Duine
Aktives Mitglied
Das kann ich so nicht unterschreiben. Jetzt, wo die Sonne rauskommt, sehe ich in meinem Viertel* die Kinderhorden rumrennen. Die Bürgersteige sind bunt angemalt, nebendran liegen Fahrräder, ein paar kleine Mädchen buddeln in irgendeinem Vorgarten, auf der Straße werden Wettrennen gemacht, die Mutter ruft vom Balkon.Aber, wo gibt es das in Deutschland heute noch? Spielen auf der Straße viel zu gefährlich wegen dem realen Verkehr und den irrealen Kinderschändern, die angeblich hinter jedem Busch lauern, außerdem fressen Hausaufgaben, Nachhilfeunterricht und Zwangs-Bespaßung von Musik- bis Reitunterricht und was sonst Kind heute alles haben muß oder müßte, die Zeit auf, bis zum sorglosen Miteinander der Kinder jenseits von Schule und Familie nichts mehr übrig bleibt. Einfach mal abhängen, in Sandhaufen bohren, Wasserkäfer in Tümpeln fischen, Drachen steigen lassen (ganz ohne Hilfe von Papa) und die ganze Umgebung zum Spielplatz machen, egal ob Zäune oder Grundstücksgrenzen, und den fiesen Nachbarn, der keine Kinder in seinen Apfelbäumen dulden mag, triezen ... lang ist diese Zeit her.
Interessanterweise bestehen diese Gruppen fast ausschließlich aus Kindern mit Migrationshintergrund. Geredet wird meist wild durcheinander, türkisch, deutsch, arabisch, von Kindern im geschätzten Alter zwischen 4 und 16 Jahren.
Ich will nicht unbedingt sagen, dass mein Viertel repräsentativ für alle ist, aber im Vergleich mit den verkehrsberuhigten Einfamilienhaussiedlungen ist hier und in vergleichbaren Stadtteilen in meiner Gegend richtig viel los. Und ich finde es auffällig. Und sehr sehr erfreulich 😀
Insofern gehe ich davon aus, dass die Erwachsenen, die von ihrer eigenen, freien, wilden Kindheit in Deutschland schwärmen, genau die sind, die ihren eigenen Kindern das verwehren. Anders kann ich mir das nicht erklären.
*Ich lebe in einem nicht gentrifizierten Wohnviertel, gut durchmischt bestehend aus Reihenhäusern, Sozialwohnungen, 3-stöckigen Wohnblocks und ein paar Altbauten. Mit zwei, drei kleinen Parks und ein paar brachliegenden Grundstücken.