Bestimmt nicht studieren - und damit wären sie, so traurig es ist, ohne entsprechende Förderung auch auf einem Gymnasium nicht nur fehl am Platz sondern auch kreuzunglücklich. Warum sollte man sie auch mit diesen Anforderungen quälen, die sie unverschuldet niemals erfüllen können? Gegenfrage: würdest du dich bei einem Chirurgen unters Messer legen, der nicht mal den Diagnosezettel richtig lesen kann, weil man ihm das Studium dazu "geschenkt" hat, weil er für seine Leseschwäche nichts kann?
Nein, aber ich bin davon überzeugt, dass ein Legastheniker, oder zumindest jemand mit Dyskalkulie große Chancen hätte. Manche Legastheniker sind echt gute Logiker. Und manche Menschen mit Dyskalkulie sind auf der anderen Seite super im Verständniss von sprachlicher Grammatik. Warum sollte man wegen einer Schwäche nie die Chancen bekommen, die Akademiker haben. Und erzähl mir jetzt nicht, dass man heutzutage mit einer Lehre noch gleich viel erreichen kann. Das trifft schon lange nicht mehr zu. Hohe Posten werden oft durch Leute mit akademischen Grad ersetzt. Ich frage mich wie Leute, wie Berlusconi das Studium geschafft haben?
Vielleicht nicht unglücklich - aber sehr verbittert. Du findest alle anderen haben Schuld, du siehst nicht einmal die Möglichkeit, dass du vielleicht nicht für den erträumten Job ungeeignet warst. Gerade Dolmetscher müssen ein enormes geistiges Pensum leisten. Während einer Debatte im Europaparlament werden die Dolmetscher alle paar zig Minuten (glaube, es waren 30) ausgewechselt, weil die einfach fertig sind. Ohne entsprechende Förderung geht man da unter. Vor allem braucht man auch da ein enormes Allgemeinwissen - man sollte schon grob wissen, wovon man redet, wenn man übersetzt, sonst kommt nämlich nur Müll dabei raus (habe da Erfahrungen sammeln dürfen mit einer Simultanübersetzerin, die nicht mal in der Lage war ein Handbuch für ein Computerprogramm vernünftig ins Englische zu übersetzen, weil sie schlicht keine Ahnung von IT hatte).
Da muss ich dich enttäuscht, ich liebte Latein. Ablativ, Vokativ, Dativ, Akkusativ, Genitiv. Ablativus Temporis usw., das war alles kein Problem für mich. Im Übersetzen war ich klasse und hatte damit auch das Gerücht aus dem Weg geräumt, dass nur Mathematiker in Latein gut sind wie oft behauptet wird. Meine Schwäche waren Naturwissenschaften. Nicht etwas, dass ich nicht Bruchrechnen konnte oder sowas, aber ich hatte manche alte Sachen nie verstanden und kannte mich dann in der höheren Mathematik garnicht mehr aus und verfiel in Streit mit Eltern, Lehrern. Ich war nie gut drauf, lernte viel aber umsonst.
Ich kann mir erstens sehr gut vorstellen, wie schlecht man in Mathe sein kann. Ich hatte selber auf der Schule immer Fünfen und habe mich dann mit einer knappen Vier durchs Fachabitur gebissen. Zweitens zeigt gerade dein eigenes Beispiel mit den Anwälten, dass es auch mit wenig Begabung möglich ist, das gesteckte Ziel zu erreichen. Vielleicht waren sie dann, wie ich, im Studium besser in der für sie spezialisierten Mathematik?
Das hätte, dann aber bei mir auch zutreffen können. Findest, dass ein einziger Mathematiklehrer das Recht hat zu entschieden wer für das Studium geeignet ist. An Fleiß fehlte es bei mir sicher nicht und ein Lateinstudium wäre kein Problem gewesen. Außerdem war ich auch in Englisch und Russisch nie schlecht. Ein kleines Problem in Deutsch (Aufsätze) und ein verdammt großes in Mathe haben alles ruiniert.
Wenn es nicht Mathe gewesen wäre, wäre es ein anderes Fach gewesen, das dir nicht genehm wäre. Nebenbei bemerkt, wie willst du Sprachen verstehen, wenn du logisch betrachtet den Kern der Grammatik nicht verstehst? Auch Sprachen muss man begreifen. Was nicht heissen soll, dass mathematisches Verständnis für das Studium von Sprachen prädestiniert... ich habe so gar kein Gehör für Sprachen, weswegen ich auch kläglich an Latein gescheitert bin. Als Informatikerin aber weiss ich inzwischen, wie wichtig es sein kann, sich genau mit diesem Kontext auseinanderzusetzen, um die Syntax nahezu jeder beliebigen Computersprache schnell umsetzen zu können. So auf den ersten Blick hat das eine also mit dem anderen nix zu tun... aber hinterher ist man immer schlauer!
Grammatikalisches Verständniss hatte ich. Mathe allein hat wie gesagt nicht über die Zukunft eines Menschen zu bestimmen. Ich habe mich mit dem Dolmetscher-Beruf befasst und ja Allgemeinbildung ist wichtig, aber auf der anderen Seite kann man sich als Dolmetscher auch ein kleinwenig überlegen wo man beruflich arbeiten möchte. Außerdem befassen sich viele Dolmetscher erst im Beruf mit den Themen, die sie vermitteln und nicht während des Studiums. Das kann man ja oft garnicht so im Vorhinein wissen.
Du warst schlecht in Mathe und bist Informatikerin? Soweit ich weis, hat das eine mit dem anderen aber schon was zu tun oder?
Das ist der ärmste Satz, den ich je von einem Familienvater gehört habe, tut mir leid. Du gehst mit der Brechstange davon aus, dass deine Kinder exakt genau dieselben Interessen und Begabungen haben, wie du. Und daher kann es ja auch gar nicht sein, dass sie mehr Chancen haben, das Abitur zu erlangen. Welch Logik. Ich hoffe, dass deine Frau dir da noch in die Parade fährt und deinen Kindern den freien Willen lässt, das zu tun, was sie tun wollen.
Nein ich gehe nicht davon aus. Es gibt viel Lehrberufe und sie können ja das Abitur machen. Aber nicht unter meinem Dach. Sie gehen ins Internet oder sie lassen es. Und sonst eine Lehre, dann können wir uns auch vielleicht gemeinsam mal eine Reise nach Südamerika leisten, weil ich ja dann nicht nur zu zweit (mit Frau) verdiene.
Ich verstehe durchaus, dass du verbittert bist. Du bist sogar zu recht verbittert. Allerdings suchst du die Schuld an der falschen Stelle. Und vor allem willst du deine Kinder unter dieser Verbitterung leiden lassen - und das finde ich mehr als falsch, das ist in meinen Augen ein vorsätzliches "Verbocken" ihres Lebens, denn als Individuen sollten sie selber entscheiden dürfen, was sie machen wollen! Nebenbei... ich verdiene nicht schlecht - aber einen Aufenthalt in Südamerika kann ich mir auch nicht leisten, von längerem Urlaub mal ganz zu schweigen! Ich glaube deine Verbitterung hat dir den Blick fürs Wesentliche und die Realität getrübt - das halte ich gerade in Hinsicht auf deine Kinder für sehr bedenklich!