Styx.85
Aktives Mitglied
Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich den von dir beschriebene Art des "Voluntourismus" gutheiße. Im Gegenteil. (Wobei ich das ganze nicht für ein ausschließlich weibliches Problem halte, aber das muss hier nicht weiter vertieft werden.)
Es ging mir um das uralte, ewiggestrige Bild das mit Begriffen wie Entwicklungshilfe und Beschreibungen wie dieser hier gezeichnet wird:
Ja, wir die guten, helfenden, überlegenen, gebildeten, kompetenten Westeuropäer*innen müssen den armen, hilflosen, ungebildeten Afrikaner*innen (Südamerikaner*innen, Asiat*innen, Osteuropäer*innen) heldenhaft zur Hilfe eilen, sie ausbilden, ihnen Brunnen bauen, ihnen zeigen wie's geht und dürfen uns am Ende auch noch über unsere guten Taten freuen. Guten Morgen, das ist keine Win-Win-Situation.
Europa ist systematisch und nahezu vollständig darauf ausgerichtet u. a. afrikanische Länder breitflächig auszubeuten. Entwicklungshilfe wäre nicht nötig, würde ein faires, wirtschaftliches Gleichgewicht bestehen. Der Begriff und das so oft bediente Bild des Brunnenbauens suggeriert, dass die ortsansässigen Menschen das selbst nicht können. Sie können das und sie haben das Potential, alles was sie nicht können und wissen, eigenständig zu erarbeiten und/oder durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe und ohne Machtgefälle und mittelalterliche, alt-kolonialistische Positionen ihrer vermeintlichen Partner*innen zu erlernen.
Die Kritik am Voluntourismus ist zu 100% berechtigt, ich widerspreche dem nicht. Das macht vermeintlich positive Beispiele und Erklärungen für "echte Entwicklungshilfe", die am Ende v. a. Abhängigkeitsverhältnisse manifestiert, aber nicht unproblematischer.
Aha, und warum muss es dann als Hilfe deklariert werden? Ist es dann doch nicht, sondern einfach ein bezahlter Job, oder? Wenn man einen Job im europäischen Ausland annimmt, beispielsweise in Frankreich oder Österreich oder Schweden, nennt man das doch auch Arbeit, Kooperation, whatever, aber nicht "Hilfe". Hat es der privilegierte Mensch echt so dringend nötig, sich in eine überlegene Held*innen- und Helfer*innen-Position zu hieven?
Geht zwar alles weit ins Offtopic, aber nachdem die Kritik an Voluntourismus aufkam und dem daraufhin "gute Entwicklungshilfe" als positives Beispiel gegenüber gestellt wurde, darf hoffentlich darauf reagiert und das kritisch diskutiert werden.
Hmmm... und so gibst du leider ein Paradebeispiel derjenigen ab, die zwar kaum etwas von der Welt im Eigentlichen gesehen haben, aber eine unheimlich starke Meinung darüber besitzen.
Wenn du dich mal in eines dieser Entwicklungsländer begibst, wirst du von der einheimischen Bevölkerung sehr enttäuscht werden.
Tatsächlich ist es so, dass in vielen Entwicklungsländer der Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg und Gemeinwesen sowie das Wissen um die Erbauung und Erhaltung der dafür nötigen Infrastruktur in Breite leider nicht vorhanden ist, egal wie oft und schön du das Gegenteil behauptest.
Weder ist dies wirklich gewollt, noch wird dies gekonnt.
Meist herrscht ein sehr kurzfristiges auf den Moment bezogenes Mindset vor.
Oft verhindern Religion und starke archaische Lokalkulturen auch nur geringste nachhaltige Fortschritte.
Lediglich in einigen Teilen Asiens, die ich bereisen dürfte, ist dies zunehmend anders, aber auch nicht überall.
Das mag dein Idealisten-Herz erschüttern, nicht mit deinem Weltbild konform gehen, ist aber leider vor Ort in sehr vielen Fällen die traurige Realität.
Ich weiß, dass ich dich davon nicht überzeugen kann, das kannst du nur selber.
Reisen bildet eben.