Wie kommst du zu deiner Meinung? Achtklässler/Abiturient ist das gleiche?
Kann ja sein, dass du Mathematikprofessor bist und deswegen voll die Ahnung hast, aber für mich hört sich das leicht komisch an.
Nein, ich bin kein Prof. *lach* aber promoviere derzeit in Physik. Wie ich dazu komme erkläre ich dir gerne. Viele, ich geh mal weiter, alle Menschen die nicht eine Wissenschaft studiert haben wissen nicht wie Wissenschaft funktioniert und was der Inhalt der ersten Semester des Studiums ist.
Im Abitur lernt man ein paar Fähigkeiten, kein Verständnis!, die man unteranderem in der Physik braucht. Fakt ist aber:
Wenn man Physik studiert dann belegt man vier Vorlesungen am Anfang, wenn man es richtig macht:
1. Analysis, 2. Lineare Algebra, 3. Experimentalphysik I. 4. Einführung in die Methoden der Theoretischen Physik.
So. Nun sind das vier Überschriften unter denen sich jeder vermutlich etwas vorstellen kann, aber nicht so wirklich. Was macht man da: (Das ist wichtig für meine Argumentation)
Die Analysis ist die Lehre der Veränderlichen. Sie beginnt aber immer mit elementarer Zahlentheorie. Lineare Algebra anfangs ebenso. Was heisst das. Das heisst das man in der Regel zwei Monate braucht um überhaupt mal das geteilt Zeichen eingeführt zu haben! Man baut die Mathematik axiomatisch auf!
Man bekommt Übungsblätter, in denen man Beweisen soll, was man in der ersten Klasse in der Grundschule gelernt hat! Und diese Übungsblätter sind für Studienanfänger hart, denn wer nicht Mathematik studiert kann auch nicht wissen was Zahlen überhaupt sind und wie die Zahlenmengen aufgebaut sind. Was ich sagen will, man fängt bei Null an und lernt alles richtig und intensiv. Das einzige was man können muss um diese Höhere Mathematik zu verstehen ist Algebra, die man bis zur achten Klasse gelehrt bekommen hat.
In der Experimentalphysik I kommt keine Mathematik die man wirklich anwenden können muss. Man sieht viel was man ohnehin nicht versteht. Die Vorlesung dient dazu die Physik und die Art und Weise wie die Physik aufgebaut ist kennenzulernen. Ob man eine Funktion mit Vektoren darstellen kann, sie Ableitet, sich die Arbeit als Integral bildet und über den Gradienten was über das Potential aussagt, das ist alles unwichtig für den Erstsemester. Es ist wichtig das er es mal gesehen hat und das er die Physik kennen lernt.
Nun kommt der wichtige Punkt.
Die erste Physikvorlesung ist "Einführung in die Methoden der Theoretischen Physik".
Dort bekommt man alles was wichtig ist und auch alles des Abiturs in einem halben Jahr auf Anwendung getrimmt. Mit Vorlesung und Übungsblätte rund dem Wissen der normalen Schulalgebra kann man diese Vorlesung gut meistern und damit das mathematische Anwenderwissen bekommen, um die Physik am Anfang Mechanik zu bewältigen. Währenddessen gehen die Mathematikvorlesungen weiter, die das richtige Denken, das richtige Arbeiten und verstehen der Mathematik mitsich bringen.
Dann hat man das erste Semester überstanden, in den Mathevorlesungen das Basicwissen bekommen, in der Theorie I die Anwendung und Experimentalphysik als Schnupperkurs, denn Theoretische Mechanik folgt, dann aber nicht mehr als Erstsemester.
Alles was wichtig ist bekommt man in der Einführung gelehrt und wirklich anwenden muss man es erst ab dem zweiten Semester!
Wer die Algebra bis zur achten Klasse kann ist Fachlich reif genug um Physik und Mathematik zu studieren.
Ob er das persönlich ist ist eine andere Frage... Pubertät und so.
Grüsse