T
trevilor
Gast
Hallo letloverule,
es ist spät mir brennen die Augen, weil ich heute schon so viel geweint habe.
War kurz draußen und lese jetzt, weil ich nicht schlafen kann, Deinen post und es hat PENG gemacht.
Warum?
Eine lange Geschichte, aber ich glaube ich muss sie erzählen, damit Du verstehst, daß ich Dich und Deine Gefühle verstehen kann.
Ich bin Froh darüber, daß ich Deinen Beitrag gefunden habe.
Es ist gut zu wissen, daß es Menschen mit ähnlichen Schicksalen und Lebensumständen gibt.
Meine Frau und ich lernten uns vor 13 Jahren kennen.
Es war keine rosarote Liebe sondern ein tiefes Vertrauen in den Anderen.
Jeder von uns legte sich in die Hand des anderen.
Wir wollten zusammen unseren Lebensweg gehen.
Wir heirateten.
Und Kinder wollten wir auch.
Wir hatten einen Traum.
Wir hatten die Zusage meiner Eltern in die freie Wohnung in ihrem Haus ziehen zu können.
Mit allen Vorteilen und Nachteilen.
Wir haben uns echt ´drauf gefreut.
Nachdem mich meine Eltern 2 1/2 Jahre hinhielten baute mein Bruder.
Danach wollten meine Eltern von Ihrer Zusage mir und meiner Frau gegenüber nichts mehr wissen.
Ein Zerwürfnis zwischen meiner Frau und meinen Eltern und mir war die Folge.
Unser Sohn kam zur Welt.
Von beiden sehnlichst erwartet und innig geliebt.
Die wirkung die die Geburt des Jungen auf mich hatte ist nicht mit wenigen Worten zu beschreiben.
Unser Sohn war 6 Monate alt, da wurde GENAU WIE BEI DEINER FRAU MS diagnostiziert.
Befall des Kleinhirns, des Sehnerves eines Auges und drei Herde im Rückenmark.
Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man diese Nachricht bekommt und der Kleine krabbelt neben dem Krankenbett in einem Kinderbett, weil er noch abgestillt werden muss obwohl seine Mutter massiv Kortison bekommt.
Der Boden öffnete sich unter meiner Frau und mir.
Der freie Fall begann.
Zu der ersten Enttäuschung von Vertrauen, kam nun das auch noch dazu.
Ich habe zu dem Zeitpunkt eine neue Stelle angefangen und konnte mich nicht so wie ich wollte um meine Frau kümmern, weil dort bestimmte Anforderungen an mich gestellt wurden und ich bestimmte Erwartungen zu erfüllen hatte.
Ich bin innerhalb unserer Organisation aufgestiegen und wurde dazu Zielscheibe der auf dieser Hierarchieebene bereits etablierten "Kollegen" ( Einer von unten, mal sehn, was der auf dem Kasten hat....)
Die Ärzte meinten, wenn dann hätte sie die Krankheit schon seit mindestens 10 Jahren.
Auf meine Frage hin, wie die Möglichkeiten meiner Frau seien ein zweites Kind zur Welt zu bringen, wie es unser Wunsch war, bekam ich zur Antwort :"Da passen Sie aber auf, daß Sie mit der Geburt des zweiten Kindes plötzlich nicht auf einmal drei Kinder zu Hause haben."
Soviel zu der medizinischen Prognose meiner Frau.
Gibt es noch Fragen dazu wie es meiner Frau und mir ging?
Ich weiß seitdem was es heißt Angst um seine Liebsten zu haben.
Ich bin abends, nach der Arbeit, mit meinem Sohn stundenlang über die Krankenhausflure gewandert, damit meine Frau ein wenig Ruhe hatte.
Obwohl meine ELtern mich auf das bitterste enttäuscht hatten, war ich auf Ihre Hilfe bei der Betreuung angewiesen.
