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Ich reise zu wenig und habe etwas verpasst?

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 79003
  • Datum Start Datum Start
Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich den von dir beschriebene Art des "Voluntourismus" gutheiße. Im Gegenteil. (Wobei ich das ganze nicht für ein ausschließlich weibliches Problem halte, aber das muss hier nicht weiter vertieft werden.)
Es ging mir um das uralte, ewiggestrige Bild das mit Begriffen wie Entwicklungshilfe und Beschreibungen wie dieser hier gezeichnet wird:

Ja, wir die guten, helfenden, überlegenen, gebildeten, kompetenten Westeuropäer*innen müssen den armen, hilflosen, ungebildeten Afrikaner*innen (Südamerikaner*innen, Asiat*innen, Osteuropäer*innen) heldenhaft zur Hilfe eilen, sie ausbilden, ihnen Brunnen bauen, ihnen zeigen wie's geht und dürfen uns am Ende auch noch über unsere guten Taten freuen. Guten Morgen, das ist keine Win-Win-Situation.

Europa ist systematisch und nahezu vollständig darauf ausgerichtet u. a. afrikanische Länder breitflächig auszubeuten. Entwicklungshilfe wäre nicht nötig, würde ein faires, wirtschaftliches Gleichgewicht bestehen. Der Begriff und das so oft bediente Bild des Brunnenbauens suggeriert, dass die ortsansässigen Menschen das selbst nicht können. Sie können das und sie haben das Potential, alles was sie nicht können und wissen, eigenständig zu erarbeiten und/oder durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe und ohne Machtgefälle und mittelalterliche, alt-kolonialistische Positionen ihrer vermeintlichen Partner*innen zu erlernen.
Die Kritik am Voluntourismus ist zu 100% berechtigt, ich widerspreche dem nicht. Das macht vermeintlich positive Beispiele und Erklärungen für "echte Entwicklungshilfe", die am Ende v. a. Abhängigkeitsverhältnisse manifestiert, aber nicht unproblematischer.

Aha, und warum muss es dann als Hilfe deklariert werden? Ist es dann doch nicht, sondern einfach ein bezahlter Job, oder? Wenn man einen Job im europäischen Ausland annimmt, beispielsweise in Frankreich oder Österreich oder Schweden, nennt man das doch auch Arbeit, Kooperation, whatever, aber nicht "Hilfe". Hat es der privilegierte Mensch echt so dringend nötig, sich in eine überlegene Held*innen- und Helfer*innen-Position zu hieven?

Geht zwar alles weit ins Offtopic, aber nachdem die Kritik an Voluntourismus aufkam und dem daraufhin "gute Entwicklungshilfe" als positives Beispiel gegenüber gestellt wurde, darf hoffentlich darauf reagiert und das kritisch diskutiert werden.

Hmmm... und so gibst du leider ein Paradebeispiel derjenigen ab, die zwar kaum etwas von der Welt im Eigentlichen gesehen haben, aber eine unheimlich starke Meinung darüber besitzen.

Wenn du dich mal in eines dieser Entwicklungsländer begibst, wirst du von der einheimischen Bevölkerung sehr enttäuscht werden.
Tatsächlich ist es so, dass in vielen Entwicklungsländer der Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg und Gemeinwesen sowie das Wissen um die Erbauung und Erhaltung der dafür nötigen Infrastruktur in Breite leider nicht vorhanden ist, egal wie oft und schön du das Gegenteil behauptest.
Weder ist dies wirklich gewollt, noch wird dies gekonnt.
Meist herrscht ein sehr kurzfristiges auf den Moment bezogenes Mindset vor.
Oft verhindern Religion und starke archaische Lokalkulturen auch nur geringste nachhaltige Fortschritte.
Lediglich in einigen Teilen Asiens, die ich bereisen dürfte, ist dies zunehmend anders, aber auch nicht überall.

Das mag dein Idealisten-Herz erschüttern, nicht mit deinem Weltbild konform gehen, ist aber leider vor Ort in sehr vielen Fällen die traurige Realität.

Ich weiß, dass ich dich davon nicht überzeugen kann, das kannst du nur selber.

Reisen bildet eben.
 
Hallo,

Ich weiß, dass sich das vielleicht blöd anhört..Ich habe letztens mit einer Kollegin/Auszubildenden von mir geredet. Ich bin 22 und mache eine Ausbildung im Krankenhaus.

Ich habe sie halt gefragt, in welchen Ländern sie schon überall war. Als ich meine aufgezählt habe, meinte sie halt nur : nicht gerade viel.

