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Kann ihre Nähe nicht mehr ertragen

  • Starter*in Starter*in LetLoveRule
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Hallo Schneee,

Hmm.. wenn ihr sie (Zärtlichkeit) doch beide vermisst.. was hindert euch denn dann dran?
Natürlich können wir uns in den Arm nehmen, machen wir ja auch. Ich mache das von mir aus jedoch ungern weil es mir dabei 'schlecht' geht.

Fehlt ihr die Energie (um auf ihr Äusseres zu achten) im Sinne von "kein Bock", oder ist das auf Grund ihrer Krankheit nicht möglich?
Letzteres eher denke ich. Sie nimmt sich zwar vor z.B. einmal die Woche zur Sportgymnastik zu gehen aber meist klappt's nicht. Entweder sie hat vergessen was für ein Wochentag heute ist oder hat nicht mitgekriegt dass es schon so spät ist oder hat sich irgendwas schon vorgenommen weil sie vergessen hat dass heute eben der besagte Tag ist ...
Sie merkt nicht dass sie z.B. den ganzen Tag schon im Schlafanzug rumläuft oder dass sie seit Wochen immer den gleichen - inzwischen schmuddelig gewordenen - Pulli anhat.

In wiefern bekommt sie denn ihre eigenen Veränderungen mit, und wie sehr stören sie die?
Manchmal denke ich wenn ich nicht da wäre und ihr ein Feedback geben würde würde sie gar nicht merken was 'tatsächlich' um sie herum passiert.
Ich möchte mich mit meinem Wissen über psychische Erkrankungen jetzt nicht weit aus dem Fenster lehnen. Das was ich so weiss und auch selbst bei meiner Frau so erfahre ist dass eben die Umwelt immer weniger wahr genommen wird. Es ist auch glaube ich nicht so dass sie 'nichts denkt', im Gegenteil, alle Zahnrädchen im Gehirn sind irgendwie pausenlos am Rotieren.
Es 'stört' sie aber nicht dass sie schon zum 100. Mal über den gleichen Wäschekorb gestolpert ist den sie vor zwei Wochen vor ihrer Schlafzimmertür abgestellt hat in der Absicht die Wäsche dort einzuräumen. Oder vielleicht stört es sie aber sie sagt sich 'mach ich nachher' und vergisst es sofort wieder, könnte auch sein.

Ich gehe einfach mal davon aus, dass ihr in Sachen Medikamenten schon das Optimum gefundne habt, oder? Obwohl es sich natürlich leider überhaupt nicht so anhört.
Es werden öfters die Medikamente gewechselt und rumprobiert. Bisher habe ich mich nicht sonderlich darum gekümmert da sie sich da nicht reinreden lässt. Das was ich so mitgekriegt habe (ich habe einen Freund der ebenfalls psychisch krank ist und der sich daher relativ gut in der Materie auskennt) ist dass es 2 Kategorien gibt von Medikamenten. Einmal die gut wirksamen, bewährten aber dickmachenden da wassereinlagernden Medikamente die standardmässig verschrieben werden. Diese hat sie am Anfang bekommen, da kommen auch die Pfunde her. Alternativ gibt es noch andere die spezieller wirken, nicht oder weniger Übergewicht verursachen. Bei solchen ist sie angelangt. Aber die Pfunde verschwinden natürlich nicht wieder von selbst.
Aber das Übergewicht ist nicht das (Haupt)Thema hier auch wenn es gerne zitiert wird. Das Übergewicht ist eben ein sichtbarer Aspekt und somit ständig präsent und erinnert mich eben ständig an die Krankheit, auch wenn es ihr mal gut geht und sie vorübergehend fast 'normal' ist.