Meine neue Stelle entwickelte sich zu einem 60 Stunden Job, weil ich in ein administratives Baggerloch geraten war und von meiner Führung im Stich gelassen wurde.
Zu eigenen Fehlern kam Überforderung und Selbstausbeutung.
Ich habe mir innerlich gesagt, dies alles sind die schlechten Zeiten, die Guten müssen wohl noch vor uns liegen.
Ich sagte mir, Liebe Frau bei alllem was ist, ich vertraue Dir , ich stehe zu Dir, ich bleibe bei Dir, ich lass Dich nicht allein, ich liebe Dich.
Ich wusste nicht, ob meine Schultern das aushalten würden, aber ich war entschlossen zu kämpfen.
Nachdem meine Frau aus dem Krankenhaus entlassen worden war, war nichts mehr so wie es war.
Meine Frau veränderte sich, genau wie Deine.
Sie bekam Depressionen, war teilweise völlig apathisch.
Verständlich, wenn man mit so einer Diagnose umgehen lernen muss.
Ich musste es als Angehöriger auch lernen.
Von dem Kortison nahm sie stark zu, war völlig aufgedunsen.
Das Kortison verändert während der Therapie auch die Psyche.
Ich erkannte meine Frau teilweise nicht wieder und war vor Hilflosigkeit wie gelähmt.
Ich tat alles in meinen Kräften stehende, um meinem Versprechen gerecht zu werden.
Meine Frau will bis heute nichts davon mitbekommen haben.
Und dann war da noch der kleine.
Jede Minute die konnte, habe ich mit ihm verbracht, um meine Frau zu entlasten.
Ich bin abends nach Hause gekommen, habe den kleinen gefüttert und ins Bett gebracht, danach noch ein bischen Haushalt.
Ich habe gelernt schon um acht Uhr bei der Tagesschau einzuschlafen.
Wenn es im Beruf ganz schlimm war und ich noch konnte, bin ich noch bis in
die Nacht zur Arbeit gefahren.
Wenn ich bei der Arbeit ersteinmal die wichtigsten Probleme unter Kontrolle hätte, glaubte ich, könnte ich auch mehr Ruhe und Ressourcen für zu Hause aufbringen.
Auch ich veränderte mich dadurch.
Ich hatte schnell mit der Zeit die gleichen Probleme mit der Nähe meiner Frau wie Du!
Ich ließ sie nicht mehr an mich heran, obwohl sie sich um mich bemühte.
Ich fraß alle Probleme in mich hinein, weil ich meine Frau nicht mit meinem Ärger belasten wollte, konnte ihn aber nirgendwo anders abladen.
Ich habe malocht wie ein Stier, damit wir keine finanzielle Not hatten und das fehlende Einkommen meiner Frau weitgehend kompensiert wurde.
Keine Probleme bei der Arbeit, dann habe ich auch Ruhe und mehr Kraft für zu Hause.
Oder habe ich mich in die Arbeit geflüchtet? hm.
Ich wollte sie schonen wie es in meiner Macht stand.
Zu dem Zeitpunkt konnte ich das schon nicht mehr.
Ich hielt meine Frau auf Abstand.
Heute kann ich mir dieses Verhalten erklären, aber dafür musste ich erst zusammenbrechen.
Irgendwie hat meine Frau aufgehört in meinen Augen eine Frau zu sein.
Sie war eine Kranke.
Keine gesunde Frau mehr mit der man eine Familie aufbauen konnte.
Ich war über mich entsetzt, wie ich nur soetwas denken konnte, wo ich doch mit Ihr alt werden wollte.
Ich verbat mir dieses Denken und drückte diese Empfindung weit, weit, ganz weit weg.
Ich sprach mit niemandem darüber.
Schon gar nicht mit meiner Frau.
Ich wollte sie nicht mit meinen Problemen belasten.
Ich musste stark sein.
Funktionieren.
Ich wollte, ja ich glaubte ich MÜSSE rücksichtslos für meine Familie da sein.