Ich war halt in Griechenland (Kreta (2x), Kabala, Thessaloniki, in meinem Heimatdorf, Nikiti/Chalkidiki), in Deutschland (Ostsee, Dahme, Zingst, Brilon), 3x in London, in Brighton und Hastings und den Niederlanden (Amsterdam, Den Haag, Scheveningen). Im Oktober in der Schweiz(Zürich, Montreux)

Eine andere Kollegin meinte, dass sie seit Anfang der Ausbildung spart und nach New York fliegt. Ist ja alles schön und gut, ich freue mich auch für sie aber sie hat irgendwann so angegeben, dass ich halt meinte das es Leute gibt, die noch nie ein Flugzeug von innen gesehen haben. Man sollte immer dankbar sein, finde ich.

Ich würde nach meiner Ausbildung gerne Work&Travel machen, vielleicht in Australien. Ein Traum ist natürlich auch Amerika. Und auf jeden Fall eine Rucksack Reise durch Indien/Thailand. Südostasien und Afrika ist auch eins meiner Ziele.

Die FSJlerin bei mir auf der Arbeit ist letztes Jahr 6(!) Mal vereist, ich nur 3. Ihre Eltern werden sie aber nicht Uhr ganzes Leben lang finanzieren können oder sehe ich das falsch? Wenn Sie allein lebt und andere Kosten hat, wird sie sich nicht leisten können 6 mal zu verreisen.

Ich habe nur das Gefühl, dass mir die Zeit wegläuft und ich weiß einfach nicht, wie ich das alles wahrmachen kann..


Also zum einen:

Ja, ich persönlich finde, wenn man sich gar nix von der Welt anschaut, dann verpasst man was.
es gibt Leute, denen ist das egal, denen fehlt nix. Mir persönlich würde was fehlen. Bewusstes(!) Reisen kann unglaublich weiterentwickeln, neue Impulse geben etc.
Ländersammeln ist allerdings das Gegenteil von bewusstem Reisen. Einfach irgendwohin fahren, damit man mal da war (und wsl haben die Leute dann noch nicht mal was vom Land gesehen, sondern v.a. im Hotel und am Strand rumgelegen), hat meiner Meinung nach wenig Sinn.

Man kann viel erleben im eigenen Land oder den Nachbarländern. Du bist jung, machst ne Ausbildung und wirst jetzt eigenes Geld verdienen.
Mein Tipp ist: Wenn du etwas wirklich sehen und erleben willst, dann spar dir dein Geld dafür zusammen und machs einfach. Lass dir aber nicht einreden, man müsse unbedingt mal Backpacking im Südostkongo oder Bungee Jumping im Himalaya gemacht haben, um erfüllt zu leben. Wenn dich das nicht interessiert - dann ist das so. Wenn du tust, was DU möchtest und was DICH glücklich macht, dann musst du auch nicht das Gefühl haben, irgendwas zu verpassen.
 
Hmmm... und so gibst du leider ein Paradebeispiel derjenigen ab, die zwar kaum etwas von der Welt im Eigentlichen gesehen haben, aber eine unheimlich starke Meinung darüber besitzen.
Das mag dein Idealisten-Herz erschüttern, nicht mit deinem Weltbild konform gehen, ist aber leider vor Ort in sehr vielen Fällen die traurige Realität.
Können deine Beiträge eigentlich auch ohne persönliche Zuschreibungen auskommen? 🤔

Woher deine Annahmen, was und wie viel ich von der Welt gesehen habe, kommen, weiß ich nicht. Ich habe hier bislang nicht darüber geschrieben, wo auf der Welt ich war, was ich erlebt und erfahren habe und mit welchen Menschen ich mich über ihre Sichtweise auf ihr Land austauschen konnte. Du weißt nichts darüber.
Deine Eindrücke und Erfahrungen sind zu respektieren und natürlich sind sie Grundlage deiner Meinung. Meine Eindrücke und Erfahrungen decken sich damit bedingt und teilweise, aber ich habe auch Gegenteiliges deiner Schilderungen erlebt. Das ist u. a. Grundlage meiner Meinung. Kann man akzeptieren oder auch nicht. Spöttische, überhebliche, vermeintlich besser wissende Kommentare inkl. substanzloser Zuschreibungen sind in meinen Augen nicht nötig, aber offensichtlich ist es gar nicht so einfach ohne auszukommen.
 
ich bin so alt wie du und noch nie verreist und werde es auch nie, denke ich mal. ich finde du hast schon viel erlebt und kannst stolz darauf sein ^^
 
Das ist doch kein Wettbewerb, wer mehr reist! Wir sind nun nur noch in Deutschland unterwegs, es gibt so viel zu entdecken. Überall kann man eh nicht gewesen sein.

Also locker bleiben und nicht jede Bemerkung auf die Goldwaage legen.
 
Es ist einfach ein unglaublicher Druck für mich.