Wie würde diese Distanz denn für dich aussehen? Weil innerlich hast du dich doch schon von ihr distanziert, oder? 🙄
Ich habe mich innerlich von ihr so weit distanziert dass ich es (meistens) gerade so aushalten kann. Wenn ich sie, ihre Krankheit und ihre Probleme zu weit an mich 'ranlasse' wird dies auch zu meinem Problem, meiner Krankheit da das Ganze untrennbar ist. Und diese Krankheit ist schrecklich, sie ist irgendwo im Kopf drin, man kommt nicht dran und kann nichts ändern. Ich als 'Gesunder' kann diese Krankheit nicht aushalten, sie macht mich verrückt.
Die 'räumliche' Distanz würde so aussehen dass ich im Haus Bereiche schaffe. Einen Bereich für sie, für mich und einen gemeinsamen Bereich.
Längerfristig - das kann Jahre dauern - denke ich dass wir uns trennen werden.

Nochmal zu den Kindern: Wie sehr bekommen die das alles mit? Leiden sie darunter, oder verstehen sie das schon alles? Kann sich deine Frau noch um die Kinder kümmern?
Die Kinder kriegen die Auswirkungen der Krankheit mit, je mehr je älter sie werden. Sie ärgern sich wenn meine Frau z.B. sich nicht mehr erinnert wo sie gestern den Zettel hingelegt hat wo draufstand was die Kinder heute zum Basteln mitbringen sollen etc. Aber die Kinder lernen daraus auch eine gewisse Selbständigkeit zu entwickeln, was ja gar nicht mal schlecht ist. Besser so eine Mutter als keine Mutter (ist vmtl. auch ein wichtiger Grund weshalb sie bisher keinen weiteren Suizidversuch gemacht hat - dämpfende Medikamente hin oder her).
Aber sie haben ihre Mutter natürlich trotzdem lieb, sie kenne sie nicht anders. Kritischer wird es wenn andere Kinder sie mal hänseln werden so nach dem Motto 'wie sieht es denn bei euch aus'. Heute nacht hat z.B. ein Schulfreund bei uns übernachtet. So was ist mir immer richtig peinlich und ich kann mir gut vorstellen was er nachher seiner Mutter erzählen wird.
 
Guten Morgen 🙂


Hach das hört sich alles ziemlich verfahren an..

Natürlich können wir uns in den Arm nehmen, machen wir ja auch. Ich mache das von mir aus jedoch ungern weil es mir dabei 'schlecht' geht.
Hmm.. kannst du das vielleicht näher definieren? Ich mein.. WARUM geht es dir denn dabei schlecht? Du vermisst es ja.. und es ist die Frau die du mal geliebt hast.. und ich glaube nicht mal, dass du überhaupt keine Gefühle mehr für sie hast, oder? Ist es vielleicht ein Stück Mitleid?

Sie merkt nicht dass sie z.B. den ganzen Tag schon im Schlafanzug rumläuft oder dass sie seit Wochen immer den gleichen - inzwischen schmuddelig gewordenen - Pulli anhat.
Hmm.. dann ist das mit ihrer Krankheit doch schlimmer als ich bisher angenommen hab. Was übrigens auch das ist, was ich meinte ob man nicht mit Medikamenten in Griff bekommen kann. Dabei gehts weniger um das ein oder andere Kilo mehr, als ihre geistigen Fähigkeiten wieder auf ein "normales" Level zu bringen.
In wiefern ist es denn überhaupt möglich, dass sie längerfristig alleine zurecht kommt? Die Krankheit wird ja vermutlich mit der Zeit schlimmer.. ist sie dann noch in der Lage das alles alleine hinzubekommen?

Bisher habe ich mich nicht sonderlich darum gekümmert da sie sich da nicht reinreden lässt.
Weißt du, warum sie sich nicht reinreden lässt? Ich mein.. reinreden klingt jetzt sehr negativ, aber so wie du das schreibst, hört es sich so an, als wüsstest du gar nicht richtig Bescheid. Interessiert dich das nicht weiter? Oder würde es ihr nicht helfen, wenn ihr das GEMEINSAM in Angriff nehmen würdet?

