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Ich passe irgendwie nicht in diese Welt.

Ich persönlich glaube daran, dass jeder Mensch irgendwie wertvoll sein muss.
Das glaube ich natürlich auch.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass es eigentlich wenig Gutes an mir gibt. Dass ich freundlich bin, oder hilfsbereit (während meiner Beratungstätigkeit hier im Forum habe ich mich damals mit drei Leuten getroffen, und in mehr oder weniger akuten Situationen auch drei jungen Menschen das Leben gerettet... aber das wird wohl auch mehr eine Art krankhafter Helferkomplex gewesen sein, insofern weiß ich nicht, wie ich das zu bewerten habe...), oder überhaupt mal die Gedanken anderer teilweise mit nur wenigen Sätzen wieder ins rechte Licht rücken kann, kommt mir an mir selbst unecht vor.

Heißt das, dass du keine angenehmen Gefühle hattest, als du den Leuten geholfen hast - Freude, Befriedigung, Interesse? Überhaupt nichts?
Dass es verdammt wichtig WAR, was du gemacht hast, das ist dir aber schon klar, oder?

Ich habe mir lange Zeit lang versucht einzureden, dass ich meine positiven Energien mobilisiere und nach außen trage, und andere damit versuche anzustecken - aber im Endeffekt habe ich mir damit eher selbst was vorgemacht. Zwar mag ich mehr oder weniger gut an diese Gesellschaft angepasst sein, aber sowas wie positive Energien gibt es in mir glaube ich nicht.

Meinst du das bezogen auf heute und die letzte Zeit oder auch auf die Vergangenheit?
Und verstehst du unter "positive Energien" nur Freude, Zufriedenheit, Glücksmomente ... oder auch guten Willen?
Vielleicht war es ja zu früh für dich, andere Leute mit deiner Energie anstecken zu wollen?`

Dass ich im Endeffekt garnichts leisten kann, und mir eine Karriere als Langzeitgast bei Therapeuten und dem Arbeitsamt entgegenwinkt, steigert mein Selbstwertgefühl sicherlich nicht.

Ich habe verstanden, dass du derzeit studierst, oder stimmt das nicht?
Nein, vermutlich bist du in einem Teufelskreis drin ... du schaffst anscheinend einiges von dem nicht, was du dir vornimmst, dann machst du dir Vorwürfe, wirst depressiver, hast deswegen weniger Kraft und schaffst weniger, als du willst ... so etwa?

Was ich mit meinen Fragen meinte, war auch, ob es dir (und auch deiner Familie) besonders wichtig ist/war, Höchstleistungen zu bringen. D. h. du warst enttäuscht von deinem sehr guten 1,8-Abi - deine Familie auch?
 
Hallo,

Zu der Zeit hat mir die Helferei irgendein gutes Gefühl gegeben, das ich nicht ganz beschreiben kann. Einerseits vielleicht die Erfahrung, mit anderen Menschen tatsächlich in die Tiefe zu gehen, andererseits auch das Wissen dass ich die Welt ein Stück besser mache.
Wahrscheinlich habe ich mich auch gern in der Rolle des "Heiligen" gesehen.
Es ist halt nur sehr fragwürdig, ob ich das tatsächlich positiv bewerten kann, diesen Leuten das Leben gerettet zu haben. Klar ist es irgendwo eine moralische Pflicht, jemandes Leben zu erhalten, andererseits bin ich nur in die Situation geraten, weil ich dermaßen krank im Hirn bin. Dieser Teil meines Lebens ist nichts, das mich zu einem besseren Menschen gemacht hätte, sondern eher etwas, das mich noch mehr als Vollpsycho brandmarkt.

