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Leben ein Scherbenhaufen

F

Forgetten

Gast
Hallo zusammen,

ich habe mich heute hier erst angemeldet und hoffe, ich bin hier in dieser Rubrik richtig gelandet. Falls nicht, bitte ich, meinen Beitrag entsprechend zu verschieben.

Hellhörig wurde ich, als ich diverse Beiträge zu psychischer Gewalt gelesen habe ... Ich möchte jetzt aber nur mal kurz zusammenfassen, sonst würde es hier den Rahmen sprengen....

Bei meinem Mann und mir sind Streitigkeiten fast an der Tagesordnung. Fast immer geht es im irgendwelche Lapalien. Es läuft auch meist immer nach dem gleichen Schema ab ...

Vielleicht sollte ich noch ganz kurz erwähnen, dass ich unter Depressionen leide aufgrund eines Traumas (Frühgeburt und Behinderung unserer Tochter) und deswegen auch in therap. Behandlung bin.

Mein Mann ist eher der dominante Typ, ich selbst fühle mich als der Schwächling und nicht mit ihm auf einer Ebene in unserer Beziehung. Ich mache sowieso immer nur alles falsch, bekomme nichts auf die Reihe und ich bin auch der Grund für unsere Beziehungsprobleme.

Ich weiß, dass ich große Probleme habe, aus meiner Kindheit das eine oder andere im Gepäck und nicht zuletzt das Trauma durch die Frühgeburt. Ich bin deswegen auch seit 1 Jahr in Behandlung und versuche wirklich alles, damit es sich bessert. Aber es sind sooo viele Baustellen, ich habe manches Mal einfach nur keine Kraft mehr ... und dann noch die ständigen Streitereien mit meinem Mann ...

Ich laufe dann immer davon und rase oft mit dem Auto durch die Nacht und denke auch darüber nach, mir das Leben zu nehmen. Aber dann denke ich an meine Tochter ...

Ich kann aber die Situationen während und nach den Streitereien mit meinem Mann nur ganz schwer aushalten, möchte, dass wir uns schnell wieder vertragen, aber er nicht. Er kann und will das nicht, dabei sind es oft nur Kleinigkeiten. Er sagt, wenn ich ihn frage, ob wir uns nicht wieder vertragen sollen, immer nur, dann hätte ich erst gar nicht wieder anfangen sollen ...

Nun aber zu unserem gestrigen Streit:

Er war schon genervt und angespannt, als er von der Arbeit kam. Ich mußte noch kochen, weil ich mittags nicht geschafft hatte. Meine Mutter hatte sich den Zeh gebrochen und ich war noch für sie einkaufen. Deswegen aßen meine Tochter und ich mittags nur schnell ein Butterbrot - etwas Warmes sollte es dann abends geben. Mein Mann - oh Wunder - wollte mir helfen, saß am Küchentisch, ich an der Küchenanrichte, da berichtete unsere Tochter ihm, Oma habe sich den Zeh gebrochen... Mein Mann daraufhin zu ihr (sie ist 3 Jahre alt) ... "och, die arme Oma" ... Meine Tochter fing daraufhin an zu weinen, nein, die Oma sei nicht arm ... Er wieder: Doch, arme Oma. Ich habe mich dann eingeschaltet und habe versucht meiner Tochter zu erklären, dass mein Mann eben meine, die Oma täte ihm leid, dass sie sich den Zeh gebrochen habe ... War dann auch ok für sie. Mein Mann ritt aber weiter darauf rum, sagte immer wieder "arme Oma", meine Tochter am weinen, ich wieder dazwischen ... ein hin und her also. Irgendwann hat es mir gereicht und ich fauchte ihn an, er solle es doch jetzt endlich mal lassen ... ich schmiss das Küchenmesser auf die Spüle und rannte aus der Küche ... Er nahm sich daraufhin sein Bier und verschwandt zum Rauchen auf die Terrasse ... stocksauer! Ich hinterher, um die Sache zu schlichten. Ich habe dann versucht ihm zu erklären, dass unsere Tochter das noch nicht verstehen würde und ich doch versucht hätte, mehrmals zu schlichten ... Er fragte mich nur, ob ich denn nicht gemerkt habe, dass das nichts bringen würde ... Er würde sich nicht von unserer Tochter vorschreiben lassen, was er zu sagen habe und was nicht ...

