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Kunstlehrer

Daoga

Sehr aktives Mitglied
Ich stimme Cafard zu. Kunst besteht zu 10 % aus Inspiration, zu 90 % aus Transpiration, wie ein alter Spruch lautet, und die 90 % Transpiration bestehen größtenteils aus erlernbaren Grundtechniken, die jeder verinnerlichen kann, auch wenn er in Sachen Inspiration sprich talentmäßig nichts zu bieten hat.
Ich vergleiche das gern mit den alten Künstlerfamilien des Mittelalters, bei denen brachte jedes Familienmitglied was brauchbares zusammen, auch wenn es mit dem eigenen Talent haperte - aber sie waren mit den reinen Handwerkstechniken ihrer jeweiligen Kunst aufgewachsen und kannten daher jeden Handgriff, was geschätzt 90 % der ganzen Kunst ausmacht. Der Rest ist das, was das Genie vom Durchschnitt unterscheidet.
90 % kann man lernen, den Rest muß man von sich aus mitbringen.
 

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dr.superman

Aktives Mitglied
Und
wenn jemand unbedingt auch eine Zahl haben
will, auch okay. Aber nicht zwangsweise und vor
allem nicht als Vergleich verschiedener Schüler
durch eine Autorität. Es würde genügen, die 2-3
Besten zu loben und dem Rest konkrete Tipps für
Verbesserungen zu geben.


mal aus Lehrersicht.
meine SuS wollten schon immer gezielt auch Noten haben (habe es anders auch probiert) und zwar aus zwei Gründen:
- das Schulsystem ist so, es sind Noten. Und sie wollten sich und ihre Anstrengungen einordnen können
- sie wollten wirklich wissen, was ICH ihnen gebe, ich als derjenige, dessen Meinung ihnen wichtig war.

In beiden Fällen gibt es die Tipps zur Verbesserung ja auch noch.
 

Werner

Sehr aktives Mitglied
mal aus Lehrersicht.
meine SuS wollten schon immer gezielt auch Noten haben (habe es anders auch probiert) und zwar aus zwei Gründen:
- das Schulsystem ist so, es sind Noten. Und sie wollten sich und ihre Anstrengungen einordnen können
- sie wollten wirklich wissen, was ICH ihnen gebe, ich als derjenige, dessen Meinung ihnen wichtig war.
Wäre nett, wenn du künftig mit der Zitierfunktion
arbeiten könntest, dann wäre das Zitat auch zuge-
ordnet ;)

Sachlich: Die Fixierung auf die Benotung bzw. die
Zahlen entsteht erst mit der Zeit. Erst- und Zweit-
klässler verlangen wohl kaum danach. Aber leider
sind die Schülerinnen und Schüler irgendwann
derart konditioniert, dass sie sich nicht mehr über
ihre eigene Leistung definieren, sondern fast nur
noch über die Note, die die Lehrkraft ihnen ver-
passt.

Gerade in Kunst oder Musik ist es dann aber eher
schädlich, weil es da ja auch darum gehen könnte,
die eigenen Talente und die eigene Kreativität an-
zuregen und zu entwickeln und nicht das Nachzu-
machen, was der Lehrkraft voraussichtlich gefällt.

Aber gut, das System ist krank in sich, da ist kaum
mehr eine Besserung in Sicht (so lange es eine
Schulpflicht gibt vor Allem).
 

dr.superman

Aktives Mitglied
. Erst- und Zweit-
klässler verlangen wohl kaum danach. Aber leider
sind die Schülerinnen und Schüler irgendwann
derart konditioniert, dass sie sich nicht mehr über
ihre eigene Leistung definieren, sondern fast nur
noch über die Note, die die Lehrkraft ihnen ver-
passt.


das weiß ich auch, aber meine SuS sind schon älter, Sek II und darüber hinaus, Studenten in der Uni...
da breche ich die Konditionierung nicht auf und tue ihnen damit auch keien Gefallen, wenn ich es versuche.
Es muss doch der Schüler im Mittelpunkt stehen und wenn ihn das mit der Benotung halt dann vertraut vorkommt und er so tickt,
ist das eben so.

eine Schulpflciht wird es übrigens bei uns immer geben,
denn wir stehen hier in D auf die Menschenrechte und aus § 26 derselben ergibt sich die Schulpflicht als Aufgabe für den Staat.

Auch aus Sicht der Bildungsungleichheit ist an einer Schulpflicht unbedingt festzuhalten - alleine schon deshalb, damit die kids betrunkener, nicht Deutsch sprechender Eltern für ein paar Stunden nicht nur ein warmes Zimmer um sich haben, sondern auch Chancen haben, sich eine Zukunft zu erschließen.

Kunst - und Musiklehrer bewerten nicht willkürlich, auch sie haben eine jahrelange harte Ausbildung durchlaufen, die ihren Blick schult,
ihnen was anderes zu unterstellen würde ja bedeuten, dass von ihrer Ausbildung bei ihnen nichts hängen geblieben ist - das ist schon ziemlich fies....
als ob das jeder könnte. Auch, wenn sie sich ihrer Professinalierung nicht bewusst sind, ist sie doch vorhanden, inhaltlich und methodisch.
 