Ja, zurzeit studiere ich. Allerdings habe ich so viele Fehlklausuren, und nur noch knapp drei Semester Zeit, dass ich das eigentlich gar nicht mehr schaffen kann. Ich muss ja neben den Klausuren auch noch schauen, dass ich jedes Semester 30 ECTS auftreibe, und mit der Bachelorarbeit kann ich erst anfangen, wenn alle Fehlklausuren nachgeholt sind...
Und für die Uni kann ich morgens nicht mehr aufstehen. Wie würde es mir in einem anderen Studium gehen? Wieso sollte da auf einmal alles anders sein? Und würde ich eine Ausbildung machen, bei der ich noch geringere Berufsaussichten und Möglichkeiten auf eine kreative Selbstentfaltung hätte (mal ganz abgesehen vom Aspekt der Verdienstmöglichkeiten...), wäre die ganze Sache wahrscheinlich sogar noch schlimmer. Ohnehin kriege ich von Leuten die eine Ausbildung machen immer wieder zu hören, dass man als Azubi gern man durch den Kakao gezogen wird.. Billiges Humankapital eben.

Meinen Eltern war es eigentlich egal, was für Noten ich habe. Von der 9ten an habe ich keine Hausaufgaben mehr gemacht, und dementsprechend auch schlechte Noten heimgebracht.. das hat sie auch nicht wirklich gejuckt.
Mit meinem Abi war nur ich unzufrieden... Hab am Tag, wo ich mein Abizeugnis bekommen habe daheim erstmal einen Wutanfall bekommen. Gut, da wurde ich auf dem Weg nach Hause auch von den ortsansässigen Neonazis etwas schikaniert.. nja, was solls. So ist das Leben halt.
 
Zu der Zeit hat mir die Helferei irgendein gutes Gefühl gegeben, das ich nicht ganz beschreiben kann. Einerseits vielleicht die Erfahrung, mit anderen Menschen tatsächlich in die Tiefe zu gehen, andererseits auch das Wissen dass ich die Welt ein Stück besser mache.
Wahrscheinlich habe ich mich auch gern in der Rolle des "Heiligen" gesehen.
Es ist halt nur sehr fragwürdig, ob ich das tatsächlich positiv bewerten kann, diesen Leuten das Leben gerettet zu haben. Klar ist es irgendwo eine moralische Pflicht, jemandes Leben zu erhalten, andererseits bin ich nur in die Situation geraten, weil ich dermaßen krank im Hirn bin. Dieser Teil meines Lebens ist nichts, das mich zu einem besseren Menschen gemacht hätte, sondern eher etwas, das mich noch mehr als Vollpsycho brandmarkt.

Man kann doch aber festhalten: Das Helfen hat dir ein gutes Gefühl gegeben, es gab da was, was dich irgendwie positiv berührt hat. Und so viele Themen/Tätigkeiten, die dir so ein Gefühl gegeben haben, hattest du doch eher nicht, oder liege ich da falsch? Findest du im Nachhinein, wenn du versuchst, dich nochmal in die damalige Situation zu versetzen, dass dieses Helfenwollen aus dir selber kam oder fühlte es sich wie ein glänzender, aber im Grunde völlig unpassender Schuh an? Ich hab das so verstanden, dass dir die große Nähe zu diesen Leuten gut getan hat - für eine kurze Zeit. Und du hast definitiv etwas Wichtiges getan. Und das mit dem "Heiligen": Ich glaube, wir haben alle diesen "Heiligen" in uns drin. Er ist eine innere Figur neben vielen anderen Figuren in uns. Nur heilig sein, das bin ich nicht, du nicht und auch kein anderer - außer vielleicht ein paar, weiß ich nicht, buddhistische Mönche und Nonnen oder andere sehr seltene Menschen, und auch die nicht zu 100 %.

Du meinst, dass es ein Beweis für deine Krankheit ist, dass du dich überhaupt um selbstmordgefährdete Jugendliche gekümmert hast und nicht anstattdessen Dinge getan hast, die nichts mit Psychologie zu tun haben? Könnte es nicht sein, dass da ein Talent und ein Interesse in dir schlummert, das durch deine Probleme ein bisschen aufgeweckt wurde? Das heißt ja nicht, dass du unbedingt einen Beruf draus machen musst ... Ist das so, interessierst du dich für Sozial- und Tiefenpsychologie - oder war es mal so? Oder hast du all diese Bücher nur notgedrungen gelesen?