Meine Tante meinte letztens, dass sie die Leute die W&T gemacht haben beneidet. Das will ich auch und nicht das man mein Leben als langweilig abstempelt. Meine Mutter ist dagegen skeptisch und meint, ich solle das wenn nur für mich machen, nicht damit die anderen mich beneiden und sagen, dass ich W&T gemacht habe. Eine Kollegin/Freundin von mir ist nächstes Jahr fertig mit der Ausbildung und ich meinte, vielleicht könne man das ja zusammen machen. Nur ist es soviel Druck von allen Seiten.

Nein, mache es nicht. Mach dort lieber Urlaub.

Mach mal, du wirst es sonst bereuen.

Ich hab jetzt im Februar einen Termin für ein FSJ im Ausland. Erstmal nur Beratung, sie meinte aber alternativ könnte auch W&T gehen.

Ich könnte heulen, weil mein Kopf nur noch dampft und ich nicht weiter weiß. Ich will aber auch nichts verpassen oder bereuen...
 
Es ist einfach ein unglaublicher Druck für mich.

Meine Tante meinte letztens, dass sie die Leute die W&T gemacht haben beneidet. Das will ich auch und nicht das man mein Leben als langweilig abstempelt. Meine Mutter ist dagegen skeptisch und meint, ich solle das wenn nur für mich machen, nicht damit die anderen mich beneiden und sagen, dass ich W&T gemacht habe. Eine Kollegin/Freundin von mir ist nächstes Jahr fertig mit der Ausbildung und ich meinte, vielleicht könne man das ja zusammen machen. Nur ist es soviel Druck von allen Seiten.

Nein, mache es nicht. Mach dort lieber Urlaub.

Mach mal, du wirst es sonst bereuen.

Ich hab jetzt im Februar einen Termin für ein FSJ im Ausland. Erstmal nur Beratung, sie meinte aber alternativ könnte auch W&T gehen.

Ich könnte heulen, weil mein Kopf nur noch dampft und ich nicht weiter weiß. Ich will aber auch nichts verpassen oder bereuen...

Mach doch einfach, was DU willst?! Dinge zu tun, nur damit irgendwer neidisch ist - was hast du davon? Bringt dir der Neid anderer was (von dem du nicht mal weißt, ob es ihn gibt)? Wieso sollten die Leute neidisch sein? Und du wirst nicht glücklich dadurch.
Mach doch DEIN Ding. Ich bin echt verblüfft, dass du dich unter Druck gesetzt fühlst, weil du FSJ oder W&T machen KANNST - aber nicht musst. Worauf hast du echt Bock und was glaubst du, tun zu müssen, "weil man das halt macht"?
Wie ich sagte: Wenn du tust, was Dir Freude macht, musst du auch nicht das Gefühl haben, was zu verpassen.

(allgemein ist dieser Thread hier eine herrlich absurde Ansammlung von Klischees. Großstädter machen Urlaub, weil sie aus der Stadt fliehen wollen und Leute auf dem Land brauchen keinen Urlaub ist ja mein Favorit. Ich war ja persönlich nie so oft im Urlaub, wie in meinem einen Jahr auf dem Land - ich wollte da einfach nur weg. 😀
Und nein, man macht als Berufstätiger auch nicht nur Pauschalurlaub... man kann alles mögliche machen. Ich mache ja nie Pauschalurlaub. Tja...
Kurz gesagt: Übers Reisen wird viel philosophiert. Nicht selten schließt man dabei von sich auf andere. In Wirklichkeit gibt es tausend Möglichkeiten, wie man reist (oder nicht) - und was einen dabei erfüllt und welche Rolle es für einen selbst spielt. Also, mach einfach das, was DU willst.)
 
Ich bin ja der Meinung, dass man aus dem Fernsehen, dem Internet und aus Büchern / Zeitschriften so viel über andere Länder zu sehen und lesen bekommt, dass man sie nicht selber bereisen muss.

Ein wesentliches Bedürfnis des Menschen ist seine soziale Zugehörigkeit, bzw. die Anerkennung durch wichtige Mitmenschen. Den Druck "mitzuziehen" und "etwas bieten zu können" kann ich nachvollziehen und von daher bin ich bei der Skepsis der Mutter.

Andererseits könnte es aber ein Erlebnis sein, von dem man sein Leben lang profitieren könnte. Das Leben wäre kein Einheitsbrei.

Schwierig. 😉
 
Baor, was für ein durcheinander. Jeder sagt was anderes... Deine Frage nimmt hier Ausmaße an... irgendwann bei der Hälfte hab ich aufgehört zu lesen. Das solltest du auch machen. Du willst W&T machen-dann mach es. Du willst die Welt entdecken? Dann auf auf.
Von den ganzen Leuten, die dir sagen was du tun solltest, ist keiner da wenn was schief geht. Sicherheit erlangst du nur wenn du selbst entscheidest in welche Bahnen du dein Leben lenkst. Lebe und lerne für dich.
 

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