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Ich reise zu wenig und habe etwas verpasst?

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 79003
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Was @Styx.85 hier schon geschrieben hat wollte ich nochmal betonen. Langstreckenflüge habe ich mit 30 besser weg gesteckt als mit 40. Daher habe ich viel von der Welt gesehen, aber wenig von Deutschland und Europa. Wir fangen erstmal ganz weit weg an und arbeiten uns dann nach in den eigenen Garten vor. Also jung nach Australien, Karibik etc. und so mit 70+ (wenn ich so alt werde) mache ich dann das Modell Garten auf einem Kaff wie das hier beschrieben wurde. Im Alter hast Du keinen Bock mehr auf Langstrecke, da guckst Du Dir lieber die eigenen Gänseblümchen an. Ist aber alles individuell.
Meine Mutter hatte mit 69 ihren ersten Langstreckenflug (nach China). Soviel dazu 😆
 
Ich gehöre nicht zu den Must Have-Reisenden oder Instagram-Reisenden, aber auch nicht zu denen, die aus dem Kopf wissen, welcher Pharao wann regiert hat. Ich bin irgendwo dazwischen.

Bei mir fing das auf Gran Canaria an, als meine Mutter mich zum ersten Mal abends allein aus dem Hotel auf die Pirsch hat gehen lassen. Ich stand abends in Maspalomas (das war da noch relativ wenig erschlossen) an der Strasse, der warme Wüsensand flog mir um den Kopf, es roch nach Fremde, ich roch nach Sand und Sonnenmilch, alles war perfekt. Und in dem Moment hat´s mich gepackt.

Seitdem war ich sowohl zweieinhalb Wochen nur mit einem Turnbeutel unterwegs ebenso wie auf Kreuzfahrtschiffen voller Amerikaner und in Luxushotels oder mit dem Mietwagen und einer Sporttasche auf dem Peleponnes. Mit dem Wohnmobil die gesamte französische Atlantikküste entlang.

Ich habe keine Frau und keine Kinder abbekommen im Leben. Das Geld für Kinder und Hausbau investiere ich halt in Reisen. Meine ersten USA-Reisen habe ich über Monate fast jeden Abend im Detail geplant, das war praktisch mein Hobby.

Ich bin ein Besessener. Mir macht jede Art von Reisen Spass.
 
Ich hatte mit Ende 40 plötzlich Flugangst. Da bin ich zu einem Freund ins Segelflugzeug gestiegen und hab mir ne Schocktherapie verpasst. Seitdem geht es wieder 😀

Aber so entspannt wie mit 30 oder 40 bin ich leider auch nicht mehr. Ich möchte lange Strecken eigentlich nicht mehr in der Economy fliegen.

Meine Mutter hatte mit 69 ihren ersten Langstreckenflug (nach China). Soviel dazu 😆
 
Für Entwicklungshilfe wird man in aller Regel bezahlt, wenigstens gibt es freie Kost und Logie.
Solch ein oxymores Satzjuwel kann auch nur in einer Diskussion der westlichen, privilegierten Mehrheitsgesellschaft fallen.
Einen bezahlten Job als Entwicklungshilfe zu bezeichnen (- ein zurecht schon seit langem kritisierter Begriff, nicht nur von Linken btw) und ersteres als Kennzeichen von zweitem zu beschreiben ist sehr bemerkenswert. Wem genau wird in dem Fall geholfen? Arbeitgeber*in oder Arbeitnehmer*in?
 
Solch ein oxymores Satzjuwel kann auch nur in einer Diskussion der westlichen, privilegierten Mehrheitsgesellschaft fallen.
Einen bezahlten Job als Entwicklungshilfe zu bezeichnen (- ein zurecht schon seit langem kritisierter Begriff, nicht nur von Linken btw) und ersteres als Kennzeichen von zweitem zu beschreiben ist sehr bemerkenswert. Wem genau wird in dem Fall geholfen? Arbeitgeber*in oder Arbeitnehmer*in?
Den Leuten vor Ort, indem man mit Know-How hilft das es vor Ort nicht gibt und dieses bedeutend billiger anbietet als es ein Auftrag an eine europäische Fachfirma wäre. Dadurch das diese Arbeit bezahlt wird, wird auch das Machtverhältnis von Bettler-Spender zu Auftraggeber-Auftragnehmer geändert.