Und diese Krankheit ist schrecklich, sie ist irgendwo im Kopf drin, man kommt nicht dran und kann nichts ändern.
Man kann es vielleicht nicht ändern.. aber man kann versuchen das Beste draus zu machen. Auch wenn sich das so leicht anhört, ich weiß 🙄

Heute nacht hat z.B. ein Schulfreund bei uns übernachtet. So was ist mir immer richtig peinlich und ich kann mir gut vorstellen was er nachher seiner Mutter erzählen wird.
Wie sieht es denn bei euch zu Hause aus, dass es dir peinlich ist? Bzw. wie ist das jetzt genau mit deiner Arbeitsituation? Ich hab das so verstanden, dass du zur Zeit zu Hause bist. Könntest du da nicht versuchen das Haus mal auf Vordermann zu bringen..?

Alles Gute! 🙂
Schneee
 
Hallo Trauerträne,

danke für Deine verständnisvollen Worte.

Das schlimmste, was du jetzt aber tun kannst, ist eure Existenz noch aufs Spiel setzen, also arbeite weiter.
Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich und du bist nicht verpflichtet dazu, dich und dein Leben aufzugeben für irgend jemand anderes.

Ich denke falls irgendwann der Punkt erreicht sein sollte an dem ihre Krankheit mich auch krank macht und zwar so, dass ich die Familie nicht mehr ernähren kann, dann schadet auch ihr das letztendlich mehr als dass es ihr nutzt. So unmenschlich das klingt aber ich muss dann im Interesse der Restfamilie handeln, sprich alles tun damit ich nicht 'untergehe'.

Zwar ist dieser Punkt hoffentlich noch in weiter Ferne. Es geht ihr heute für eine MS Kranke relativ gut, natürlich mit Schwankungen nach oben und unten, aber ich muss mit dem Schlimmsten rechnen. Ich muss mir Wege überlegen und zwar HEUTE solange ich noch die Kraft dazu habe. Wenn die Krankheit richtig ausbricht wird sie mich zu 100% beschäftigen und es ist ungewiss ob ich dann die Besonnenheit und Energie habe die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es darf mich z.B. nicht mehr so kalt erwischen wie bei ihrem - hoffentlich einzigen - Suizidversuch.

Unter 'Wege' verstehe ich nicht 'mich aus dem Staub machen'. Aber ich brauche Luft zum Atmen, zum Denken, um produktiv zu sein. Und ich brauche eine Zukunftsperspektive, einen Plan B, sonst springe ich im Ernstfall womöglich selbst von der berühmten Brücke.


Manchmal ist es ganz gut loszulassen...damit neues wachsen kann.

Ich hoffe dass eine Veränderung - wie jetzt aktuell die Wohnung zu unterteilen damit man sich nicht ständig auf der Pelle sitzt - auch für sie sich positiv auswirkt. Sie kriegt ja mit wenn ich depressiv, frustriert oder gar wütend bin und fühlt sich dafür verantwortlich.
Herzlichst, LLR
 
Hallo lieber LLR,

leider kann ich Dir zu Deinem Thema nicht richtig viel raten, dazu ist alles zu oberflächlich.... wenn Du mit der Situation so nicht leben kannst, solltest Du auch wirklich Konsequenzen ziehen (damit ist kein Hobbyraum) gemeint, weil ansonsten das Leben von euch beiden zerstört wird.

Was willst Du ... nun weg von moralischer Verantwortung, von den Kindern, von Äußerlichkeiten, von finanziellen Problemen, empfindest Du noch mehr als "Mitleid" mit Deiner Frau?

Denn wenn Du meinst, du tust das richtige, wenn Du "obeflächlich" da bleibst, aber "innerlich" schon längst weg bist, dann muss ich Dir leider sagen ... nein, dann ist ein Ende sicher besser.

Ich wünsche Dir und deiner Frau alles Gute und ganz viel Kraft!!

Liebste Grüße
Die Taucherin
 
Hallo Olivchen,

danke für die Antwort. Du schreibst dass Du selbst auch chronisch krank und depressiv bist. Ich weiss nicht inwieweit sich das mit der Krankheit meiner Frau vergleichen lässt. Und ihr schreibt dass ihr beide damit gut klar kommt, vmtl. weil ihr euch bzgl. eurer Aufgabenbereiche klar verständigen könnt.

