Man ist vor Ort keine Hilfe, wenn man außer Gesülze keine konkreten Fähigkeiten mitbringt. Auch die Elends-Pauschal-Mädels in der Doku wären in den 3 Wochen "Erlebnistrip mit Sozialfaktor" durchaus ne Hilfe, wenn sie beispielsweise handwerkliche Fähigkeiten mitbringen würden, ein defektes Rohr, ein Dach oder eine Wand reparieren könnten.
Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich den von dir beschriebene Art des "Voluntourismus" gutheiße. Im Gegenteil. (Wobei ich das ganze nicht für ein ausschließlich weibliches Problem halte, aber das muss hier nicht weiter vertieft werden.)
Es ging mir um das uralte, ewiggestrige Bild das mit Begriffen wie Entwicklungshilfe und Beschreibungen wie dieser hier gezeichnet wird:
Sowas nennt sich "Win-Win" Situation. Der Helfende bekommt ein prima Gefühl, man hat ja geholfen. Und vor Ort freut man sich über die Hilfe.
Dass sowas nur in einer westlichen Welt fällt liegt daran dass "Wir" helfen. Das geht meist in eine Richtung, ich habe zumindest noch keinen Afrikaner (m/w/d) hier in Deutschland einen Brunnen bohren sehen. Das hast Du ganz wunderbar erkannt.
Ja, wir die guten, helfenden, überlegenen, gebildeten, kompetenten Westeuropäer*innen müssen den armen, hilflosen, ungebildeten Afrikaner*innen (Südamerikaner*innen, Asiat*innen, Osteuropäer*innen) heldenhaft zur Hilfe eilen, sie ausbilden, ihnen Brunnen bauen, ihnen zeigen wie's geht und dürfen uns am Ende auch noch über unsere guten Taten freuen. Guten Morgen, das ist
keine Win-Win-Situation.
Europa ist systematisch und nahezu vollständig darauf ausgerichtet u. a. afrikanische Länder breitflächig auszubeuten. Entwicklungshilfe wäre nicht nötig, würde ein faires, wirtschaftliches Gleichgewicht bestehen. Der Begriff und das so oft bediente Bild des Brunnenbauens suggeriert, dass die ortsansässigen Menschen das selbst nicht können. Sie können das und sie haben das Potential, alles was sie nicht können und wissen, eigenständig zu erarbeiten und/oder durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe und ohne Machtgefälle und mittelalterliche, alt-kolonialistische Positionen ihrer vermeintlichen Partner*innen zu erlernen.
Die Kritik am Voluntourismus ist zu 100% berechtigt, ich widerspreche dem nicht. Das macht vermeintlich positive Beispiele und Erklärungen für "echte Entwicklungshilfe", die am Ende v. a. Abhängigkeitsverhältnisse manifestiert, aber nicht unproblematischer.
Den Leuten vor Ort, indem man mit Know-How hilft das es vor Ort nicht gibt und dieses bedeutend billiger anbietet als es ein Auftrag an eine europäische Fachfirma wäre. Dadurch das diese Arbeit bezahlt wird, wird auch das Machtverhältnis von Bettler-Spender zu Auftraggeber-Auftragnehmer geändert.
Aha, und warum muss es dann als Hilfe deklariert werden? Ist es dann doch nicht, sondern einfach ein bezahlter Job, oder? Wenn man einen Job im europäischen Ausland annimmt, beispielsweise in Frankreich oder Österreich oder Schweden, nennt man das doch auch Arbeit, Kooperation, whatever, aber nicht "Hilfe". Hat es der privilegierte Mensch echt so dringend nötig, sich in eine überlegene Held*innen- und Helfer*innen-Position zu hieven?
Geht zwar alles weit ins Offtopic, aber nachdem die Kritik an Voluntourismus aufkam und dem daraufhin "gute Entwicklungshilfe" als positives Beispiel gegenüber gestellt wurde, darf hoffentlich darauf reagiert und das kritisch diskutiert werden.