Ich möchte Dir gerne Mut machen und weiss langsam nicht mehr wie.
Inzwischen vermute ich, Du möchtest ehr ein Bestätigungsgespräch.
So, als sollten wir Dir bestätigen, dass mit Englisch alles keinen Sinn macht.
Genau, und damit hat man dann die perfekte Ausrede, wieso man es auch überhaupt gar nicht lernen kann. Jetzt ist es nämlich allmählich genug aufgebauscht, um ein Riesendrama zu werden. Englisch, die Hürde meines Lebens. Ich frage mich, was wirklich dahintersteckt.
Hör mal, Niklas, ich kann kein Mathe. Hab mich schon immer damit schwergetan, es macht mir keinen Spaß, ich raffs nicht und ich würde mich nie freiwillig damit beschäftigen. Ich kann sicherlich normale Alltagsrechnereien, wie den Dreisatz oder Prozentrechnung, aber wenn es dann um kompliziertere Fragen geht, habe ich das Gefühl, dass ich schlagartig verblödet bin und mit offenem Mund sabbernd vor mich hinglotze und keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.
Trotzdem musste ich mich in der Schule und im Studium mit Mathe und Physik beschäftigen. Es ging nicht um wahnsinnig schwere Sachen, es waren nur irgendwelche Funktionen, um Parabeln zu berechnen, Nullstellen und in Physik Laufbahnen und Flugbahnen und Reibung und so ein Zeug. Nichts Schweres. Desweiteren muss ich mich mit Programmieren beschäftigen, was mir auch wenig liegt. Davon fällt mir absolut NICHTS in den Schoß, ich musste und muss mir immer noch jedes bisschen hart erarbeiten und hab es im Nu wieder vergessen, wenn ich aus der Übung komme.
So, aber worauf ich überhaupt hinauswill: Wenn man sich länger mit solchen Dingen beschäftigt und nicht gleich wieder die Flinte ins Korn wirft, merkt man, dass man durchaus nicht zu doof für etwas ist und auch in der Lage, es zu begreifen und anzuwenden. Wer hat schon Lust, sich vor einen Klotz von Text zu setzen, den er null versteht? Ob es jetzt bei dir Englisch ist, oder bei mir seitenweise Code in irgendeiner Programmiersprache.
In der Schule und im Studium war ich aber gezwungen, es zu tun. Und Übungsaufgaben zu rechnen und so weiter. Und wenn man dann merkt, dass man in der Lage ist, es zu begreifen, und ein paar Aha-Erlebnisse hatte, die sich aber erst nach einiger Zeit einstellen, in der man sich mühevoll herumgequält hat, dann gibt einem das genug Selbstvertrauen, um die Sache in den Griff zu kriegen.
Ich werd nie eine gute Programmiererin und mit Matherätseln werde ich mir nie freiwillig die Zeit vertreiben, aber ich weiß, dass ich solche Sachen verstehen KANN, wenn ich es versuche. Das einzige, das mich dran hindert, ist diese Haltung: Ach, das kann ich eh nicht, das ist zu schwer. Wegschieben und mir glauben, dass ich das nicht begreifen kann.
Wir haben bei uns zwei Sorten von Leuten (von den Cracks, die das super beherrschen, mal abgesehen), wenn es um ungeliebte Lerninhalte geht: Die einen, die es einfach irgendwie durchziehen.
Und dann die, die sagen, dass sie das eh nicht verstehen, dass es zu hart ist und dann kämpfen sie ewig mit den Dozenten und der Studiengangsleitung herum, um sich die Auseinandersetzung damit zu sparen, stellen Härtefallanträge wegen Legasthenie oder anderer Dinge, die ihnen das Lernen erschwerden würden, wollen sich Französisch anstatt von Englisch anrechnen lassen usw.
Dabei schieben sie alle wichtigen Prüfungen ewig nach hinten, bis sie irgendwann bestehen MÜSSEN, um nicht exmatrikuliert zu werden, und das wird dann in einem Riesendrama irgendwie geschafft (oder auch nicht und sie gehen dann doch). Teilweise habe ich das Gefühl, die sträuben sich allein um des Sträubens Willen. Wenn die ihre Energie dafür aufwenden würden, sich hinzusetzen und zu lernen, wären sie längst durch.
Schade, dass sie nicht sehen, dass ihre ewige Weigerung und ihr Beharren auf ihrer vermeintlichen Unfähigkeit viel anstrengender ist, als es einfach durchzuziehen.
Und sorry, ich glaube einfach nicht, dass ein intelligenter Mensch, der in anderen Fächern weit kommt, in irgendeinem anderen Fach so schlecht und so begriffstutzig sein kann, dass er dort überhaupt gar nichts kapiert. Tut mir leid, wenn du dir das wirklich glauben willst. Das ist in meinen Augen selbst eingeredete Unfähigkeit, die mit der Realität wenig zu tun hat.