Mir kommt alles vor wie ein Traum und ich wache noch nicht auf.
Es fing letzte Woche an, als ich endlich die benötigte Zeit bekam um mit dem Schreiben der Abschlussarbeit anzufangen. Ich hatte ja nur bis zu diesem Montag Zeit. Im Laufe der Woche kam dann der nächste Schock, ich muss meinen Vortrag über die Arbeit ebenfalls noch am Montag gehalten haben. Und dann noch die Arbeiten ausdrucken und überall hinrennen zum Abgeben, natürlich alles Vormittags.
Aber irgendwie klappte alles. Die Arbeit ist laut dem Prof, der sie sich schonmal durchgelesen hat, sehr schön geworden. Sogar der Vortrag fand Anklang.
Rückwirkend bestärkt mich Feedback wie dieses in dem Gefühl, ich hätte alles nur geträumt.
Ich bin nun also seit Montag fertig mit dem Studium. Ich glaube es nur noch nicht. Weil ich ja noch träume.
Oder, vielleicht liegt die Wahrheit ganz woanders und ich glaube es längst. Und freue mich dennoch nicht. Weil ich mir blass und dünn vorkomme, innerlich.
Als hätte mich diese Leistung zu viel gekostet. Ich fühle mich herausgerissen aus allem Bisherigen, entfremdet, bezogen auf mich und alles um mich herum. Ein zu hoher Preis? Denn eigentlich wollte ich den Abschluss dieses Studiums schon länger nicht mehr, mit dem man nirgends einen Job bekommt und dessen Tätigkeit mir keinerlei Freude bereitet. Ich habe es durchgezogen weil ich sonst eingegangen wäre an meinem schlechten Gewissen, an vielen Grüblereien über die viele verlorene Zeit. Dieses dadurch entstandene schlechte Gefühl wäre mit der Zeit immer weiter gewachsen, mein jetziges Gefühl des innerlichen Entkräftet- und Ausgemergeltseins hingegen hat größere Chancen, sich wieder zu legen, wenn ich mich erholt habe. Insofern nein, ich bereue nichts.
Freude wird sich wegen dem Abschluss also wohl eher keine entwickeln. Aber vielleicht so etwas wie Stolz. Wenn ich wieder aufgewacht bin. Ich träume ja noch. Ich sitze wieder hier in meiner Stille und dieses laute anstrengende Labor war nur ein seltsamer Traum. Ich frage mich, wie es weitergeht, wenn ich wieder völlig wach bin.
Meine stärkste Fähigkeit ist es, mich durch den irrsinnigen Stress durchzubeißen, den mir meine stärkste Schwäche, meine Angst, bereitet. Nach außen hin bin ich jemand Normales, die einfach irgendetwas tut, wie alle anderen eben auch. Nettoladung gleich null. Das ist keine Fähigkeit, die irgendjemand brauchen oder schätzen könne, beruflich oder privat, weil sie unterm Strich nichts Gutes abwirft, sondern Normales, das ich mir mit Schmerzen erkaufe, das mich also letztlich noch weiter schädigen könnte.
Und so wurde ich wieder von der guten Kranken zur schlechten Gesunden. Die gesund sein kann wenn sie es muss nach außen, wenn sie sich innerlich nur hart genug peitscht.
Immerhin kann ich bald wieder wirklich hier unterwegs sein, im Forum. Sobald ich wacher werde, Farbe kriege. Das wird bald kommen.