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Kann ihre Nähe nicht mehr ertragen

  • Starter*in Starter*in LetLoveRule
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Hallo Supernaut alias denYo,

danke für Deine ausführliche Nachricht, ich habe mir mal ein paar Gedanken dazu gemacht. Bzgl. 'Trennung/Sorgerecht' etc muss ich erst nochmals in mich gehen.


im moment fährst du innerlich etwas "zweigleisig", richtig?
einmal die versuche, die beziehung zu retten.
und dann die sich verstärkende gewißheit (im moment), daß da langfristig nichts zu retten wäre.

Ich versuche den Kids eine Familie zu bieten, da gehört eine Mutter nunmal dazu. Die Beziehung scheint mir nicht mehr zu retten - nach dem was sich in letzter Zeit so abgespielt hat. Aber richtig, ich gebe nicht auf, habe aber auch wenig Energie hier dran grossartig zu arbeiten - der Alltag ist einfach zu frustrierend. Ich hoffe dass wir trotzdem einen Weg finden die Kids grosszuziehen ohne uns die Köpfe einzuschlagen und ohne daran zugrunde zu gehen.


einmal zu den zukunftsaussichten: was ich über ms weiß ist nicht viel... das meiste von einer medizinisch versierten bekannten und aus der wikipedia. ich meine aber, daß diese krankheit sich idr auf einem gewissen niveau stabilisiert und nicht immer schlimmer wird. wenn dem so sein sollte läßt sich damit leben.

Zwei Ärzte - zwei Meinungen. Der eine meinte die MS wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit nach zum Stillstand gekommen, der andere meinte vmtl. würden weitere Schübe kommen, sie sei der 'klassische Fall' deshalb spricht die Statistik dafür. Aber in einem waren sie sich einig: MS ist eine viel erforschte Krankheit über die trotzdem bisher sehr wenig bekannt ist. Medikamente...können verzögern, wie gut ist nicht vorhersehbar.

das entscheidende problem scheint zu sein, daß deine frau die krankheit als teil ihres lebens noch nicht annehmen konnte. wenn ihr eine zukunft haben wollt muß sie das.

Momentan sieht man ihr ja die MS nicht an. Sie hat zugenommen, ok, aber das führen Freunde und Bekannte auf die drei Kinder zurück etc. Warum sollte sie sich dann bemitleiden lassen ?

Was mir nicht so ganz klar ist und ich mich deshalb bei ihrer Ärztin schlau machen will ist der Zusammenhang zwischen MS, ihren Wahnvorstellungen und ihrer Vergesslichkeit. Letztere beeinträchtigen sie ständig während die MS Symptome sich nur bei Schüben zeigen. Bei einem Schub verstärken sich die Wahnvorstellungen und sie hat dann auch körperliche Ausfälle (Gefühllosigkeit in den Gliedmassen etc).

Ihre Unordentlichkeit ist sicher z.T. auf ihre Vergesslichkeit zurückzuführen. Daher habe ich das auch viele Jahre geschluckt. Inzwischen aber glaube ich dass ihr größtenteils die Motivation oder 'Energie' fehlt was im Haushalt zu bewegen. Klar ist es z.B. frustrierend wenn man aufräumt und eine halbe Stunde später haben die Kids wieder alles verwüstet. Aber die Kids sind in einem Alter in dem sie lernen können selbst Ordnung zu halten bzw. lernen dass es Bereiche gibt wie z.B das Wohnzimmer in denen man sein Zeug nach dem Spielen eben wieder wegräumen muss. Aber auch zur Erziehung fehlt ihr die Energie. Erst schaut sie weg anstelle rechtzeitig einzugreifen und hinterher wird herumgeschrieen anstelle Massnahmen zu ergreifen um das Übel abzustellen. Sie geht den Weg des momentan geringsten Widerstandes der aber viel Stress und Ärger nach sich zieht. Wenn ich sehe was sie sonst so ausserhalb der Familie alles auf die Reihe bringt dann muss ich annehmen dass sie auch mehr Energie aufbringen könnte hinsichtlich Haushalt und Erziehung mehr zu bewegen.

das muß ihr klar sein. und auch wenn du damit kurzfristig für sturm sorgst: nerv sie damit. du kannst dir zb vornehmen, sie jeden tag einmal, in den verschiedensten kontexten, auf die krankheit anzusprechen.

Ja, sie glaubt dass ihre Krankheit/Antriebslosigkeit nur sie allein betrifft. Das ist aber ein Irrtum.

ein weiterer wichtiger punkt ist es mmn, daß du für dich entlastung findest.

