die älteren Männer (teils auch Frauen) durchsetzen und mehr oder weniger über alle anderen Mitglieder herrschen. In einer auf Menschenrechten basierten Gesellschaft sollte jedes Individuum geachtet und respektiert werden, selbstverständlich auch dessen Seele. Wesentlich hierbei ist für mich nicht nur die philosophische Basis (dass es schlicht ein Gebot der Menschenwürde ist, dass jeder Mensch, auch Kinder, respektiert werden sollte), sondern auch die wissenschaftliche. Durch 50 Jahre Bindungsforschung hat sich gezeigt, welches die grundlegenden Bedürfnisse der Kinder sind, die unbedingt erfüllt werden müssen, damit sie sich gut entwickeln. Das wichtigste hierbei ist die Feinfühligkeit der Eltern gegenüber allen Äußerungen der Kinder, also das Einfühlungsvermögen. Ich habe ein Fachbuch der deutschen Bindungsforscher Karin Grossmann und Klaus E. Grossmann, "Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit", darin zeichnen sie die Forschungsergebnisse ihres ganzen Berufslebens nach, und die zentrale Rolle der Feinfühligkeit wird ständig erwähnt. Nur so können die Kinder eine sogenannte sichere Bindung zu ihren Eltern entwickeln.

Die Psychologie ist in Deutschland etwa 150 Jahre alt, die Soziologie vermutlich noch älter. All die Erkenntnisse, die die Universitätsbibliotheken füllen, sind ja keine Meinungen ohne Faktenbasis (bzw. ältere Theorien werden ständig durch neue Forschungsergebnisse korrigiert). Man versucht an der U
Sondern es geht darum, was jedes einzelne Element eines Systems braucht, um gut zu gedeihen.
Du bist in einer libanesischen traditionellen Familie aufgewachsen, du bist sehr an sie gewöhnt, ähnlich, wie auch ich an meine deutsche traditionelle Familie gewöhnt war. Für mich hört sich deine Schilderung, dass du aus Rücksicht auf deine Familie kaum jemals mit jemandem geredet hast, wenn es dir schlecht ging, so an, als habe dir deine Familie verbal oder nonverbal vermittelt, dass du auch gar nichts sagen darfst. Ist das so richtig? Bisher seh dich überhaupt nicht als "schuld" dafür an, dass du über deine Probleme nicht geredet hast, ich nehme an, dass dir alle anderen Männer das vorgelebt haben, was du dann von ihnen übernommen hast. Oder hab ich dich hier falsch verstanden?

Du schreibst, du kannst nicht anders als dich zu schämen, wenn du krank bist. Das finde ich nachvollziehbar, denn ich hab den Eindruck, dass du noch ziemlich jung bist. Du lebst in diesen patriarchalen Vorstellungen von Familie, und um sich auch nur ein bisschen davon zu lösen, braucht es viel Zeit und Mühe. Ich nehme an, dass du dich hin- und hergerissen fühlst zwischen den traditionellen und modernen Vorstellungen von Familie und seelischer Gesundheit. Und du bist körperlich und psychisch krank, was mir leid tut. Das heißt, du hast ein ganz schönes Päckchen zu tragen ...
Dass ihr mit euren Kindern später so umgehen wollt, dass sie euch alles sagen können, finde ich natürlich toll! Ich habe auch dadurch den Eindruck, dass du dich in einem inneren Prozess befindest. Ist das richtig?
Natürlich bin ich der Meinung, dass du dich nicht wegen deiner Krankheit schämen musst. Du hast jetzt auch wenig Zeit, sodass ich dir für den Moment leider keinen Rat geben kann.
Was ich dir diesmal eigentlich nur schreiben wollte, war: Es ist für die Wahrheitsfindung egal, wie ein Nicht-Fachmann, eine Nicht-Fachfrau über psychische und körperliche Probleme in einer Großfamilie denken. Es kommt darauf an, was die Psychologie und die Soziologie darüber zu sagen haben. Und die sagen ganz klar, dass Mitgefühl und Feinfühligkeit das Normale sind, und nicht eine blendend weiße, starke Fassade vor der düsteren, kalten Rückseite.

Meine Familie hat mir nie vermittelt, dass ich nichts sagen darf. Jedenfalls nicht verbal.
Meine Eltern und auch Onkels und Tanten hatten ein schweres Leben. Ich wollte keine zusätzliche Belastung sein.
Mein Vater hatte psychische Probleme, jedoch er hat es nicht thematisiert, weil er uns nicht belasten wollte. Ich erfuhr erst viel später, als ich ihm erzählte das ich psychische Probleme habe. Da erzählte er es mir, um mir zu helfen damit umzugehen.

Ich wurde zu früh geboren und war ständig krank. Meine Eltern machten sich Sorgen. Ich spürte das. Ich war zu klein und zu leicht. Weil ich motorische Defizite hatte, musste ich folglich Ergotherapie machen.

Meine Eltern und Schwester haben sich in ihrer schwierigen Situation alle ihre Kraft aufgeboten, um mich zu fördern.
Ich glaubte, dass ich ein schlechtes Kind sei, weil ich nicht anständig gegessen und zugenommen habe. Für mich war es eine „Frage von gut und böse“. Als Kind. Ich glaubte ergo ich sei ein schlechtes Kind. Moralisch zu verurteilen.

Ich fand es furchtbar, zum Arzt müssen und er beurteilt meine motorische Entwicklung… und sagt, dass das nicht gut ist. Man spürt, dass die Eltern traurig sind und sich Sorgen und Vorwürfe machen.

In der Schule bin ich ausgelacht worden, weil ich komisch war und nicht gut deutsch konnte. Meine Eltern hatten aber doch auch dieses Problem. Ich wollte sie schützen und ich habe mich geschämt. Folglich habe ich nichts gesagt.

Dann hatte ich Bauchschmerzen und Verstopfung. Das Thema war mir peinlich und ich habe mich dafür geschämt, ständig krank sein. Ich habe versucht es zu verheimlichen. Gefühlt ging das ziemlich lange so und ich war sehr traurig und allein.
Ich möchte nicht, dass unsere Kinder sich jemals so fühlen. Hoffentlich kriege ich mit. Es ist vorbei. Ich habe zwar noch immer das Problem, aber nicht mehr diese Dunkelheit.
Ich möchte nicht, dass unsere Kinder sich jemals so fühlen.

Erzähl mal von deiner Familie.
 
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Du bist keinem Raum beigetreten.

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