Ich war auch mal ein Vollpsycho. 🙂 Ich konnte insgesamt 9 Jahre nicht arbeiten, weil meine Depressionen und Ängste so schlimm waren. Natürlich war es sehr oft nur die Hölle. Hab aber viel Psychotherapie gemacht und an mir gearbeitet und es ging mir langsam besser. Irgendwann hab ich nach einigem Suchen auch einen Beruf für mich gefunden, der so einigermaßen zu mir passt - ist aber nicht die große Liebe. Irgendwann hab ich mich stark genug gefühlt, um wieder zu arbeiten, eine Ausbildung zu machen, Arbeitsstellen zu finden ... Also, auch wenn du jetzt glaubst, dass du beruflich nie wieder auf die Beine kommst - wenn sogar ich es geschafft hab, warum sollst du es nicht auch schaffen? Du bist viel intelligenter als ich. Du kannst sogar eine Beziehung eingehen - das kann ich nicht. Und normalerweise gibt das ja schon auch Kraft. Ich kenne ein paar wenige Fälle, die noch länger ausgefallen sind - eine Frau, die ich kannte, war 10 Jahre "draußen", dann konnte sie wieder arbeiten. Und Vladimir Horowitz, der berühmte Pianist, ist dreimal für mehrere Jahre ausgefallen, das zweite Mal für 12 Jahre. Und zum Schluss hat auch er es gepackt, wieder Konzerte zu geben.
Wieder reingekommen sind diese Frau und ich durch Praktika.

Für Psychologie hab ich mich schon als Kind ein bisschen interessiert, und heute bin ich für das, was ich während meiner Krankheit über mich und über Psychologie und Psychosomatik herausgefunden und gelesen hab, gottfroh. Das alles brauche ich/braucht man, um im Alltag klarzukommen, das hätte ich teilweise schon in der Kindheit wissen/können müssen, und sehr viel davon braucht man für Freundschaften und Beziehungen. Aber natürlich muss man auch gewisse Dinge üben. Ich will damit sagen, dass ich sehr froh bin über alles, was ich durch meine Krankheiten gelernt hab. Ich hab damit teilweise nachgeholt, was ich von meiner verkorksten Familie nicht bekommen habe. Und ich kann jetzt anderen Leuten ein bisschen weiterhelfen. Vielleicht bin ich gerade in einer zu euphorischen Stimmung, aber irgendwie stimmt es schon, dass "die Psychologie" uns Stück für Stück mehr Freiheit und mehr Verbundenheit gibt ...😉 auch im Hinblick auf die nächsten Generationen. Ich finde sie also unglaublich wichtig.
Später antworte ich dir auf den Rest deines Beitrags.
 
Hallo,

Ein Interesse für Psychologie habe ich sicher. Therape, psychologische Forschung, oder überhuapt mal Forschung um die Lebensweise des Menschen wäre für mich ein sehr interessantes Berufsfeld. Nur, dass es so gut wie unmöglich ist, da reinzukommen. Zumal ich dafür ein entsprechendes Studium packen müsste, und zurzeit packe ich garnichts.

Um ehrlich zu sein, könnte ich das mit mir nicht vereinbaren, wenn ich selber neun Jahre lang berufsunfähig wäre. Ich bin 22, und ich habe jetzt schon zu viel Zeit vertan, als dass ich jemals irgendwie sowas wie Karriere machen könnte. Im Endeffekt müsste ich dafür jetzt schon zu den Überfliegern in meinem Studium zählen.
Ich würde gerne was aus mir machen... Etwas im Leben erreichen... mich irgendwie selbst verwirklichen, und nicht nur bloßes Humankapital sein.