Wie schon geschrieben habe ich vor einem Jahr angefangen viel Sport u.a. im Verein zu treiben, einfach um diesen lähmenden Frust loszuwerden. Im Verein und in der Laufgruppe habe ich zwar keine Freunde gefunden mit denen ich jetzt meine Familienprobleme diskutieren würde aber das war auch nicht die Absicht. Beim Sport möchte ich einfach mal 'abschalten', das sind für mich 'kleine Fluchten'.

Ich habe zwar Freunde - nicht viele aber immerhin, doch habe ich mich bisher nicht getraut diese Dinge mit ihnen zu besprechen, es ist mir einfach zu peinlich, vmtl. weil ich mir doch auch eine Mitschuld an dem Ganzen gebe.

Aber wie schon einige hier mir geraten haben: ich muss mehr in mich gehen, mehr mit mir beschäftigen...was will ich erreichen...an welchem Punkt bin ich eigentlich angelangt...was kann ich schaffen und was nicht ...

Ich habe diesen Zustand jahrelang 'ausgehalten' und ich habe mir immer eingeredet dass es mir gut geht und doch alles in Ordnung sei. Es hat mich viel Überwindung gekostet mir selbst einzugestehen dass ich trotz aller Anstrengungen es nicht geschafft habe eine Familie zu haben wie ich sie gerne hätte, wie sie mir Kraft und Freude geben würde. Realität ist dass mich diese Situation viel Kraft kostet. Klingt jetzt vielleicht komisch, aber das Schwerste war mir klar zu machen dass dies nicht meine Schuld ist.

Wir beide haben uns was vorgemacht: sie, dass sie nicht krank sei bzw. es niemand merken oder stören wurde, ich, dass es mir in dieser Familie gut geht. Herzlichst, LLR
 
Hi LLR,
schön, dass du Tipps ausprobierst.
Die Steigerung zur Mäusestrategie findest du in dem Buch: Das LOLA-Prinzip von Rene Egli (ein Schweizer, der auch heute noch in der Schweiz lebt und Seminare gibt).

Also ich gehe auch Mittags aus dem Haus und komme in der Nacht erst wieder, weil ich keinen Bock mehr auf mein Lebensabschnittsgefährten hab. Hmmmm.
Hoffe bei deiner Frau is es nicht so.

Alles Liebe weiterhin.

Trauerträne
 
Hallo Trauerträne,

Also ich gehe auch Mittags aus dem Haus und komme in der Nacht erst wieder, weil ich keinen Bock mehr auf mein Lebensabschnittsgefährten hab. Hmmmm. Hoffe bei deiner Frau is es nicht so.

Aber natürlich ist es bei ihr auch so ! 🙄

Ist doch auch völlig ok wenn man sich EINE ZEITLANG aus dem Weg geht um wieder aufzutanken ANSTELLE SICH ZU ZOFFEN ! Mag zwar von aussen etwas merkwürdig erscheinen wenn das zum Dauerzustand wird aber im normalen Eheverhältnis (ER ist ja eh den Tag über 'auf Arbeit') ist das ja in der Regel so. Und wenn das für Dich und Deinen Partner so ok ist dann ist doch alles in Butter.

Aus der Perspektive meiner Frau ist ihr Verhalten auch völlig logisch denn schliesslich bin ich ein 'riesen Ar....loch' (darf ich nicht ausschreiben sonst wird's vom Administrator gelöscht), jemand der seine Frau einfach 'so nicht liebt und akzeptiert wie sie ist', der dauernd an ihr rumnörgelt, sie darauf hinweist dass sie wieder mal den Schlüssel aussen in der Haustüre steckengelassen hat, dass die Haare der Mädchen gekämmt werden müssen, dass sie sich fertigmachen muss denn in 5 Minuten kommt ihre Freundin um sie abzuholen etc etc. Kein NORMALER Mensch würde sich diese ständige 'Bevormundung' gefallen lassen, da würde jeder irgendwann sich an die Stirn tippen und das Weite suchen. Sie fühlt sich als vollkommen gesunder Mensch der sein Leben (und das der restlichen Familie auch!) im Griff hat.