Bei mir ist es so dass ich in einer ständigen Ungewissheit und Anspannung lebe da ich mich keinen Moment auf sie verlassen kann. Es kann sein dass es ihr gerade gut geht und Verantwortung tragen könnte. Es kann aber auch sein dass sie einfach aus dem Haus geht ohne die Tür zuzumachen, das Essen auf der Herdplatte verglüht und gleichzeitig die Badewanne überläuft. Andererseits wenn es ihr gut geht ist sie natürlich sauer wenn ich sie ständig 'wie eine Irre' kontrolliere. Es ist schwierig eine Balance zu finden. Mache ich da was falsch gibt's Stunk denn sie möchte natürlich nicht wie Kranke behandelt werden. Herzlichst, LLR
 
Hallo Taucherin,

danke dass Du bei mir auch mal 'auftauchst' 🙂

Denn wenn Du meinst, du tust das richtige, wenn Du "obeflächlich" da bleibst, aber "innerlich" schon längst weg bist, dann muss ich Dir leider sagen ... nein, dann ist ein Ende sicher besser.

Da hast Du sicher recht, den Weg muss ich mir offen halten für den Fall dass es zu hart kommt, aber ich versuche zunächst diese schwierige Gratwanderung zu meistern.

BTW: Nachdem es den ganzen Tag bei uns geregnet hat kam mir beim Joggen ein Stückchen blauer Himmel entgegen und ich habe sogar ein paar Strahlen der Abendsonne abbekommen. Ich werte das mal als ein gutes Vorzeichen dass die kommende Woche besser als die vergangene Woche sein wird.

Ich wünsche Dir und dem Rest da draussen jedem auch ein Stückchen 'blauen Himmel'. Herzlichst, LLR
 
Lieber LLR,

ich hoffe, deine Woche hat gut angefangen, trotz Regen (hier zumindest!).
Überlege Dir wirklich mal, unabhängig von äußeren Zwängen, Erwartungen und eigenen Vorstellungen ... was Du wirklich selbst willst, bzw. was Du "ertragen" kannst.

Wünsche Dir und Deiner Frau viel Kraft.
 
Hallo Schneee,

Du hast da ein paar wichtige Themen mit Deinen Fragen angeschnitten, werde mal mit dieser hier anfangen:

Weißt du, warum sie sich nicht reinreden lässt (Medikamente)? Ich mein.. reinreden klingt jetzt sehr negativ, aber so wie du das schreibst, hört es sich so an, als wüsstest du gar nicht richtig Bescheid. Interessiert dich das nicht weiter? Oder würde es ihr nicht helfen, wenn ihr das GEMEINSAM in Angriff nehmen würdet?

Erstens hat sie im Gegensatz zu mir eine medizinische Ausbildung, ich habe nur meinen reichen Erfahrungsschatz und gesunden Menschenverstand 🙂
Zweitens kann/soll sie die Medikamente selbst dosieren je nachdem wie sie sich fühlt. Das funktioniert meistens, manchmal nicht. Letzte Woche z.B. war richtig schlimm, sie war total aufgedreht, hat wenig geschlafen, Kette geraucht und am Band riesige knallbunte abstrakte Ölbilder gemalt. Im Kopf hat's laut gerattert und man musste alles 5x wiederholen bis endlich eine Bestätigung kam, merken konnte sie es sich trotzdem aber meist nicht.

Nachdem meine üblichen Wink-mit-dem-Zaunpfahl Versuche von ihr ignoriert wurden und ich heute mal richtig gebohrt habe hat sie zugegeben 'seit einiger Zeit' gar keine Medikamente mehr zu nehmen mit der Begründung 'da es jetzt ja wärmer wird und sie mehr draussen machen möchte' 😱.
Übrigens vernichtet sie die Beipackzettel, vmtl. will sie nicht dass ich zuviel weiss und ihr da dreinreden kann. Ich gehe so 1x Jahr mit zum Arzt, beim nächsten Termin so in 2 Monaten werde ich wieder mit dabei sein.
Herzlichst, LLR
 

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