Ich war fassungs- und völlig hilflos in diesem Moment. Mir blieb echt die Spucke weg. Ich wollte mir gerade eine Zigarette anmachen, knüllte sie dann zusammen und schmiss diese samt Feuerzeug in seine Richtigung. Leider habe ich ihn mit dem Feuerzeug am Kopf getroffen... Ich bin dann rein, habe meine Schlüssel genommen und wollte zur Wohnungstür raus. Er kam mir dann hinterher gestürmt, packte mich und riss an mich und schleudert mich durch den Flur. Als ich wieder aufstand, packte er mich wieder und schubste mich ins Bad mit den Worten "Geh doch ins Bad, dahin verziehst du dich doch sonst auch immer" .......... (Kurze Anm. hierzu: Bei Streitereien schließe ich mich, wenn für mich die Grenze des Erträglichen weit überschritten ist, manchmal ins BAd ein) ... Er sagte, dieses Mal sei ich eindeutig einen Schritt zu weit gegangen, ihn mit einem Feuerzeug zu bewerfen ... Ich bin dann raus aus dem Bad, griff nach dem Telefon und sagte, ich würde jetzt die Polizei rufen, er jedoch riss mir das Telefon aus den Händen. Die Wohnungstür hielt er für mich versperrt. Ich bin dann ins Schlafzimmer gegangen, habe dich Tür zugemacht und bin aus dem Fenster raus auf die Straße geklettert (wir wohnen EG). Zum Glück hatte ich meinen Schlüssel dabei, bin dann durch die Haustür rein, runter in die Tiefgarage, habe mich ins Auto gesetzt und bin zu meiner Mutter gefahren ... Ich habe am ganzen Körper gezittert ...

Meine Mutter hatte mir angeboten, bei ihr zu übernachten, was ich aber nicht gemacht habe, weil ich zum einen unsere Tochter nicht allein lassen wollte (habe mir eh schon Vorwürfe gemacht, dass ich sie bei meiner Aktion zurückgelassen habe). Zum anderen aber auch, weil ich angst hatte, dass mein Mann dann noch saurer auf mich wird.

Bin dann 2 Stunden später nach Hause gefahren, habe keinen Ton mit ihm gesprochen und mich sofort ins Bett gelegt. Er hat sich dann nur noch sein Bettzeug gepackt und hat im Wohnzimmer geschlafen.

Auch heute Morgen haben wir nicht miteinander gesprochen.

Jetzt bin ich völlig fertig ... Mir graut es schon davor, wenn er nachher nach Hause kommt.

Ich weiß einfach nicht, wie ich all dem entkommen kann. Ich habe heute schon überlegt, mir einfach meine Tochter und den Hund zu schnappen und für ein paar Tage zu meiner Mutter zu gehen.

Aber mir sitzt die ständige Angst im Nacken, dass mein Mann dann nur noch wütender auf mich wird... Es ist so ein Teufelskreis.

Ich fühle mich einfach nicht stark genug. Ich habe genug mit meiner Therapie zu tun und würde mir manchmal daneben einfach nur ein wenig Ruhe wünschen ... Gibt es hier aber nicht!

Ich fühle mich manchmal von ihm so sehr in die Ecke gedrängt, ich kann tun und lassen was ich will, alles ist falsch. Ich reagiere dann auch oft über ... schreie ihn an ... laufe davon ... knalle die Türen ... für ihn bin ich dann wieder die Furie ... Manchmal kommt es mir so vor, er provoziert mich mit Absicht, schiebt mir für alles die Schuld in die Schuhe, seine Weste ist rein. Ich bin manchmal so durcheinander, dass ich schon gar nicht mehr weiß, warum ich wie in manchen Situationen reagiere ...

Ohje, jetzt ist es aber ganz schon viel geworden, was ich geschrieben habe. Bitte seht' es mir nach ... es kam einfach alles nur so spontan aus mir raus.

Liebe Grüsse
Forgetten
 
Mit so einem Exemplar war ich auch mal (wenn auch nur sehr kurz) verheiratet. Fehler machte nur ICH (in seinen Augen).

Es fing mit Vorwürfen an, steigerte sich zu Psychoterror ("Du hast einen Fehler-du lebst"), endete in Missbrauch und schwerer Körperverletzung....

Je mehr DU dir bieten läßt, desto mehr nimmt er sich raus!

Rede vernünftig mit ihm, stell ihm ein ultimatum. Ändert er sich nicht: Dann lauf, mit deinem Kind.

Du hast nur 1 Leben, das ist zu schade um sooo zu leben!