Entwicklungs"hilfe" in Form von Händen die anpacken braucht hingegen kein Mensch, an physischer Arbeitskraft herrscht in Afrika nämlich kein Mangel. Das ist dann einfach nur zum gut fühlen für weiße Europäer, bzw. zum Geld sparen für Organisationen vor Ort. Man könnte ja auch einfach Leute einstellen, aber Touristen sind halt billiger.

Mit Reisen hat das übrigens auch nur insofern was zu tun, als das weiße sich dann auf die Schulter klopfen können weil sie die Welt verbessert haben. Man könnte natürlich auch zu Hause etwas tun, aber das ist ja nicht so instagrammable wie schwarze Bettelkinder, wodurch die vermeintliche Hilfe auch nur wieder zum touristischen Konsumgut wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
Solch ein oxymores Satzjuwel kann auch nur in einer Diskussion der westlichen, privilegierten Mehrheitsgesellschaft fallen.
Einen bezahlten Job als Entwicklungshilfe zu bezeichnen (- ein zurecht schon seit langem kritisierter Begriff, nicht nur von Linken btw) und ersteres als Kennzeichen von zweitem zu beschreiben ist sehr bemerkenswert. Wem genau wird in dem Fall geholfen? Arbeitgeber*in oder Arbeitnehmer*in?

Sowas nennt sich "Win-Win" Situation. Der Helfende bekommt ein prima Gefühl, man hat ja geholfen. Und vor Ort freut man sich über die Hilfe.

Dass sowas nur in einer westlichen Welt fällt liegt daran dass "Wir" helfen. Das geht meist in eine Richtung, ich habe zumindest noch keinen Afrikaner (m/w/d) hier in Deutschland einen Brunnen bohren sehen. Das hast Du ganz wunderbar erkannt.

Ich würde das aber auch nicht unbedingt unter Urlaub packen, das fällt für mich unter "gute Tat" oder es kann auch berechnend sein, manche brauchen das für Ihren Lebenslauf. Sowas macht sich definitiv gut bei Bewerbungen.
 
Den Leuten vor Ort, indem man mit Know-How hilft das es vor Ort nicht gibt und dieses bedeutend billiger anbietet als es ein Auftrag an eine europäische Fachfirma wäre. Dadurch das diese Arbeit bezahlt wird, wird auch das Machtverhältnis von Bettler-Spender zu Auftraggeber-Auftragnehmer geändert.

Entwicklungs"hilfe" in Form von Händen die anpacken braucht hingegen kein Mensch, an physischer Arbeitskraft herrscht in Afrika nämlich kein Mangel. Das ist dann einfach nur zum gut fühlen für weiße Europäer, bzw. zum Geld sparen für Organisationen vor Ort. Man könnte ja auch einfach Leute einstellen, aber Touristen sind halt billiger.

Mit Reisen hat das übrigens auch nur insofern was zu tun, als das weiße sich dann auf die Schulter klopfen können weil sie die Welt verbessert haben. Man könnte natürlich auch zu Hause etwas tun, aber das ist ja nicht so instagrammable wie schwarze Bettelkinder, wodurch die vermeintliche Hilfe auch nur wieder zum touristischen Konsumgut wird.
Sowas nennt sich "Win-Win" Situation. Der Helfende bekommt ein prima Gefühl, man hat ja geholfen. Und vor Ort freut man sich über die Hilfe.

Dass sowas nur in einer westlichen Welt fällt liegt daran dass "Wir" helfen. Das geht meist in eine Richtung, ich habe zumindest noch keinen Afrikaner (m/w/d) hier in Deutschland einen Brunnen bohren sehen. Das hast Du ganz wunderbar erkannt.

Ich würde das aber auch nicht unbedingt unter Urlaub packen, das fällt für mich unter "gute Tat" oder es kann auch berechnend sein, manche brauchen das für Ihren Lebenslauf. Sowas macht sich definitiv gut bei Bewerbungen.