Zurzeit ist mit meiner Freundin ohnehin Stress da... Es gab in letzter Zeit ein paar Zwischenfälle, und plötzlich fühlt sich ihre Gegenwart anders an, wie zuvor. Fast so, als ob ich mich fragen würde, wer sie eigentlich ist.. :/
 
Um ehrlich zu sein, könnte ich das mit mir nicht vereinbaren, wenn ich selber neun Jahre lang berufsunfähig wäre. Ich bin 22, und ich habe jetzt schon zu viel Zeit vertan, als dass ich jemals irgendwie sowas wie Karriere machen könnte. Im Endeffekt müsste ich dafür jetzt schon zu den Überfliegern in meinem Studium zählen.
Ich würde gerne was aus mir machen... Etwas im Leben erreichen... mich irgendwie selbst verwirklichen, und nicht nur bloßes Humankapital sein.

Hi,

das hört sich so an, als würde "etwas im Leben erreichen, etwas aus mir machen" für dich ausschließlich bedeuten, richtig Karriere zu machen, also hohe Positionen zu erreichen. Ist das richtig?

Ich nehme an, dass du ständig "ich sollte dringend, ich sollte, ich müsste eigentlich ..." denkst, oder?

Dass du auch so lange weitgehend arbeitsunfähig bleibst, ist eher unwahrscheinlich. Aber eine Alternative zum Schritt-für-Schritt-gehen sehe ich nicht. Außer Selbstmord. Und das ist keine echte Lösung der Situation.

Kannst du Wut und Trauer zulassen, kannst du sie ausleben?

Zurzeit ist mit meiner Freundin ohnehin Stress da... Es gab in letzter Zeit ein paar Zwischenfälle, und plötzlich fühlt sich ihre Gegenwart anders an, wie zuvor. Fast so, als ob ich mich fragen würde, wer sie eigentlich ist.. :/

Hast du neue "Fakten" über sie von ihr selbst erfahren, die nicht zu denen passen, die du von ihr kennst? Verhält sie sich anders? Oder zeigt sie andere Stimmungen, Gefühle oder Einstellungen als vorher?
 
Hallo,

Was für mich "etwas im Leben erreichen" bedeutet, weiß ich nicht ganz genau, um ehrlich zu sein.
Einerseits irgendeinen Job machen, bei dem ich nicht nur die Befehle anderer ausführe, sondern selber irgendeine kreative Kompetenz habe, denk ich mal.
Dann wahrscheinlich auch, dass ich irgendeinen sinnvollen Job verrichte. Etwas, das es wert ist getan zu werden. Ich könnte auch hergehen, und mein Leben lang Versicherungen verticken; damit soll man mitunter sehr reich werden, aber was bringt einem das?
Und vielleicht etwas arbeiten, wo man nicht komplett ersetzlich ist. In den meisten Jobs ist es egal, wer man ist. Man funktioniert, stirbt und dann kommt der nächste der funktioniert. Ich will nicht einfach nur die Arbeit von seelenlosem Humankapital verrichten, aber solche Ansprüche scheinen in der heutigen Welt einfach zu hoch zu sein.

Ich denke hin und wieder "Ich sollte...". Aber nicht so hektisch, da ich irgendwie ohnehin weiß, dass ich nichts packe und daher auch nichts angehe.
Ich denke mehr "Eigentlich sollte ich ja..", oder "Ich hätte eigentlich...".

Trauer kann ich einigermaßen ausleben, Wut mittlerweile eher nicht mehr. Vor zwei Jahren hatte ich ein paar Wutanfälle; vielleicht fünf Stück wenn´s hoch kommt. Aber sonst eigentlich eher nicht. Wie auch, wenn man damit die Leute um einen herum verletzt, oder vor den Kopf stößt?
Wut ist unerwünscht.

Naja, sagen wir mal... Meine Freundin hat die Neigung, beim Feiern etwas sehr tief in Glas zu schauen. Und obendrein wird sie in letzter Zeit anders, wenn sie betrunken ist... Aggressiv, zickig, aufbrausend. Mit dieser Seite von ihr komme ich einfach nicht klar.
Überhaupt mit dem Konzept, dass man die eigenen Sorgen mal schnell im Suff ertränkt, und dann wundert man sich, wieso alles nicht besser wird...
 