Meine persönlichen Bedürfnisse hatten hinter der Familie zurückzustehen.
Ich wollte kein Abenteuerleben.
Ich wollte nur endlich ein scheißnormales langweiliges Leben mit meiner Frau führen, von dem wir beide träumten.
Es hat fast fünf Jahre gedauert, bis ich aussprechen konnte, wie sich mein Blickwinkel auf meine Frau geändert hatte.
Zwischenzeitlich bekam ich erste psychosomatische Beschwerden.
Reizbarkeit, sexuelle Unlust, teilweise Impotenz, Schlaflosigkeit.
Das brachte mich alles nicht ernsthaft aus der Bahn, ich ging immer weiter geradeaus, blinder Sturkopf wie ich war.
Blutchochdruck ? Pah, es gibt Tabletten.
Verspannungen im Nacken bis zur Bewegungsunfähigkeit?
´s gibt Spritzen.
Die Situation zu Hause verschärfte sich, meine Frau verstand mein Verhalten nicht mehr und ich nicht mehr ihres.
Aus einer familiären Umgebung entstand eine Umgebung aus Stress und aggressivem Umgang miteinander.
Aus Mücken wurden Elefanten.
Aber ich wollte doch alles tun damit es meiner Frau gut ging.
Aber nichts konnte man ihr zum Schluss noch recht machen.
Dann ging es ganz schnell.
Andauernde Panikattacken.
Depressionen
Suizidgedanken.
Klinik.
Medikamente.
Psychotherapie.
Berufliche Zukunft ungewiss.
Was habe ich geweint, soviel wie noch nie in meinem Leben.
Als ich nach Hause kam, begann sich das Karoussel in die andere Richtung zu drehen....
Ich kam als ein anderer wieder als der, den meine Frau kennengelernt hatte.
Ich bin kantiger, eckiger mit sichtbareren Grenzen.
Ich habe gelernt offener mit meinen Gefühlen umzugehen.
Meine Sicht auf das Leben hat sich in manchen Dingen relativiert.
Ich begann mich gegen die Aggressivität meiner Frau zur Wehr zu setzen.
Mit Ihr darüber sprechen ging irgendwie nicht mehr.
Ich komme nicht mehr an sie heran.
Einsicht, Verständnis, oder Mitgefühl war bei meiner Frau Fehlanzeige.
So wie ich über sie dachte, dachte sie nun über mich.
Über die MS Selbsthilfegruppe habe ich mittlerweile Menschen kennengelernt, die mir die Angst vor der Krankheit nehmen konnten.
Auch habe ich dort angehörige getroffen, mit denen ich über meine Probleme sprechen kann.
In diesem Kreis kann ich die Fragen stellen, die ich mich bisher nicht getraut habe zu stellen.
Gespräche über das, was ich in der Klinik erfahren und erlebt habe, ließ meine Frau nicht zu, bzw ließ es nicht an sich heran.
Wie ich bei Ihr so sie bei mir.
Es gab in den letzten zwei Jahren noch so manchen Schicksalsschlag in unser beider Gesicht.
Von etwas positivem außer meinem Sohn und das ich wieder voll arbeite, kann ich nichts berichten.
Heute teilte mir meine Frau mit, daß sie mich definitiv verlassen wird und den Jungen mitnimmt.
Alles verloren woran ich mich in meinen finstersten Stunden festgehalten habe.
Ein Foto von meinem Jungen liegt vor mir auf dem Tisch.
Wer glaubt er wäre schon ganz unten und es geht nicht mehr tiefer, wird offensichtlich ganz schnell über sein schlechtes Sehvermögen belehrt.
Ich drücke Dir die Daumen, möge Gott Dir die Kraft geben, die Du brauchst, damit Dein Leben weitergeht, so wie es weitergehen wird.
Das Schlimmste sind die schönen Erinnerungen im Kopf an Bilder aus besseren Zeiten, die mich nicht schlafen lassen.