Führ dir mal vor Augen was an eurer Beziehung noch schön ist (sei mal ehrlich)! Ich glaube es bleibt nicht viel!

Also mit welchem Recht darf dich dein Mann so behandeln?
 
ähm...selbstgewähltes Leid!
Du bist Architektin deines Lebens und voll verantwortlich für das was du erlebst und erleidest.

Warum wählst du ein Leben mit einem Mann der dir nicht gut tut? Klär das man und ggf. auch deine Hörigkeit, ggf. Harmoniesucht odä. etc. Ich würde zu Therapie raten und zu Trennung.

NIcht die Umgegung tut dir was an sondern die Umgebung gibt nur gerne....auch Schlechtes und schlechte Kerle geben Schlechtes gerne Mädels (die so duldsam sind) sich das antun zu lassen!
Du sitzt passiv da und handelst nicht, was also erwartest du?

Fang an aktiv zu werden und den Scherbenhaufen aufzukehren und zu kitten was noch zu kitten ist..an deinem Leben..nicht an deiner Beziehung..und wenn du an dieser Beziehung rumbasteln willst (was ich ggf. für Zeitverschwendung halte), dann bitte nur noch mit fachkundiger Hilfe.

Anstatt dich ständig in Kleinkriege zu verzetteln solltest du NÄgel mit Köpfen machen und dein Leben umkrempeln.
Du weisst dass du ein verletzlicher und depressiv veranlagter Mensch bist...also fang an einen vernünftigen Selbstschutz aufzubauen, an deinem Selbstbwusstsein und Abgrenzungsvermögen zu arbeiten.
Diese Sache mit dem Streit beenden und wie dein Mann reagiert hat zeugt von seiner Unsensibilität und auf sone Art psychische Gewalt die er da ausübt..garantiert ein Mitauslöser deiner Depressionen, oder? Er scheint nicht der Mann zu sein, den du an sich wert bist und bräuchtest...
Und sich selber als Schwächling zu fühlen in Kombi mit einem dominanten Typus ist eh tödlich für eine Beziehung...du solltest unbedingt stärker und dominanter werden..aber dann befürchte ich wird dein Mann der dich ggf. nur als schwachen, leicht manipulierbaren Typus liebt nicht mehr lieben..das wäre ein Experiment wert, denn dann würde sich zeigen ob er dich tatsächlich liebt oder nur eher ein gewisses Bild einer (devoten, unterwürfigen) Frau. Verschaff dir Klarheit, handle dementsprechend.
Deine Überreaktionen zeigen an sich Schwäche und Unsicherheit...es wird Zeit dieses Verhalten zu ändern,....du hast viel mehr drauf und kannst sehr viel stärker sein als du vermutest! Glaube an dich und baue diese Stärken aus...Schritt für Schritt...Zusätzlich zur Therapie rate ich zu einer Kampfsportart, die dir behagt...das pusht das Selbstbewusstsein oft recht schnell ganz ungemein. Das wäre wichtig für dich...Sport allgemein ist ohnehin ein gutes Antidepressivum...Depressiv veranlagte Menschen sollten jeden Tag 1-2 STunden sportlich aktiv sein...versuchen das einzurichten. Stärkung von Körper und Geist und zwar auf ein Normallevel hin sind sehr wichtig für dich. Wenn du es dir wert bist wirst du genügend zeit darein investieren. Sei also so gut zu dir, gut zu dir zu sein und zu tun was notwendig ist damit du dich besser fühlst.

Handle verantwortungsbewusst dir selbst ggü dann klappt es auch im Leben...das habe ich gelernt und seit mittlerweile über 30 Jahren erfolgreich praktiziert.

Du nennst dich Forgetten...du scheinst dich selber vergessen zu haben? Wach auf, ändere das und fang an dich selber zu achten indem du dich ggf. trennst. Wenn einem schon davor graut dass der Ehemann nach Hause kommt ist das ja an sich keine vernünftige Basis für eine Beziehung mehr..zumindest eine längere Auszeit wäre notwendig....

Ich lese, du bist bereits in therapeutischer Behandlung..was sagt deine Therapeutin dazu, zu deiner Ehe, zu deinen Baustellen und den Auslösern deiner Depression?

Tyra
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo ihr Beiden,

vielen Dank für eure Antworten!

Rede vernünftig mit ihm, stell ihm ein ultimatum. Ändert er sich nicht: Dann lauf, mit deinem Kind.

Du hast nur 1 Leben, das ist zu schade um sooo zu leben!