Durch ihre Krankheit merkt aber oft nicht was um sie herum vor sich geht, wo sie gebraucht wird und wo sich nützlich machen könnte. Und dieser 'Realitätsverlust' ist auch nicht ständig gleich stark ausgeprägt. Es kann sein sie ist gerade relativ 'klar', sie hat's sehr wohl bemerkt und hat sich vorgenommen 'das' später zu machen. Dann gibt's natürlich für mich erst recht einen Anschiss ('behandle mich nicht wie eine Irre').
Egal ob ich energisch fordere, freundlich bitte bitte sage oder wie auch immer, es ist und bleibt Bevormundung. Wenn sie gerade 'klar' ist bemerkt sie dass ich beobachte was sie tut, dann gibt's ein 'glotz mich nicht so an'.

Es ist eine Gratwanderung: ich versuche ihr gegenüber ganz normal zu sein, trotzdem muss ich mich so verhalten als ob vier Kinder im Haushalt leben würden. Ich kann mich nicht darauf verlassen dass im Keller das Licht aus ist nachdem sie unten war, die Zutaten wieder im Kühlschrank sind nachdem sie was gekocht hat, die Aussentüren zu sind wenn sie als letzte weg geht usw usw.
Ich könnte das auch alles kontrollieren und erledigen ohne ihr Rückmeldung zu geben, habe ich mir auch schon überlegt, würde mir viel Ärger ersparen. Aber ich merke dass sie trotzdem versucht es beim nächsten Mal besser zu machen.

Jemand hat auch geschrieben, so nach dem Motto 'dann lass sie doch und mach alles alleine'. Erstens merke ich dass es für sie ganz gut ist wenn sie sich beschäftigt denn das lenkt sie ein wenig von den Stimmen und Trugbilder ab die sie oft belästigen. Zweitens bin ich ganz dankbar für jede Hilfe, selbst wenn sie zwei Stunden einfach 'da' ist damit ich in Ruhe was erledigen kann. Drittens möchte ich dass die Kinder so lange wie möglich glauben dass sie eine ganz normale Familie sind (nebenbei bemerkt: wann sind die Kinder alt genug um ihnen die Wahrheit zu sagen?).

Natürlich ist für mich so ein Alltag der nur aus Fettnäpfchen besteht auch nur begrenzt verkraftbar. Irgendwann habe ich auch einen 'Hals' und habe die Wahl zwischen Alkoholmissbrauch mit anschliessendem Frau-und-Kinder-verprügeln oder 'wegrennen'. Bisher habe ich mich immer entschlossen die Laufschuhe zu schnüren und das Adrenalin abzubauen.

Sie ist einfach (noch) nicht in dem Stadium in dem sie sagt: 'Ok, ich bin krank und brauche Hilfe. Ich bin dankbar dafür dass du mich ausschlafen lässt obwohl du auch spät zu Bett gegangen bist, dass du Frühstück gemacht und die Kinder zur Schule geschickt hast. Danke dass du mich an meinen Termin erinnert hast den ich vergessen hatte, etc etc. Ich bin für sie einfach lästig, ein ewiger Rumnörgler und Besserwisser dem man so oft wie möglich den Rücken zudrehen sollte.

Sie sagt dass ich sie nicht mehr 'so lieben würde wie früher'. Aus ihrer Sicht wiederum völlig logisch denn zum 'lieben' gehört auch 'jemanden so akzeptieren wie er ist', 'jemanden für voll nehmen', 'tolerieren' usw. Und das tue ich mit meiner aus ihrer Sicht ständigen 'Bevormundung' nicht.

Auch alles Liebe, LLR
 
Wie weit bist du denn in Sachen Arzttermin?

Ich hab das Gefühl du drehst dich immer noch im Kreis. Da muss mal was voran gehn 🙄
 
Wie weit bist du denn in Sachen Arzttermin?

Da es ihr jetzt wieder etwas besser geht kann ich versuchen sie zu einem Termin zu überreden, hab's mir für morgen vorgenommen. Ich habe ja ein paar Argumente gesammelt.

