Meinetwegen könnte ich auch grottenschlecht sein oder nur einen Hauptschulabschluss haben. Ich brauche kein Studium, um später an der Kasse zu sitzen und Freunde bekommt man durch einen anspruchsvolleren Job auch nicht unbedingt.
Ok, stell dir vor, du bist Mitte 20 und lernst auf einer Party jemand kennen. Diese Person fragt dich, was du so machst. Wann wirst du dich besser fühlen? Wenn du so etwas sagen kannst wie:
- Ich hab grad meinen Master gemacht in ... und mach jetzt meinen Doktor.
- Vielleicht bleib ich in der Wissenschaft, hab ich noch nicht entschieden.
- Ich mache grade ein Trainee-Programm bei ..., nächsten Monat geh ich für ein halbes Jahr in die Niederlassung in den USA.
- Ich hab gerade mit einem Kumpel ein Startup im Bereich ... gegründet. Wir wollen in zwei Jahren Marktführer in Deutschland sein, aber nächstes Jahr schon in andere europäische Länder expandieren.
Oder wenn du so was sagst wie:
- Ich mach gerade Leiharbeit. Ist zwar Scheisse, aber ich hab mit meinem mittelmäßigen Abschluss in ... sonst nichts gefunden.
- Ich sitz bei Aldi an der Kasse. Macht echt Spaß.
Mit welcher Aussage wirst du dich in dem Moment besser, höherwertiger fühlen? Mit welcher Aussage steigst du in der Achtung deines Gegenübers und in deinem Status innerhalb der Gruppe/Anwesenden? Womit wirst du für andere attraktiver? Womit hast du eher ein Gesprächsthema, über das du dich auch gerne unterhälst?
Etwas erlernen, womit du am (Arbeits-) Markt gefragt bist, sollst du nicht, um damit Freunde kennenzulernen - auch wenn das gerade dein größtes Problem zu sein scheint. Du sollst es tun, damit du dir was leisten kannst, damit du Anderen gegenüber nicht den Kürzeren ziehst und damit du etwas hast, worauf du stolz sein kannst und das dir Anerkennung verschafft. Also Geld, Status, Selbstwertgefühl. (Wenn du ein Mann bist: Testosteron.) Darum geht es. Um Freunde erst im zweiten Schritt. Wenn du vieles nicht mitmachen kannst wegen Geldmangel, bei vielem nicht mitreden und nicht mithalten kannst, dann bist du auch weniger interessant als Freund.
Auf deinen Eingangsbeitrag hin hat dir jemand empfohlen, Small Talk mit Fremden zu trainieren, und da hast du auch gleich geantwortet, das bringt mir keine Freunde. Wir können dir hier keine Freunde backen. Man wählt auch keinen Beruf mit dem Ziel, Freunde zu finden. Die Tipps hier beziehen sich auf deine gesamte Situation, nicht nur auf deine Einsamkeit. Mit dem Selbstbewusstsein und den sozialen Fähigkeiten kommen auch die Freunde. Das sind Dinge, die sich gegenseitig beeinflussen.
Hab ich schon Bill Gates erwähnt?
Wem wird man eine große Schüchternheit oder Verschrobenheit eher nachsehen? Jemand wie Bill Gates oder jemand aus der Leiharbeit?
https://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt
Es scheint mir so, als seien meine Mitschüler in diesen Fächern besonders schlau und ausdrucksstark. Von mir wird da ähnliches erwartet, aber Reden gelingt mir spontan nicht. Schriftlich beurteilt mich nur eine Person und es gibt Überlegungszeit. Die brauche ich auch in einer Unterhaltung.
Okay, dann würde ich das auch bei der Berufswahl beachten. Kann natürlich sein, dass dir das direkte Reagieren nur deshalb schwerfällt, weil du aufgrund deiner Ängste zu sehr mit dir selbst beschäftigt bist. Aber ich würde nicht darauf setzen, dass sich das so schnell ändern lässt. Vielleicht bist du auch nicht so ausdrucksstark. Dann ist das eben so. Wir haben ja alle unsere Stärken und Schwächen.
Zurückhaltung im Unterricht wird grundsätzlich, jedenfalls auf meiner Schule, immer bestraft, während Mitarbeit - sei sie noch so unerwünscht - belohnt wird, egal wie wertlos der Beitrag vielleicht ist. Was ich ja auch gewissermaßen nachvollziehen kann, dass Kommunikation essentiell ist, merke ich jeden Tag.
Ich find's nicht fair, denn deine Aufgabe als Schüler ist ja vor allem, etwas zu lernen, und nicht, den Unterricht in Gang zu halten. Aber du hast meine Frage nicht beantwortet, ob das denn so viel an der Note ausmacht. Wenn du im Halbjahr zweimal eine Zwei schreibt, kann man dir schlecht eine Drei auf dem Zeugnis geben, oder? Ist das nicht nur ein bisschen eine Ausrede von dir?
Wenn nicht, würde ich mal den Lehrern sagen, dass du das unfair findest, schlecht benotet zu werden, nur weil du im Unterricht nicht so auf Zack wirkst.
Jetzt ist es wohl schon zu spät ^^
Wenn du noch ein paar Punkte rausholen kannst, nicht. Oder wenn du die restliche Zeit mit mehr Verständnis behandelt werden würdest.