Führ dir mal vor Augen was an eurer Beziehung noch schön ist (sei mal ehrlich)! Ich glaube es bleibt nicht viel!

Also mit welchem Recht darf dich dein Mann so behandeln?

es gibt nur einen Rat...aber den wirst Du nicht (erstmal nicht) annehmen: Trennung !
Wie lange bist Du verheiratet?
Was sagt Dein Therapeut dazu ? oder weiß er nichts ?

Tja, warum lasse ich mir das bieten? Keine Ahnung ... Vielleicht ist es Angst, Hoffnung?

Schwierig zu beantworten. Ich selbst hatte nicht gerade eine schöne Kindheit. Stamme selbst aus einer völlig zerrütteten Familie. Ich habe mir immer geschworen, wenn ich selbst mal Kinder habe, dann soll es ihnen besser gehen. Sie sollen in einer intakten Familie aufwachsen. Ok, mein Mann und ich sind von einer intakten Familie weit entfernt, aber vielleicht ist es bei mir auch einfach nur noch Hoffnung ...

Mir geht es seit der Geburt meiner Tochter relativ schlecht. Depressionen. Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt, bis ich letztes Jahr meinen jetzigen Therapeuten fand, der schnell diagnostizierte, dass mich die Frühgeburt meiner Tochter traumatisiert hat. Ich möchte jetzt mit meiner Tochter eine psychosomatische Reha machen, weil sich meine Konflikte (Schuld- und Versagensgefühle) auch auf mein Erziehungsverhalten auswirken. Ich hoffe auch, dass es mir dann schneller besser geht. Die Therapie möchte ich danach aber auf jeden Fall weitermachen.

Anfangen habe die Probleme in meiner Schwangerschaft, weil mein Mann, nachdem ich dann schwanger war, für sich festgestellt hat, dass er eigentlich doch noch kein Kind wollte ... Heiraten wollte er mich dann 2 Tage vorher auch nicht mehr, hat es sich dann aber nochmal anders überlegt... Ich schäme mich irgendwie dafür, jetzt, wo ich das schreibe ...

Dann kam ja die Frühgeburt von jetzt auf gleich und wir haben immer mehr gestritten. Er hat sich in die Arbeit gestürzt und ich stand völlig allein da mit den ganzen Sorgen, was nun aus unserer Tochter wird. Sie kam viel zu früh, sie hätte auch sterben können. Nie war er da ...

Verheiratet sind wir jetzt fast 4 Jahre...

Mit meinem Therapeuten (ich mache eine analytische Gruppentherapie) habe ich über meine Beziehungsprobleme gesprochen. Natürlich muss sich auch da etwas ändern, aber ich habe einfach zu viele Baustellen. Ich bin völlig erschöpft, ausgelaugt, kraftlos ... Ich muss abends oft ein Schlafmittel nehmen, damit ich überhaupt einschlafen kann, denn sonst bringen mich meine Grübeleien um den Verstand.

Tagsüber bin ich froh, wenn ich mich um meine Tochter kümmern kann. Wegen ihrer Behinderung müssen wir auch regelmäßig zu Therapien. Das ist auch das einzige in meinem Leben, was ich wirklich auf die Reihe bekomme. Alles andere bleibt liegen - der Haushalt liegt förmlich brach. Auch ein Streitpunkt zwischen mir und meinem Mann.

Aber ich kann mich erklären und ihn anflehen, mir doch zu helfen - es kommt einfach nichts.

Ja, ich will mich trennen und habe es auch schon versucht letzes Jahr vor Weihnachten. Aber da hat er mich bombardiert mit mails und SMS mit den schönsten und tollsten Versprechungen. Ich habe ihm geglaubt, aber aus allem ist mal wieder nichts geworden.

Ich will mich trennen, aber ich schaffe es nicht. Versteht ihr, wie ich das meine? Dieses Leben ist für mich so unerträglich, aber ich habe auch (noch?) so viele Ängste, die mich hindern, vielleicht auch Hoffnung? Ich habe auch Angst, dass ich es nicht ohne ihn schaffe. Ich weiß, dass hört sich jetzt irgendwie irre an ... Wer braucht schon so etwas?

Ich will jetzt erstmal diese Reha und hoffe, dass es mir danach ein ganzes Stück weit besser geht und ich dann auch stärker bin... Egal, auch wenn es Monate dauert...