Ich hab das Gefühl du drehst dich immer noch im Kreis.
Nicht ganz. Je länger ich mich damit beschäftige um so mehr Dinge gehen mir auf. Grüsse, LLR
 
Was denn zum Beispiel? 🙂

Hallo Schneee, schön dass ich mich darauf verlassen kann dass Du diese Frage stellst 🙂

Also, es ist mir aufgegangen:

- dass ich unter der (Familien)situation leide bzw. es nicht mehr aushalte

- dass ich zwar beteiligt aber nicht alleine/massgeblich an der Situation schuld bin

- dass die Familiensituation auch die Kinder belastet

- dass wir alle, ich massgeblich, etwas tun müssen um ihr zu helfen

- dass ich nicht wegschauen darf, die Situation nicht herunterspielen darf

- dass ich mich nicht vernachlässigen darf denn ich muss den 'Laden schaukeln'

- dass ihre Annahme/Behauptung bzgl. Ursache/Wirkung (und an die ich bisher geglaubt habe) so nicht korrekt ist. Sie behauptet so in etwa dass die sozialen/familiären Probs ('Beziehungsstress' verursacht mein 'endloses Genörgle') zu ihren psychischen Probs führen ('Depressionen', 'Antriebslosigkeit', 'Müdigkeit') und diese wiederum zu körperlich/organischen Probs ('Wahnvorstellungen', 'Realitätsverlust', 'Schizophrenie') führen.

Inzwischen denke ich eher umgekehrt, dass ihre Unordentlichkeit/Vergesslichkeit etc krankheitsbedingt ist, diese wiederum zu unseren Beziehungsprobs führen (weil ich sie kontrollieren muss) und dieser Stress wiederum ihre Depressionen verstärkt/auslöst. Vmtl. bildet das Ganze auch noch einen Kreislauf und führt so sogar zu einer Verstärkung ihrer 'organischen Krankheit' denn die MS Schübe traten immer zu Zeiten auf wo sie starkem psych. Stress ausgesetzt war.

Wie dem auch sei, jedenfalls denke/hoffe ich, das wird mir die Ärztin hoffentlich bald bestätigen, dass dieser 'Teufelskreis' unterbrochen werden kann indem man die Ursache/Wirkungskette an einer/mehreren günstigen Stellen angeht z.B. die Krankheit bzw. die Symptome bekämpft z.B. durch Medikamente, die familiären Probs durch Entlastung mindert, die psychologische Beratung intensiviert usw usw

- dass sie mit ihrer Krankheit nicht klar kommt/sie nicht akzeptiert/vertuscht

- dass ich mit ihrer Krankheit nicht klar komme/sie versuche zu ignorieren

Reicht Dir das für's Erste ? 🙂

Grüsse, LLR
 
Hach.. ich antworte doch noch bissal mehr.. ich kann mich einfach ned kurz fassen^^

dass ich unter der (Familien)situation leide bzw. es nicht mehr aushalte
Na das wird dir vorher klar gewesen sein, sonst hättest du doch vermutlich gar nicht angefangen hier zu schreiben, oder? 🙂

dass ich zwar beteiligt aber nicht alleine/massgeblich an der Situation schuld bin
Ist das wirklich eine Frage der Schuld? Es wird sich wohl gegenseitig aufgeschaukelt haben. Ihr passt was nicht, du reagierst drauf, auf deine Reaktion reagiert sie wieder und so weiter.. jeder hat ein bisschen dazu beigetragen. Wichtig ist jetzt, dass auch jeder ein wenig dazu beiträgt, dass sich das ganze wieder so weit wie möglich "normalisiert".

dass sie mit ihrer Krankheit nicht klar kommt/sie nicht akzeptiert/vertuscht
Gaaanz wichtiger Punkt, der meiner Meinung nach viele andere nach sich zieht.

dass ich mit ihrer Krankheit nicht klar komme/sie versuche zu ignorieren
Okeee.. das ist jetzt der neuste Punkt für mich. Kannst du den irgendwie näher erläutern?
 
hi llr,

zur frage "wann sollen die kinder bescheid wissen": am besten dann, wenn sie eh selber merken, daß ihre familie etwas, tja, "besonders" ist. dann werden sie von sich aus fragen stellen. und zwar nicht nur dir, sondern auch deiner frau.

was dann passieren könnte (deswegen ist es auch nicht so gut, schon vorher zu ihnen dinge zu sagen wie "ja, also, mami gehts gerade nicht so gut" o.ä.) ist, daß deine frau behaupten könnte, du würdest die kinder aufhetzen ("die gehen auch schon mit mir um als ob ich nicht ganz dicht wäre, das ist doch auf deinem mist gewachsen!" o.ä.). meiner meinung nach solltest du, wenn das passiert, es einfach durchstehen wie den übrigen streß - die positive nebenwirkung kann nämlich sein, daß deine frau, wenn sie von mehreren seiten das gleiche feedback kriegt - von dir wie von den kindern - sich evtl. mehr gedanken darüber macht, ob sie nicht doch etwas an ihrer momentanen lebensweise ändern könnte.

alles gute,
denYo
 

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