Wenn ich mir in letzter Zeit so meine Gedanken über mich selbst mache, bekomme ich den Eindruck, dass ich keinerlei Verantwortung übernehmen kann. Ich glaube, das ist eines der Hauptursachen für mein Problem.
In meiner Band war es natürlich notwendig, dass ich spiele damit die Musik klappt. Grade bei Auftritten, und das war eine gewisse Verantwortung für mich. Das Gelingen der Gruppe hing auch von mir ab. Und daraus entstand dann Panik...
Dasselbe ist es mit mir und meinem Haushalt: Morgens aufstehen, Haushalt führen, für die Uni lernen... das ist alles ein Haufen Verantwortung, dem ich nicht gerecht werden kann.
Irgendwann kam dazu die Erkenntnis, dass ich immer und überall für mein eigenes Wohlbefinden verantwortlich bin. Vielleicht ist das der Grund, dass ich tagsüber ohne erklärbaren Grund Angst empfinde, oder wenigstens körperliche Symptome, wie Zittern bekomme.

Eine weitere Sache, die mir aufgefallen ist: Unter Leuten fühle ich mich häufig unwohl. Fast jeder empfindet anders als ich.
Ich bin nicht lustig; wenn ich einen Scherz mache, dann reißt der niemanden mit.
Ich bin kein "ruhiger" Typ in dem Sinne. Ich bin ein gehemmter Typ, was heißt dass ich zwar leise bin, aber dennoch niemandem irgendwie Ruhe vermitteln könnte.
Eigentlich kann ich nur ernst. So eine scherzhafte Übertreibung von Sachverhalten funktioniert bei mir nicht, Wortwitze kapiert keiner und joa.
Sowas wie Durchsetzungsfähigkeit habe ich ohnehin nicht. Oft werde ich übergangen, oder ignoriert. Ich bin unwichtig.
Allein schon auf körperlicher Ebene habe ich das Gefühl, ein Haufen Nichts zu sein. Ich bin mit meinem 1,72 relativ klein, dazu noch extrem dünn, und damit immer permanent jedem körperlich unterlegen. In meiner Jugend habe ich diese Unterlegenheit auch immer wieder zu spüren bekommen.
Das Blöde ist, dass es auch Zeiten in meinem Leben gab, als ich zwei mal die Woche im Fitnessraum trainiert habe, ohne dass ich je zugenommen hätte.

Meine Beziehung ist auch auf eine sehr eigenartige Weise entstanden... Ich habe ja vielen Leuten geholfen, und eines dieser Menschen hat sich dann in mich verliebt.
Manchmal frage ich mich, was meine Freundin von mir halten würde, wenn wir uns auf der Straße kennengelernt hätten, und ich ihr nicht immer wieder zugehört und sie aufgebaut hätte. Ich komme mir vor, als ob ich mir (auch wenn meine Absicht wirklich nur das Helfen war) ihre Liebe "verdient" oder "erkauft" hätte.
Ich glaube, sonst wirke ich auf meine Mitmenschen ziemlich unanziehend.
...
 
Hi,
ich bin noch da. 🙂 Ich muss allerdings bis Sonntagabend eine berufliche Aufgabe zu Ende bringen, das ist noch ziemlich viel, hab also kaum Zeit und Muße für anderes. Deswegen nur ein paar Stichworte.

Verantwortung übernehmen: Ich hab den Eindruck, dass du gerade sehr, sehr wenig Energie hast. Und wenig bis keinen menschlichen Rückhalt, auch nicht in dir drin. Das gehört m. E. alles zur Depression. Das bist nicht du, jedenfalls nicht im Kern. Es hört sich so an, als seist du in einer typischen Depressions- und Angstspirale. Hast du mal die Bücher von Josef Giger-Bütler gelesen? Dieser Therapeut hat sich auf Depressionen spezialisiert und erforscht sie. Er geht davon aus, dass "richtige" Depressionen (die das ganze Leben ins Wanken bringen), immer bedeuten, dass man viel zu lange überfordert war - dass man als Kind schon nicht richtig Kind sein durfte.

