Hi Dexter.
🙂,
Ob ich wenig oder viel Energie habe, interessiert ja niemanden. An der Uni zählt nur meine Leistung, genauso wie im restlichen Leben auch.
Das Thema "wenig Energie" hatte ich auf das Thema "mangelnde Fähigkeit, Verantwortung zu tragen", bezogen. Hätte ich noch dazu schreiben sollen. Ich glaub nicht, dass die Sache mit der Veranwortung eine Wurzelursache deiner Situation ist. Die mangelnde Fähigkeit, Verantwortung zu tragen ist eher ein Merkmal der Depression, das deine äußere und innere Situation noch verschlimmert. Wenn ich auf dem Holzweg bin, schreibs einfach. Eine der Hauptfragen ist ja eigentlich, warum dich der Studentenalltag überfordert, warum du so wenig Energie hast - oder siehst du das anders? Klar, dem Studentensekretariat u. a. ist es egal, wie es dir geht. Die harte äußerliche Wirklichkeit ... Ich kann und will natürlich nichts dazu sagen, wie du dein äußeres Leben gestalten könntest/solltest, wer dich finanzieren soll/kann etc., ich kann dir höchstens ein paar Hinweise geben, was dich evtl. seelisch weiter bringen würde.
Sehr oft liegen bei Depressionen die Ursachen in der Kindheit, also sollte man versuchen, den psychischen Keller und den Dachboden aufzuräumen. Wenn du schreibst, dass du ca. 7 Jahre nicht geweint hast, ist das ziemlich lang ..., ja, ein Extrem. Giger-Bütler schreibt dazu, dass er das immer wieder gehört hat - in den Kinder- und Jugendjahren weinen die Leute kaum oder gar nicht, später dann, wenn sie ihre Kindheit u. das Elend, das sie als junge Erwachsene erlebt haben, aufarbeiten, weinen sie oft über Jahre sehr viel. Auch bei mir war das so. Bei mir in der Familie wurde nicht geweint, jedenfalls hab ich das nicht mitbekommen, und ich hatte so ab ca. 7 Jahren bis zu ca. 24 fast nur Jungen und Männer als Vorbilder, und ich selber hatte auch das Ideal, hart zu sein und nicht "wie die Weiber" zu weinen.
🙄 Ein gefährlicher Blödsinn, von heute aus betrachtet ... Google mal "Tränen" oder Weinen. Die chemische Zusammensetzung von Tränen ist nicht immer gleich, beim selben Menschen. Wenn man aus Kummer, wegen seelischer Schmerzen, weint, ist irgend ein Stresshormon drin; dessen Konzentration im Körper/Blut?? sinkt. Der Sinn des Weinens ist die akute seelische Erleichterung. Wenn man sich ausgeheult hat, dann ist das Glas Wasser hinterher halb voll und nicht mehr halb leer. Und man ist tatsächlich nicht mehr soo traurig. Bzw. Traurigkeit und Depression ist ja nicht dasselbe. Eine der schlimmsten Formen der Depression, die ich kenne, ist, dass man zwar noch eine diffuse Traurigkeit spürt, aber man fühlt sich nicht mehr mit sich selbst verbunden. Schwer zu beschreiben, aber vielleicht kennst du das auch. Man spürt den Körper, man kann denken, aber man hat das Gefühl, irgendein Punkt im All zu sein, ohne irgendeinen Bezug zu Menschen, zur eigenen Geschichte, zu eigenen Wünschen, Träumen, Weltanschauungen. Und das entsteht nicht nur, aber auch deswegen, weil man sich nicht ausgeweint hat. Ich denke mittlerweile schon, dass der Mensch ein energetisches Lebewesen ist. Es scheint mir so, dass bei einer Depression die Energie gestaut und verdrängt ist, und zwar oft deswegen, weil man nicht trauern oder die Wut zulassen wollte. Eine Therapeutin hat mir mal gesagt, dass man, zumindest wenn man allein ist, drauf achten sollte, die Gefühle zuzulassen, die gerade da sind. Die sind an der Oberfläche, die sind dran, reif, sozusagen. Wenn man Angst, Trauer, Wut etc. verdrängt, dann ist das ganze Zeug irgendwo zwischen Bewusstsein und Unbewusstem für den Moment verräumt - aber es ist nicht weg. Sonst könnte man nach einem Trauma oder nach langjähriger Deprivation einfach weitermachen, wenn die belastende Situation vorbei ist und es bräuchte - übertrieben gesagt - keine Therapeutinnen. Auch wenn ein bestimmter Schmerz 20 oder 40 Jahre verdrängt worden ist, muss man sich ihm irgendwann stellen. Da ist ein Teil der eigenen Energie geblockt. Denn wenn man sich ausgeheult und ausgetobt hat, ist die Energie eine andere als vorher, sie wandelt sich. Was natürlich nicht heißt, dass man jede Trauer mit 1 x Weinen hinter sich gebracht hat.
Wenn ich ausgeheult bin, dann kommen mir oft neue Ideen zur Lösung des Problems, und ich fühl mich verbundener mit mir selbst, also mehr "zusammen" mit mir selbst und weniger einsam. Hört sich vielleicht zuerst doof an, aber Weinen gehört eindeutig zur Selbstliebe dazu ... (hm, aber da gäbe es auch noch was zu beachten...)
Heulen geht leider nicht auf Kommando ... manchmal geht es besser, wenn man Sport gemacht hat, also die Muskeln schon lockerer sind, bei traurigen Filmen, Musik, schmerzhaften Gedanken und wenn man die Mundwinkel bewusst nach unten zieht.
Bin ich eigentlich zu ausführlich?
Es gäbe noch viel zu schreiben auf deine Beiträge, aber jetzt muss ich wieder was arbeiten.
😉