Landkaffee
Urgestein
Hallo!
Ich bin w, 31 und habe eine Traumatherapie wegen M*ssbrauch gemacht. Ich bin verheiratet und habe 4 Kinder. Und fühle mich unendlich allein. Trotz der Kinder. Mein Mann weiß von dem, was mir passiert ist. Es waren meine Eltern - ich war 3 Jahre, 7 Jahre, dann zuletzt 11, 12 Jahre. Mein Vater - meine Mutter will von nichts gewusst haben.
Habe den Kontakt vor 6 Jahren abgebrochen. Sie lässt mich einfach nicht in Ruhe. Immer wieder schreibt sie Briefe, ruft auch an und - bietet Geld.
Versucht einen Keil zwischen meinem Mann und mir zu treiben, mich bei meinen Schwiegereltern schlecht zu machen.
Mein Leben hat sich durch den MB nicht so entwickelt, wie es hätte sein können: Freunde habe ich keine, Sex ist ein Problem, ich mag's nicht besonders, Küssen finde ich noch viel ekelhafter, ich habe ein Problem mit Vertrauen, Angst um meine Zukunft.
Ich möchte eigentlich gar nicht mehr "ich" sein, denn dieses "ich" hat seine Wurzeln in der besch**** Vergangenheit. Immer wieder denke ich, ich hätte eine andere Vergangenheit haben müssen, dann hätte ich eine Chance die Zukunft besser zu gestalten und vor allem mich im Spiegel ansehen zu können ohne den Wunsch, einfach jemand anderes zu sein. Meine Haut abzustreifen, sie einmal ordentlich zu waschen, zum Trockenen aufzuhängen und in eine andere Haut zu schlüpfen - im übertragenen Sinne.
Habe mit meinem Mann gesprochen über den Darsteller des "Bösen" in Stephen Kings "Es". Der Schauspieler betrieb auf dem Set eine live-acting-Methode, d.h. er versetzte sich so sehr in die Rolle des Bösen, dass er es ganz und gar annahm, und - seine Kollegen hatten am Ende sogar Angst vor ihm, weil er das auch in seiner Freizeit so gut gemacht hat, dass er vollkommen überzeugend war. Deshalb konnte er die Rolle so gut spielen.
Da ist mir die Idee gekommen, ICH könnte einfach schauspielern, ich hätte eine andere, schöne Kindheit und Vergangenheit gehabt. Ich habe mir vorgestellt, ich hätte ganz liebe Eltern gehabt, habe ihnen auch in Gedanken Namen gegeben und ein Haus vorgestellt, in dem ich groß geworden bin. So als wären sie immer da gewesen und meine MB - Eltern hätten gar nicht existiert.
Ich habe die Hoffnung, dass ich irgendwann dadurch so sympathisch und überzeugend nett und "unproblematisch" herüber komme, als wäre es tatsächlich so gewesen. So wie der Clown aus "Es" von seinen Kollegen am Set gefürchtet wurde, so könnte ich meine "Rolle" so üben, dass ich von anderen Menschen gemocht werde. Vielleicht entwickelt sich das dann zum Selbstläufer, und ich werde tatsächlich Freunde haben?
Was meint ihn, funktioniert das?
Im Moment merke ich nur, dass die Therapie mich total an die Vergangenheit gekettet hat. Ich möchte diesen ganzen Mist, den ich erlebt habe, nicht immer mit mir herumschleppen. Ich habe auch meinem Mann gesagt, dass ich durch bin mit dem MB.
Meine echte Mutter, die immer wieder sich meldet - das hasse ich so sehr, sie kommt daher wie ein Zombie, und sie versucht alles um den Kontakt wieder aufzunehmen. Für sie hat kein MB stattgefunden, sie hat so konsequent verleugnet: O-Ton: "Jeder macht mal Fehler - und da war er ja auch betrunken gewesen - das war doch gar kein "richtiger" M*ssbrauch, meinst Du nicht, Du redest Dir da was ein - und überhaupt gibt es ja auch "falsche Erinnerungen"."
Nun ja - gibt es, aber ich habe das trotzdem erlebt. Ich habe eine 160 - Stunden Traumatherapie bewilligt bekommen, von der ich nach ca. 40 Stunden genug hatte: Kotze fressen macht mehr Spaß als so eine Therapie.
Sie hat mir die Augen geöffnet, und jetzt weiß ich mehr als vorher. Die Puzzleteile fügten sich zusammen, und ich war erst einmal drei Jahre lang "OPFER".
Das will ich jetzt nicht mehr sein, deshalb meine Idee, mir meine Vergangenheit so auszumalen, wie sie hätte sein sollen. Sie mir so zurecht zu träumen, und wenn ich traurig bin, mich dann in Gedanken von den lieben Eltern trösten zu lassen, die ich mir in Gedanken erschaffen habe.
Kann man so über die Vergangenheit hinweg kommen?
Nein. Sehr wahrscheinlich nicht. (Wolltest Du das lesen?)
Ich denke: nicht darüber hinweg,
Durch.
Die Spur der Angst mit prof. guter Begleitung
und echten Freunden im RL.
LG
Landkaffee