Also vorab, ich habe so einige Probleme mit der Organisation Kirche, nicht mit dem Glauben. Dem kann ich eigentlich recht viel abgewinnen.
Ich finde, das ist ein wichtiger Punkt. Man kann aus der Kirche austreten und dennoch an Gott glauben. Die Kirche ist eine Glaubens
gemeinschaft, nicht die Entscheidung für oder gegen Gott.
Für meinen Austritt war ganz entscheidend, dass ich in der Glaubensgemeinschaft vollkommen passiv war. Was bedeutet die Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft, wenn ich nie das Clubhaus besuche, nie mit anderen Mitgliedern spreche und einfach nur die die Beiträge zum Club zahle?
Mir sagten damals Leute: "Was ist wenn du mal heiratest und stirbst?" Und ich habe mir gedacht: Wenn ich in dem Club nie mitmache, dann fände ich es sogar scheinheilig ihn zu meiner Beerdigung zu bestellen.
Für mich war und ist Glauben etwas individuelles. Deswegen konnte ich nie ganz verstehen warum es dazu eine Gemeinschaft geben soll. In der Schule hatte ich eine Nonne als Religionslehrerin. Ich war ein 1er Schüler und auch im Religionsunterricht habe ich mich rege beteiligt, aber nie eine gute Note bekommen. Meine Zeugnisse sahen über Jahre so aus: Mathe 1, Deutsch 1, alles andere 1 aber Religion und Sport 3. Ich habe einfach nur deswegen eine schlechte Note in Religion bekommen, weil ich zu kritisch war und zu viele Fragen gestellt habe. Kann man Gläubigkeit überhaupt bewerten? Ich finde nein.
Gemeinschaften sind idealerweise demokratisch aufgebaut. Genau das ist aber eine Glaubensgemeinschaft meist nicht. Die Kirche steht vor der Herausforderung, ihre Lehre (oft absolute Wahrheiten) mit demokratischen Aushandlungsprozessen zu vereinbaren. Bestenfalls kann man diskutieren wie eine Bibelstelle gemeint ist, aber ändern kannst du sie nicht. Das ist Fluch und Segen gleichermaßen. Auch einen Papst kann man nicht wählen oder abwählen. Wer sich gegen das Handeln der Kirche ausspricht, kann eigentlich nur austreten, sonst hat man keinen Einfluss.
Ich weiß nicht, was die ideale Lösung ist und ich glaube die Kirche hilft auch aktiv - und sei es nur passiv durch den Gedanken "Ich bin nicht alleine". Aber ich sehe mich selber als sehr liberalen Menschen, ich schätze Werte wie Demokratie und Freiheit. Für mich fühlte sich die katholische Kirche immer als Korsett an, welches kritische Fragen verbietet und Gemeinschaft widersprach immer meiner Ansicht, dass Glauben etwas sehr persönliches ist.
Das sehe ich aber z.B. auch bei politischen Parteien so. Sie sind notwendig, aber ich tue mich schwer einer Partei treu zu sein, weil ich dann alles mittragen muss. Aber in einer Partei habe ich zumindest irgendwie demokratischen Einfluss. In der Kirche wird es nie eine demokratische Abstimmung darüber geben, was Gott wirklich meint und wie eine Bibelstelle wirklich zu interpretieren ist.