Gekämpft, gehofft und doch verloren.
trevilor
es ist spät mir brennen die Augen, weil ich heute schon so viel geweint habe.
War kurz draußen und lese jetzt, weil ich nicht schlafen kann, Deinen post und es hat PENG gemacht.
Warum?
Eine lange Geschichte, aber ich glaube ich muss sie erzählen, damit Du verstehst, daß ich Dich und Deine Gefühle verstehen kann.
Ich bin Froh darüber, daß ich Deinen Beitrag gefunden habe.
Es ist gut zu wissen, daß es Menschen mit ähnlichen Schicksalen und Lebensumständen gibt.
Meine Frau und ich lernten uns vor 13 Jahren kennen.
Es war keine rosarote Liebe sondern ein tiefes Vertrauen in den Anderen.
Jeder von uns legte sich in die Hand des anderen.
Wir wollten zusammen unseren Lebensweg gehen.
Wir heirateten.
Und Kinder wollten wir auch.
Wir hatten einen Traum.
Wir hatten die Zusage meiner Eltern in die freie Wohnung in ihrem Haus ziehen zu können.
Mit allen Vorteilen und Nachteilen.
Wir haben uns echt ´drauf gefreut.
Nachdem mich meine Eltern 2 1/2 Jahre hinhielten baute mein Bruder.
Danach wollten meine Eltern von Ihrer Zusage mir und meiner Frau gegenüber nichts mehr wissen.
Ein Zerwürfnis zwischen meiner Frau und meinen Eltern und mir war die Folge.
Unser Sohn kam zur Welt.
Von beiden sehnlichst erwartet und innig geliebt.
Die wirkung die die Geburt des Jungen auf mich hatte ist nicht mit wenigen Worten zu beschreiben.
Unser Sohn war 6 Monate alt, da wurde GENAU WIE BEI DEINER FRAU MS diagnostiziert.
Befall des Kleinhirns, des Sehnerves eines Auges und drei Herde im Rückenmark.
Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man diese Nachricht bekommt und der Kleine krabbelt neben dem Krankenbett in einem Kinderbett, weil er noch abgestillt werden muss obwohl seine Mutter massiv Kortison bekommt.
Der Boden öffnete sich unter meiner Frau und mir.
Der freie Fall begann.
Zu der ersten Enttäuschung von Vertrauen, kam nun das auch noch dazu.
Ich habe zu dem Zeitpunkt eine neue Stelle angefangen und konnte mich nicht so wie ich wollte um meine Frau kümmern, weil dort bestimmte Anforderungen an mich gestellt wurden und ich bestimmte Erwartungen zu erfüllen hatte.
Ich bin innerhalb unserer Organisation aufgestiegen und wurde dazu Zielscheibe der auf dieser Hierarchieebene bereits etablierten "Kollegen" ( Einer von unten, mal sehn, was der auf dem Kasten hat....)
Die Ärzte meinten, wenn dann hätte sie die Krankheit schon seit mindestens 10 Jahren.
Auf meine Frage hin, wie die Möglichkeiten meiner Frau seien ein zweites Kind zur Welt zu bringen, wie es unser Wunsch war, bekam ich zur Antwort :"Da passen Sie aber auf, daß Sie mit der Geburt des zweiten Kindes plötzlich nicht auf einmal drei Kinder zu Hause haben."
Soviel zu der medizinischen Prognose meiner Frau.
Gibt es noch Fragen dazu wie es meiner Frau und mir ging?
Ich weiß seitdem was es heißt Angst um seine Liebsten zu haben.
Ich bin abends, nach der Arbeit, mit meinem Sohn stundenlang über die Krankenhausflure gewandert, damit meine Frau ein wenig Ruhe hatte.
Obwohl meine ELtern mich auf das bitterste enttäuscht hatten, war ich auf Ihre Hilfe bei der Betreuung angewiesen.
Meine neue Stelle entwickelte sich zu einem 60 Stunden Job, weil ich in ein administratives Baggerloch geraten war und von meiner Führung im Stich gelassen wurde.