Siehe oben, ich hätte es selber nicht besser beantworten können.

@Splitterbunt
Vielleicht würde es dir helfen, wenn du die Dinge nicht nur in der Theorie, sondern auch mal praktisch betrachten würdest. Die Doku von @Zaphod zeigt es zwar recht gut auf, doch viele müssen es anscheinend mal selber erlebt haben.

Man ist vor Ort keine Hilfe, wenn man außer Gesülze keine konkreten Fähigkeiten mitbringt. Auch die Elends-Pauschal-Mädels in der Doku wären in den 3 Wochen "Erlebnistrip mit Sozialfaktor" durchaus ne Hilfe, wenn sie beispielsweise handwerkliche Fähigkeiten mitbringen würden, ein defektes Rohr, ein Dach oder eine Wand reparieren könnten.
Können sie aber nicht. Sie sind wegen der Selfies dort und weil sie tolle weiße Mädchen mit Attitüde und Abitur sind.

Deine Meinung repräsentiert hier vielmehr die typische links-altruistische, meist sehr femininin geprägte Einstellung und zeugt von wenig Erfahrung in solchen Dingen sowie den Zusammenhängen auf der Welt generell.
Fehlt eigentlich nur noch der Vortrag über Ausbeutung des bösen weißen Mannes und "queerfeministische" Aspekte von Entwicklungshilfe.

Magst diese Module bitte noch nachliefern, um das Bild abzurunden @Splitterbunt ?
 
Ich glaube die jüngeren hier vergessen auch gern mal, dass die älteren von uns in unseren jungen Jahren keine Gelegenheit hatten, das Elend in der Welt zu empathisieren. Das Internet ist in Deutschland gerade mal seit ungefähr 20 Jahren als komplexes Informationsmedium nutzbar. Es gab Tageszeitungen (die aus Papier), und die haben die meisten von uns in jungen Jahren echt nicht interessiert. Unser Leben fand vor der Haustür und drumherum statt, etwas anderes kannten nur die Kinder reicher Eltern.

Als ich jung war, wusste ich, dass "der Russe" böse war und "der Ami" gut und die (verbotenes Wort) in Afrika arm. Das war in den 70ern und 80ern alles, was die meisten von uns wussten. Für einen Grossteil der deutschen Bevölkerung waren Reisen nach woanders als Dänemark oder Holland finanziell nicht vorstellbar. Wir waren strunznaiv.

Also wer jung ist und älteren mangelnde Empathie für schlechter gestellte Regionen vorwirft, hat wohl in der Schule geschlafen.
 
Man ist vor Ort keine Hilfe, wenn man außer Gesülze keine konkreten Fähigkeiten mitbringt. Auch die Elends-Pauschal-Mädels in der Doku wären in den 3 Wochen "Erlebnistrip mit Sozialfaktor" durchaus ne Hilfe, wenn sie beispielsweise handwerkliche Fähigkeiten mitbringen würden, ein defektes Rohr, ein Dach oder eine Wand reparieren könnten.
Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich den von dir beschriebene Art des "Voluntourismus" gutheiße. Im Gegenteil. (Wobei ich das ganze nicht für ein ausschließlich weibliches Problem halte, aber das muss hier nicht weiter vertieft werden.)
Es ging mir um das uralte, ewiggestrige Bild das mit Begriffen wie Entwicklungshilfe und Beschreibungen wie dieser hier gezeichnet wird:
Sowas nennt sich "Win-Win" Situation. Der Helfende bekommt ein prima Gefühl, man hat ja geholfen. Und vor Ort freut man sich über die Hilfe.

Dass sowas nur in einer westlichen Welt fällt liegt daran dass "Wir" helfen. Das geht meist in eine Richtung, ich habe zumindest noch keinen Afrikaner (m/w/d) hier in Deutschland einen Brunnen bohren sehen. Das hast Du ganz wunderbar erkannt.
Ja, wir die guten, helfenden, überlegenen, gebildeten, kompetenten Westeuropäer*innen müssen den armen, hilflosen, ungebildeten Afrikaner*innen (Südamerikaner*innen, Asiat*innen, Osteuropäer*innen) heldenhaft zur Hilfe eilen, sie ausbilden, ihnen Brunnen bauen, ihnen zeigen wie's geht und dürfen uns am Ende auch noch über unsere guten Taten freuen. Guten Morgen, das ist keine Win-Win-Situation.

