Ich bin 18 Jahre alt, weiblich und habe ein Problem: Mein Vater war schon immer ein ziemlich schwieriger Mensch. Er hat laut meiner Mutter nie die Ansichten anderer akzeptiert und hat sie ganz viel hinter ihrem Rücken schlechtgeredet. Meine Eltern führen also keine harmonische Ehe und ich kann mich nicht erinnern, dass wir viel als Familie gemacht haben. Das finde ich extrem schade, weil ich dadurch quasi einen Teil meiner Kindheit verloren habe. Früher war ich ganz oft neidisch auf Freunde die mit ihren Eltern Spieleabende, viele Ausflüge usw. gemacht haben. Mit meiner Mutter verstehe ich mich aber eigentlich trotzdem gut.
Dann wirst Du viel mit unechten Gefühlen zu tun gehabt haben, es ist schwerer sich dann klar zu werden, - was fühle ich wirklich – was ist echt- und darf ich das übehaupt fühlen – das was ich fühle, wenn ich ehrlich bin und auf die innere Stimme höre, die in mir drin.
Jetzt zu der Situation mit meinem Vater: Ich denke schon, dass mein Vater mich irgendwie liebt, aber ich kann es oft nicht wirklich glauben.
Schade, wenn ein Kind nur eine Vermutung hat, dass es vom Vater „irgendwie“ geliebt wird.
Seit ich klein bin wurde mir immer von ihm eingeredet, dass ich xy nicht kann, dass Person X besser ist als ich, dass meine Hobbys nicht interessant sind etc.
Du musstest also lernen, dass du nicht „richtig“, nicht „genug“ bist.
Aber das ist nicht so. Du bist nur für IHN nicht richtig, nicht genug.
Nur für ihn. Und er ist genau 1 Mensch auf dem Planeten.
Mit seinen eigenen Werten, die nicht deine sein müssen.
Ein andere Vater wäre vor Stolz geplatzt, eine kluge Tochter zu haben.
Außerdem hat mir mein Vater früher immer eingeredet, dass ich zu dick bin und deshalb war ich dann mit 16 1,5 Jahre lange essgestört.
Dein Vater ist anscheinend ein übel entwertender Mann.
Mein Vater hat auch hinter meinem Rücken oft bei anderen Menschen schlecht über mich geredet. Außerdem habe ich vor 2 Jahren mitbekommen wie er bei einem Freund von ihm schlecht über meine Interessen geredet hat ( meine Interessen sind unter anderem Mathe, Wirtschaft, Recht etc.). Er beneidete diesen Freund, weil seine Tochter ja bessere Interessen als ich hat (Tanzen, Kunst, Musik etc.). Da war ich dann schon ziemlich gekränkt.
Kein Wunder, dass Du nicht gelernt hast Nein zu sagen. Dein Vater war dir keine liebevolle Stütze, er hat nicht beigetragen, dass Du wachsen kannst, das musst du nun alleine tun.
Warum auch immer dein Vater so ein schwacher Mensch ist, so lese ich ihn, er wird seine eigenen Werte von seiner Kernfamilie gelernt haben.
Du darfst dich freischwimmen von ihm, auch wenn es wehtut, denn alle Kinder wollen ihre Eltern lieben, und um ihrer Selbst willen zurück geliebt werden.
Ich könnte hier jetzt ein ganzes Buch über meinen Vater schreiben, aber das würde höchstwahrscheinlich kein Mensch lesen. Mein Problem ist, dass ich inzwischen einen richtigen Hass auf meinen Vater verspüre. Wenn ich meinen Vater sehe bekomme ich richtige Aggressionen.
Du darfst und solltest dir diese Gefühle erlauben. Ein schlechter Mensch bist du nicht, nur eine Frau, die erwachsen wird.
Und ihrem Wert hoffentlich erkennt und sich Menschen sucht, die sie lieben können und wollen, mit all den Gaben, die dir die Natur mitgegeben hat. Es sind gute Gaben und ich hoffe, du machst dich mit Freude und Zuversicht auf den Weg, dir dein Lebensglück zu schmieden.
Oft denke ich daran, dass mein Leben ohne meinen Vater viel besser wäre.
Du wirst irgendwann ausziehen und es wird sich relativieren. Andere Menschen werden kommen und wichtig werden. Und dir hoffentlich gute Freunde und liebevollere Begleiter sein, als es dein Vater sein konnte.
Er kann es nicht.
Sei gut und freundlich zu dir und anderen.
Denn der Mensch mit dem du dein Leben verbringst, - bist du.
Andererseits habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich so über meinen Vater rede:/
Ist mein Verhalten/meine Gedanken normal? Was kann ich dagegen tun?
Du musst nichts dagegen tun. Tu etwas FÜR. FÜR dich. Lerne zu akzeptieren wie dein Vater ist.
Er wird nicht nur schlecht sein, aber er hat dir nicht das geben können, was du gebraucht und als Kind verdient hast.
Akzeptierende Liebe.
Gib sie dir selbst.
Lass deinen Vater innerlich los. Lass ihn ziehen. Er ist wie er ist. Du wirst ihn nicht ändern.
Fühle den Schmerz, wie es ist, vom eigenen Vater nicht so geliebt worden zu sein, wie es nötig gewesen wäre.
Fühle es. Weine darum, trauere.
Und dann lass ihn ziehen. Wünsch ihm alles gute.
Aber mach dich frei.
Du darfst dich lieben, wie du bist.
Denn du bist liebenswert.