Es ist schlimm, weil er seinen Kindern damit von vorn herein die Möglichkeit nimmt, sich frei zu entscheiden. Ein Mensch, der seine Zukunft nicht frei planen darf, wird in eine Form gepresst und ist damit weder frei noch wird er respektiert. Wir leben im 21. Jahrhundert - die Zeiten, in denen Eltern ihren Kindern vorschrieben, was für einen Beruf sie zu erlernen haben, sind gottseidank schon lange, lange vorbei! Zudem sind die Motive, aus denen er seinen Kindern das Abitur verbieten will falsch. Wenn du das Abitur nicht geschafft hast, was hindert dich daran eine Lehrstelle zu finden? Wenn du keine mittlere Reife hast, was hindert dich daran, diese nachzuholen? Das liegt alles bestimmt nicht am Abitur.
Ich helfe meinen Kindern. Sie werden sowieso nicht auf das Gym gehen. Warum diskutieren wir also?
Das war ironisch gemeint. Du meinst also tatsächlich, dass deine "viele Jahre" alten Erfahrungen zum Kostenpunkt Internat richtiger sind, als die Informationen der aktuellen Website, die ich gepostet habe. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Nachhilfe kriegt man wesentlich kostengünstiger (nicht wenige Studenten und Oberstufenschüler geben welche zu wirklich humanen Preisen), aber du behauptest ständig, dass Nachhilfe teurer sei, als Minimum 350,- Euro im Monat für ein Internat - willst du deinen Kindern einen Privatlehrer bezahlen oder was?
Die Schülernacchilfe reicht nicht immer aus. Und die ganzen Ingenieure die Nacchilfe geben verlangen 50 Euro für 90 Minuten Nacchilfe. Das ist wohl unglaublich. Fast 100 Euro für nicht einmal 2 Stunden und nebenbei macht das den Ingenieuren auch noch Spaß. Das ist einfach nur unverschämt. Da merkt man sowas wie freiwillige Hilfe aus gutem Willen gibt es nichtmehr.
Wenn du sie liebst und das Abitur keine Rolle spielt, warum willst du ihnen dann die elterliche Nähe entziehen, falls sie es mit dem Abitur versuchen wollen? Das passt nicht zusammen. Wer seine Kinder liebt und beruflich nicht 90% der Zeit irgendwo in der Weltgeschichte rumgondelt, der wird jede Minute mit ihnen genießen und garantiert nicht auf nur eine einzige davon verzichten wollen - es kommt früh genug, dass die Kinder weniger Zeit mit den Eltern verbringen wollen.
Das Abitur hat viel zuviel Einfluss in unserer Gesellschaft. Aber ich lasse mich weder von der Verwandschaft noch von sonst jemanden schräg anschauen, wenn ich offen sage, dass meine Kinder einen Lehrberuf erlernen. Ich denke sie wollen das auch. Und ich hoffe wir haben die Zeit bald überstanden in der das Abitur viel größeren Wert als der Lehrberuf hat.
Das Abitur sagt nicht das geringste über einen Menschen aus. Ist ein Mensch der das Abitur nicht schafft dumm? Nein, wenn er nicht geeignet ist befindet er sich in seiner eigenen Hölle und redet sich ein, er sei zu faul, zu dumm oder ein Versager. Dabei kann er garnichts dafür, auch wenn er Stunden lernt, bessert sich das in manchen Fächern nicht.
Du hältst mich also für eine "Kleine". Entschuldige, wenn ich jetzt darüber schmunzeln muss - ich bin wenigstens trotz aller Mühsal und wirklich schrecklicher Lebensituationen stolz auf mich, weil ich mich nicht hab unterkriegen lassen!
Du bist auch Informatikerin. Ich würde mich auch besser fühlen, wenn ich einen akademischen Beruf machen würde. Weil einfache Leute wie ich in dieser Gesellschaft diskriminiert werden. Aber ich lebe meinen Kindern äuserlich nicht vor, etwas schlechteres zu sein als Akademiker. Das Fernsehen, die Medien, Die Zeitung Akademiker sind einfach im Vorteil. Und das ist eine unglaubliche Ungerechtigkeit, wenn man nicht geeignet war (wie ich) und nicht einmal die Möglichkeit bekommt einen besonderen Berufsweg zu wählen. Und das Legastheniker oder Menschen mit Dyskalkulie Wände anstreichen müssen, weil sie fürs Abitur nicht geeignet sind und niemals studieren sollen, Entschuldigung! aber das ist Diskriminierung. Das ist besser gesagt noch ein gezielter Angriff auch schwächere, damit die niemals einen besonderen Beruf machen können, sie sind die schwarzen Schatten der Gesellschaft.
Ich sagte nichts davon, dass "wir" damals am Gymnasium zusammengehalten haben. Ich war die gemobbte Aussenseiterin - ich musste mir alles alleine beibringen, weil meine Eltern mir weder helfen konnten, noch Nachhilfe zahlen konnten. Aber ich weiss, dass die anderen das gemacht haben.
Meine Eltern waren auch nicht reicher und da warst vermutlich zumindest eine gute Schülerin. Du kannst mich also nicht verstehen. Und wenn du gemobbt wurdest, dann weist du wozu Kinder fähig sind.
Das Gymnasiasten braver sind hat niemand behauptet. Die, die wirklich was erreichen wollen, die sehen zu, dass sie sowas wie Lerngruppen bilden, wenn sie anders nicht an das erforderliche Wissen kommen. Die anderen sind die, sofern nicht wirklich intelligent, die es nicht schaffen - und einige wenige davon wollen es vielleicht sogar nicht schaffen. Das mit den Tischen anmalen... naja, es sollte eigentlich einleuchten, dass dies auch am Gymnasium nicht erlaubt ist und entsprechend bestraft wird. Ausserdem kann man wohl kaum behaupten, dass sowas jeder Gymnasiast macht, noch das jeder Internats-Schüler ein Engel ist. Ist ja albern.
Bei uns wurde das mit den Tischen anmalen nicht bestraft. Ermahnt wurde man und das war es. In der Hauptschule hätte man dich sofort zum Direktor geschickt. Lerngruppen helfen nichts, wenn man nicht geeignet ist. Und was ist wenn das Kind zu feige ist um seine schulischen Schwächen vor Mitschülern preis zu geben.
Nochmal: nicht jeder Abiturient ist reich oder hochbegabt. Nur weil du keine Alternativen kennst heisst das nicht, dass es sie nicht gibt. Ausserdem gehst du pauschal schon mal davon aus, dass deine Kinder so unbedarft sind, dass du auf jeden Fall Nachhilfe zahlen müsstest, allein das ist schon merkwürdig. Ich würde eher sagen, dass wenn deine Kinder es schon in der Grundschule so schwer haben, werden sie von sich aus keinen Ehrgeiz haben, das Abitur machen zu wollen. Es gibt also keinen Grund sie in der Frage zu verunsichern mit irgendwelchen Forderungen - oder es ihnen noch schwerer zu machen, falls sie es dem Berufswunsch zuliebe doch versuchen wollen!