Europa ist systematisch und nahezu vollständig darauf ausgerichtet u. a. afrikanische Länder breitflächig auszubeuten. Entwicklungshilfe wäre nicht nötig, würde ein faires, wirtschaftliches Gleichgewicht bestehen. Der Begriff und das so oft bediente Bild des Brunnenbauens suggeriert, dass die ortsansässigen Menschen das selbst nicht können. Sie können das und sie haben das Potential, alles was sie nicht können und wissen, eigenständig zu erarbeiten und/oder durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe und ohne Machtgefälle und mittelalterliche, alt-kolonialistische Positionen ihrer vermeintlichen Partner*innen zu erlernen.
Die Kritik am Voluntourismus ist zu 100% berechtigt, ich widerspreche dem nicht. Das macht vermeintlich positive Beispiele und Erklärungen für "echte Entwicklungshilfe", die am Ende v. a. Abhängigkeitsverhältnisse manifestiert, aber nicht unproblematischer.
Den Leuten vor Ort, indem man mit Know-How hilft das es vor Ort nicht gibt und dieses bedeutend billiger anbietet als es ein Auftrag an eine europäische Fachfirma wäre. Dadurch das diese Arbeit bezahlt wird, wird auch das Machtverhältnis von Bettler-Spender zu Auftraggeber-Auftragnehmer geändert.
Aha, und warum muss es dann als Hilfe deklariert werden? Ist es dann doch nicht, sondern einfach ein bezahlter Job, oder? Wenn man einen Job im europäischen Ausland annimmt, beispielsweise in Frankreich oder Österreich oder Schweden, nennt man das doch auch Arbeit, Kooperation, whatever, aber nicht "Hilfe". Hat es der privilegierte Mensch echt so dringend nötig, sich in eine überlegene Held*innen- und Helfer*innen-Position zu hieven?

Geht zwar alles weit ins Offtopic, aber nachdem die Kritik an Voluntourismus aufkam und dem daraufhin "gute Entwicklungshilfe" als positives Beispiel gegenüber gestellt wurde, darf hoffentlich darauf reagiert und das kritisch diskutiert werden.
 
Ja, wir die guten, helfenden, überlegenen, gebildeten, kompetenten Westeuropäer*innen müssen den armen, hilflosen, ungebildeten Afrikaner*innen (Südamerikaner*innen, Asiat*innen, Osteuropäer*innen) heldenhaft zur Hilfe eilen, sie ausbilden, ihnen Brunnen bauen, ihnen zeigen wie's geht und dürfen uns am Ende auch noch über unsere guten Taten freuen. Guten Morgen, das ist keine Win-Win-Situation.
Von ungebildeten Afrikanern (m/w/d) hat hier niemand geschrieben. Ich würde Dich bitten den Rassismus hier zu unterlassen.

Europa ist systematisch und nahezu vollständig darauf ausgerichtet u. a. afrikanische Länder breitflächig auszubeuten.
Jap, und den Weihnachtsmann gibt es auch.

Entwicklungshilfe wäre nicht nötig, würde ein faires, wirtschaftliches Gleichgewicht bestehen. Der Begriff und das so oft bediente Bild des Brunnenbauens suggeriert, dass die ortsansässigen Menschen das selbst nicht können. Sie können das und sie haben das Potential, alles was sie nicht können und wissen, eigenständig zu erarbeiten und/oder durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe und ohne Machtgefälle und mittelalterliche, alt-kolonialistische Positionen ihrer vermeintlichen Partner*innen zu erlernen.
Ein wirtschaftliches Gleichgewicht kann man nicht einfach mal herzaubern. Deswegen helfen wir. Helfende Hände sind da hilfreicher als linke Träumereien von einer besseren Welt.
 

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