Wut zeigen: Ja, die Wut eines anderen Menschen ist unangenehm. Auch, wenn sie berechtigt ist. Ich finde, man kann sie schon manchmal ausdrücken, aber man muss sich überlegen, WIE man es macht, damit die Beziehung nicht ganz in die Brüche geht. Ich glaub, im Wesentlichen muss man irgendeinen Ort oder eine Weise finden, wie man Wut ablassen kann, aber so richtig, ohne dass man diese ganze Welle über den anderen schwappen lässt. Ich meine, man muss sie irgendwo rauslassen, wo man allein ist. Oder im Sport teilweise. Ich weiß, es ist oft ein großes Problem, wenn man kein Auto oder kein Haus hat, muss man wohl viel suchen ... musste ich auch.
Ein klärendes Gespräch mit demjenigen, der die Wut ausgelöst hat, ist natürlich eine andere Sache. Da muss man sich angewöhnen, den Leuten zu sagen: "Bis hierher und nicht weiter". Oder "so nicht". Das ist Übungssache.

Trauer: Jeder Mensch ist anders ... trotzdem, ich hab den Eindruck, dass "ein bisschen weinen" nicht genug ist. Meiner Erfahrung nach besteht eine Depression zum großen Teil aus unterdrückten Gefühlen. In meinen schlimmsten Zeiten hab ich ca. eineinhalb Stunden pro Tag geheult - und danach fühlte ich mich tatsächlich jedes Mal ein bisschen leichter. Aber es kann schwer sein, da rein zu kommen. Oder renne ich hier offene Türen ein?

Ich denke, ohne bestimmte Dinge zu üben, kommt auch ebenfalls nicht aus einer Depression raus. Also neue Wege im Denken und Verhalten zu gehen. Z. B. sich vornehmen, jeden Tag etwas zu tun, was einem zumindest ein bisschen Freude macht. Oder sich abends aufzuschreiben, was am Tag wenigstens ein bisschen erfreulich war. Oder dass man eine Liste der Dinge macht, die man gut kann (oder eigentlich mal gut konnte). Dinge, die dir an dir selber gefallen. Und dass du sie ab und zu durchliest u. dir angewöhnt zu denken, dass du auch gute Seiten hast. Auch, wenn du am Anfang den Eindruck hast, dass da gar nichts ist.

Kannst du damit was anfangen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Kaela,

Ob ich wenig oder viel Energie habe, interessiert ja niemanden. An der Uni zählt nur meine Leistung, genauso wie im restlichen Leben auch.
Rückhalt ist da ein sehr eigenartiger Begriff. Es gibt durchaus Leute, denen ich wichtig bin, und die meine Sorgen auch verstehen. Dass sie mich bemitleiden, hoffe ich mal nicht - das hilft niemandem was.
Letztendlich scheitert für mich die ganze Diskussion über die Energie daran, dass es ohnehin nichts gibt, wovon neue Energie entstehen würde. Ich treibe seit dieser Woche wieder Sport, stehe früher auf, und fühle mich wieder nur müde und schlapp.
Und in der Therapie bekomme ich ja sowieso nichts gesagt. Höchstens die Frage, wieso ich denn denke, dass ich keine Energie habe. Lösungsansätze seitens des Therapeuten sind ja unerwünscht... Dass jemand dann in der Therapie aufkreuzt, wenn er selber keine Lösungen mehr findet, hat sich ja scheinbar vor mir noch nie jemand überlegt -.-

Es ist ja nicht so, als ob ich nicht bestimmte Dinge "geübt" hätte. Ich kenne einige gute Eigenschaften an mir, nur dass sie nicht wirklich ein Gefühl in mir auslösen.

Was das Weinen angeht, so bin ich wohl im anderen Extrem gelandet, wie du. Die letzten 7 Jahre ungefähr habe ich kein einziges mal geweint. Ich denke, ich verdränge da etwas, aber wie man ne Verdrängung löst, oder wozu weinen dann gut wäre, weiß ich gar nicht.

