Hallo, lieber Nordrheiner.
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Meine kleine Schwester ist nachdem sie mehrere Zysten in den Eierstöcken hatte, welche zu schweren Entzündungen in der Gebärmutter geführt haben, unfruchtbar.
Eine operative Entfernung der betroffenen Organe und Organteile war notwendig.
Sie wünscht sich so sehr Kinder, aber eigene. Eine Adoption kommt nicht in Frage, denn sie möchte Schwangerschaft und Geburt miterleben - Mutter werden dürfen.
Ich wäre dazu bereit mir eine oder mehrere der Eizellen, die ihr während der OP noch entnommen und konserviert wurden, befruchtet einsetzen zu lassen und ihr diesen Wunsch zu erfüllen.
Sie hätte dann ihre genetisch eigenen Kinder, könnte bei jedem Ultraschall, jedem Kurs und der Geburt dabei sein.
Menschen wie du verbieten Kindern, wie denen meiner Schwester zu leben.
Ich finde das mörderischer als Abtreibung, denn abzutreiben bedeutet, dass ein Kind - müsste es überleben - nicht wirklich erwünscht wäre.
Hier wäre es erwünscht und darf das Licht der Welt nicht mal erhoffen.
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Menschen wie du verhindern Leben, Familie, Liebe und Glück im Leben anderer.
Mit deinem Beitrag kämpfst du gegen diese Grundfeste des christlichen Glaubens.
MfG, eine Henne, der verboten wird zu legen
Liebe Gast-Schreiberin,
Deine Kritik ist ganz schön hart - und ich lasse sie mir gefallen.
Zunächst einmal sehe ich bei Dir das für mich wichtige Detail, dass es sich bei Euch um 2 Schwestern handelt und finanzielle Interessen nicht berührt werden. Es geht Euch beiden nicht um's Geschäft "Kind gegen Geld". Dieser Unterschied ist für mich wichtig. Immer dort, wo Geld im Spiel ist, wird das zu gebärende Kind zu einem Geschäftsgegenstand, wie auch die Leihmutter. Das lehne ich völlig ab.
Bei Dir und Deiner Schwester geht es darum, eigene Gene weiterzugeben. Deine Bezeichnung "Schwangerschaft und Geburt miterleben" irritiert mich etwas. Das könnte Deine Schwester doch so ziemlich bei jeder schwangeren Frau, deren Einwilligung sie für eine Begleitung hat. Oder? Also könnte man auch hier Adoption in Betracht ziehen und zu folgendem Mix kommen: Adoption + Begleitete Schwangerschaft bei einer Frau X.
Bei Dir und Deiner Schwester käme es zu einem Mix von Deinem Bauch aber die Gene von ihr und ihrem Mann. Also ehrlich, dazu habe ich keine fundierte Meinung. Ich bin da eher abwehrend, weil nicht bekannt ist, welche Nachteile entstehen können. Und bekannt ist, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Aber Du kannst sicher sein, dass ich Euch nicht verurteile, wenn ihr beide diesen Weg geht. Verurteilung wäre so ziemlich das Letzte, was mir zustünde. Vielleicht hilft hier die indianische Weisheit: "Beurteile den Weg eines Menschen erst dann, wenn Du in seinen Mokassins gelaufen bist."
Aber auf einen Kritikpunkt von Dir möchte ich besonders eingehen. Du schreibst mir:
"Menschen wie du verhindern Leben, Familie, Liebe und Glück im Leben anderer.
Mit deinem Beitrag kämpfst du gegen diese Grundfeste des christlichen Glaubens."
In der christlichen Menschheitsgeschichte gab es immer diesen Disput, ob man an einer Weggabelung links oder rechtes gehen soll. Und die Christen, die links gingen, wurden kritisiert von denen die rechts abgebogen sind und umgekehrt. Ich glaube, dass wir manchmal nicht wissen können, was jetzt wirklich richtig ist. Und in Eurer Situation gehöre ich zu den Menschen, die es eben nicht wissen. Aber ich muß es für Euch auch nicht wissen.
Jedoch wenn Du schon den christlichen Bezug für Deine Argumentation nutzt, dann sei so konsequent und nutze auch die Möglichkeit Gott zu fragen. Bzw. Du und Deine Schwester und Dein Schwager sollten das gemeinsam tun.
Jesus betete zu unserem Vater im Himmel "nicht mein Wille geschehe - sondern Dein Wille". Und wenn es Euch allen Dreien wichtig ist, dass Sein Wille geschehe und ihr alle Drei Euren Willen hintenan stellt - und trotzdem den Eindruck habt, dass Gott Eurer Idee zustimmt - dann tut es. In Indien, wie ich las, wäre Euer Vorhaben gesetzlich möglich. Und wenn es dann Gottes Wille ist - dann wird Er auch die Möglichkeit schaffen, dass Sein Wille geschieht.
Die zentrale Frage lautet für mich - aus christlicher Sicht: Seid Ihr Euch sicher, was Gottes Wille in Eurer Angelegenheit ist?
LG, Nordrheiner