Zu eigenen Fehlern kam Überforderung und Selbstausbeutung.
Ich habe mir innerlich gesagt, dies alles sind die schlechten Zeiten, die Guten müssen wohl noch vor uns liegen.
Ich sagte mir, Liebe Frau bei alllem was ist, ich vertraue Dir , ich stehe zu Dir, ich bleibe bei Dir, ich lass Dich nicht allein, ich liebe Dich.
Ich wusste nicht, ob meine Schultern das aushalten würden, aber ich war entschlossen zu kämpfen.
Nachdem meine Frau aus dem Krankenhaus entlassen worden war, war nichts mehr so wie es war.
Meine Frau veränderte sich, genau wie Deine.
Sie bekam Depressionen, war teilweise völlig apathisch.
Verständlich, wenn man mit so einer Diagnose umgehen lernen muss.
Ich musste es als Angehöriger auch lernen.
Von dem Kortison nahm sie stark zu, war völlig aufgedunsen.
Das Kortison verändert während der Therapie auch die Psyche.
Ich erkannte meine Frau teilweise nicht wieder und war vor Hilflosigkeit wie gelähmt.
Ich tat alles in meinen Kräften stehende, um meinem Versprechen gerecht zu werden.
Meine Frau will bis heute nichts davon mitbekommen haben.
Und dann war da noch der kleine.
Jede Minute die konnte, habe ich mit ihm verbracht, um meine Frau zu entlasten.
Ich bin abends nach Hause gekommen, habe den kleinen gefüttert und ins Bett gebracht, danach noch ein bischen Haushalt.
Ich habe gelernt schon um acht Uhr bei der Tagesschau einzuschlafen.
Wenn es im Beruf ganz schlimm war und ich noch konnte, bin ich noch bis in
die Nacht zur Arbeit gefahren.
Wenn ich bei der Arbeit ersteinmal die wichtigsten Probleme unter Kontrolle hätte, glaubte ich, könnte ich auch mehr Ruhe und Ressourcen für zu Hause aufbringen.
Auch ich veränderte mich dadurch.
Ich hatte schnell mit der Zeit die gleichen Probleme mit der Nähe meiner Frau wie Du!
Ich ließ sie nicht mehr an mich heran, obwohl sie sich um mich bemühte.
Ich fraß alle Probleme in mich hinein, weil ich meine Frau nicht mit meinem Ärger belasten wollte, konnte ihn aber nirgendwo anders abladen.
Ich habe malocht wie ein Stier, damit wir keine finanzielle Not hatten und das fehlende Einkommen meiner Frau weitgehend kompensiert wurde.
Keine Probleme bei der Arbeit, dann habe ich auch Ruhe und mehr Kraft für zu Hause.
Oder habe ich mich in die Arbeit geflüchtet? hm.
Ich wollte sie schonen wie es in meiner Macht stand.
Zu dem Zeitpunkt konnte ich das schon nicht mehr.
Ich hielt meine Frau auf Abstand.
Heute kann ich mir dieses Verhalten erklären, aber dafür musste ich erst zusammenbrechen.
Irgendwie hat meine Frau aufgehört in meinen Augen eine Frau zu sein.
Sie war eine Kranke.
Keine gesunde Frau mehr mit der man eine Familie aufbauen konnte.
Ich war über mich entsetzt, wie ich nur soetwas denken konnte, wo ich doch mit Ihr alt werden wollte.
Ich verbat mir dieses Denken und drückte diese Empfindung weit, weit, ganz weit weg.
Ich sprach mit niemandem darüber.
Schon gar nicht mit meiner Frau.
Ich wollte sie nicht mit meinen Problemen belasten.
Ich musste stark sein.
Funktionieren.
Ich wollte, ja ich glaubte ich MÜSSE rücksichtslos für meine Familie da sein.
Meine persönlichen Bedürfnisse hatten hinter der Familie zurückzustehen.