In meinen Augen war meine Mutter unsensibel, ruppig und überfordernd. Sie konnte mit meiner Empfindlichkeit genauso schlecht umgehen, wie gefühlt jeder in meinem Umfeld, vielleicht daher der sporadische Hass, der sich jetzt womöglich in diesen Aggressionen ausdrückt. Die kann ich nicht steuern, nur umgehen. Gemeinsame Mahlzeiten vermeide ich also so gut es geht. Falls das mal nicht funktioniert, kann ich mich nicht halten, werde unglaublich gereizt, räuspere mich z.B. ununterbrochen oder starre wütend auf ihren Mund. Wirklich krank.
Ob das eine Krankheit ist, darüber streiten die Forscher:
https://de.wikipedia.org/wiki/Misophonie
Geräuschempfindlichkeit: Misophonie – ein Defekt im Gehirn? - Spektrum der Wissenschaft
Hört sich für mich so an, als ob du nach dem Abi am besten doch bei deinen Eltern ausziehst.
Vor Streit, diesen vernichtenden Vergleichen, ihren Schritten..
Angst vor ihren Schritten? Heisst das, du kriegst Angst, wenn du sie nur kommen hörst? Mit anderen Worten, ihre Anwesenheit setzt dich IMMER unter Druck?
Ich meine meine Unfähigkeit, durch mein Verhalten oder (nonverbale) Kommunikation nicht abschreckend auf andere Menschen zu wirken. Spontan zu sein. Was meinst du mit "anderen Dingen"?
Ich meinte damit Verhaltensweisen, die zwar abschreckend auf andere wirken, aber nicht auf der Angst beruhen. Also wenn du z.B. Autist wärst, dann könntest du vielleicht andere Menschen oft nicht verstehen, weil du z.B. Ironie nicht verstehen würdest oder ihre Mimik nicht deuten kannst. Das hätte dann nichts mit der Angst zu tun. Oder wenn du - auch in völlig entspanntem Zustand - Informationen nicht schnell genug verarbeiten könntest, um Anderen adäquat zu antworten, so dass sie mit dir kein normales Gespräch führen könnten. Die Frage ist also: Wären deine Verhaltensprobleme alle gelöst, sobald die Angst besiegt wäre?
Und dann hätte ich gerne noch genauer erfahren, was deine "inkompetenten" Verhaltensweisen sind. Bist du zu zurückhaltend, zögerlich, zu sehr im Hintergrund? Eine graue Maus? Redest du zu leise und mit Piepsstimme? Oder redest du dummes Zeug, nur um auch mal mitreden zu können? Bettelst du um Anerkennung und bist daher nicht ernstzunehmen? Kurz: Erzähl uns ein bisschen genauer, worum es geht, damit wir was dazu sagen können.
So ist es. Ich "kenne" ja sogar mehrere weniger selbstbewusste Menschen (scheinen aber nicht krankhaft schüchtern oder einsam zu sein) oder kannte sie mal, aber wenn man sich nichts zu sagen hat, hilft alles nichts. So flexibel, dass ich mich mit jedem arrangieren könnte, mit dem ich nichts teile, außer der Schüchternheit, bin ich nicht. In einer Freundschaft zumindest möchte ich nicht meinen, meine Meinungen oder "mich" insgesamt zurückhalten zu müssen, das macht sie ja so attraktiv.
Das hast du schön gesagt. Es geht auch nicht drum, dass du dich verbiegen oder etwas darstellen sollst, was du nicht bist. Aber es gibt da draußen auch Menschen, die ebenfalls sehr schüchtern sind und trotzdem gemeinsame Themen mit dir hätten.
Jetzt zum Schluss nochmal was Grundsätzliches. Du hast ein Problem bzw. Probleme, und du hast was Richtiges gemacht: Du hast um Rat gefragt. Du hast deine Lage gut beschrieben, und du hast einige Anregungen bekommen. Jetzt mach auch was damit. Lies das nicht nur durch und sag, interessant, sondern schreib dir die für dich relevanten Punkte raus und setze sie auch um. Es ändert sich nichts dadurch, dass du erfährst, dass eine Therapie dir helfen könnte. Es ändert sich nur dann was, wenn du auch eine Therapie machst. Es ändert sich nichts dadurch, dass du weisst, dass es Bücher und Meditation gibt. Sondern nur dadurch, dass du auch recherchierst, worum es sich dabei handelt und die jeweilige Sache dann auch machst. Und bei Büchern heisst das, nicht das Buch oberflächlich lesen, sondern es durcharbeiten: wichtige Stellen anstreichen, rausschreiben, mit der Therapeutin besprechen, im Forum diskutieren etc. Meditieren ist nicht, wenn man weiss, was Meditation ist. Meditieren ist, wenn du es regelmäßig machst. Und Erfolg wirst du im Leben nicht haben, indem du sagst, bringt eh alles nichts und dich regelmäßig irgendwo ausheulst. Ausheulen darfst du, aber du musst auch was tun.
Wenn dich bestimmte Tipps hier nicht überzeugen oder du nicht weisst, wie du es angehen sollst, dann frag nach. Du musst selber wissen, was für dich passt und was nicht. Ich will dir nichts aufdrängen. Nur wenn man dir lang und breit erklärt, warum der berufliche Erfolg wichtig fürs Selbstwertgefühl ist und dann als Antwort kommt "egal, sitz ich halt an der Kasse später", dann bringt das alles nichts, dann drehen wir uns im Kreis.
Hast du schon irgendwas getan, um neue Leute kennenzulernen?