Wie schon erwähnt war ich diese Woche wieder öfter sporteln. Joggen und im Fitnesraum...
Aus Spaß habe ich heute mal in einer Tabelle nachgeschlagen, und musste feststellen, dass meine Leistung beim Laugen unterdurchschnittlich ist.
Im Kraftraum meiner Uni habe ich sowieso schon immer festgestellt, dass ich mit niedrigeren Gewichten arbeite wie die anderen. Kein Wunder, bin ja auch ein Fliegengewicht.
Allerdings hat das ziemlich vieles in mir hochgebracht...
Die vielen Erniedrigungen und ein paar handgreifliche Aktionen im Schulbus zum Beispiel. Oder, dass in meinem Kaff eines der Neonazis angefangen hat, mich umherzuschubsen, weil er meinte er hätte schon lange nicht mehr gespielt...
Es ist demütigend für mich zu wissen, dass ich immer allen anderen körperlich unterlegen bin. Ich bin klein, schwach und ein halbes Hemd. Ich hab den Eindruck, dass man mich allein schon deshalb nicht als Mann sieht. Ich bin Spielzeug.
Und klar, ich kann trainieren, aber allein schon von meiner Statur her wird nie viel dabei rauskommen. Und die Vergangenheit ungeschehen macht es erst recht nicht.

Eigentlich ist das eine generelle Tendenz in meinem Leben. Im Vergleich mit anderen Leuten bin ich entweder Durchschnitt, oder darunter. Das Einzige, wo ich ein wenig über dem Durchschnitt liegen dürfte, sind meine musikalischen Fähigkeiten. Aber wie mir ein Dozent an der Uni bestätigt hat, spiele ich ungefähr genauso gut wie die anderen Leute auf dem Campus. Also unter Hobbymusikern bin ich auch nur Durchschnitt.
Irgendwie komme ich mir einfach nur erbärmlich vor.

Das bist nicht du, jedenfalls nicht im Kern.

Was bin ich denn dann im Kern?
Ich war nie etwas anderes, habe nie etwas anderes von mir erlebt.

 
Hi Dexter. 🙂,

Ob ich wenig oder viel Energie habe, interessiert ja niemanden. An der Uni zählt nur meine Leistung, genauso wie im restlichen Leben auch.