Ich wollte kein Abenteuerleben.
Ich wollte nur endlich ein scheißnormales langweiliges Leben mit meiner Frau führen, von dem wir beide träumten.
Es hat fast fünf Jahre gedauert, bis ich aussprechen konnte, wie sich mein Blickwinkel auf meine Frau geändert hatte.
Zwischenzeitlich bekam ich erste psychosomatische Beschwerden.
Reizbarkeit, sexuelle Unlust, teilweise Impotenz, Schlaflosigkeit.
Das brachte mich alles nicht ernsthaft aus der Bahn, ich ging immer weiter geradeaus, blinder Sturkopf wie ich war.
Blutchochdruck ? Pah, es gibt Tabletten.
Verspannungen im Nacken bis zur Bewegungsunfähigkeit?
´s gibt Spritzen.
Die Situation zu Hause verschärfte sich, meine Frau verstand mein Verhalten nicht mehr und ich nicht mehr ihres.
Aus einer familiären Umgebung entstand eine Umgebung aus Stress und aggressivem Umgang miteinander.
Aus Mücken wurden Elefanten.
Aber ich wollte doch alles tun damit es meiner Frau gut ging.
Aber nichts konnte man ihr zum Schluss noch recht machen.
Dann ging es ganz schnell.
Andauernde Panikattacken.
Depressionen
Suizidgedanken.
Klinik.
Medikamente.
Psychotherapie.
Berufliche Zukunft ungewiss.
Was habe ich geweint, soviel wie noch nie in meinem Leben.
Als ich nach Hause kam, begann sich das Karoussel in die andere Richtung zu drehen....
Ich kam als ein anderer wieder als der, den meine Frau kennengelernt hatte.
Ich bin kantiger, eckiger mit sichtbareren Grenzen.
Ich habe gelernt offener mit meinen Gefühlen umzugehen.
Meine Sicht auf das Leben hat sich in manchen Dingen relativiert.
Ich begann mich gegen die Aggressivität meiner Frau zur Wehr zu setzen.
Mit Ihr darüber sprechen ging irgendwie nicht mehr.
Ich komme nicht mehr an sie heran.
Einsicht, Verständnis, oder Mitgefühl war bei meiner Frau Fehlanzeige.
So wie ich über sie dachte, dachte sie nun über mich.
Über die MS Selbsthilfegruppe habe ich mittlerweile Menschen kennengelernt, die mir die Angst vor der Krankheit nehmen konnten.
Auch habe ich dort angehörige getroffen, mit denen ich über meine Probleme sprechen kann.
In diesem Kreis kann ich die Fragen stellen, die ich mich bisher nicht getraut habe zu stellen.
Gespräche über das, was ich in der Klinik erfahren und erlebt habe, ließ meine Frau nicht zu, bzw ließ es nicht an sich heran.
Wie ich bei Ihr so sie bei mir.
Es gab in den letzten zwei Jahren noch so manchen Schicksalsschlag in unser beider Gesicht.
Von etwas positivem außer meinem Sohn und das ich wieder voll arbeite, kann ich nichts berichten.
Heute teilte mir meine Frau mit, daß sie mich definitiv verlassen wird und den Jungen mitnimmt.
Alles verloren woran ich mich in meinen finstersten Stunden festgehalten habe.
Ein Foto von meinem Jungen liegt vor mir auf dem Tisch.
Wer glaubt er wäre schon ganz unten und es geht nicht mehr tiefer, wird offensichtlich ganz schnell über sein schlechtes Sehvermögen belehrt.
Ich drücke Dir die Daumen, möge Gott Dir die Kraft geben, die Du brauchst, damit Dein Leben weitergeht, so wie es weitergehen wird.
Das Schlimmste sind die schönen Erinnerungen im Kopf an Bilder aus besseren Zeiten, die mich nicht schlafen lassen.
Gekämpft, gehofft und doch verloren.
trevilor