Man kann doch auch konfessionslos in den Gottesdienst gehen?
Naja, aber im Grunde ist das doch dann auch nicht Fisch und nicht Fleisch: natürlich kann und soll man auch in die Kirche gehen, wenn man ausgetreten ist und hingehen möchte, aber irgendwie ...naja...man muss sich ja auch klarmachen, dass die Kirche ihr Angebot ja auch nicht aufrecht erhalten kann, wenn ALLE so denken würden.
Also wenn man das Angebot nutzen will, sollte man sich auch irgendwie beiteiligen finde ich.
Zur Eingangsfrage:
Wenn es ausschließlich die Sache mit den Reliquien ist...wäre dann nicht die evangelische Kirche eine Alternative?
Was genau ist denn an den Reliquien so schlimm für Dich? Schräg ist es ja schon, aber im Grunde tut das niemandem weh und wenn man sonst mit der Kirche was anfangen kann und Du schreibst ja, dass dir da vieles sehr wichtig ist....dann ist aus meiner Sicht diese Sache doch etwas, das man relativ leicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann. (da gibt es ja ganz andere Aspekte an der Kirche, die mit dem Gewissen viel eher in Konflikt kommen können)
Die Frage, warum und ob es wichtig ist, in einer der beiden Landeskirchen (also katholisch oder ev. luth) zu sein, habe ich mir auch oft gestellt und auch eine Menge Antworten für mich dazu gefunden.
Also als erstes: Eine Kirchengemeinde ist nur so gut oder schlecht wie ihre Mitglieder. Natürlich läuft dort auch vieles nicht gut, aber irgendwie ist es doch auch eine Chance, sich einzubringen und vor Ort die Kirche zu einem besseren Ort zu machen, oder?
Wenn all die "Guten" aus der Kirche weggehen, weil sie enttäuscht sind: Wem überlässt man dann das Feld?
Auch gesellschaftlich sehe ich schon durchaus einen Auftrag in der Kirche: Wir leben in einer Zeit wo die Gesellschaft mit Einsamkeit, sozialer Härte, Hinwendung zu radikalem Gedankengut usw zu kämpfen hat: Christliche Werte und Menschen die sie aktiv vertreten sind doch wichtiger als je zuvor.
Die Kirche verfügt NOCH (wer weiß wie lange noch) über Ressourcen und Räume, die ein Gegengewicht zu dieser Entwicklung sein könnten: Ich meine ...wo zB kann man ganz niederschwellig hingehen, Kontakte knüpfen, eine Krabbelgruppe ins Leben rufen, sich kulturell, oder sozial engagieren usw.?
Gäbe es die Kirchen nicht, hätten wir in all diesen Bereichen ein riesen Loch und genau deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, in den Kirchen aktiv zu sein, wenn man grundsätzlich damit etwas anfangen kann.
Man muss deswegen nicht eins zu eins alles teilen, was die Kirchen so praktizieren. Wo ist das schon der Fall?
Aber wo hat man in der Gesellschaft schon sonst die Möglichkeit sich so weitreichend einzubringen?
Ich würde auch klar Christliche Werte von Christlichen Praktiken unterscheiden: die Werte sind das eine...aber man muss nicht jede Praktik toll finden.
Vielleicht kommt es auch ein wenig auf die Kirchengemeinde an. Vielleicht musst Du die Gemeinde, die für Dich passt auch erst finden. Man ist ja heute nicht mehr an seine Heimatgemeinde gebunden.