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Mr. Pinguin
Gast
Eigentlich wollte ich nur deine Liste aus dem Eingangsbeitrag weiterführen. Du hattest ja nach weiteren Antworten angefragt. Aber bzgl. der Erinnerungen: Vielen Menschen wurde das Bild einer rauen und ruppigen Welt verinnerlicht, in der jeder zu kurz kommt, der sich nicht behaupten kann. Diese Prägung beginnt schon sehr früh durch wichtige Bezugspersonen. Man muss Leistung bringen, man muss sich artikulieren können, man muss aufgeweckt sein, usw. Nur dann verdient man Anerkennung und darf auf positive Rückmeldung hoffen. Andernfalls gilt man als nicht akzeptierenswert. Besonders als Kind kann man sich dem Anforderungsdruck nicht erwehren, und je mehr die Urbedürfnisse nach Zuwendung und Nähe nicht erfüllt werden, desto mehr besteht die Gefahr, dass man die hartherzige, gefühlskalte Haltung, die einem selber zuteil wurde, zu seiner eigenen macht. D.h. man ist ständig unter dem Druck seine Stärke, seinen Wert, seine Fähigkeit unter Beweis zu stellen. Alle diejenigen, die dem "Urbild" entsprechen, also unverfälscht, evtl. unbedarft wirken, die schüchtern, zurückhaltend sind, die das Bild der "Schwäche" repräsentieren, also das, was man selber nicht sein durfte, da man sonst nicht akzeptiert worden wäre, können nun von einem selbst nicht akzeptiert werden. Denn sonst müsste man sich klar machen (sich erinnern), was die wichtigen Bezugspersonen von damals mit einem angestellt haben. Das wäre aber mit einem enormen Kraftakt verbunden und die meisten können das schlichtweg nicht, weil ihr gesamtes Weltbild unter ihnen wegbrechen würde. Die Berechtigung gegen diese anderen, diese verachtenswert Schwachen vorzugehen, ist Bestandteil des Lebens dieser Leute und die Schuld, die man sich eingestehen müsste, wäre einfach zu groß. Umso schwieriger wird es sich davon zu lösen, je länger sie in diesem Weltbild verfangen sind und je mehr sie auf dem Kerbholz haben. Naja, und je mehr Unterstützung sie von außen haben. Der Einzelne muss in der Gruppe keine Verantwortung für seine Gräueltaten übernehmen. Das "Böse" zu zelebrieren (das noch als etwas Gutes und Berechtigtes verklärt werden kann) ist hier der leider einfache Weg und gutmeinendes Verhalten wird nur noch dargestellt (ohne tatsächliche, wahre Gefühle), wie es im Zusammenhang mit der Gruppe um zugehörig zu sein, erforderlich ist. Wahres menschliches Mitfühlen dagegen ist verschwindend, bzw. fehlt ganz. So zumindest kommt es mir in weiten Teilen vor, natürlich in verschiedenen Ausprägungsstufen (gibt ja nicht nur schwarz-weiß).Soweit wie ich Dich verstehe, bist Du für einige oder für viele Menschen ein schlechter Mensch, den man verachtet und ausgrenzen will. Du erklärst das damit, dass Du bei diesen Menschen eine Erinnerung hervorrufst, „was sie selber nicht sein dürfen“. Da stellt sich mir die Frage, was genau Du damit meinst?
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