..wie geht es dir denn? 🙂
'Das ist lange her dass mich das jemand gefragt hat'
Kevin Spacey in 'American Beauty'
Wie geht's mir denn?
Ich würde sagen ich fühle mich ausgebrannt, müde, bin frustriert, enttäuscht und verbittert. Aber mal von vorne.
Meine Frau und ich haben uns '89 kennengelernt und '92 geheiratet. Mit Hilfe meines inzwischen verstorbenen Vaters haben wir ein Haus gebaut mit einem Garten drumherum. Wir haben dann drei gesunde Kinder bekommen, um Geld musste sie sich nie sorgen. Für mich damals unbegreiflicherweise konnte sie mit dem Haus wenig anfangen, ich hatte sogar den Eindruck dass ihr sogar das alles eine Last war. Nie hat sie z.B. was im Garten angepflanzt oder hat es sich im Haus gemütlich eingerichtet. Es war so als ob sie nur vorübergehend in einer möblierten Mietwohnung leben würde.
Ein paar Jahre nach dem dritten Kind kam der MS Schub. Wie es sich später herausstellte vmtl. schon mindestens ihr 2., der 1. war vmtl. während ihrem Abitur, also noch vor unserer Zeit. Sie hatte dadurch Depressionen und Wahnvorstellungen, machte einen Selbstmordversuch, darauf Einweisung in die Psychiatrie, Untersuchungen, Diagnose 'Verdacht auf MS', viele Arztbesuche, Therapien usw., es war eine furchtbare Zeit der Ungewissheit.
Ich dachte dass ich an ihrer Krankheit mit schuld sei weil ich sie mit dem Haus und den Kindern überfordert habe.
Im Haushalt habe ich schon immer mitgeholfen. Ich lebte vor unserer Beziehung ein paar Jahre als 'Single' und war es gewohnt in allen Haushaltsdingen selbst Hand anzulegen, ausser Bügeln...da habe ich ein Problem damit... aber ich koche z.B. ganz gerne, was sie nicht gerne macht. Zu Anfang unserer Beziehung fanden wir dass sich das prima ergänzt aber heute gibt's bei uns ständig Reibereien deswegen. Z.B. wenn ich koche räume ich nebenher schon alle schmutzigen Dinge in die Spülmaschine bzw. wasche sie ab. Wenn das Essen fertig ist ist die Küche wieder wie vorher, also aufgeräumt und sauber. Wenn sie kocht bleibt alles stehen und liegen und das oft bis zum nächsten Tag, oft sogar Dinge die in den Kühlschrank gehören. Wenn ich dann am nächsten Tag kochen will muss ich erstmal aufräumen. Das nur als Beispiel, so ist es aber in vielen Dingen.
Wie gesagt, das war schon immer so, wurde die letzten Jahre über aber immer schlimmer. Das Einzige was sie heute relativ zuverlässig erledigt ist der tägliche Küchenabwasch und das auch nur nach heftigen Auseinandersetzungen. Ich finde dass das auch eine MS Kranke machen kann. Sie ist körperlich ja fit wenn auch manchmal müde durch die Medikamente. Was sie aber definitiv nicht machen kann sind mehrere Dinge gleichzeitig. Sie kann sich immer nur auf eine Sache konzentrieren.
Meine Eltern sagten schon immer sie sei 'unordentlich', allerdings wollte ich davon nie was hören, ich dachte eigene Eltern sind da eh befangen... Aber sogar meine Freunde sagten das vor unserer Heirat. Ich habe sie dann immer verteidigt da sie ja zwei Ausbildungen knapp hintereinander machte und somit wenig Zeit für den Haushalt hatte. Damals wohnten wir noch in einer Mietwohnung und ich habe studiert und konnte mich um alles kümmern. Aber als sie damit fertig war wurde es auch nicht besser und auch das eigene Haus später änderte daran nichts.
Einmal in einer Beratung habe ich gesagt dass es mir nicht genügt dass sie zu mir einmal die Woche 'ich liebe dich' sagt. Ich sehe es als einen wichtigen Liebesbeweis an wenn sie unser gemeinsames 'Zuhause' so in Ordnung hält so dass dieses einen derartigen Namen auch verdient. Darauf meinte sie dass sie sich unter Druck gesetzt fühlen würde und dass sie in diesem Zustand dazu nicht fähig sei. Sie möchte so oder so geliebt werden, egal ob sie den Haushalt macht oder nicht, egal ob sie gut aussieht oder nicht.
Zu Anfang unserer Beziehung konnte ich das auch, aber da hatte ich mehr Zeit für den Haushalt. Bedingt durch meine Berufstätigkeit konnte ich dann nicht mehr so viel helfen aber in dieser Zeit hatten wir ja die Aupairmädchen bzw. eine Putzfrau.
Ich wusste zwar immer dass wir in vielen Dingen verschieden sind aber das war mir nicht wichtig bzw. ich hoffte dass wir uns aufeinander zubewegen und ergänzen würden. Viele Jahre war's auch so bis, na ja, bis zur Heirat/Kinder/Haus/Familie/Beruf ... bis das Leben so richtig begann und aus Spass der berüchtigte Ernst wurde.
Richtig schlimm wurde es aber erst nach dem MS Schub. Ihre häuslichen Aktivitäten nahmen stark ab und auch äusserlich veränderte sie sich, wurde schmuddelig, vernachlässigt alles noch mehr als zuvor. Ich hatte das Gefühl dass mir nun auch noch das letzte was mich an meine grosse Liebe erinnerte weggenommen wurde. Und das machte mich traurig, depressiv und wütend.
Ich kann nicht sagen wann sich die MS körperlich und seelisch bemerkbar machte und wie stark sie ihr Denken und Handeln beeinflusste und heute noch beeinflusst. Körperliche Probleme z.B. in Form von Koordinationsschwierigkeiten hatte sie bislang nur während oder kurze Zeit nach den Schüben.
Wenn sie ihre Medikamente richtig dosiert einnimmt bemerkt kaum jemand dass sie MS krank oder depressiv sein könnte. Nur Personen die sie von früher her kennen merken dass etwas nicht mit ihr stimmt. Wie oben angesprochen kann sie sich nur auf eine Sache konzentrieren.
Nimmt sie zu wenig dann hat sie Wahrnehmungsstörungen, sie reagiert nicht wenn sie angesprochen wird, kann sich überhaupt nichts merken. Sie wirkt nach aussen hin abwesend, ist aber innerlich aufgewühlt. Dann hat sie oft Wahnvorstellungen, sieht Personen, hört Stimmen die ihr Angst machen. Egal ob sie wach ist oder schläft.
Nimmt sie zu viel ist sie müde und schläft fast den ganzen Tag.
So, ich bin zu müde um noch Rechtschreibfeuler zu korrigieren und ich hoffe das ist nicht allzu konfus geworden. Herzlichst, LLR