Ich bin da auch voller Zuversicht, aber die ständigen und permant heftigen Streitereien mit meinem Mann werfen mich immer und immer wieder zurück und es dauert wieder länger und länger, bis ich das alles geregelt bekomme, weil ich wieder so kraft- und antriebslos bin.

Und nach dem gestrigen Vorfall bin ich irgendwie geschockt...

Ich habe jetzt Angst, wenn er gleich nach Hause kommt. Nicht Angst, dass er mir etwas antut, aber ich habe Angst, dass ich diese Situation wieder nicht aushalten kann. Er wird noch sauer auf mich sein, mich wieder ignorieren ... Ich kann das nicht aushalten. Und er ist ständig wegen irgendetwas sauer auf mich.

LG
Forgetten
 
Hallo Tyra,

vielen Dank auch dir für deine Antwort. Ich muß sagen, sie hat mich echt umgehauen. Hast auch den einen oder anderen Nagel auf den Kopf getroffen.

Einige deiner Fragen habe ich vielleicht schon in meinem zweiten Beitrag hier beantwortet.

Ansonsten muss ich deine ausführliche Antwort erst einmal sacken lassen und werde dir meine Gedanken hierzu später schreiben.

LG
Forgetten
 
Hallo Winnetou,

auch dir vielen Dank für deine Antwort. Ich hatte sie schon gestern Abend gelesen, fühlte mich aber zunächst davon etwas verunsichert und seitdem beschäftigt es mich.

Du hast sicherlich in einigen Punkten recht. Ich denke auch, dass mein Mann es nicht wirklich leicht mit mir hat. 🙄

Und eine Paartherapie stand hier bei uns schon des öfteren zur Diskussion, allerdings haben wir das nie umgesetzt, weil mein Mann möchte, dass ich zuerst meine Probleme angehe. Seiner Meinung nach bringt uns ansonsten eine Paartherapie nichts. Mir soll es zunächst besser gehen und im übrigen betont er immer wieder, dass ich Verursacherin unserer meisten Probleme bin. Und was soll ich machen, ich kann ihn ja nicht zwingen ...

Ich weiß auch nicht wirklich (mehr), ob das noch etwas bringen würde. Er hält im Allgemeinen nicht viel von Therapeuten und Psychologen, weil das seiner Meinung nach alles Dummschwätzer sind. So bezeichnet er mittlerweile meinen Therapeuten als den "großen Zampano" und bereits ein halbes Jahr, nachdem ich meine Therapie begonnen habe, stellte er bereits fest, dass sie ja nichts bringen würde. Es habe sich zu Hause und an unserer Situation ja nichts geändert ... Das alles macht mir nicht unbedingt Mut, aber ich versuche, am Ball zu bleiben.

Er lebt sowieso eher nach dem Motto, dass er sich von niemandem etwas vorschreiben oder gar sagen läßt. Und genau das war doch mal wieder Auslöser unseres Streits am Mittwoch. Er wollte sich zum einen von unserer Tochter nichts vorschreiben lassen und sich dann von mir nicht reinreden lassen.

Du hast recht, wenn du schreibst, dass ich dann in diesen und anderen Situationen gereizt und unausgeglichen reagiere und nicht sachlich bleiben und mich abgrenzen kann.

Aber unserer Streit am Mittwoch führt mir auch wieder ganz deutlich meine Unsicherheit vor Augen ... Ich versuche das jetzt einmal alles ein wenig aufzudröseln, denn im Gegensatz zu meinem Mann sehe ich sehr wohl, dass meine vor einem Jahr begonnene Therapie erste Früchte trägt. Ich versuche mehr mich zu beobachten, um auch die Auslöser bei mir festzustellen, weshalb ich wann und wie worauf reagiere.

Mein Mann ist unserer Tochter gegenüber sehr streng und ich bin der Meinung, er überfordert sie auch. Er geht sie auch schon mal recht rabiat an ... Ich habe mir den Mund fusselig geredet ... eine kleine Einsicht kam bei ihm erst, als auch seine Eltern ihn einmal darauf ansprachen ... seitdem hat es sich ein wenig gebessert. Das was ich sage, interessiert ihn nicht, weil es seiner Meinung nach oft Unsinn ist ... Klar, das ist total frustrierend.