Zuletzt bearbeitet:

In Flow

Aktives Mitglied
Seltsames Thema, bzw. seltsames Eröffnungsposting!

Der Kunstunterricht, den ich in der Schule hatte (in den 80ern und 90ern) war Kunsterziehung: Techniken, Kunstgeschichte, Künstler, Stile, Epochen...
frei Schnauze seinen Ideen und eventuell vorhandenem Talent konnte man nachmittags in Kunst-Arbeitsgemeinschaften freien Lauf lassen.
Und die Benotung richtete sich auch danach, wer fleißig gelernt hat und die erlernten Techniken sauber anwenden konnte, nicht wie hübsch man malen konnte.
In Musik kriegte man auch keine bessere Note, wenn man eine besonders hübsche Singstimme hat, sondern wenn man die Notenschrift oder Mozarts Kurzbiographie gut gelernt hat... wegen der Stimme wurde man dann vielleicht irgendwann mal vom Leiter des Schulchors angehauen.
(Nein, keine Privatschulen... ganz stinknormale öffentliche Schulen in der finstersten Provinz).

Hat sich das seitdem geändert?

Will sagen: einem Kunstlehrer hst es sicher geholfen, Künstler zu sein... zwingend notwendig war es nicht.
 

Wildkatz

Aktives Mitglied
Das, was man da in der Schule macht, ist sowieso keine Kunst, sondern Malen nach Zahlen. Da geht es nicht um Kunst im üblichen Sinne, sondern um Motorik, Geduld und Sorgfalt. Wenn man ordentlich arbeitet, dann ist das schon die halbe Note.

Für den Lehrer sind wohl Brot und Pädagogik die Motivation. Außerdem ist Kunst einfach ein sehr entspanntes Fach.
 
S

SoNicht

Gast
Kunst dient dem Geldverdienen.
"Ein gutes Geschäft zu machen ist die beste aller Künste."
Andy Warhol
"Nur ein toter Künstler ist ein guter Künstler."
Volksmund
 
Und da frage ich mich wie muss sich das als Künstler anfühlen bzw. Ist das nicht ein bisschen armselig sich von einem Juristen im Kultusministerium sagen zu lassen, was man den Schülern als Kunst beibringt.
Das, was man selber gerne macht, vermitteln zu wollen ist an sich nachvollziehbar und auch keineswegs verwerflich. Fast jeder große Künstler hatte auch einen Lehrer.
Wie sehr ein Lehrer kreativen Freiraum für eine Schüler ermöglicht, steht auf einem anderen Blatt. Allein schon, weil die Vermittlung künstlerischer Herangehensweisen, und der Umgang mit einer Klasse zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Zu meiner Schulzeit wurde im Kunstunterricht viel geredet, der Lehrerin wurden dumme Fragen gestellt, damit sie sich an den Tisch lehnt und die Schüler in ihren Ausschnitt glotzen konnten, und Saboteure haben anstatt einer Tonskulptur eine kleine Shisha gebaut. Ich denke, dass solche Dynamiken an den Lehrern letztendlich zehren, und grade auch verachtende und entwertende Schüler das Klima derart gestalten, dass eine offene Diskussion über Kunst, Handwerk und wie das alles zusammehängt, nur schwer möglich ist.



Und die Krönung diese noch nach Schulnoten bewertet [...] Und lustigerweise nennst es sich ja noch „Kunsterziehung" hört sich schon wie ein NS-Fach an. Man kann doch Kunst nicht anerziehen
Ja, und nein. Häufig sieht man ja allein schon im Unterricht, ob sich einer Mühe gegeben hat, oder einfach nur das Wasser vom Malkasten über das Bild gekippt hat, damit keine weißen Flächen mehr zu sehen sind. Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass Benotung nicht das Lieblingsthema von Kunstlehrern ist. Aber ich finde es gut, dass du das alles hinterfragst. Da du mit deinem Kunstunterricht unzufrieden bist, könntest du vielleicht deine eigenen Werke im Unterricht mehr als (aber dann bitte gut und ehrlich ausgeführte!) Protestkunst betreiben? Protest und Kritik war schon immer eines der Aufgaben, denen Kunst in jeglicher Form nachgekommen ist.
Kunst anerziehen kann man natürlich nicht. Darum geht es glaub ich auch gar nicht. Aber indem Kunst analyisiert, und eventuell auch zu einem gewissen Grad immitiert wird, erhält man häufig einen recht guten Zugang zu diversen Ansätzen, sodass man daraus eigene Ideen und Konzepte ableiten kann, und auch das entsprechende Hintergrundwissen hat, um seine eigene Arbeit in Kontext zu anderen Künstlern zu setzen.

Also die Kunst selber kann man einem nicht anerziehen, aber man kann durchaus darüber informieren, was andere Leute unter Kunst verstehen bzw. verstanden haben. Und man kann dafür werben, dass der Schüler aktiv wird, und sich traut, seine eigenen Ideen zu entwickeln. Und das finde ich, hat weder mit faschistoiden Ansätzen zu tun, noch ist es verwerflich.
 

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