Das Thema "wenig Energie" hatte ich auf das Thema "mangelnde Fähigkeit, Verantwortung zu tragen", bezogen. Hätte ich noch dazu schreiben sollen. Ich glaub nicht, dass die Sache mit der Veranwortung eine Wurzelursache deiner Situation ist. Die mangelnde Fähigkeit, Verantwortung zu tragen ist eher ein Merkmal der Depression, das deine äußere und innere Situation noch verschlimmert. Wenn ich auf dem Holzweg bin, schreibs einfach. Eine der Hauptfragen ist ja eigentlich, warum dich der Studentenalltag überfordert, warum du so wenig Energie hast - oder siehst du das anders? Klar, dem Studentensekretariat u. a. ist es egal, wie es dir geht. Die harte äußerliche Wirklichkeit ... Ich kann und will natürlich nichts dazu sagen, wie du dein äußeres Leben gestalten könntest/solltest, wer dich finanzieren soll/kann etc., ich kann dir höchstens ein paar Hinweise geben, was dich evtl. seelisch weiter bringen würde.
Sehr oft liegen bei Depressionen die Ursachen in der Kindheit, also sollte man versuchen, den psychischen Keller und den Dachboden aufzuräumen. Wenn du schreibst, dass du ca. 7 Jahre nicht geweint hast, ist das ziemlich lang ..., ja, ein Extrem. Giger-Bütler schreibt dazu, dass er das immer wieder gehört hat - in den Kinder- und Jugendjahren weinen die Leute kaum oder gar nicht, später dann, wenn sie ihre Kindheit u. das Elend, das sie als junge Erwachsene erlebt haben, aufarbeiten, weinen sie oft über Jahre sehr viel. Auch bei mir war das so. Bei mir in der Familie wurde nicht geweint, jedenfalls hab ich das nicht mitbekommen, und ich hatte so ab ca. 7 Jahren bis zu ca. 24 fast nur Jungen und Männer als Vorbilder, und ich selber hatte auch das Ideal, hart zu sein und nicht "wie die Weiber" zu weinen. 🙄 Ein gefährlicher Blödsinn, von heute aus betrachtet ... Google mal "Tränen" oder Weinen. Die chemische Zusammensetzung von Tränen ist nicht immer gleich, beim selben Menschen. Wenn man aus Kummer, wegen seelischer Schmerzen, weint, ist irgend ein Stresshormon drin; dessen Konzentration im Körper/Blut?? sinkt. Der Sinn des Weinens ist die akute seelische Erleichterung. Wenn man sich ausgeheult hat, dann ist das Glas Wasser hinterher halb voll und nicht mehr halb leer. Und man ist tatsächlich nicht mehr soo traurig. Bzw. Traurigkeit und Depression ist ja nicht dasselbe. Eine der schlimmsten Formen der Depression, die ich kenne, ist, dass man zwar noch eine diffuse Traurigkeit spürt, aber man fühlt sich nicht mehr mit sich selbst verbunden. Schwer zu beschreiben, aber vielleicht kennst du das auch. Man spürt den Körper, man kann denken, aber man hat das Gefühl, irgendein Punkt im All zu sein, ohne irgendeinen Bezug zu Menschen, zur eigenen Geschichte, zu eigenen Wünschen, Träumen, Weltanschauungen. Und das entsteht nicht nur, aber auch deswegen, weil man sich nicht ausgeweint hat. Ich denke mittlerweile schon, dass der Mensch ein energetisches Lebewesen ist. Es scheint mir so, dass bei einer Depression die Energie gestaut und verdrängt ist, und zwar oft deswegen, weil man nicht trauern oder die Wut zulassen wollte. Eine Therapeutin hat mir mal gesagt, dass man, zumindest wenn man allein ist, drauf achten sollte, die Gefühle zuzulassen, die gerade da sind. Die sind an der Oberfläche, die sind dran, reif, sozusagen. Wenn man Angst, Trauer, Wut etc. verdrängt, dann ist das ganze Zeug irgendwo zwischen Bewusstsein und Unbewusstem für den Moment verräumt - aber es ist nicht weg. Sonst könnte man nach einem Trauma oder nach langjähriger Deprivation einfach weitermachen, wenn die belastende Situation vorbei ist und es bräuchte - übertrieben gesagt - keine Therapeutinnen. Auch wenn ein bestimmter Schmerz 20 oder 40 Jahre verdrängt worden ist, muss man sich ihm irgendwann stellen. Da ist ein Teil der eigenen Energie geblockt. Denn wenn man sich ausgeheult und ausgetobt hat, ist die Energie eine andere als vorher, sie wandelt sich. Was natürlich nicht heißt, dass man jede Trauer mit 1 x Weinen hinter sich gebracht hat.
Wenn ich ausgeheult bin, dann kommen mir oft neue Ideen zur Lösung des Problems, und ich fühl mich verbundener mit mir selbst, also mehr "zusammen" mit mir selbst und weniger einsam. Hört sich vielleicht zuerst doof an, aber Weinen gehört eindeutig zur Selbstliebe dazu ... (hm, aber da gäbe es auch noch was zu beachten...)
Heulen geht leider nicht auf Kommando ... manchmal geht es besser, wenn man Sport gemacht hat, also die Muskeln schon lockerer sind, bei traurigen Filmen, Musik, schmerzhaften Gedanken und wenn man die Mundwinkel bewusst nach unten zieht.

Bin ich eigentlich zu ausführlich?

Es gäbe noch viel zu schreiben auf deine Beiträge, aber jetzt muss ich wieder was arbeiten. 😉
 

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