Allerdings bin ich, was diese Situationen betrifft, auch verunsichert, was meine eigenen Probleme betrifft. Ich schrieb ja bereits, dass meine Tochter ein extremes Frühchen ist und auch behindert ist (körperlich). Ich habe ihr gegenüber große Schuld- und Versagengefühle, weil ja ich nicht in der Lage war, sie 40 Schwangerschaftswochen auszutragen. Ich kann diese Bilder, wie sie da damals so klein, zart und zerbrechlich im Inkubator lag, nicht aus meinem Kopf streichen. Deswegen bin ich sicherlich oft zu nachsichtig mit ihr, zum einen, weil ich mir die Schuld gebe und zum anderen auch, weil sie in ihrem jungen Leben schon so viel hat mitmachen müssen.

Für mich ist es unheimlich schwierig, dann in so Situationen, wie sie hier am Mittwoch geschehen sind, die Grenze zu ziehen zwischen übertriebener Strenge meines Mannes und meiner Nachsicht und den Schuldgefühlen meiner Tochter. Ich bin dann immer völlig durcheinander ...

Aber ich gebe meine Probleme zu und versuche ja auch, etwas daran zu ändern.

Ich bin aber auch verwirrt, was die restlichen Konflikte zwischen mir und meinem Mann betrifft. Ich habe mich früher (vor der Geburt meiner Tochter) immer auf mein Bauchgefühl verlassen können. Heute bin ich da total verunsichert und weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist.

Folgende Diskussion hatten wir heute morgen. Wir sprachen über unseren Streit am Mittwoch, speziell die Situation, als mein Mann mich festhielt und ins Bad schubste.

Er sagte, er wollte damit nur bezwecken, dass ich aus der Wohnung laufe und wieder mit dem Auto durch die Gegend rase.
Ich fühlte mich in diesem Moment bedroht.

Darüber ist er jetzt total enttäuscht und traurig, dass ich so etwas nur von ihm denken konnte. Und er meinte, es könne sein, dass ich das so empfunden habe.

Mich verunsichert das. Wir hatten Themen dieser Art schon oft. Er sagt, es hängt ihm zum Halse raus, dass ich immer sage "ich fühle mich, ...." oder "ich empfinde es so, dass". Damit kann er nichts anfangen und wenn es hart auf hart kommt, sagt er mir dann auch oft, ich fühle und empfinde das falsch, denn Fakt wäre nun einmal, das ... blablabla.

In meinem Kopf beginnt es sich dann zu drehen, ich bin dann total durch den Wind und durcheinander. Können meine Gefühle denn wirklich falsch sein? Das macht es mir dann noch schwerer, dass alles aufzudröseln ... Ich habe das Gefühl, dass ich mir nicht mehr trauen kann.

Ohje, vermutlich habe ich jetzt völlig am Thema vorbeigeschrieben, aber das ging mir halt bei deinem Post durch den Kopf.

Vielleicht kann ja du oder sonst jemand hier doch etwas damit anfangen...

Mir ist schon klar geworden, dass ich auch vor der Frühgeburt meiner Tochter nicht unbedingt die Stabilste mit Hang zu depressiven Verstimmungen war. Sicherlich habe ich auch da schon nicht immer angemessen reagiert. Aber ich will da unbedingt etwas ändern. Mein Leidensdruck durch meine ganzen Baustellen ist mittlerweile so groß, ich lebe mittlerweile fast völlig sozial isoliert, habe Angstzustände und vor kurzem zweimal einen Panikanfall, nur weil mich Räumlichkeiten (Wartezimmer bei Ärzten) an die Situation in der Klinik oder den Kliniken (ich bin nicht sicher, welche) erinnert haben.

Ich kann so nicht mehr lange weitermachen, aber dennoch bleibt für mich unter'm Strich, dass mein Mann auch nicht einfach ist und seinen Teil dazu beiträgt.

Ja, und abschließend möchte ich auch noch deine Frage beantworten, ob ich meinen Mann noch liebe ... Keine Ahnung! Manchmal ja, manchmal nicht. Oft habe ich eine unbändige Wut auf ihn (darüber haben wir auch schon gesprochen), aber manchmal ist da auch noch ein leicht wohliges Kribbeln, wenn ich an ihn denke.

LG
Forgetten
 
Hallo,

ich habe in meinem täglichen Leben mit Personen zu tun denen ein ähnliches Schicksal passiert ist.
Was ich aus deinen Texten entnehmen kann ist, nicht du bist das Problem des Problems, sondern dein Mann. Du denkst nur das du nichts auf die Reihe bekommt, weil es dein Mann dir sagt. Durch diese Form von Erniedrigung wirst du sehr labil was sich auf deine gesamte psyche auswirkt. Hinzu kommen noch deine Depressionen die dies zusätzlich noch unterstützen. Ich würde dir Raten zu bestimmten Einrichtungen zu gehen und mit deinem Therapeuten über dieses Thema sprechen.
 
Hallo Tyra,

ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich dir auch noch auf dein Post antworten möchte.

Ausführlich habe ich ja gerade auch schon an Winnetou geschrieben.

Ich bin ja momentan dabei, Dinge zu ändern, damit ich auch etwas verändern kann. In meinem Post an Winnetou hatte ich versucht zu beschreiben, welches Gefühlschaos in mir herrscht und ich (noch) nicht weiß, welches worin begründet ist. Ich denke aber schon, dass mein Mann sein Teil dazu beiträgt, dass es mir nicht wirklich besser geht.

Momentan ist es so, dass ich eine Mutter-Kind-Reha beantragt habe. Und ich verspreche mir davon, dass es mir dann besser geht und ich auch wieder klarer im Kopf werde. Und dann hoffe ich auch, dass ich die Sache mit meinem Mann geklärt bekomme, ggf. Nägel mit Köpfen machen und mich endlich mal durchsetzen kann.

Ich habe viel im Vorfeld, als ich mich mit dem Gedanken trug eine Reha zu machen, darüber nachgedacht, dass mein Mann keine "starke" Frau an seiner Seite wird haben wollen. Eine, die zu sich und ihren Standpunkten steht, wird ihn eher abschrecken, denn er will sich ja "von niemandem etwas vorschreiben lassen". Auch habe ich den Eindruck, dass er nicht gerade die höchste Meinung von Frauen an sich hat. Das äußert sich in Aussagen mir gegenüber wie in etwa "... und DAS muss ich mir ausgerechnet von einer Frau sagen lassen". Oder einmal, als wir uns um Geld stritten, fragte er mich, ob ich überhaupt wüßte, wielange man für 50 EUR arbeiten müßte... Und das fragt er mich, wo er genau wissen sollte, dass ich vor der Geburt unserer Tochter 14 Jahre lang gearbeitet habe ... Das macht mich immer noch wütend!

Ich kann mich nicht ausstehen dafür, dass ich es nicht schaffe, ihm die Stirn zu bieten, immer wieder klein beigebe und wieder "angekrochen" komme. Aber manchmal frage ich mich auch, ob ich mir in meinem depressiv umnebelten Hirn nicht wirklich alles nur einbilde und mir hier einen Bösewicht und Sündenbock zurecht zimmere.

Aber vermutlich bin ich auch nur ein bereitwilliges, duldsames Opfer seiner Schuldzuweisungen. Du hast recht, ich muss einen Selbstschutz aufbauen...

Ich stecke soviel Hoffnung in diese Reha ... und wenn sie Monate dauert. Das wäre zumindest schon mal die von dir angesprochene Auszeit zwischen mir und meinem Mann. Und das ist doch schon mal ein Plan, oder? Ich bin froh und dankbar, dass ich in der Lage bin, meine Tochter mitnehmen zu können. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich schon jetzt Angst davor habe, wie es sein wird, wenn ich dann wieder nach Hause komme...

Ja, ich nenne mich Forgetten und ich denke, diesen Namen habe ich schon irgendwie unbewußt-bewußt gewählt. Vermutlich habe ich mich selbst vergessen - irgendwann. Aber ich habe auch den Eindruck, dass ich vergessen wurde... Oder vielmehr, dass ich nicht "gesehen" werde ...

Und deine abschließende Frage, was mein Therapeut dazu sagt, den Auslösern meiner Depression, den Problemen in meiner Ehe?

Er sagt, Auslöser meiner Depression ist, dass ich im Zusammenhang mit der Frühgeburt meiner Tochter mehrfach traumatisiert wurde. So richtig kam der Stein auch erst ins Rollen, als vor ungef. 1 1/2 Jahren unsere Krankenkasse ankündigte, über die Umstände der Geburt ein Gutachten zu erstellen. Ich sollte denen einen Geburtsbericht schicken. Und da bin ich "zusammengebrochen"... Natürlich habe ich auch in der Zeit nach der Geburt gemerkt, dass es mir nicht gut ging, ich oft am Boden, antriebslos war, ich mich völlig zurückgezogen hatte. Ich bin ja auch von Arzt zu Arzt gelaufen, habe sogar eine Mu-Ki-Kur gemacht, damit es mir und uns besser geht. Der dortige Therapeut ging sogar schon in Richtung Depression, allerdings war die therapeutische Betreuung dort mehr als dürftig, also gar nicht das Richtige für mich. Als ich dann mit dieser "Diagnose" meinen Mann konfrontierte, war er zunächst sehr verständnisvoll. Da war ich noch in der Einrichtung. Als ich dann nach Hause kam und völlig durchhing, unserer Alltag weiterhin nur vor sich hinplätscherte und ich nicht groß etwas geregelt bekam, meinte er - da war ich eine Woche zu Hause und ich werde diesen Moment nie vergessen und auch nicht, wie ich mich dabei gefühlt habe: er glaube das mit der Depression nicht - ich sei nur zu faul!

Weil der Leidensdruck mittlerweile so groß geworden ist, hat mein Therapeut mir mit zu der jetzt geplanten stationären Maßnahme geraten.

LG
Forgetten
 
Hallo Behördenwahn,

Was ich aus deinen Texten entnehmen kann ist, nicht du bist das Problem des Problems, sondern dein Mann. Du denkst nur das du nichts auf die Reihe bekommt, weil es dein Mann dir sagt. Durch diese Form von Erniedrigung wirst du sehr labil was sich auf deine gesamte psyche auswirkt. Hinzu kommen noch deine Depressionen die dies zusätzlich noch unterstützen. Ich würde dir Raten zu bestimmten Einrichtungen zu gehen und mit deinem Therapeuten über dieses Thema sprechen.

Vielen Dank für deine Antwort. In deine Richtung habe ich auch schon mal gedacht und es stimmt auch, dass mein Mann mir oft sagt, dass ich nichts auf die Reihe bekomme und dann oftmals auch sehr angenervt ist.

Er bemerkt immer nur die Dinge, die ich nicht schaffe, aber nie die, die ich schaffe...

Welche bestimmten Einrichtungen meinst du? Ich hatte ja bereits geschrieben, dass ich eine psychosomatische Reha machen möchte. Die Klinik ist u. a. auch spezialisiert auf Trauma-Patienten...


Hallo Ratte,

Allein das ständige ´arme Oma´sagen war eine reine Provokation von ihm.Ich schließe daraus daß er ganz bewußt irgendeinen Streit mit seiner Ehefrau hervorrufen wollte.

Ein erwachsener und vernünftiger Mensch tut so´was nicht.

Nicht mit seiner 3jährigen Tochter.

Dass er damit einen Streit mit mir provozieren wollte, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Fest steht aber, dass er öfters solche "Spielchen" mit unserer Tochter treibt.

Aber es stimmt, meistens enden diese dann im Streit zwischen mir und meinem Mann, weil ich mich dann einschalte. Und es ist immer und immer wieder dasselbe Muster:

Er läßt sich weder von mir und/oder meiner Tochter irgendetwas vorschreiben und/oder verbieten!

Er sagte auch einmal zu mir, er sei und müsse so streng sein, weil ich gegenüber meiner Tochter ein Waschlappen bin. Er müsse das ausgleichen ... 😕

Er würde unsere Tochter eben "abhärten" wollen ... 😕

Wir hatten ewige Diskussionen. Ich mache mir auch Sorgen um meine Tochter, insbesondere auch um ihre Zukunft, da ja bei ihr hinzukommt, dass sie körperlich behindert ist. Ich frage mich oft, ob sie dies oder das schaffen wird und kann ... Eigentlich bin ich da zuversichtlich, da sie sich bislang sehr gut entwickelt hat.

Ich bin auch bestrebt, dass ihr Selbstvertrauen und -bewußtsein mit auf den Weg gegeben wird, allerdings halte ich die Art und Weise, wie mein Mann versucht ihr das mit auf den Weg zu geben, nicht für förderlich ...

Aber ich kann reden und reden und nochmals reden ... Er ist nicht zu überzeugen. Ich führe auch mehr oder weniger regelmäßig Gespräche mit einer Psychologin, die auch dort tätig ist, wo meine Tochter ihre Therapien erhält. Ich habe schon viele gute Tipps bekommen. Sie weiß z. B. auch, dass ich Schuldgefühle meiner Tochter gegenüber habe und es mir u. a. schwerfällt, ihr Grenzen zu setzen. Sie hat mir schon sehr viel weitergeholfen.

Aber was nützt mir all mein Gerenne, wenn wir das hier nicht gemeinsam versuchen umzusetzen???

Ich bin sooo müde ....

Liebe Grüsse an euch beide von Forgetten
 

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